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Naturschutz im Garten: Laub im Winter liegen lassen

Magazin November 2020: So gesund ist Speiseöl | Autor: Sven Heitkamp | Kategorie: Bauen und Wohnen | 06.11.2020

Igel, Mäuse und Insekten freuen sich in den Wintermonaten über das liegengebliebene Laub.
Foto: imago images/imagebroker

Laubberge, Äste und verwelkte Stauden: Vor dem ersten Frost muss der Garten aufgeräumt und zurückgeschnitten werden. Wer Igeln, Insekten oder Spinnen einen Winterschlafplatz bieten möchte, lässt Laub und Äste aber am besten liegen oder schüttet sie zu einem Laubhaufen am Rande des Gartens oder unter Sträuchern auf.

  • Wer im Herbst Laub und Äste liegen lässt, hilft der heimischen Tierwelt durch den Winter.
  • Befestigte Wege und Rasenflächen sollten allerdings geräumt werden.
  • Baumstämme und Reisighaufen bieten Überwinterungsquartiere für Igel, Mäuse und Co. 

Der November-Garten macht vor allem Arbeit: Harken, Kehren und Wegwerfen. Dabei ist es oft viel sinnvoller, sich einige Arbeiten einfach zu sparen. "Laub ist der natürliche Winterschutz der Natur und kann an vielen Stellen liegen bleiben", sagt Marja Rottleb, die Gartenbauexpertin des Naturschutzbundes Nabu. 

Laub hat wichtige Funktion im Öko-System

"Laub ist kein Abfall, sondern erfüllt eine wichtige Funktion im Öko-System", sagt die Beraterin. "Vor allem als Winterschutz für Tiere und Pflanzen und als Dünger für die nächste Saison." Ein Laubhaufen in einer ruhigen Ecke des Gartens, beschwert mit ein paar Ästen, sei ein sicherer Unterschlupf für Igel, Spinnen, Mäuse und viele Insektenarten. "Das Laub isoliert gegen Frost und hält die Tiere über die kalten Wintermonate warm."

Schon ein Quadratmeter Laubhaufen genüge, es dürfen aber auch gern mehr sein. "Je größer, desto besser", sagt Marja Rottleb. Wichtig sei allerdings, dass der Haufen bis in den Mai des nächsten Frühjahrs nicht gestört werde. Außerdem taugen die Blätter sehr gut als Isoliermaterial für Rosen, Stauden und Kübelpflanzen. Danach könne man das Laub immer noch auf dem Kompost entsorgen oder direkt als Dünger und Mulch in die Beeten einarbeiten.

Rasenflächen sollten im Herbst von Laub befreit werden.
Rasenflächen sollten im Herbst von Laub befreit werden. (Foto: movit/Shutterstock)

Rasen und befestige Wege besser von Laub befreien

Geräumt werden muss Laub nur auf befestigten Wegen, weil es schnell zur Rutschgefahr wird und weil es Natursteine verfärben kann. Auch auf Rasenflächen, die Anfang November das letzte Mal vor dem Winter gemäht werden, harken Gartenbesitzer die Blätter besser zusammen: Das Laub fault sonst und der Rasen darunter kann absterben.

"Wir empfehlen aber ohnehin, lieber bunte Blumen- und Kräuterwiesen anzulegen als monotone Rasenflächen", sagt Rottleb. Wer es gut mit seiner Umwelt meint, verzichtet auf jeden Fall auf Laubsauger und Laubgebläse. "Die ökologischen Schäden der motorisierten Laubsauger mit der Lautstärke eines Presslufthammers sind enorm", warnt Rottleb. 

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Naturschutz: Baumstämme als Lebensraum für Insekten

Neben dem Laub ist auch ein Baumstumpen oder ein Baumstamm hilfreich für die Natur, der an einem sonnigen Plätzchen im Garten als Totholz verrotten darf. An ihm weiden sich viele Arten wie die Holzbiene, die Blattschneidebiene und die Goldwespe – oft über Jahre hinweg. "Es klingt paradox, aber Totholz zählt zu den lebendigsten Lebensräumen in der Natur", sagt Marja Rottleb. "Viele Insekten, die in Gärten vorkommen, profitieren davon als Nahrungsquelle, Versteck oder Baumaterial."

Baumstämme und -stümpfe zählen zu den lebendigsten Lebensräumen im heimischen Garten.
Baumstämme und -stümpfe zählen zu den lebendigsten Lebensräumen im heimischen Garten. (Foto: NABU/Eric Neuling)

Efeu und Stauden nicht zurückschneiden

Schnittzeit ist im Herbst noch für einige Gehölze, Sträucher und Hecken. Doch die Äste und Zweige sollten nicht verbrannt werden, sondern als Reisighaufen liegen bleiben. Sie bilden ebenfalls ein Überwinterungshabitat für viele Tierarten.

Vom Schnitt der Stauden im Herbst rät Rottleb indessen ganz ab. Die Stängel seien beliebte Quartiere bei Insekten und Marienkäfern, die dann im Frühjahr die Blattläuse fressen. Vögel fressen die Samen aus den Samenständen und kommen so besser über den Winter.

Auch Efeu könne man im November getrost wachsen und blühen lassen. Die unscheinbaren, gelbgrünen Blüten der Kletterpflanze kommen oft erst gegen Ende des Jahres zum Vorschein und bieten einigen Insekten eine letzte Mahlzeit vor dem Winter – während sonst nur noch wenige Nektarquellen zur Verfügung stehen. "Man tut immer gut daran", sagt Rottleb, "in seinem Garten einen kleinen Kreislauf der Natur aufrechtzuerhalten. So spart man sich eine Menge Arbeit. Und die Nützlinge helfen im neuen Jahr, die Schädlinge in Schach zu halten."

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