Startseite
28 Öko-Stromtarife im Test

Spezial Energie
vom 05.09.2014

Öko-Stromtarife

Nur mit Brief und Siegel

Mit Öko-Stromtarifen wirbt heute fast jedes Stadtwerk. Doch wie grün der Strom wirklich ist, kann der Kunde kaum erkennen. Stecken etwa Atomunternehmen als Eigner dahinter, oder verkauft der Anbieter auch Normalstrom? Wir haben nachgehakt.

146 | 7
Zu diesem Thema ist ein neuer Artikel vorhanden.

05.09.2014 | Der Blick auf die Internetportale der Stromanbieter bleibt oft mehr im Nebel stecken, als er aufklärt. Da wird mit blumigen Öko-Siegeln geworben, oder rauschende Wasserfälle suggerieren einen unendlichen Fluss ökologischen Stroms. 1.089 Stromanbieter werben um die Gunst der Kunden, hat das Verbraucherportal Verivox nachgezählt, 37 mehr als vor einem Jahr. Selbst wenn man sich auf die bundesweit anbietenden Versorger beschränkt, waren es im Januar 2014 noch 93, das sind 21 Prozent mehr als im Vorjahr. Und mehr oder weniger alle bieten Öko-Stromtarife an.

Gut, dass Forschungseinrichtungen wie das Öko-Institut die Spreu vom Weizen trennen. Die Freiburger untersuchen kontinuierlich, welche Öko-Stromangebote wirklich einen Fortschritt für die Verbraucher und die Umwelt bieten (siehe "So haben wir getestet"). Stromtarife, die dort die Prüfung überstanden haben und in die EcoTopTen aufgenommen sind, können alle als "sehr gut" eingestuft werden. Aber stecken hinter den Anbietern nicht doch Unternehmen, die auch konventionellen Strom aus Quellen wie Atomenergie oder Kohle verkaufen? Eine Grundsatzfrage für die meisten Kunden, die zu Öko-Stromanbietern wechseln wollen.

Das zu überprüfen, ist eine Sisyphusarbeit. Denn die Vielfalt von Tarifen erschwert dem Interessenten die Suche nach dem passenden, ökologisch hochwertigen Produkt. Und die Auszeichnungen dafür tragen manche gelegentlich zu Unrecht. So wirbt die Firma Wemag, die Wemio-Ökostrom bundesweit vertreibt, auf ihrer Website mit dem ÖKO-TEST-Siegel von Heft Mai 2011 und der Note "sehr gut". Die Nordlichter verschweigen, dass es im September 2013 einen neueren Test gab. Warum? Vergessen zu aktualisieren? Oder vielleicht, weil die Note zwei Jahre später unter verschärften Bedingungen nur noch "befriedigend" war?

Auch die zweite Hürde für den Kunden, den richtigen Tarif zu finden, lässt sich am Beispiel Wemag dokumentieren. So hat der einfache Wemio-Ökostrom nur ein wenig strenges TÜV-Nord-Zertifikat und könnte in unserer Tabelle gar nicht aufgenommen werden. Erst durch das Anklicken der Zusatzoption "Ökoaktiv" mit einem Aufschlag von 2,38 Cent pro Kilowattstunde (kWh) und 1,78 Euro beim monatlichen Grundpreis für den Bau neuer Öko-Kraftwerke liefert Wemag den in den EcoTopTen aufgeführten Ökoaktivstrom. Immerhin ist das Angebot auf der Internetseite klar gegliedert. Bei anderen Anbietern muss man oft erst mühsam nach dem ausgezeichneten Tarif suchen, weil er in einer Vielzahl von anderen Angeboten versteckt ist.

Wie wichtig aktuelle Recherchen auf dem sich ständig wandelnden Markt sind, belegen drei Beispiele: Wer sich noch im Juli - aufgrund unseres letztjährigen Tests - für den hervorragenden Tarif Ökostrom für Alle! Premium entscheiden wollte, gab bald frustriert die Anmeldung auf. Die Berechnung des Angebots auf der Website verweigert sich; ans Kundentelefon geht meist niemand mehr. Bei einer weiteren Servicenummer gibt es die Auskunft, man nehme keine Neukunden mehr auf. Das Unternehmen sel

Spezial Energie

Online lesen?

Spezial Energie für 4.99 € kaufen

Zum ePaper

Weitere Informationen

So haben wir getestet

Grundlage für den Test waren alle bundesweit verfügbaren Öko-Stromangebote, die EcoTopTen empfiehlt. Sie erfüllen folgende Kriterien:

Ökologie: Das Stromprodukt weist einen ökologischen Zusatznutzen auf, der über die staatliche Förderung durch das EEG hinausgeht. Das bedeutet beispielsweise, dass die Anbieter rund ein Drittel des verkauften Öko-Stroms aus Erneuerbare-Energien-Anlagen beziehen, die nicht älter als sechs Jahre sind. Alternativ können sie auch einen bestimmten Teil des Strompreises in den Ausbau von regenerativer Stromerzeugung investieren. Der Nachweis zur Einhaltung der ökologischen Mindestkriterien kann durch eine gültige Zertifizierung mit dem ok-Label oder dem Grüner Strom-Label in Gold erfolgen. Alternativ kann die Einhaltung der ökologischen Kriterien durch einen unabhängigen und fachkundigen Gutachter zertifiziert werden.

Ökonomie: Die jährlichen Gesamtkosten der Öko-Stromangebote dürfen maximal 20 Prozent teurer als der Durchschnittspreis für konventionelle Stromangebote sein.

Die Preisangaben basieren auf Herstellerangaben. Die Preise können teilweise, je nach Verbrauchsmenge und Postleitzahlengebiet, variieren. Bei den Preisangaben (brutto) handelt es sich um ein typisches Beispiel, hier 50667 Köln-Altstadt. Die Tarife gelten nur für den angeführten Öko-Tarif. Weiterhin bieten mittlerweile fast alle Anbieter Boni bei Vertragsabschluss an, die hier nicht mit eingerechnet wurden.

Die jährlichen Gesamtkosten wurden mit den je nach Verbrauchsmenge variierenden Tarifen der Anbieter berechnet. Zugrunde gelegt wurde ein Jahresverbrauch von 4.940 kWh/Jahr.

Konventionelles Stromangebot: Hier wurde erfasst, ob der Anbieter selbst neben zertifiziertem Strom noch mit konventionellen Produkten am Markt ist und/oder das bei einem Unternehmen im Firmenverbund der Fall ist. Zudem interessierte uns der Strommix dieser Angebote.

Unternehmensstruktur: Hier wurde untersucht, ob die Anbieter unabhängig sind oder im Eigentum anderer Unternehmen. Ebenso, ob Produzenten von Atomstrom zu den Unternehmen im Firmenverbund gehören.