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Schnee essen? Auch frischer Schnee kann Schadstoffe enthalten

Autor: Lino Wirag | Kategorie: Kinder und Familie | 12.01.2019

Schnee essen? Auch frischer Schnee kann Schadstoffe enthalten
(Foto: Quelle: Pixabay/ddimitrova)

In Teilen Deutschlands schneit es zurzeit stark. Kinder stecken sich den Schnee gerne mal in den Mund. Viele Eltern fragen sich, ob das schädlich sein kann.

Vor allem in Bayern und Ostdeutschland wird für viele Kinder zurzeit ein Traum wahr: Sie können Schlitten fahren und Schneebälle werfen. Manch verspieltes Kind lutscht an Eiszapfen oder steckt sich Schnee in den Mund.

Spätestens dann wollen viele Eltern wissen, ob das wirklich unbedenklich ist. Bei offensichtlich verschmutztem oder verdächtig gelbem Schnee ist klar, dass man ihn nicht essen sollte. Aber gilt das auch für frischgefallene Flocken, die sich beispielsweise auf Zweigen und Kühlerhauben niederlassen? Darf man diesen Schnee bedenkenlos in den Mund stecken?

Frischer Schnee kann Feinstaub aufnehmen

Schnee kann, genauso wie Regen, auf dem Weg zur Erde Schadstoffe aus verschmutzter Luft aufnehmen. Sind die Feinstaubwerte gerade hoch, wird sich dieser nicht nur in der Atemluft, sondern auch in frischem Schnee wiederfinden.

Auch Wolfgang Straff vom Umweltbundesamt weist auf mögliche Belastungen hin: "Regenwasser und Schnee sind keine Nahrungsmittel und nicht keimfrei: Eine Belastung ist zum Beispiel über den Luftpfad mit Verbrennungsprodukten, Stäuben oder mikrobiellen Aerosolen denkbar."

2016 veröffentlichten kanadische Wissenschaftler eine Studie, nach der sich Schnee sehr schnell mit Feinstaub und anderen gesundheitsgefährdenden Substanzen anreichert, wenn er ihnen ausgesetzt ist. In einer Kältekammer hatten die Forscher frischen Schnee mit Abgasen bedampft, die bei der Verbrennung verschiedener Benzinsorten anfallen. Nach einer Stunde konnte eine erheblich höhere Belastung mit Fremdstoffen festgestellt werden.

Schnee kann Salz, Split und Tierkot enthalten

Liegt Schnee erst einmal am Boden, verschmutzt er mehr und mehr, weil er beispielsweise Partikel aus Abgasen aufnimmt. Ein weiteres Problem: Streusalz. Es ist nicht nur schädlich für die Umwelt, wenn es in Grundwasser und Böden gelangt. Es kann auch zu Erbrechen und Durchfall führen, wenn es in großen Mengen aufgenommen wird.

Auch Kot und Urin von Tieren können Schnee belasten. Bei kleinen Kindern kann außerdem Rollsplit zu Verschluckungsgefahr führen. Verschmutzungen, beispielsweise durch Salz, sind dabei nicht immer mit bloßem Auge zu erkennen.

Selbst wenn Schnee keine Schmutzpartikel enthält, ist er noch nicht zwingend gut für den Körper. Frischer Schnee enthält nämlich – im Gegensatz zu Trinkwasser – keine Mineralien oder Elektrolyte. Geschmolzener Schnee ähnelt deshalb destilliertem Wasser: Trinkt man dieses in großen Mengen, werden dem Körper Mineralien und Elektrolyte entzogen. Auch kann der übermäßige Verzehr von Schnee den Körper herunterkühlen, was nicht jedem Organismus gut bekommt.

In abgasreichen Regionen besser keinen Schnee verzehren

Aus den genannten Gründen sind Kinder und Erwachsene gut beraten, zumindest keine größeren Mengen Schnee zu sich zu nehmen. Sonst erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass dem Körper Schadstoffe zugeführt oder Mineralien entzogen werden. Experte Wolfgang Straff vom Umweltbundesamt hält eine "geringfügige Aufnahmemenge von Regenwasser aus Schnee für gesundheitlich in den meisten Fällen unbedenklich", ergänzt aber: "Schnee eignet sich in keinem Fall als Trinkwasserquelle."

Die kanadischen Forscher, die 2016 die genannte Feinstaubstudie durchgeführt hatten, raten dazu, in abgasreichen Regionen gar keinen Schnee in den Mund zu stecken. Je länger Schnee auf dem Boden liegt, desto eher ist davon auszugehen, dass er Salz, Split, Schmutz oder andere Stoffe enthält, die nicht verzehrt werden sollten.

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