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Coronavirus und Schwangerschaft: Lungenentzündung ist gefährlich fürs Baby

Autor: Katja Tölle / Benita Wintermantel | Kategorie: Kinder und Familie | 24.11.2020

Schwanger und Coronavirus: Wir beantworten Fragen zur Schwangerschaft in der Corona-Krise.
Foto: Natalia Deriabina/Shutterstock; Corona Borealis Studio/Shutterstock

Wie gefährlich ist Corona für Schwangere und ihre Babys? Die gute Nachricht lautet: Das Virus überträgt sich nur in sehr seltenen Fällen im Mutterleib. Aber, ob durch Corona oder anders verursacht: Eine Lungenentzündung in der Schwangerschaft ist hochgefährlich für das Baby. 

  • Das Risiko für eine SARS-CoV-2-Infektion ist in der Schwangerschaft nicht erhöht. Bei Schwangeren mit Vorerkrankungen treten jedoch schwere Covid 19-Verläufe häufiger auf.
  • Neugeborene, deren Mütter Corona-positiv sind, haben nur ein geringes Risiko, sich ebenfalls mit dem Coronavirus zu infizieren.
  • Bei infizierten Schwangeren spricht nichts gegen eine vaginale Geburt.
  • Lungenentzündungen in der Schwangerschaft können gefährlich für das Ungeborene werden.

Angst und Unsicherheit: Schwanger in Corona-Zeiten

Der Freude auf die Geburt sind in der Corona-Pandemie Angst und Unsicherheit gewichen: Was, wenn ich mich während der Schwangerschaft mit dem Coronavirus anstecke? Schadet das Coronavirus dem Baby? Wie gefährlich ist eine Corona-Infektion für Neugeborene? Wird das Krankenhaus, in dem ich mein Kind bekomme, völlig überlastet sein angesichts der vielen Corona-Fälle?

Immerhin sind Kreißsäle schon ohne Corona häufig völlig überlastet, Hebammen fehlen an allen Ecken und Enden. All diese Fragen beschäftigen Eltern, die während der Corona-Pandemie ihr Kind erwarten.

Was es nicht besser macht: Die Studienlage ist dünn, sehr dünn. Schließlich handelt es sich hier um ein neuartiges Virus, das erst nach und nach erforscht wird.

Wir haben hier dennoch alles zusammengetragen, was die Forschung nach bisherigem Kenntnisstand über die Auswirkungen des Coronavirus auf Schwangerschaft, Geburt und Babys weiß. 

Coronavirus: Was Schwangere wissen müssen

Eben weil die Studienlage so dünn ist – und weil es ohnehin sinnvoll ist – raten wir: Bleiben Sie zu Hause! Igeln Sie sich ein, schützen Sie sich vor einer Infektion. Denn, so warnt Professor Frank Louwen, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): "Wenn Sie eine Lungenentzündung bekommen – ob durch Corona oder anders – dann ist Ihre Schwangerschaft gefährdet."  In diesen Zeiten gilt also, noch mehr als sonst: Sicher ist sicher.

Schwanger in Corona-Zeiten: Bleiben Sie zu Hause und schützen Sie sich vor einer Infektion.
Schwanger in Corona-Zeiten: Bleiben Sie zu Hause und schützen Sie sich vor einer Infektion. (Foto: Maria Evseyeva/Shutterstock )

Coronavirus: Sind Schwangere gefährdeter als andere Menschen?

Eine Schwangerschaft erhöht nicht das Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs ist bei schwangeren Frauen aber wohl erhöht, wie aktuelle Untersuchungen zeigen.

Bislang gingen Mediziner davon aus, dass gesunde Schwangere eher einen leichten bis mittelschweren Verlauf der Krankheit zu erwarten haben. Eine aktuelle Studie des amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) zeigt jetzt jedoch, dass schwangere Frauen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben und ins Krankenhaus eingeliefert werden, wohl doch ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Komplikationen sowie ein höheres Risiko für eine Frühgeburt haben. Bei der Studie wurden gut 400.000 Frauen mit Symptomen untersucht, mehr als 23.000 davon waren schwanger. Sascha Ellington, einer der Autoren der Studie, betont jedoch, dass das Gesamtrisiko für Komplikationen gering sei.

Schwere Covid-19-Verläufe treten demnach vor allem bei schwangeren Frauen mit einer Vorerkrankung oder Risikofaktoren wie Adipositas, Bluthochdruck oder Diabetes auf. Diese Risikofaktoren begünstigen aber auch bei Nicht-Schwangeren Komplikationen.

Mediziner raten deshalb: Werdende Mütter mit Vorerkrankungen wie etwa einer Herz- oder Lungenerkrankung gehören zur gefährdeten Gruppe und sollten sich ganz besonders schützen. 

Lungenentzündung in der Schwangerschaft: Gefahr fürs Baby

Frank Louwen warnt vor der Gefahr einer Lungenentzündung in der Schwangerschaft. "Wenn Sie eine Lungenentzündung bekommen, dann haben Sie ein ernstes Problem", stellt der Gynäkologe fest. Denn: "Dann ist Ihre Schwangerschaft gefährdet." Er wolle werdende Mütter nicht verunsichern, sagt er. Aber eine Lungenentzündung, egal ob von Corona oder anders verursacht, gefährde die Sauerstoffversorgung des Kindes im Mutterleib. "Deswegen raten wir Schwangeren ganz dringend, ihre Sozialkontakte drastisch zu reduzieren, nur zu Hause zu arbeiten und sich häufig und gründlich die Hände zu waschen."

Können Babys sich im Mutterleib mit dem Coronavirus anstecken? Oder direkt nach der Geburt? 

Zunächst deutete alles darauf hin, dass Schwangere ihre ungeborenen Babys nicht anstecken. Mittlerweile gibt es aber auch Untersuchungen, bei denen wenige Stunden nach der Geburt im Blut von sehr wenigen Babys Antikörper gegen das Virus gefunden wurden. Antikörper, nicht das Virus selbst. Das heißt aber, dass die Babys sich doch im Mutterleib angesteckt haben könnten.

Wichtig ist: In allen bisher berichteten Fällen kamen die Kinder gesund auf die Welt. 

Geburtssituation in Kliniken: Schon vor Corona fehlte es, vor allem in Großstädten, an Kreißsälen.
Geburtssituation in Kliniken: Schon vor Corona fehlte es, vor allem in Großstädten, an Kreißsälen. (Foto: Soft Light/Shutterstock )

Schwangerschaft und Corona: Fragen zur Entbindung

Verändert Corona die Geburtssituation in den Kliniken?

Sicher ist: Viele Kreißsäle sind jetzt schon extrem ausgelastet, Hebammen fehlen an allen Ecken und Enden. Schon vor Corona wurden, gerade in Großstädten, Frauen mit Wehen an der Pforte abgewiesen oder mussten auf den Fluren gebären, weil die Kreißsäle voll waren. Denn: Immer weniger Kreißsäle stehen immer mehr Geburten gegenüber. Wenn zusätzlich Ärzte und Hebammen wegen einer Coronainfektion oder Isolierungen ausfallen, wird sich die Situation verschärfen.

Viele Krankenhäuser treffen schon jetzt Vorkehrungen und schränken etwa die Besuchszeiten ein oder verbieten Besuche ganz. Außer dem Vater oder einer anderen Begleitperson darf inzwischen in vielen Kliniken auch niemand mehr mit in den Kreißsaal. Einige sind sogar noch strenger: Da muss selbst der Vater draußen bleiben.  

Die Regelungen unterscheiden sich von Klinik zu Klinik. Fragen Sie deshalb unbedingt in der Klinik, in der Sie Ihr Baby auf die Welt bringen wollen, nach.

>> Zum Weiterlesen: Coronavirus: Tipps, wie Sie sich vor der Ansteckung schützen

Können Schwangere vaginal entbinden, wenn sie infiziert sind?

Nach den bisherigen Erkenntnissen spricht nichts gegen eine vaginale Geburt. "Das ist normalerweise das Beste, selbst wenn die Frau infiziert ist", sagt Louwen. Der Mann müsse in solchen Fällen allerdings zu Hause bleiben: "Der steckt uns sonst den ganzen Kreißsaal an." Nur, wenn aufgrund der Atemwegserkrankung eine dringende Entbindung notwendig sei, könne in manchen Fällen ein Kaiserschnitt sicherer sein.

Auch gegen eine Peridualanästhesie (PDA) spricht laut der DGGG nichts; sie rät nur von Lachgas ab, weil das die Ausbreitung des Virus durch die Luft erhöhen kann. Allerdings sollten Sie, wenn Sie infiziert sind, von einem Geburtshaus oder einer Hausgeburt absehen und Ihr Kind in einer Klinik bekommen, in der das Baby kontinuierlich elektronisch überwacht und sein Sauerstoffgehalt überprüft werden kann.

Stillen in Corona-Zeiten: Achten Sie besonders auf Hygiene-Regeln.
Stillen in Corona-Zeiten: Achten Sie besonders auf Hygiene-Regeln. (Foto: PixieMe/Shutterstock )

Kann das Baby nach der Geburt bei der Mutter bleiben, wenn sie mit Corona infiziert ist? 

Nach jetzigem Stand: Ja. Wenn Sie das so wollen und es Ihrem Baby gut geht – es also keine Komplikationen gibt. Die DGGG weist aber darauf hin, dass sich diese Empfehlung ändern kann, wenn es weitere Erkenntnisse über das Virus gibt. Bisher gibt es keine offiziellen Fällen von erkrankten Schwangeren oder Neugeborenen in Deutschland. 

Ist das Coronavirus gefährlich für Babys?

Kinder haben oft harmlosere Verläufe als Erwachsene. Wie sieht es mit Babys aus? Bisher sieht es so aus, als ob auch Babys in der Regel nicht mit starken Symptomen der Erkrankung kämpfen müssen. "Nach allem, was bisher berichtet ist, sieht es so aus, dass Babys und Kinder sich seltener anstecken als Erwachsene und auch nur leichte Symptome aufweisen", sagt Louwen. Einziger Wermutstropfen: "Alles, was bisher berichtet ist", ist nicht viel. Und speziell was Neugeborene oder gar Frühgeburten betrifft, gibt es so gut wie keine Erfahrungen.

Steigt das Risiko einer Früh- oder Fehlgeburt?

Laut DGGG ist die Frühgeburtenrate bei Covid-19 erkrankten Schwangeren im Vergleich zu nicht-infizierten Schwangeren leicht erhöht. Fehlgeburten traten während der SARS-CoV-2 Pandemie bislang nicht häufiger auf, die Datenlage ist aber auch hier noch sehr dünn.

Stillen in Corona-Zeiten: Das sollten Sie beachten  

Sollen Mütter ihr Kind stillen, wenn sie an Covid-19 erkrankt sind? Ja! Stillen ist auch in Corona-Zeiten erst einmal das Beste für Ihr Kind. Wenn Sie nicht erkrankt sind, spricht überhaupt gar nichts gegen das Stillen. Aber selbst, wenn Sie sich mit Corona infiziert haben, raten die DGGG, der Berufsverband der Frauenärzte und die Stiftung Kindergesundheit einhellig dazu, die Babys zu stillen. Denn: Nach bisherigen Erkenntnissen scheinen sich Coronaviren nicht über die Muttermilch zu übertragen. Bisher konnte das Virus auch nicht in der Muttermilch nachgewiesen werden – wie gesagt: Die Studienlage ist hier aber, wie bei allen anderen Erkenntnissen auch, sehr dünn.

Wegen des engen Hautkontakts sollte die infizierte Mutter jedoch eine ganze Reihe von Hygienevorkehrungen beachten. Diese Maßnahmen sollten auch schon Mütter ergreifen, bei denen nur der Verdacht auf eine Infektion besteht.

Coronavirus und Schwangerschaft: Viele werdende Mütter haben Angst und sind verunsichert.
Coronavirus und Schwangerschaft: Viele werdende Mütter haben Angst und sind verunsichert. (Foto: creativeneko/Shutterstock )

Hygiene-Regeln beim Stillen 

  1. Gründlich Händewaschen – vorher und nachher, etwa 20 Sekunden lang. "Das ist länger als man denkt", sagt Professor Berthold Koletzko: "Etwa so lange dauert es, das Lied ‚Happy birthday‘ zweimal hintereinander zu singen".
  2. Wenn Sie infiziert sind, sollten Sie einen Mundschutz tragen, um Ihr Kind zu schützen – auch beim Stillen. Damit verhindern Sie eine Tröpfchenübertragung.
  3. Können Sie Ihr Kind nicht stillen, können Sie die Milch auch abpumpen. Auch dabei sollten Sie allerdings sehr auf die Hygiene achten – und sich jedes Mal, bevor Sie die Pumpe anfassen, die Hände gründlich waschen. Zudem sollten Sie Pumpe und Fläschchen nach jedem Gebrauch sterilisieren.
  4. Lassen Sie sich beraten: von Ihrer Hebamme, Ihrer Frauenärztin oder den behandelnden Ärzten in der Geburtsklinik.

Für detaillierte Infos:

Coronavirus: Was tun bei Verdacht? 

Wenn Sie direkten Kontakt mit einer an Corona erkrankten Person hatten und/oder bei sich oder ihrem Baby Symptome entdecken, die auf Corona hinweisen, wenden Sie sich an Ihr zuständiges Gesundheitsamt, oder melden Sie sich beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst.

Hier sehen Sie, wie sich die Corona-Anzeichen von den Symptomen einer Grippe, einer banalen Erkältung und eines Heuschnupfens unterscheiden.

Zudem sollten Sie Ihre Frauenärztin anrufen, wenn Sie schwanger sind und der Verdacht auf eine Infektion besteht. Wenn Sie kurz vor der Entbindung stehen, melden Sie sich telefonisch in der Klinik, um das weitere Vorgehen abzusprechen. 

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