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73 Öko-Stromtarife im Test

Grüne Inseln im grauen Stromsee

ÖKO-TEST Mai 2011 | Kategorie: Bauen und Wohnen | 29.04.2011

73 Öko-Stromtarife im Test

Wer Öko-Strom will, möchte nicht bei einem Unternehmen kaufen, das an anderer Stelle Strom aus Atomkraft und Kohle verhökert. Unser Test mit über 70 Tarifen zeigt, dass es nur wenige tiefgrüne Angebote gibt.

Für Verbraucher ist es schwer, die wahre Quelledes angeblich grünen Stroms und die unternehmerischen Verstrickungen der Lieferanten zu erkennen. So vermarkten Energieversorger in Deutschland als Öko-Strom, was sie bei meist alten Wasserkraftwerken im Ausland einkaufen. Der ferne Stromproduzent schließt die bei ihm möglicherweise auftretende Lücke im Stromangebot durch Kohle oder sonstigen schwarzen Strom aus dem Ausland. Auch der Stromversorger Vattenfall verkauft zum Beispiel in Hamburg Strom aus Wasserkraftwerken seiner schwedischen Heimat als Öko-Strom, betreibt aber in Deutschland Atommeiler und baut auch neue Kohlekraftwerke.

Eine zweite gängige Praxis für die Spiegelfechterei mit Öko-Angeboten verlangt noch nicht einmal zwingend nach grenzüberschreitendem Stromverkehr. Die großen Stromkonzerne, die alle Arten von Energieerzeugung im Programm haben, können je nach Kundenwunsch ihre Tarife maßschneidern. Öko-Strom für die grünen Verbraucher, konventionellen für den großen Rest, dem egal ist, wie der Strom erzeugt wurde. Bei diesem Rest wird der Anteil des ohnehin im Mix vorhandenen grünen Stroms ein wenig geringer. Dabei wird der Öko-Strom häufig über Tochtergesellschaften oder andere Versorger verkauft, an denen die großen Stromkonzerne Beteiligungen halten.

"Der Begriff Öko-Strom ist rechtlich nicht definiert", warnt Peter Kafke, Energieexperte der Verbraucherzentrale. "Diese Grauzone nutzen viele Energieanbieter und schichten lediglich vorhandene Strommengen um." Oder sie erwerben sogenannte RECS-Zertifikate. Diese Zertifikate gelten als Herkunftsnachweis für erneuerbare Energien und stammen überwiegend von Wasserkraftwerken aus Skandinavien und den Alpenländern. Kafke: "So lässt sichdeutscher Kohle- oder Atomstrom ganz legal in Öko-Strom umetikettieren."

Dem Strom aus der Steckdose sieht man leider nicht an, woraus er gewonnen wird. Physikalisch ist ohnehin nichts zu machen. Der Strom für Haus und Fabrik kommt in jedem Fall aus dem nächstgelegenen Kraftwerk. So bestimmen es die kirchhoffschen Regeln, benannt nach dem deutschen Physiker Gustav Robert Kirchhoff. Der hat schon 1845 klar bewiesen, dass der Strom keinen Umweg fließt. "Wichtig ist nicht, woher mein Strom kommt - wichtig ist, dass mehr umweltfreundlicher Strom ins Netz kommt", sagt daher Dominik Seebach vom Freiburger Öko-Institut. "Oder noch wichtiger", ergänzt er, "dass weniger konventioneller Strom ins Netz kommt." Doch selbst diese Sicherheit ist nur schwer zu haben.

Auch die zahlreichen Gütesiegel und Zertifikate bieten keine endgültige Gewähr für sauberen Strom: "Kein Kunde kann heute sicher sein, dass er grünen Strom fördert, wenn er grünen Strom bezahlt", sagt Uwe Leprich, Professor an der Universität für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken. Verlässlich sind vor allem die Label Grüner Strom Gold und Ok-Power.

Was der wohlmeinende Verbraucher fördert, ist "insbesondere die separate Vermarktung der Umwelteigenschaft des Ohnehin-Grünstroms", weiß Leprich. Vor allem


Öko-Stromtarife: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

  • Mann Naturenergie

  • LichtBlick

  • Energiedienst

  • Stadtwerke Soest

  • Naturstrom

  • NaturWatt

  • Lekker Energie

  • GrünHausEnergie

  • Tchibo direkt

  • Versorgungsbetriebe Bordesholm

  • Elektrizitätswerke Schönau

  • Stadtwerke Mühldorf am Inn

  • Strommixer

  • NaturEnergie Deutschland

  • Greenpeace Energy

  • Wemag

  • Mobene

  • Nordland Energie

  • Strasserauf

  • Stadtwerke Soltau

  • Secura Energie

  • Entega

  • TWK Technische Werke Kaiserslautern

  • N-ERGIE

  • Energieversorgung Oberstdorf

  • Stadtwerke Haltern

  • SWT Stadtwerke Trier

  • Stadtwerke Heidelberg

  • REWAG Regensburger Energie- und Wasserversorgung

  • Dortmunder Energie- und Wasserversorgung

  • Stadtwerke Tübingen

  • WSW Energie & Wasser

  • Elektrizitätswerk Mittelbaden

  • Stadtwerke Mühlheim am Main

  • EVD Energieversorgung Dormagen

  • Mainova

  • GENO Energie

  • Stadtwerke Kleve

  • Ovag Energie

  • Stadtwerke Herne

  • Stadtwerke Stade

  • EnergieGUT

  • Hertener Stadtwerke

  • Vattenfall Europe

  • Stadtwerke Balingen

  • Stadtwerke Garbsen

  • Bergische Licht- , Kraft- und Wasserwerke

  • AVU

  • Stadtwerke Burgdorf

  • Stadtwerke Bamberg

  • Stadtwerk Tauberfranken

  • Enwag Energie- und Wassergesellschaft

  • Albwerk

  • SWK Energie

  • SWM Versorgung München

  • Stadtwerke Lübeck

  • Stadtwerke Flensburg

  • Städtische Werke Magdeburg

  • Stadtwerke Passau

  • Stadtwerke Rendsburg

  • GEW Wilhelmshaven

  • Energieversorgung Oy-Kressen

  • Stadtwerke Lübbecke

  • Stadtwerke Greven

  • Gemeindewerke Halstenbek

  • Stadtwerke Saalfeld

  • Eprimo

  • 123energie

  • TWS Technische Werke der Gemeinde Saarwellingen

  • Clevergy

  • E.VITA

  • E wie einfach

  • Energieversorgung Oberhausen

73 Öko-Stromtarife im Test
ÖKO-TEST Mai 2011 Seite 120
ÖKO-TEST Mai 2011 Seite 121
ÖKO-TEST Mai 2011 Seite 122
ÖKO-TEST Mai 2011 Seite 123
ÖKO-TEST Mai 2011 Seite 124
ÖKO-TEST Mai 2011 Seite 125

6 Seiten
Seite 120 - 125 im ÖKO-TEST Mai 2011
vom 29.04.2011
Abrufpreis: 1,00 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Die Auswahl der Tarife

Wir haben zum einen Unternehmen unter die Lupe genommen, die bundesweit ausschließlich Öko-Strom anbieten. Zweitens suchte verivox schon für den vorausgegangenen Test in Heft 4/2010 besonders billige Öko-Strom-Tarife aus der Liste aller Versorger in Deutschland heraus. Wir wollten herausfinden, ob bei einem günstigen Preis noch ein sauberes Qualitätsprodukt geboten werden kann. In dieser Gruppe waren mehrheitlich Produkte, die auch konventionelle Produkte mit Atomstrom oder aus fossiler Energie anbieten. Für die Aktualisierung haben wir uns jetzt auch angeschaut, inwieweit die Unternehmen die Qualität ihrer Produkte inzwischen verbessert haben. Zur Ergänzung haben wir einige Angebote zusätzlich überprüft von Unternehmen wie Tchibo, die besonders mit Öko-Werbung hervorgetreten sind.

Die Datenerhebung

Bei allen Anbietern wurde ausgewertet, aus welchen Stromquellen sich das Öko-Angebot zusammensetzt, welches Zertifikat dessen Güte bestätigt, ob Wasserkraft mehrheitlich aus neuen oder reaktivierten Kraftwerken bezogen wird und ob das Unternehmen auch selbst Öko-Strom produziert. Bei den Anbietern mit konventionellen Produkten im eigenen Unternehmensangebot haben wir auch deren Herkunft berücksichtigt, zudem die dadurch verursachten Emissionen an radioaktivem Abfall und CO2. Bei den Unternehmen ohne eigenes konventionelles Angebot haben wir zudem die Gesellschafter ermittelt, um Abhängigkeiten zu konventionellen Anbietern darzustellen. Zur Kontrolle haben wir allen Unternehmen einen Erhebungsbogen zur Kommentierung und Verifizierung geschickt.

Die Bewertung

Die Gesamtpunktzahl setzt sich aus einer Bewertung der einzelnen untersuchten Kriterien zusammen. Für jedes Öko-Angebot gab es 100 Basispunkte. Zusatzpunkte gab es für das Zertifikat Grüner Strom Gold, für das Zertifikat Ok-Power, Wasserkraft mehrheitlich aus neuen oder reaktivierten Kraftwerken und für eigene Öko-Strom-Anlagen. Abgezogen wurden die Anteile an Atom- und fossilem Strom in konventionellen Produkten des jeweiligen Anbieters.

Aktuelle Ausgabe
ÖKO-TEST November 2018: Schwerpunkt Mikroplastik
ÖKO-TEST November 2018: Schwerpunkt Mikroplastik
Zugehörige Ausgabe:
ÖKO-TEST Mai 2011
ÖKO-TEST Mai 2011

Erschienen am 29.04.2011

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