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Rauchmelder: Alle wichtigen Fragen & Antworten

Pflichten, Kosten, Wartung, verschiedene Systeme & Co.

Autor: Redaktion | Kategorie: Bauen und Wohnen | 09.05.2014

Rauchmelder
Foto: CC BY-SA 1.0 / WikimediaCommons / Tumi-1983

Sie können Menschenleben retten – deshalb sind Rauchmelder fast überall Pflicht. Übergangsfristen sollte man nicht ausschöpfen, sondern die Lebensretter schnellstmöglich montieren. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sterben in Deutschland jährlich über 300 Menschen bei Wohnungsfeuern an den Folgenden von Rauch, Feuer und Flammen. Die meisten fallen dabei nicht den Flammen, sondern den giftigen Rauchgasen zum Opfer.

In Neu- und Umbauten sind deshalb inzwischen in allen Bundesländern Rauchmelder vorgeschrieben. Auch in Altbauten mussten sie inzwischen in allen Ländern bis auf Sachsen nachgerüstet werden – in Berlin und Brandenburg läuft die Übergangsfrist dafür zum 1. Januar 2021 aus. In wenigen Monaten sollten also in 15 von 16 deutschen Bundesländern in allen Alt- und Neubauten Rauchmelder installiert sein. Zuständig für den Einbau sind immer Eigentümer bzw. Vermieter. 

Brände können jeden Haushalt treffen: Glimmende Zigaretten, umgefallene Kerzen, elektrische Geräte im Stand-by-Modus oder schmorende Ladegeräte können sie auslösen. Nachts ist die Gefahr am größten: Weil der menschliche Geruchssinn im Schlaf nicht funktioniert, sind die meisten Opfer von Wohnungsfeuern in der Nacht zu beklagen. Hier greift die gesetzliche Pflicht: Rauchmelder wecken, bevor es zu spät ist.

Worauf sollte man beim Kauf achten, welche Systeme sind wo sinnvoll, und wer trägt die Kosten?

Inhaltsverzeichnis

  • Wie funktioniert ein Rauchmelder?
  • Welche Merkmale sollte ein Rauchmelder aufweisen?
  • Was kostet ein Rauchmelder?
  • Wer installiert die Rauchmelder? Wer bezahlt?
  • Wo und wie sollten Rauchmelder befestigt werden?
  • Wann ist eine Wartung nötig?
  • Wie lange halten Rauchmelder und Batterien?
  • Brauche ich einen CO-Melder, obwohl ich einen Rauchmelder habe?
  • Welcher Rauchmelder eignet sich für kleinere Wohnungen?
  • Welche Systeme warnen mich in größeren Wohnungen bzw. Häusern?
  • Gibt es Komplettsysteme ohne Verkabelung?
  • Wie sieht es bei Funkmeldern mit der Strahlung aus?
  • Wie schützen sich Gehörlose?

Wie funktioniert ein Rauchmelder?

Die gängigsten Geräte arbeiten nach dem Streulichtprinzip. In einer kleinen Rauchkammer, die sich im Inneren befindet, werden von einer Leuchtdiode oder einem Laser regelmäßig Lichtstrahlen ausgesendet.

Dringt Rauch ein, werden die Lichtstrahlen gestreut und auf eine Fotolinse gelenkt. Dadurch erkennt der Melder den Rauch und löst eine lauten, durchdringenden Alarmton aus – mindestens 85 Dezibel gemessen in drei Metern Entfernung.

Welche Merkmale sollte ein Rauchmelder aufweisen?

Achten Sie auf folgende Zeichen und Funktionen:

  • DIN EN 14604
  • CE-Zeichen mit Prüfnummer
  • VdS-Zeichen (Qualitätskontrolle durch Dritte)
  • Montagesperre bei nicht eingelegter Batterie
  • Warnsignal 30 Tage vor Akku-/Batteriewechsel
  • Testknopf zur regelmäßigen Überprüfung
  • TÜV Nord zeichnet Geräte mit einem Gütesiegel aus, die über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen.
  • Achten Sie darauf, dass die Geräte leicht zu montieren sind. Am besten kauft man Rauchmelder dort, wo man kompetent beraten wird.

Was kostet ein Rauchmelder?

In der Summe aus Anschaffung und Batteriekosten sind langlebige Geräte meist nicht teurer als ihre vermeintlich günstigeren Pendants aus dem Baumarkt, in denen jährlich die 9-Volt-Blockbatterie ausgetauscht und entsorgt werden muss.

Grundsätzlich sind einfache Rauchmelder in Baumärkten, Groß- und Einzelhandelsgeschäften bereits ab fünf bis zehn Euro zu haben. Designmelder in Miniausführungen, die kaum größer als eine Streichholzschachtel sind, gibt es ab rund 25 Euro aufwärts.

Wer installiert die Rauchmelder? Wer bezahlt?

In allen Bundesländern ist der Eigentümer bzw. Vermieter inzwischen verpflichtet, Rauchmelder zu installieren. Die Wartung hingegen wird meist vom Bewohner oder Mieter durchgeführt.

Weil der Vermieter im Schadensfall nachweisen muss, dass die Wartungspflicht in rechtlichem Sinne übertragen wurde und der Mieter diese tatsächlich übernommen hat, setzen die meisten Eigentümer auf Wartung durch externe Firmen. Die Kosten können als sonstige Betriebskosten abgerechnet werden. In der Regel kostet die Wartung im Jahr nicht mehr als 5 Euro je Melder.

Die Anschaffung und Installation von Rauchmeldern gilt als Modernisierung und wird ohne Erwähnung im Mietvertrag auf die Betriebskosten umgelegt. Der Vermieter darf – auch wenn der Mieter schon Rauchwarnmelder montiert hat – selbst gewählte Melder installieren. Dabei muss er den Installationstermin mit dem Mieter rechtzeitig vereinbaren.

Wo und wie sollten Rauchmelder befestigt werden?

Optimalen Schutz bieten Rauchmelder, wenn vom Keller bis zum Dachboden in jedem Zimmer ein Gerät an der Deckenmitte – mit einem Mindestabstand von einem halben Meter zur Wand – befestigt wird. Für Dachschrägen gilt die Formel: 50 Zentimeter unterhalb des höchsten Punktes.

Die Geräte sollten nicht in Zugluft, sowie an Luftschächten und Klimaanlagen installiert werden, denn dort zieht Rauch ab.

Rauchmelder nicht an die Decke kleben. Bei Temperaturschwankungen kann der Melder abfallen. Also am besten mit Schrauben und Dübeln oder mit speziellen Magnethalterungen befestigen. Vorsicht: Beim Renovieren die Geräte nicht mit Farbe überstreichen

Wann ist eine Wartung nötig?

Bei Rauchwarnmeldern fordert die DIN einmal jährlich eine Wartung beziehungsweise Überprüfung. Das gilt auch für die unten beschriebenen Funk-Rauchwarnmelder und die Funktion des Funknetzwerks. Zur Wartung bei einfachen Modellen drückt man auf einen Prüfknopf. Ist das Gerät in Ordnung, ertönt ein Signalton.

Zusätzlich überprüft der Rauchmelder den Zustand seiner Batterie selbstständig und gibt bei Spannungsabfall in kurzen Abständen immer wieder einen lauten Piepston von sich.

Wie lange halten Rauchmelder und Batterien? 

Die Batterielebensdauer beträgt je nach Modell zwischen einem Jahr und bis zu zehn Jahre. Eine zehnjährige Batterielebensdauer ist natürlich praktisch, weil die elektronischen Bauteile des Melders, insbesondere die Sensorik, ebenfalls rund zehn Jahren funktionieren. Dann ist nach DIN 14676 entweder ein Austausch des Geräts oder eine Werksüberholung notwendig.

Brauche ich einen CO-Melder, obwohl ich einen Rauchmelder habe?

CO-Melder schlagen Alarm, wenn zu viel Kohlenmonoxid (CO) in die Raumluft kommt. Ein CO-Melder ist eine gute Sache, zumindest in allen Räumen, in denen Geräte mit Erdgas, Kohle, Heizöl oder anderen brennbaren Stoffen laufen. Denn wenn etwa durch defekte Thermen oder blockierte Kamine CO austritt, können lebensgefährliche Konzentrationen des farb- und geruchlosen Gases entstehen, ohne dass der Rauchmelder angeht. Umgekehrt taugen CO-Melder nicht zum rechtzeitigen Erkennen von Bränden. Deshalb ist beides wichtig. Zum Schutz vor hohen CO-Konzentrationen in der Raumluft Feuerstätten und Kamine regelmäßig warten lassen.

Welcher Rauchmelder eignet sich für kleinere Wohnungen?

Stand-alone-Rauchwarnmelder, also Einzelgeräte, die unabhängig voneinander installiert und betrieben werden, sind am einfachsten. In kleineren Wohnungen oder Appartements kann man das akustische Alarmsignal überall hören. Dies ist die einfachste und preiswerteste Lösung für den nachträglichen Einbau.

Welche Systeme warnen mich in größeren Wohnungen bzw. Häusern?

Wie werden Sie gewarnt, wenn es in einem Raum am anderen Ende des Hauses brennt? Dafür gibt es spezielle Systeme: Per Leitung vernetzte Rauchwarnmelder bilden dabei ein drahtgebundenes Netzwerk. Löst ein Melder Alarm aus, tönt der Warnton in allen Räumen, in denen weitere Rauchwarnmelder installiert sind. In einer Rauchmelderzentrale kann die den Alarm auslösende Stelle lokalisiert werden und zusätzlich ein lautstarker akustischer oder optischer Alarm den Ernstfall anzeigen.

Das vernetzte Konzept lässt auch die Einrichtung einer Brandmeldezentrale zu. Damit wird sichergestellt, dass der Alarm in größeren Wohnungen auch über mehrere Etagen gehört wird. Dies ist eine gute Lösung, vor allem, wenn sie während des Neubaus oder bei umfangreichen Renovierungen installiert werden kann.

In Bestandswohnungen ist die Verlegung der notwendigen Leitungen meist sehr aufwendig.

Gibt es Komplettsysteme ohne Verkabelung?

Neben einzeln betriebenen Meldern gibt es Anlagen, die in Netzwerken kommunizieren. Hier können im Alarmfall alle Geräte gleichzeitig warnen. Die einzelnen Melder kommunizieren untereinander per Funk oder per Kabel. Ein Funknetzwerk erleichtert vor allem die Montage in Bestandswohnungen.

Für das Auffinden der Stelle, an der der Rauch entsteht, ist es wichtig, dass entweder das alarmauslösende Gerät einen anderen Ton abgibt als die übrigen – oder dass auf Tastendruck an einem beliebigen Melder nur das alarmauslösende Gerät weitertönt und alle anderen Melder ihr Alarmsignal abschalten.

Wie bei mit Leitungen vernetzten Meldern muss auch das Funknetzwerk Fehler im System entdecken können: Deshalb müssen alle Rauchmelder ein Überwachungssignal senden, das ihre Betriebsbereitschaft signalisiert.

Wie sieht es bei Funkmeldern mit der Strahlung aus?

Damit die Bewohner nicht unter einer permanenten hochfrequenten Immission in den Wohnräumen leiden müssen, versprechen die Hersteller, nur in größeren zeitlichen Abständen Funksignale zu senden und schreiben im Prospekt zum Beispiel, dass Funksignale nur im Ereignisfall und bei der täglichen "Funkstreckenüberwachung" gesendet werden.

Diese Aussage hat Dr. Martin H. Virnich vom Ingenieurbüro für Baubiologie und Umweltmesstechnik ibu in Mönchengladbach, in einer Stichprobe überprüft und festgestellt, dass der getestete Melder stündlich ein Signal sendet. Ärgerlich für den Baubiologen: die Aussage im Werbetext "nimmt das Bemühen der Kunden um eine immissionsminimierte Lösung nicht wirklich ernst".

Virnichs Messungen hinsichtlich der Strahlung in nackten Zahlen: "Die Impulslänge beträgt 20 Millisekunden, die Strahlungsdichte in einem Meter Entfernung liegt bei 200 Mikrowatt pro Quadratmeter." Zum Vergleich zieht der Baubiologe einen konventionellen Lichtschalter heran: "Der strahlt beim Einschalten einer Glühlampe durch Funkenbildung ein breitbandiges Hochfrequenzsignal, das eine Strahlungsdichte von zirka 1500 Mikrowatt aufweist."

Hans Ulrich-Raithel, vom Umweltinstitut München e.V., beruhigt die Besitzer von Rauchmeldern: "Wenn alle Komponenten durch kleine handelsübliche Batterien gespeist werden, und diese nicht öfter als jährlich zu wechseln sind, handelt es sich bei einem Rauchmelder um einen Sender mit vergleichsweise geringer Leistung bei zeitweisem Betrieb. Diese Strahlenbelastung ist im Vergleich zu anderen wohnungsinternen Strahlungsquellen wie Schnurlostelefonen oder W-LAN geringfügig."

Wer ganz sicher gehen möchte und Elektrosmog vermindern will, sollte bei der nächsten Renovierung eine Verkabelung von Rauchmeldern, Computern und Telefonen unter Putz einplanen.

Wie schützen sich Gehörlose?

Für hörgeschädigte Menschen werden spezielle Rauchmelder angeboten. Dabei wird der Alarmton per Funk an eine Blitzleuchte und ein Vibrationsei oder eine vibrierende Scheibe weitergeleitet.

Diese Technik, die im Kopfkissen oder der Bettdecke befestigt wird, weckt den Schlafenden sehr zuverlässig. Ein entsprechendes Set kostet ab rund 200 Euro. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht.

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