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25 Pseudo-Naturkosmetika im Test

Spezial Naturkosmetik
vom 07.06.2013

Naturkosmetik, Pseudo

Etikettenschwindel

Ein grünes Blättchen auf der Verpackung macht noch keine Naturkosmetik. Zwar stehen in Drogerien oder Kosmetikabteilungen mittlerweile viele Produkte mit natürlichem Image. Doch unser Test zeigt: In den Verpackungen steckt alles andere als reine Natur.

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07.06.2013 | Selbst Experten der amtlichen Kontrolle stecken in einem Dilemma, wenn es darum geht, Irreführung in puncto Natürlichkeit bei Kosmetika zu kontrollieren. Es gibt zwar rechtliche Vorschriften zum Schutz vor Täuschung bei Kosmetika. Da im Gesetz aber "Natur" oder "natürlich" nicht definiert wurde, sind die Vorschriften für die Untersuchungsbehörden praktisch nicht umsetzbar. Verschaukelt die Industrie hier den Verbraucher? Wir fragten beim Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) nach, was von der Grünfärberei bei Kosmetik gehalten wird. Für die Überwachung von Kosmetika seien die amtlichen Behörden zuständig, erklärte dazu Birgit Huber vom IKW. Eine Überprüfung, ob sich die Verbandsmitglieder an eine freiwillige Vereinbarung aus den Jahren 1992/93 halten, erfolge nicht. Sie legt fest, dass Naturkosmetik ausschließlich aus pflanzlichen, tierischen und mineralischen Naturstoffen hergestellt ist und nur bestimmte Konservierungsstoffe enthält.

Wir wollten wissen, wie viel Natur wirklich in "grüner" Kosmetik steckt, die kein Siegel für echte Naturkosmetik (NaTrue, Demeter, Ecocert oder BDIH) trägt. Deshalb kauften wir 25 Kosmetika mit "grünem Anstrich" ein und durchforsteten die Liste der Inhaltsstoffe.

Das Testergebnis

Der grüne Etikettenschwindel ist gewaltig. Betroffen sind sowohl die klassisch konventionellen Hersteller als auch solche, die sich ganz eindeutig als grün darstellen, etwa Yves Rocher oder The Body Shop.

Nur eine Minidosis Natur: Von den insgesamt 59 enthaltenen Stoffen in der Biotherm Multi Recharge Ginseng-Gesichtspflege sind 28 rein chemisch, darunter UV-Filter, künstliche Farbstoffe oder Fette auf Erdölbasis. Den im Namen hervorgehobenen Ginsengextrakt findet man weit hinten in der Zutatenliste - noch hinter dem chemischen Konservierer Chlorphenesin, der in einer Maximaldosis von 0,3 Prozent eingesetzt werden darf. Da die Stoffe in absteigender Reihenfolge nach ihrem Anteil aufgeführt werden, aber Zutaten von einem Prozent und weniger in beliebiger Reihenfolge, ist von dem Ginsengextrakt nur eine Minidosis in der Gesichtscreme.

Colgate-Palmolive wirbt für die Palmolive Naturals Olive & Feuchtigkeitsmilch Cremedusche auf der Verpackung wohlklingend "mit Inhaltsstoffen 100 % natürlichen Ursprungs". Der Oliven- und Aloe-vera-Extrakt stecken aber nur in Spuren in der Duschcreme. Beide Naturstoffe stehen in der Zutatenliste hinter dem Konservierer Sodium Salicylate, der auf 0,5 Prozent in Kosmetika begrenzt ist.

Die PEG/PEG-Derivate in der Caudalíe Pulpe Vitaminée Creme für Augen und Lippen sollen auf Pflanzen basieren. Das dafür angewendete chemische Verfahren spielt aber in der Natur keine Rolle. Zudem werden PEG/PEG-Derivate mithilfe eines Ausgangsstoffs, der das Risiko einer Verunreinigung mit krebsverdächtigem Dioxan birgt, hergestellt.

Viele Marken duften mit künstlichen Verbindungen. Einige sind mit künstlichen Farbstoffen aufgepeppt. Viele der eingesetzten Stoffe sind umstritten und/oder bedenklich.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben uns in Kaufhäusern, Parfümerien und Drogerie nach Kosmetika umgeschaut, die mit "Natur" oder "Bio" im Namen werben und/oder Pflanzen und Früchte als Zutaten besonders hervorheben. Auch landeten Marken in unserem Einkaufskorb, die wir im Onlineshop von Douglas unter dem Stichwort "Pflanzenkosmetik" erhielten wie Origins, Korres, Kiehl's, Burt's Bees, Hildegard Braukmann und Greenland. Natürlich durfte auch die französische Marke Yves Rocher nicht fehlen.

Der grüne Anstrich?
Wie werben die Hersteller für ihre Marke und Produkte in Werbeanzeigen, im Internet oder Broschüren? Wie sieht das Selbstverständnis der Unternehmen aus?

Wie viel Natur und Chemie?
Wir haben die Liste der Inhaltsstoffe auf die Anzahl der eindeutig natürlichen Zutaten durchforstet und die Stoffe identifiziert, die rein chemischer Herkunft sind. Diese sind jeweils grün und rot in der Tabelle. Welche Mengen der einzelnen Stoffe in einem Produkt stecken, ist mithilfe der Deklaration nicht zu entschlüsseln.

Grüner Etikettenschwindel
... liegt für uns vor, wenn eindeutige Chemiestoffe enthalten sind. Die Zutaten haben wir aber nicht in Fachchinesisch, also mit ihrem INCI-Namen aufgeführt, sondern nach ihrer Funktion wie Duft oder Konservierung. Wir monieren sowohl wenig als auch viel Chemie in einem "grünen" Produkt als Irreführung des Verbrauchers. Ein Gesamturteil wie in anderen Tests gibt es nicht, weil wir keine Labortests gemacht haben, sondern den Fokus auf die grünen Versprechen und deklarierten Inhaltsstoffe gelegt haben.

So haben wir getestet

"Pflanzenkosmetik" erhielten wie Origins Korres, Kiehl's, Burt's Bees, Hildegard Braukmann