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Mobbing in der Schule: Tipps für Eltern

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Kinder und Familie | 07.02.2019

Mobbing in der Schule: Tipps für Eltern
(Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / Anemone123)

Mobbing ist auf den Schulhöfen unserer Kinder trauriger Alltag. Aktuell sorgt der Fall eines elfjährigen Mädchens, das mutmaßlich wegen Mobbing Suizid beging, für große Bestürzung. So helfen Eltern ihrem Kind, wenn es betroffen ist.

Eine elfjährige Grundschülerin aus Berlin-Reinickendorf soll Selbstmord begangen haben. Vermutlich, weil sie von ihren Mitschülern massiv gemobbt wurde und keinen anderen Ausweg mehr sah. Ob der Tod der Schülerin wirklich in einem Zusammenhang mit Mobbing steht, ist aber noch unklar. Die Polizei ermittelt und gibt keine Informationen aus dem laufenden Verfahren an die Öffentlichkeit.

Dass Mobbing inzwischen ein ernstzunehmendes Problem an Schulen – und immer mehr auch an Grundschulen – ist, steht außer Frage. Eine Untersuchung im Rahmen der internationalen Pisa-Bildungsstudie 2017 zeigt etwa, dass in Deutschland fast jeder sechste 15-Jährige regelmäßig Opfer von Ausgrenzungen und Beleidigungen durch Schüler wird.

Was ist Mobbing?

Die Gründe für Mobbing können anfangs nichtig sein: Meist beginnt es ganz harmlos mit einer kleinen, gemeinen Bemerkung. Es wird weiter geärgert, gestichelt, das Kind wird fertiggemacht und ausgegrenzt. Teilweise kommt körperliche Gewalt dazu.

Dieses Verhalten geht dabei deutlich über die alltäglichen Rangeleien zwischen Kindern hinaus: „Mobbing ist ein aggressiver Akt und bedeutet, dass ein Schüler oder eine Schülerin über einen längeren Zeitraum belästigt, schikaniert oder ausgegrenzt wird. Der Mobber – es kann auch eine Mobberin sein – schart andere um sich, die ihn bei seinen erniedrigenden Handlungen unterstützen. Man spricht von Mobbing, wenn sich alles auf ein Kind zuspitzt. Das Opfer versteht in der Regel nicht, warum es beleidigt, gequält und gedemütigt wird. Diese Erfahrung, 'alle sind gegen mich', beeinträchtigt massiv sein Selbstwertgefühl. Es gerät in eine absolut hilflose Situation und braucht daher fast immer die Hilfe anderer Personen. Täter wollen treffen, selbst aber nichts abbekommen. Sie legen großen Wert darauf, dass Erwachsene ihr Tun nicht durchschauen“, so erklärt Karl Gebauer, Autor des Buches 'Mobbing in der Schule', das Phänomen im Bildungsexperten Netzwerk.

Weil Mobbing ein komplexes Gruppengeschehen ist, gestaltet es sich schwierig, das Verhalten zu analysieren und zu beenden. Da viele Kinder Angst haben, selbst zum Opfer zu werden, schlagen sie sich auf die Seite der vermeintlich starken Täter.

Früher mobbten Kinder untereinander meist auf dem Pausenhof oder dem Schulweg. Heute verlagert sich das Problem mehr und mehr in die sozialen Netzwerke - vor allem bei den höheren Klassenstufen. In WhatsApp-Gruppen oder anderen Chats werden die Opfer beschimpft, Mitschüler setzen Lügen oder Gerüchte über sie in die Welt. Häufig geschieht das anonym.

Wie können Eltern Mobbing erkennen?

Wenn Kinder sich in ihrem Verhalten ändern, kann das ein Hinweis darauf sein, dass es in der Schule oder mit den Mitschülern Probleme gibt. Kinder, die unter Mobbing-Attacken leiden, können jedoch ganz unterschiedlich reagieren. Viele werden eher still und ziehen sich in die soziale Isolation zurück, andere reagieren mit Aggressivität. Auch schlechte Noten können ein Hinweis sein.

Dass ein Kind hin und wieder keine Lust auf Schule hat, ist völlig normal. Kommt das aber gehäuft vor, gilt es nachzuhaken. Kinder, die gemobbt werden, klagen häufig über Bauch- oder Kopfschmerzen. Es kann sein, dass sie schlecht schlafen, Angstzustände entwickeln, oft niedergeschlagen sind oder sogar depressiv werden.

11 Dinge, die Eltern über Mobbing wissen müssen

  1. Mobbing kann jeden treffen! Ein Kind, das gemobbt wird, hat daran keine Schuld.
  2. Mobbing wirkt sich schnell auf das Selbstwertgefühl der Kinder aus. Deshalb ist rasches Handeln wichtig.
  3. Mobbing hört selten von alleine auf.
  4. Eltern sollten ihr Kind nicht ermuntern, sich zu wehren.
  5. Mobbing ist kein Problem zwischen zwei Kindern – Mobbing geht die ganze Klasse an. Präventionstrainings und Anti-Mobbing-Maßnahmen sollten deshalb immer für die gesamte Klasse stattfinden.
  6. Eltern sollten sich nicht direkt an die Täter oder deren Eltern wenden, so der Rat von Experten. Das sei kontraproduktiv.
  7. Eltern sollten keine Entscheidungen über den Kopf des Kindes hinweg treffen.
  8. Eltern sollten ihr Kind nicht zum Austausch mit dem Lehrer, der Sozialpädagogin oder der Schulleitung mitnehmen.
  9. Das Kind aus der Klasse zu nehmen, sollte nicht das Ziel sein. Der oder die Täter bekommen auf diese Weise Bestätigung, das gemobbte Kind lernt, dass Davonlaufen zur Problemlösung beitragen kann. Die Angst, wieder Opfer zu werden, nimmt das Kind in die neue Schule mit.
  10. Wenn die Situation in der Schule schlimm ist, sind schöne Erlebnisse mit der Familie und anderen Freunden umso wichtiger.
  11. Auch für Eltern ist es wichtig, über die Sorgen zu sprechen. Durch Gespräche mit Freunden und Außenstehenden entstehen neue Ideen für die Problemlösung.

So können Eltern ihrem Kind bei Mobbing in der Schule helfen

Gespräche in der Familie: Beim Verdacht auf Mobbing empfiehlt es sich für Eltern, in jedem Fall mit dem Kind darüber zu sprechen. Vorsichtig, behutsam und ohne Schuldzuweisungen. Wenn Kinder das Gefühl haben, ihre Eltern interessieren sich und hören ihnen zu, kann das oft schon entlasten. Es gibt ihnen Raum, ihren Kummer in Worte zu fassen. Wenn Kinder ihren Eltern von den Problemen mit den Mitschülern erzählen, ist das ein guter Anfang. Aber nicht jedes Kind schafft das. Die Scham ist groß – und Kinder wollen ungern bei Mitschülern als Petze gelten.

Sätze wie „Das wird schon wieder!“ und „Da musst du jetzt halt durch!“ helfen dem Kind wenig. Reagieren Sie mit Verständnis – aber nicht mit zu viel Mitleid. Auch wenn Sie nicht direkt eine Lösung parat haben, tut es Kindern gut, mit ihren Ängsten nicht alleine dazustehen.

Manche Kinder ziehen sich zurück und wollen nicht sprechen. Eltern sollten nicht resignieren, sondern ihrem Kind immer und immer wieder signalisieren: Wir sind für dich da, wir unterstützen dich.

Gespräch mit der Schule: Wenn Eltern das Gefühl haben, dass ihr Kind gemobbt wird, sollten sie in jedem Fall den Klassenlehrer darauf ansprechen und ihn bitten, das Miteinander der Kinder genauer zu beobachten. Ist das Kind plötzlich stiller oder vielleicht auch aggressiver? Ist es in den Pausen oft alleine und geht den Anderen aus dem Weg? Kommt es häufig erst in letzter Sekunde ins Klassenzimmer? Lehrer sind gefordert, den Kindern immer wieder zu signalisieren: Bei uns wird keiner ausgegrenzt.

Auch die Schulpsychologen und die Schulleitung sind bei ernsten Problemen Ansprechpartner.

Wenn die Schule den Fall verharmlost, gilt es für Eltern hartnäckig zu bleiben. Es empfiehlt sich, alle Vorfälle zu dokumentieren. Im Zweifel müssen Eltern der Schule eine Handlungsfrist setzen.

Externe Beratungsstellen: Es gibt diverse Beratungsstellen, an die sich Eltern und Schüler wenden können:

Hier bekommen Eltern Hilfe

Auch die Politik ist gefordert

Nach dem Tod der elfjährigen Grundschülerin aus Reinickendorf wird der Ruf nach mehr gut ausgebildeten Sozialpädagogen und Präventionskonzepten lauter. Je früher die Präventionsprogramme an Grundschulen starten, umso mehr werden die Kinder für das Problem sensibilisiert und das Gemeinschaftsgefühl gestärkt.

Buchtipps zum Thema

  • „Das Anti-Mobbing-Elternheft: Schüler als Mobbing-Opfer – Was Ihrem Kind wirklich hilft“ von Mustafa Jannan, Beltz-Verlag, Preis: 3,95 Euro 
  • „Tatort Schule: Was tun bei Mobbing, Erpressung, Körperverletzung, Beleidigung oder sexuellen Angriffen?“ von Martin Kohn, humboldt Verlag, Preis: 16,95 Euro
  • „Mobbing bei Kindern und Jugendlichen: Schütze Dein Kind - Der Ratgeber für besorgte Eltern“ von Ina Beck, Preis: 6,99 Euro

Wichtiger Hinweis: Falls Sie über den eigenen Tod nachdenken oder sich um einen anderen Menschen sorgen, finden Sie bei der Telefonseelsorge kostenlos und anonym Hilfe (Telefon 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222). Auch Ihr Arzt und die Ambulanzen in psychiatrischen Kliniken helfen Ihnen weiter.

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