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Keime in Kosmetik? So werden Make-up & Co. nicht zu Bakterienschleudern

Autor: Lino Wirag | Kategorie: Kosmetik und Mode | 11.06.2022

Keimschleuder Schminke: Hier lauern Bakterien
Foto: Shutterstock/Turian

Auf die Frage, wo sich im Haushalt am schnellsten Pilze und Bakterien einnisten, werden die meisten eher an den Kühlschrank denken als ans Kosmetiktäschchen. Dabei bieten Cremetiegel, Schwämmchen & Co. ideale Bedingungen für Keime – vor allem, wenn einige grundlegende Regeln nicht beachtet werden.

Erst vor kurzem haben wir uns mit der Frage beschäftigt, woran Sie erkennen, dass Kosmetika abgelaufen sind. In diesem Beitrag zeigen wir, wo sich im Badezimmer "Keimzellen" verstecken, in denen mit der Zeit Bakterien und Pilze entstehen können. Wir erklären, was Sie tun können, um das zu verhindern.

Kosmetik besteht aus organischem Material …

Wo Feuchtigkeit und Nässe auf organisches Material treffen, finden Bakterien und Pilze ideale Bedingungen vor. Deshalb ist nicht nur bei der Zahnbürste besondere hygienische Sorgfalt gefragt, sondern auch bei den meisten Beauty-Produkten.

Warum das so ist? Weil Kosmetika größtenteils aus organischen Stoffen zusammengemischt werden, zu denen vor allem Öle, Wachse und Fette, aber auch Duftstoffe, Mineralien, Farbstoffe und natürlich Wasser zählen. Diese Stoffe werden, je nach Hersteller und Produkt, aus der Natur gewonnen oder im Labor hergestellt.

Die meisten dieser Inhaltsstoffe können deshalb aber auch – genau wie Lebensmittel – nach einiger Zeit "schlecht werden", wenn sie mit Sauerstoff und darüber mit Keimen in Berührung kommen, die sich in der Luft befinden.

Make-up-Schwämmchen (rechts im Bild) gehören laut einer Studie zu den am stärksten verunreinigten Gegenständen im Bad.
Make-up-Schwämmchen (rechts im Bild) gehören laut einer Studie zu den am stärksten verunreinigten Gegenständen im Bad. (Foto: Shutterstock/Junjira Limcharoen)
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… und zieht deshalb auch Keime an

So verändern beispielsweise Fette, Talge und Öle irgendwann ihre Beschaffenheit, wenn sie nicht unter idealen Bedingungen aufbewahrt werden. Cremes, Lotionen, Salben & Co. enthalten außerdem verhältnismäßig viel Feuchtigkeit, was das Keimwachstum begünstigt und die Haltbarkeit der Produkte einschränkt.

Sehr lange halten sich nur trockene Produkte wie Puder (der auf Mineralien basiert) oder Sprays, deren Inhalt nicht mit Luft in Berührung kommt.

Um Kosmetik länger haltbar zu machen, werden den Produkten normalerweise Konservierungsmittel beigegeben (übrigens auch bei Naturkosmetik). Die sollen verhindern, dass sich Bakterien, Pilze oder Hefen auf dem Make-up vermehren und auf die Haut gelangen. Doch unbegrenzt kann kein Beauty-Produkt frischbleiben.

Keimfreie Kosmetik – die wichtigsten Tipps

Deshalb sollten Sie beim Schminken und Eincremen einige Regeln beachten. Sie helfen, zu verhindern, dass sich Beauty-Produkte und -Zubehör zu "Keimschleudern" entwickeln. 

  • Vor dem Schminken oder Eincremen immer die Hände waschen.
  • Produkt erst öffnen, wenn Sie es auch wirklich benutzen wollen – sonst kommt es unnötig früh mit Keimen in Kontakt.
  • Um Cremes, Pasten & Co. nicht zu verunreinigen, den Inhalt am besten mit Pinsel, Spatel, Stäbchen oder Bürste entnehmen. Wenn Sie mit dem Finger in einen Tiegel stippen, bitte nur mit sauberen Händen.
  • Am besten für jedes Produkt einen eigenen Kosmetikpinsel nutzen, um Keime nicht von A nach B zu transportieren.
  • Kosmetikpinsel und -schwämmchen regelmäßig reinigen. Pinsel bzw. Schwämmchen dazu mit Seife oder einem speziellen Reinigungsmittel aus dem Drogeriemarkt auswaschen und gründlich trocknen lassen.
  • Kosmetika nach der Anwendung immer sorgfältig verschließen.
  • Produkte aufbrauchen, bevor das Mindesthaltbarkeitsdatum (sofern vorhanden) erreicht oder die Verwendungsdauer (ablesbar am Cremetiegel-Symbol) überschritten werden.
  • Wenn ein Artikel seltsam riecht, seine Farbe verändert hat, klumpt oder sonstwie seine Beschaffenheit verändert hat, ist das kein gutes Zeichen. In diesem Fall gilt: über den Restmüll entsorgen.

Tipp: Gesichtscreme bei ÖKO-TEST

Damit Sie sichergehen können, dass Sie sich mit Ihrer Lieblingscreme keine bedenklichen Stoffe auf die Haut schmieren, hat ÖKO-TEST Gesichtscremes untersuchen lassen. Etliche erhalten Abzüge, weil die Hersteller nicht belegen können, dass ihre Wundermittelchen auch tatsächlich gegen Falten helfen.

Alle Produkte und Test-Ergebnisse finden Sie im ePaper – klicken Sie dazu auf den folgenden Kasten:

Beauty-Produkte sicher anwenden: So geht's

  • Produkte in Tuben oder Spendern sind stärker vor äußeren Einflüssen geschützt als solche in Tiegeln oder Dosen.
  • Seien Sie besonders kritisch bei Produkten wie Mascara, Eyelinern & Co., die rund um die Augen angewendet werden. Achten Sie auf Hygiene und Ablaufdaten, um keine Keime in die Augen zu bekommen. Lesen Sie auch: Mascara im Test sowie Eyeliner im Test.
  • Lippen(pflege)stifte, Lipgloss oder ähnliches nicht direkt nach dem Essen anwenden oder zuvor gründlich den Mund abwischen. Es könnten sich Speisereste auf das Produkt übertragen, auf denen sich mit der Zeit Bakterien ansiedeln, die dann wiederum auf die Lippen gelangen.
  • Nachfüllsysteme für Kosmetik gründlich reinigen und ausreichend trocknen lassen, bevor sie wieder befüllt werden.
  • Kosmetikprodukte weder verdünnen noch vermischen und möglichst trocken, kühl und dunkel lagern.
  • Auch Handtücher, Waschlappen, wiederverwendbare Abschminkpads und Vergleichbares regelmäßig austauschen und in die Wäsche geben.
  • Teilen Sie Make-up und dazugehörige Produkte nicht mit anderen. Eine Studie aus dem Iran aus dem Jahr 2016 fand heraus, dass Kosmetika, die in Schönheitssalons für mehrere Menschen verwendet wurden, deutlich stärker mit Keimen belastet sind als individuelle Produkte.

Make-up-Schwämmchen als Keimfänger

Eine Studie aus Großbritannien, die 2019 veröffentlicht wurde, wies nicht nur nach, dass Kosmetikprodukte fast immer über das angegebene Verfallsdatum hinaus verwendet werden, sondern stellte auch bei einer ganzen Reihe von Beauty-Produkten erhebliche mikrobielle Verunreinigungen fest.

Besondere Aufmerksamkeit erregte dabei ein ganz bestimmtes Schminkutensil: In der Studie stellte sich heraus, dass Make-up-Schwämmchen (beauty blenders) besonders stark belastet waren. Sie wurden fast nie gereinigt, sondern verschmutzt liegengelassen, sodass sich darin mehr und mehr Keime bilden konnten.

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