1. Home
  2. Ratgeber

Tipps zur Babypflege: Auf viele Produkte können Sie getrost verzichten

Spezial Baby | Autor: Meike Rix/Anne Jeschke | Kategorie: Kinder und Familie | 27.04.2020

Babypflege
Foto: Odua Images/Shutterstock

Babyhaut braucht gar nicht so viel Pflege – viele Produkte können Eltern getrost im Verkaufsregal liegen lassen. Dabei kommt es bei der Babypflege entscheidend darauf an, die Windelregion richtig zu pflegen und die Kinder aus der Sonne rauszuhalten.

Weniger ist mehr: Nicht alles, was Kosmetikfirmen für die Babypflege anbieten, ist wirklich nötig oder hilfreich. Wir geben Tipps für den Kauf von Babypflege-Produkten. Was brauchen Eltern für Ihre Kinder? 

Babypflege für das Baden 

Das erste Bad zu Hause steht an, wenn der Nabelschnurrest abgefallen und die Stelle abgeheilt ist. Idealerweise ist die Nachsorgehebamme beim ersten Bad dabei, zeigt die Handgriffe und überträgt ihre professionelle Ruhe und Entspanntheit gleich mit auf das Baby.

Pures, 36 Grad Celsius warmes Wasser ist ideal. Für die schon im ganz kleinen Babyalter vorkommenden größeren "Windelunfälle" den ganzen Rücken hoch ist es aber angenehm, auch ein mildes Babywaschgel dazuhaben. Ansonsten reicht ein kurzes Bad ein- bis zweimal pro Woche. Hinterher ist vorsichtig abtrocknen besser als das kräftige Rubbeln aus eigenen Kindheitserinnerungen.

Mund und Hände können Sie morgens und abends mit einem weichen Tuch und lauwarmen Wasser reinigen. Zur Reinigung von Speckfalten zum Beispiel am Hals und den Oberschenkeln eignen sich weiche Lappen mit Babyöl, damit setzt sich darin kein Wasser ab.

Shampoo für die Haare ist unnötig, solange sich das Kind nicht ernsthaft schmutzig macht, also mindestens für das erste Lebensjahr. In dieser Zeit sind die Haare meistens ohnehin noch nicht so üppig beziehungsweise noch recht kurz.

Windel wechseln: Am besten ist es, wenn Eltern ihrem Baby mindestens alle vier Stunden die Windel wechseln, nach einem Stuhlgang möglichst sofort.
Windel wechseln: Am besten ist es, wenn Eltern ihrem Baby mindestens alle vier Stunden die Windel wechseln, nach einem Stuhlgang möglichst sofort. (Foto: Dziurek/Shutterstock )

Windelregion des Babys richtig pflegen 

Ganz ohne roten Po durch die Windelzeit kommt kaum ein Baby. Weil die Windeldermatitis aber wirklich schmerzhaft sein kann, lohnt es sich, hier sorgfältig zu sein. Dr. Annette Schaefer vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) empfiehlt, die Windeln mindestens alle vier Stunden und nach Stuhlgang möglichst sofort zu wechseln. Den Po und die Genitalregion am besten mit warmem Wasser reinigen und gut trocken tupfen. Nehmen Sie sich die Zeit, beim Wickeln ein paar Minuten lang Luft an die windelgeplagte Haut zu lassen und sich so lange mit Ihrem Baby zu unterhalten – zumindest, wenn Ihr Baby empfindliche Haut hat.

Feuchttücher haben per se den Nachteil, dass sie Konservierungsmittel enthalten. Gerade unterwegs sind sie aber unschlagbar praktisch. Wenn, dann raten wir zu parfümfreien Varianten.

Wenn der Po schon wund ist, können Sie es mit zinkhaltigen Wundschutzcremes probieren. Tragen Sie diese aber unbedingt sparsam und nicht auf nasse Haut auf. Bei ausgeprägten, geschwollenen oder nässenden Rötungen, Pusteln oder schuppigen Hautveränderungen besser beim Kinderarzt vorsprechen, um eine Pilzerkrankung oder bakterielle Infektion auszuschließen.

Eigentlich unfassbar: Im Kosmetikregal gibt es immer noch Babypuder zu kaufen. Das ist in der Pflege der Windelregion nicht nur kontraproduktiv, sondern kann sogar gefährlich für das Baby oder größere Geschwister werden. Durch die Feuchtigkeit in der Windel oder zusammen mit aufgetragener Creme bildet Puder Klümpchen, die an der Babyhaut scheuern und damit zu Hautreizungen führen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt außerdem: "Atmet ein Baby oder Kleinkind versehentlich den Puder ein, kann er in die Lunge gelangen und zu Atembeeinträchtigungen bis hin zu schweren Lungenschäden führen."  

Babypflege für Körper und Gesicht

Auch wenn das große Regal mit der Babykosmetik das Gegenteil suggeriert: Ein Muss sind Cremes und Öle nicht. Viele Hebammen sagen, gesunde Babyhaut braucht weder Öl noch Creme; andere empfehlen, das Baby einzucremen, wenn die Haut trocken ist. Babyöle haben den Vorteil, dass sie ohne Konservierungsstoffe auskommen. Sie ziehen aber nur in Kombination mit etwas Wasser gut ein, zum Beispiel direkt nach dem Baden.

Ein gutes pflanzliches Babyöl ist außerdem wunderbar für Babymassagen geeignet. Mit den öligen Händen bewegen Sie die noch sehr empfindliche Haut dabei sanft – ohne Zerren und Reißen.

Sonnencreme ist wichtig, um das Baby vor der Sonne zu schützen.
Sonnencreme ist wichtig, um das Baby vor der Sonne zu schützen. (Foto: Gorlov-KV/Shutterstock )

Kosmetikprodukte für Wind und Sonne

Wo Kosmetikprodukte schließlich doch richtig wichtig sein können, ist zum Schutz vor Kälte, Wind und Sonne. In Sachen Sonne stehen Cremes aber erst an zweiter Stelle nach anderen Schutzmaßnahmen: "Säuglinge dürfen in den ersten Lebensmonaten überhaupt nicht der Sonne ausgesetzt werden", erklärt die Dermatologin Schaefer. Statten Sie den Kinderwagen so aus, dass sie die Sonne wirklich raushalten können, zum Beispiel mit einem Segel mit hohem UV-Schutzfaktor.

Weil es aber unrealistisch ist, Babys immer und überall vor Sonne schützen zu können, ist Sonnencreme wichtig. Für Babys und Kleinkinder empfiehlt Annette Lingenauber, Sprecherin des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Sonnencremes auf mineralischer Basis. Ihre UV-Filter, etwa Titan- und Zinkoxid, legen sich wie eine Schutzschicht auf die Haut und reflektieren die UV-Strahlen. Viele Hersteller verzichten bei mechanischen Cremes auf Duftstoffe und Alkohol. Chemische Filter können die Haut reizen, betont die Kinderärztin.

Dennoch rät sie zu Pragmatismus: "Wenn ich einmal nur Sonnencreme mit chemischem UV-Filter zur Hand habe, dann nehme ich die. Denn am wichtigsten ist, dass die Haut überhaupt geschützt wird." Babys sollten keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein; wenn sie das nicht sind, genügt Lichtschutzfaktor (LSF) 30. Für etwas größere Kinder, die auch mal in der Sonne spielen, oder für den Urlaubstag am Meer rät die Medizinerin allerdings zu LSF 50.

An windigen und kalten Tagen können Sie die zarte Gesichtshaut des Babys zum Schutz mit einer fettreichen Creme oder einer speziellen Wind-und-Wetter-Creme eincremen.

Achten Sie auf die Inhaltsstoffliste, wenn die Babykosmetika kaufen.
Achten Sie auf die Inhaltsstoffliste, wenn die Babykosmetika kaufen. (Foto: FotoDuets/Shutterstock)

Babypflege für gesunde Haut

Die gute Nachricht: In unseren Tests schneiden Babykosmetika tatsächlich meistens deutlich besser als Erwachsenenprodukte ab. Die Hersteller lassen hier problematische Konservierungsmittel und Duftstoffe eher raus; deshalb kann Babykosmetik übrigens auch für größere Kinder und Erwachsene eine gute Sache sein.

Trotz der im Durchschnitt guten Gesamtergebnisse sind aber auch Ausreißer dabei – Babypflege, in der die Labore Inhaltsstoffe finden, die die Haut strapazieren oder ihr sogar schaden. Darunter Paraffine, Erdölprodukte, Silikone – alles künstliche Stoffe, die sich nicht so mühelos ins Gleichgewicht der Haut einfinden wie natürliche Öle. Zudem können manche der Erdölverbindungen mit MOAH verunreinigt sein. Es ist nicht auszuschließen, dass unter ihnen auch Verbindungen sind, die Krebs erzeugen.

Wer auf Nummer sicher gehen will, greift deshalb zu Cremes und Ölen von Naturkosmetikfirmen oder solchen ohne Erdölverbindungen wie Paraffinum liquidum, Petrolatum und Cera microcristallina in der Inhaltsstoffliste.

Weiterlesen auf oekotest.de:

Informationen zum Abruf bei United Kiosk
So funktioniert der Artikel-Abruf
Wenn Sie zum ersten Mal Artikel bei unserem Service-Partner United Kiosk abrufen, lesen Sie bitte vorab unsere Anleitung zum Abruf von Tests, Ratgebern, Einzelseiten und ePapern durch. Gekaufte Artikel, ePaper oder eBundles können Sie im Fall eines Verlustes nur dann wiederherstellen, wenn Sie sich zuvor registriert haben.