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Trockene Babyhaut richtig pflegen

Autor: Redaktion | Kategorie: Kinder und Familie | 01.07.2020

Trockene Haut beim Baby ist nicht selten – übertreiben Sie nicht mit Pflegeprodukten
Foto: Shutterstock/FamVeld

Babyhaut ist besonders empfindlich. Gerade deshalb gilt bei ihrer Pflege ganz klar die Regel: Weniger ist mehr. Unsere Tipps zu Po & Co.

Die Haut von Babys ist für lange Zeit nicht so belastbar wie die von Erwachsenen, denn sie ist bis zu fünfmal dünner: Weil der Säureschutzmantel noch nicht reif ist, dringen Schadstoffe und Bakterien viel leichter ein als bei Erwachsenen. Zudem ist die Hornschicht der Oberhaut noch nicht voll entwickelt und die Talgdrüsen produzieren weniger Fett.

Babyhaut braucht deswegen Zeit, um ihr Gleichgewicht zu finden, bestätigt Dr. Uta Schlossberger vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen. Es dauert etwa zehn Jahre, bis Kinderhaut ähnlich beschaffen ist wie die von Erwachsenen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Babys täglich komplett eingecremt werden müssen. Im Gegenteil: Ihre Haut sollte man möglichst in Ruhe lassen, darüber sind sich Hebammen und Kinderärzte einig.

Babyhaut pflegen: Natürliche Produkte bevorzugen

Regelmäßig lässt ÖKO-TEST Produkte für die ganz Kleinen untersuchen – und die Labore finden nach wie vor Inhaltsstoffe, die die Babyhaut strapazieren oder ihr sogar schaden. Darunter Paraffine/Erdölprodukte/Silikone: Alles künstliche Stoffe, die sich nicht so mühelos ins Gleichgewicht der Haut einfinden wie natürliche Öle. Oder Konservierungsmittel und Duftstoffe, die Allergien auslösen können.

Cremes und Öle von Naturkosmetikfirmen sind die sicherere Wahl, denn die Hersteller von zertifizierten Produkten verzichten auf diese bedenklichen Inhaltsstoffe. Da Säuglinge und Kleinkinder mit gesunder Haut nur wenige Pflegeprodukte und davon geringe Mengen brauchen, halten sich die Kosten auch beim Kauf der oft etwas teureren Naturprodukte in Grenzen.

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Trockene Babyhaut: Ein Bad pro Woche

Einmal pro Woche in die Wanne genügt völlig, denn zu häufiges Baden strapaziert die Babyhaut: "Sie entfettet dann und kann sich entzünden", erklärt Uta Schlossberger. Gerade bei Säuglingen reicht außerdem klares Wasser vollkommen aus. Bei besonders trockener Haut können Eltern als Badezusatz für Kinder etwas reines Pflanzenöl hinzugeben.

Die ideale Badezimmertemperatur liegt bei etwa 22, die Wassertemperatur bei 36 bis 37 Grad Celsius. "Weil Neugeborene schnell auskühlen, sollte das Baden schnell gehen", erklärt die Medizinerin. Unsicheren Eltern rät sie, den Säugling anfangs gemeinsam in die Wanne zu setzen.

Haare: Klare Sache

"Auch eine Haarwäsche mit klarem Wasser pro Woche reicht völlig aus", betont Hautärztin Uta Schlossberger. Dabei ist es wichtig, das Köpfchen sanft zurückzulegen, damit das Wasser nicht so sehr ins Gesicht läuft. Frühestens wenn das Kinderhaar wesentlich dichter wird, kann einmal pro Woche ein Klecks mildes Kindershampoo verwendet werden. Es gibt Produkte, die laut Aufschrift "nicht in den Augen brennen".

Viele von ihnen enthalten jedoch die PEG-basierte Substanz Sodium Laureth Sulfate: Sie betäubt kurzzeitig den Augapfel leicht und verhindert so, dass sich Tränen bilden – obwohl der Sinn dieses natürlichen Reflexes darin besteht, das Auge auszuspülen. Gneis oder Milchschorf auf der Kopfhaut können Eltern übrigens mit Öl einmassieren und dieses über Nacht einwirken lassen: Dann lässt er sich mit einer weichen Bürste ausstreichen oder beim Baden auswaschen.

Gesicht: Wasser statt Cremes

Gesichtspflege? "Einfach nur mit Wasser!", rät Ines Junge, Mitglied im Deutschen Hebammenverband. "Allerhöchstens im tiefsten Winter brauchen kleine Kinder möglicherweise mal einen Wetterschutz." Sie empfiehlt dann eine fetthaltige Creme – "natürlich ohne bedenkliche Inhaltsstoffe".

Nase und Ohren von Babys reinigen sich von selbst, betont Hautärztin Uta Schlossberger. Wattestäbchen für die Ohren können Säuglingen sogar gefährlich werden, etwa wenn sie sich ruckartig bewegen.

Gerade in den ersten Lebenswochen haben Babys allerdings häufig gereizte Augen – zum Beispiel durch Zugluft oder Verunreinigungen. Möglicherweise verklebt ein gelbliches Sekret die Lidränder. Das Sekret können Eltern mit einem Mulltupfer und lauwarmem, zuvor abgekochtem Wasser abwischen – vorsichtig zur Nase hin.

Zähne: Erster Durchbruch, erstes Putzen

Zunächst reicht erst einmal ein feuchtes Tuch oder ein Wattestäbchen. Experten raten dazu, einmal täglich zu "putzen", am besten abends. "Wir empfehlen fluoridhaltige Kinderzahncreme mit 500 ppm", sagt Marlene Dufanal von der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege (LAGZ) Rheinland-Pfalz – also einem Fluoridgehalt von 500 Milligramm pro Kilogramm. "Allerdings eine nicht einmal erbsengroße Portion."

Viele Kinderärzte kritisieren jedoch, dass Kleinkinder die Zahnpasta nicht ausspucken können, die Inhaltsstoffe also verschlucken. Sie raten deshalb zu Fluoridtabletten und dazu, die Zähnchen zunächst ohne Paste zu reinigen.

Eltern müssen entscheiden, welche Variante sie wählen: Das Kind braucht auf jeden Fall Fluorid, das Karies verhindert oder eindämmt. Beides zusammen – Tabletten und Zahnpasta – wäre jedoch zu viel. Es gibt jedoch auch Zahncreme ohne Fluorid. Zahnärzte empfehlen, sich schon vor den ersten Zähnchen um die Mundhygiene zu kümmern, etwa den Kieferkamm mit einer weichen Kinderzahnbürste zu massieren. Lesen Sie auch:

Babypopo: "Platz" zum Strampeln

"Durch Urin, Stuhl und andere Reize ist der Babypopo natürlich einer hohen Belastung ausgesetzt", erklärt Dermatologin Uta Schlossberger. Eltern sollten den Popo deswegen immer sorgfältig reinigen. Dafür genügt ein lauwarmer Waschlappen.

Bei Jungs dürfen Eltern dabei auf keinen Fall die Vorhaut zurückziehen, da sie noch fest mit der Eichel verklebt ist. Bei kleinen Mädchen spreizt man bei der Pflege vorsichtig die äußeren Schamlippen – und streicht mit dem Waschlappen Richtung Po, um Darmbakterien nicht zu verteilen.

Hautfalten lassen sich gut mit Baby- oder Pflanzenöl reinigen, auf parfümierte Feuchttücher aus der Box hingegen reagiert Babyhaut oft empfindlich. Nach dem Waschen darf der Säugling gerne noch ein bisschen nackig strampeln – das tut der Haut gut. Nasse Stellen trocknen Eltern sorgfältig ab, damit sich Bakterien und Keime nicht vermehren. Ist der Popo wund, empfehlen sich Wundschutzsalben mit natürlichen Inhaltsstoffen, auch Baby-Cremes mit hohem Zinkanteil. Aber auch dabei gilt: sparsam auftragen!

Nägel: Pflege im Schlaf

In den ersten sechs Wochen sind Finger- und Fußnägel noch sehr weich und fallen in der Regel von selbst ab. Erst dann werden sie härter. Wenn jedoch die Gefahr besteht, dass sich das Baby kratzt oder die Nägel abknicken, sollten Eltern natürlich zur Nagelschere greifen und sie vorsichtig kürzen.

Es gibt spezielle Exemplare, deren Spitze abgerundet ist, damit nichts passiert, falls sich das Baby ruckartig bewegt. Wenn das Kleine sehr zappelt, können Eltern die Nägel auch im Schlaf schneiden, rät Hebamme Ines Junge.

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