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Milchzähne: Die Zähne von Anfang an richtig putzen

Kategorie: Kinder und Familie | 04.04.2019

Milchzähne: Die Zähne von Anfang an richtig putzen
(Foto: Fotolia)

Mit Zahnreinigung können Kinder gar nicht früh genug anfangen. Schon die ersten Beißerchen brauchen Pflege. Denn wer schon als Kind unter Karies leidet, steckt höchstwahrscheinlich auch seine bleibenden Zähne an.

Viele Kinder in Deutschland haben heute gesunde, saubere Zähne. "Die Belastung mit Karies bei Zwölfjährigen ist den vergangenen 25 Jahren um 80 Prozent zurückgegangen", sagt Professor Dietmar Oesterreich von der Bundeszahnärztekammer. Dies liege unter anderem am breiten Einsatz von Fluoriden.

Immer mehr Kleinkinder leiden unter Karies

Allerdings sorgt Armut auch hierzulande für schlechte Zähne. Besonders betroffen seien Kinder aus bildungsfernen und sozial schwachen Schichten und aus Familien mit Migrationshintergrund, erklärt Oesterreich. Diese vergleichsweise kleine Gruppe hat ihmzufolge deutliche Probleme bei der Zahngesundheit.

Zudem leiden immer mehr Kleinkinder unter Zahnfäule. "Fast die Hälfte der Kariesdefekte, die bei der Einschulung vorhanden sind", sagt Oesterreich, "entstehen bereits in den ersten drei Lebensjahren." 

Eine besonders negative Rolle bei kleinen Kindern spielt die Nuckelflaschenkaries, weil die Kleinen regelmäßig und zu lange an Flaschen mit gesüßten oder fruchtsäurehaltigen Getränken saugen. Die Folge: Schon in der frühkindlichen Phase werden das Milchgebiss - und hier besonders die oberen Frontzähne - tief greifend zerstört. Diese Schäden zu richten, ist für die Kleinen eine langwierige Tortur. Sie leiden unter massiven Schmerzen, nicht selten müssen die Milchzähne unter Vollnarkose entfernt werden.

Um die Zähne der Jüngsten zu schützen, so Professor Oesterreich, sei es immens wichtig, schon werdende Mütter frühzeitig über Zahngesundheit aufzuklären. Denn bereits während der Schwangerschaft werden im Kiefer des Ungeborenen die 20 kleinen Milchzähne angelegt.

Eltern übertragen Kariesbakterien

Neugeborene haben noch keine Kariesbakterien im Mund, aber leider ändert sich dieser Idealzustand schnell: Wenn die Mutter den Schnuller sauber leckt oder der Vater mit Babys Löffel den Brei vorkostet, werden Kariesbakterien vom Erwachsenen auf das Kind übertragen. Selbst wenn die Eltern sich sehr in Acht nehmen, finden Bakterien früher oder später ihren Weg - schließlich nehmen Kleinkinder alles in den Mund. Einmal präsent, lassen sich die Bakterien nicht mehr entfernen, höchstens eindämmen.

Karies entsteht, wenn Bakterien den Zucker aus Speiseresten in Säuren umwandeln. Diese entziehen dem Zahnschmelz Mineralien wie Calcium. Passiert dies häufiger und über längere Zeit, kann der Speichel den Mineralienverlust an der Zahnoberfläche nicht mehr ausgleichen. Es kommt zu kleinen Defekten, in denen sich Plaque mit Kariesbakterien bildet. Immer größere Zerstörungen sind die Folge.

Aber dagegen lässt sich etwas tun. Das Zauberwort heißt Vorbeugung: konsequente Zahnpflege mit geeigneter  Kinderzahnpasta, ausreichend Fluoride, gesunde Ernährung und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. Früher dachte man, die Pflege der Milchzähne sei nicht so wichtig, weil sie ab einem Alter von etwa sechs Jahren sowieso ausfallen. Doch das stimmt nicht: Die Milchzähne müssen sauber gehalten werden, da sie Platzhalter für die bleibenden Zähne sind. Muss ein kaputter Milchzahn gezogen werden, wächst der nachfolgende Zahn eventuell falsch heraus. Zudem kann ein kariöses Milchgebiss auch die bleibenden Zähne anstecken. Mit anderen Worten: Zahnpflege kann nicht früh genug beginnen. Sobald die erste Zahnspitze den Durchbruch geschafft hat, beginnt das Pflegeprogramm.

Zähneputzen - so geht's richtig

Der Bundesverband der Kinderzahnärzte empfiehlt die KAI-Plus-Systematik. Nach Kau-, Außen- und Innenflächen kommt das Plus: das Nachputzen durch die Eltern. Mit etwa vier bis fünf Jahren können sie die KAI-Formel verstehen: Kau-, Außen-, Innenflächen - so soll dann geputzt werden. Wichtig ist zudem das Querputzen, wenn mit sechs Jahren der erste bleibende Backenzahn kommt.

  • K: Den Mund weit öffnen, auf den Kauflächen mit kurzen Bewegungen hin und her bürsten.
  • A: Zähne aufeinanderstellen, die Außenflächen mit kleinen Kreisbewegungen putzen.
  • I: Die Innenflächen mit senkrecht gehaltener Bürste vom Zahnfleisch zu den Zähnen reinigen.
  • Quer: Zahnbürste im Ober- wie im Unterkiefer hinten noch mal quer ansetzen und hin und her putzen.

Fluorid ist wichtig

Neben der regelmäßigen Zahnpflege sind Fluoride wichtig, um die Zähne wirkungsvoll vor Karies zu schützen. Sie lagern sich auf der Schmelzschicht an, der Zahn ist dann weniger anfällig für kariesauslösende Säureattacken. Außerdem fördern Fluoride die Wiedereinlagerung von Mineralien aus dem Speichel in den Zahnschmelz.

Da Fluorid nach Ansicht von Zahnärzten am besten lokal wirkt, also direkt auf der Zahnoberfläche, bringt es ihrer Meinung nach für die Zahngesundheit eines Babys nichts, wenn werdende Mütter während der Schwangerschaft Fluoridtabletten schlucken.

Ob sich Eltern später für Fluoridtabletten oder für eine fluoridierte Zahnpasta entscheiden, um die Zähne ihres Nachwuchses vor Karies zu schützen ist zweitrangig. Wichtig ist auf jeden Fall, nicht beides gleichzeitig zu verwenden. Denn wenn Kinder zu viel Fluorid aufnehmen, zeigen sich weiße Flecken an den Zähnen, die nicht wieder weggehen. Zudem sollten Eltern bedenken, dass Fluorid auch in Trink- beziehungsweise Mineralwasser sowie in fluoridiertem Salz enthalten ist.

Macht uns Fluorid in Zahnpasta krank?

Immer wieder ist zu hören, das in vielen Zahnpasta-Tuben enthaltene Fluorid sei schädlich. In Bio-Zahnpasta fehlt der Zusatz sogar oft. Ist fluoridhaltige Zahncreme also giftig? Nein, im Gegenteil. Hier erfahren Sie, warum Zahncreme seit Jahrzehnten künstlich mit Fluorid angereichert wird

Kinderzahnpasta mit und ohne Fluorid im Test

Wir haben 47 Kinderzahnpasten für die Milchzähne und 19 Juniorzahnpasten für die ersten Jahre nach dem Zahnwechsel für Sie prüfen lassen – mehr als je zuvor in einem vergleichbaren Test. Hier die Testergebnisse im Detail: Kinderzahnpasta im Test.

Unsere Empfehlungen für gesunde Milchzähne

  • Für das erste Lebensjahr kann man sich bedenkenlos vom Kinderarzt eine Kombination von Fluorid mit Vitamin D verschreiben lassen. Es gibt eine breite Palette an Produkten, die von ÖKO-TEST "sehr gut" getestet wurden: Fluoridtabletten im Test
  • Sobald die Kinder halbwegs zuverlässig ausspucken können, können fluoridierte Zahnpasten verwendet werden. Das gelingt oft im Laufe des zweiten Lebensjahrs, manchmal auch schon früher. Höchstens einen erbsengroßen Klecks auf die Kinderzahnbürste auftragen, putzen, ausspucken lassen und hinterher mit einem Tuch abwischen.
  • Den Fluoridgehalt des Trinkwassers kennen die örtlichen Gesundheitsämter und die Wasserversorger. Bei Gehalten von über 0,7 Milligramm pro Liter (mg/l) Fluorid sind Fluoridtabletten überflüssig - wenn zum Beispiel Babynahrung mit diesem Wasser zubereitet wird. In Mineralwasser, das speziell zur Zubereitung von Säuglingsnahrung angeboten wird, steckt hingegen nicht mehr als 0,7 mg/l Fluorid.

Zahnpflege bei Babys

Schon bevor das erste Zähnchen durchbricht, können Eltern das Zahnfleisch und den Kiefer ihres Kindes vorsichtig mit einem sauberen Finger oder einem Fingerputztrainer massieren, damit es sich früh daran gewöhnt, dass ihm beim Putzen jemand "im Mund herumfummelt".

Der Kauf der ersten Babyzahnbürste

Babyzahnbürsten sollten so beschaffen sein, dass die Eltern sie gut fassen können, denn schließlich sind sie es, die die Zähnchen putzen. Man kann dem Baby aber ruhig eine Zahnbürste geben, auf der es herumkauen kann - richtig putzen sollte man dann allerdings mit einer anderen. Zunächst täglich einmal, bis das Kind zwei Jahre alt ist. Danach steht zweimal täglich Zähneputzen auf dem Plan - mit einer erbsengroßen Menge Zahncreme, so die Empfehlung der Zahnärzte. Verwendet man statt der Fluoridtabletten eine fluoridierte Kinderzahncreme, sollte diese eine reduzierte Fluoridkonzentration von 500 Milligramm pro Kilogramm (ppm) haben.

Für Kinder ab etwa eineinhalb Jahren sind kleine, abgerundete Bürstenköpfe mit weichen Borsten aus Kunststoff am besten geeignet. Kompakte Bürstenstiele können kleinere Kinder auch im Faustgriff gut packen, abgeflachte Varianten dagegen nicht. Ab etwa zwei Jahren können Kinder auch schon allein schrubben. Was aber nicht bedeutet, dass man sie mit dem Putzen allein lassen kann. Ihre Feinmotorik reicht noch nicht aus, um wirklich effektiv zu putzen. Bis dahin sollten Kindergartenkinder die Zahnbürste im Mund hin und her bewegen und überall ein bisschen putzen.

So macht Zähneputzen Spaß

"Ich auch!" - Kinder machen begeistert mit, wenn sie selbst eine Zahnbürste in der Hand halten oder damit gar bei Mama und Papa die Zähne putzen dürfen. Etwas größere Kinder kann man beim Putzen auch in den Arm nehmen oder ins Hochstühlchen setzen.

Wenn sich der Nachwuchs phasenweise gegen die Zahnpflege wehrt, helfen Ablenkungsmanöver: Singen, Späße machen, eine lustige Geschichte erzählen oder die Zähne nebenbei - etwa beim Spielen oder CD-Hören - putzen. Das sei auf jeden Fall besser, raten Kinder- und Jugendzahnärzte, als das Putzen ausfallen zu lassen.

Die richtige Ernährung für gesunde Milchzähne

Mindestens genauso wichtig wie die Vorbeugung mit Fluoriden ist aber auch die richtige Ernährung. Doch nicht nur gesüßte Getränke bereiten den Zahnärzten Sorgen. Auch das Nuckeln an Babyflaschen mit Wasser schadet den Zähnen: Die ständige Flüssigkeitszufuhr verdünnt den Speichel, der die Zähne wieder mineralisiert. Ein ähnlicher Effekt entsteht übrigens, wenn die Kinder ständig etwas essen.

Um das Milchgebiss von Anfang an gesund und frei von Karies zu halten:

  • Die regelmäßige Zahnpflege sollte ab dem ersten Zahn beginnen und die Kinder an das routinemäßige Zähneputzen mit einer nicht zu süßen oder fruchtigen Zahncreme gewöhnt werden.
  • keine oder nur wenig gesüßte Getränke geben. Und falls doch, keinesfalls nachts in Flaschen zum Dauernuckeln;
  • dem Kind nicht das Fläschchen überlassen, sondern es selbst halten;
  • das Kind früh an das Trinken aus der Tasse gewöhnen;
  • die auf Lebensmitteln deklarierten Zuckerarten im Blick haben. Denn nicht nur Kristallzucker (Saccharose) kann Karies verursachen. Auch bei Maltodextrinen, Glucose (Traubenzucker), Fructose (Fruchtzucker) und Honig ist Vorsicht angesagt;
  • den Zahnkiller Zitronensäure meiden. Der steckt - auch unter dem Begriff E 330 deklariert - in vielen Säften, Instanttees und Limonaden. Der Zusatzstoff weicht den Zahnschmelz auf, was Karies begünstigt;
  • zum Durststillen zwischendurch Wasser oder ungesüßten Kräutertee geben;
  • früh bestimmte Essgewohnheiten etablieren, etwa regelmäßige Mahlzeiten, damit die Zähne zwischendurch auch Ruhezeiten haben.

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