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29 Öko-Stromtarife im Test

ÖKO-TEST Dezember 2017
vom 23.11.2017

Öko-Stromtarife

Die Spreu vom Weizen trennen

Viele Öko-Stromanbieter gehen mit geschönten Angaben auf Kundenfang. Und das sogar legal, weil sie Gesetzeslücken geschickt nutzen. Doch unser Test zeigt: Es gibt auch rundum saubere Angebote.

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23.11.2017 | Der Konkurrenzkampf der Stromanbieter wird härter, auch im Markt der Öko-Stromer. Oder vielleicht gerade da. So hat im Sommer 2017 ein wirtschaftlicher Riese erstmals seinen Hut in den Ring geworfen: die Deutsche Bahn (DB). Und nach Aldi bietet nun auch der Megadiscounter Lidl grünen Strom an. Auch die guten alten Energiekonzerne, die immer noch hauptsächlich Strom mit Kohle und Atomenergie erzeugen, stürmen an den Öko-Markt, offerieren ihre Angebote allerdings durch Zweitanbieter wie Eon über Lidl oder gründen wie RWE mit Innogy Tochterfirmen mit Grünstromprodukten.

Mit dem Angebot steigt auch die Nachfrage. So erreichte der Anteil von Öko-Strom am gesamten Strombedarf im ersten Halbjahr 2017 erstmals die 35-Prozent-Marke. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Kein Wunder, dass viele Anbieter sich mit solchen Angeboten im Konkurrenzkampf schmücken möchten - allerdings oft mit geschönten Angaben. So sind viele Stromangebote, die sie im Internet eindrucksvoll mit mächtigen Windrädern und gigantischen Wasserkraftwerken bewerben, nur zu einem Teil grün - wenn überhaupt. Was viele als Kundentäuschung sehen, ist noch nicht mal illegal, denn teils gibt der Gesetzgeber die Irreführung sogar vor.

Die absurde Gesetzeslage: Die meisten Versorger publizieren in ihrer Stromkennzeichnung einen hohen Anteil "Erneuerbare Energien gefördert nach dem EEG". Dahinter verbirgt sich aber nicht der Öko-Stromanteil im Strommix des Versorgers selbst. Er bezieht sich stattdessen auf die Höhe der im Versorgungsgebiet erhobenen EEG-Umlage. Beliefert ein Anbieter viele von der EEG-Umlage befreite Großabnehmer, sinkt der Anteil des "EEG-Stroms"; hat er viele Privatkunden, steigt er. Der Strommix eines Versorgers wird dadurch häufig "grün gefärbt".

Öko-Stromanbieter wie Greenpeace Energy, Lichtblick und Naturstrom sowie Umweltschützer fordern deshalb eine gesetzliche Neuregelung und haben auch schon detaillierte Vorschläge gemacht, die bei der alten Bundesregierung aber nicht auf Gehör gestoßen waren.

Weiterer Knackpunkt: Die gesetzliche Stromkennzeichnung eröffnet Anbietern die Möglichkeit, sich umweltfreundlicher darzustellen, als sie wirklich sind. Denn der Wert für "Erneuerbare Energien, gefördert nach dem EEG" bezieht sich auf den Stromverbrauch im Versorgungsgebiet. Der in der Stromkennzeichnung zum Vergleich gegenübergestellte Bundesmix bezieht sich aber auf die Stromerzeugung. Diesen Systemfehler nutzen viele Unternehmen in ihrer Öffentlichkeitsarbeit mit der Behauptung, der von ihnen gelieferte Strom enthalte einen höheren Anteil an erneuerbaren Energien als der bundesweite Durchschnitt. Jeder vierte Versorger erweckt den Eindruck, er beschaffe für seine Kunden mehr Grünstrom, als er es tatsächlich tut. So das Fazit der Untersuchung Faktencheck Strommix, die ein Bündnis aus Deutscher Umwelthilfe, Robin Wood, Greenpeace Energy, EWS Schönau, Naturstrom und Lichtblick im März 2017 vorgelegt hat.

"Dabei sehen wir hier nur die Spit

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Die Ökologie
Der Tarif soll einen ökologischen Zusatznutzen aufweisen, der über die Anforderungen des EEG hinausgeht. Das bedeutet, dass die Anbieter rund ein Drittel des verkauften Öko-Stroms aus Erneuerbare-Energien-Anlagen beziehen, die nicht älter als sechs Jahre sind. Alternativ können sie auch einen Teil des Strompreises in den Ausbau von regenerativer Stromerzeugung investieren. Der Nachweis kann durch eine Zertifizierung mit dem Ok-Power-Label oder dem Grüner Strom Label Gold erfolgen, alternativ durch unabhängige und fachkundige Gutachter.

Die Ökonomie
Die jährlichen Gesamtkosten der Öko-Stromangebote dürfen maximal 20 Prozent höher als der Durchschnittspreis für konventionelle Stromangebote sein. Die Preise können nach Verbrauchsmenge und Postleitzahlengebiet variieren.

Das konventionelle Stromangebot
Hier wurde untersucht, ob der Öko-Stromanbieter selbst neben zertifiziertem Öko-Strom parallel noch mit konventionellen Produkten am Markt ist und/oder das bei einer Firma aus seinem Firmenverbund der Fall ist.

Die Unternehmensstruktur
Ist der Anbieter unabhängig oder Eigentum oder Miteigentum anderer Unternehmen und welche Unternehmen gehören zum Firmenverbund?

Die Bewertung
Das Geld soll nicht bei Firmen landen, die auch konventionellen Strom verkaufen oder konventionellen Anbietern (teilweise) gehören. Dafür kann es kein "sehr gut" im Gesamtergebnis geben. Noch strenger sind wir, wenn dem konventionellen Angebot Atomstrom beigemixt wird oder ein AKW-Eigner/-Betreiber Teil des Firmenverbunds des Anbieters ist.

Video zum Thema

Video

ÖKO-TEST-Magazin 12/2017:

Öko-Stromtarife

Die Spreu vom Weizen trennen.

Verbraucher, die grünen Strom beziehen, möchten sicherlich keine Atom- oder Kohlekraftenergie unterstützen. ÖKO-TEST hat Öko-Stromtarife unter die Lupe genommen und empfiehlt, bei den Angeboten ganz genau hinzuschauen. Denn während manche Unternehmen ausschließlich Öko-Strom nach strengen Qualitätskriterien verkaufen, sind andere mit konventionellen Anbietern verflochten. In ihrem Portfolio sind dann auch Anteile von Atom und Kohle. Das ursprünglich für sauberen Strom gedachte Geld der Verbraucher landet damit bei Anbietern, die schmutzigen Strom produzieren.