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Matratze kaufen: So finden Sie die richtige Matratze

Autor: ÖKO-TEST-Redaktion | Kategorie: Bauen und Wohnen | 04.07.2020

Wer eine Matratze kaufen möchte, kann zwischen verschiedenen Typen wie Federkern oder Latex wählen.
Foto: MAD Production / Shutterstock

Eine Matratze zu kaufen will gut überlegt sein – schließlich sorgt sie dafür, ob wir gut oder schlecht schlafen. Aber bedeutet ein höherer Preis auch immer bessere Qualität? Und was gilt für Kindermatratzen? Wir haben die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Matratzenkauf.

  • Matratzen gibt es in verschiedenen Härtegraden: Schwergewichtige Menschen brauchen härtere Matratzen, ältere und leichte Menschen weiche Matratzen.
  • Eine Federkernmatratze gibt es oft recht günstig, sie sollte jedoch bestimmte Kriterien erfüllen.
  • Latexmatratzen sind beliebt, der Begriff Naturlatex ist jedoch nicht geschützt.

Bevor Sie sich eine neue Matratze kaufen, sollten sich über die Qualität, den Preis und das Material Ihrer neuen Schlafunterlage Gedanken machen. Denn ein gesunder Schlaf ist wichtig, um gut durch den Tag zu kommen, und eine Matratze mit dem falschen Härtegrad oder Material kann zu gesundheitlichen Problemen führen. Dies sind die Antworten auf die drängendsten Fragen zum Matratzenkauf:

Matratze kaufen: Worauf Sie achten sollten

Bei der Matratze kommt es vor allem auf die Punktelastizität an: Der Körper muss anatomisch richtig unterstützt werden, damit Wirbelsäule und Muskulatur sich entspannen können. Nehmen Sie sich Zeit, und probieren Sie im Möbelhaus sämtliche Schlafstellungen aus. Matratzen werden in drei bis vier Härtegraden angeboten. Dabei unterscheiden sich die Härtegrade von Hersteller zu Hersteller. Als Faustregel gilt: Schwergewichtige oder Menschen mit empfindlichen Bandscheiben sollten eine härtere Matratze wählen, Leichtgewichte und ältere Menschen eine weichere.

Jeder Schläfer verliert pro Nacht durchschnittlich etwa einen halben Liter Feuchtigkeit, der nicht nur von der Decke, sondern auch von der Matratze aufgenommen und wieder abgegeben wird. Natürliche Materialien können die Feuchtigkeit normalerweise besser regulieren als Kunststoffe.

Der Ratgeber Worauf Sie beim Bettenkauf achten sollten - unsere Tipps beantwortet alle Fragen rund um das richtige Bett.

Federkernmatratzen: Vorteile und Nachteile

Federkernmatratzen sind recht preisgünstig, haltbar und können Feuchtigkeit oder Wärme schnell aufnehmen und wieder abgeben. Sie bestehen aus einem System von Stahlfedern, die durch ein Geflecht miteinander verbunden sind und sich unabhängig voneinander bewegen können. Umgeben wird dieser Federkern von einem Feinpolster aus Wolle, Baumwolle und anderen Materialien.

Der Nachteil von Federkernmatratzen ist, dass sie den Körper des Schlafenden lediglich flächig und nicht punktelastisch unterstützen, was dem Rücken weniger individuellen Halt gibt. Für Lattenroste mit verstellbaren Kopf- und Fußteilen eignen sich Federkernmatratzen schlecht. Bei einer 90 mal 200 Zentimeter großen Matratze sollten Sie darauf achten, dass die Anzahl der Federn nicht unter 400 liegt.

Moderne Matratzen sind in mehreren Lagen aufgebaut, hier eine Taschenfederkernmatratze.
Moderne Matratzen sind in mehreren Lagen aufgebaut, hier eine Taschenfederkernmatratze. (Foto: ALFA3D.org / Shutterstock)

Was sind Taschenfederkernmatratzen?

Taschenfederkernmatratzen sind teurer als normale Federkernmatratzen und sollen eine höhere Punktelastizität ermöglichen. Die einzelnen Federn sind in kleine Stoffsäckchen eingenäht, den Taschen. Diese sind an ihren Berührungspunkten miteinander verbunden. Dadurch kann sich jede einzelne Feder frei bewegen.

Gute Matratzen sollten bei einer Größe von 90 mal 200 Zentimetern wenigstens 460 Federn aufweisen, es gibt auch sehr hochwertige Modelle mit mehr als 1.000 Federn. Dieser kleinteilige Aufbau sorgt für eine hohe Punktelastizität, da nur die belasteten Federn nachgeben.

Latexmatratzen und Naturlatexmatratzen

Latexmatratzen bestehen - sofern es sich um Naturlatex handelt - aus der aufgeschäumten und vulkanisierten Milch des Gummibaums. Das Material hat generell ein relativ hohes Gewicht. Dafür ist Latex sehr formbeständig. Es nimmt nach der Entlastung sofort wieder sein ursprüngliches Volumen an. Die Punktelastizität von Latexmatratzen ist hoch.

Der Stoff besitzt außerdem eine antiseptische Wirkung, die Bakterien und Hausstaubmilben weitgehend fernhält. Latexmatratzen sind meist weich bis mittelfest. Härter werden sie zum Beispiel durch einen Kern aus Rosshaar oder Kokosfasern vermischt mit Latex.

Als nachwachsender und recycelbarer Rohstoff ist Latex umweltfreundlich, der Begriff Naturlatex ist jedoch gesetzlich nicht geschützt. Hinter dem Namen können sich auch Mischungen aus Naturlatex und synthetischem Latex verbergen. Um dem einen Riegel vorzuschieben, vergibt der Qualitätsverband umweltverträgliche Latexmatratzen (QUL) ein Qualitätssiegel für Naturlatexmatratzen. Synthetischer Latex wird aus Rohöl hergestellt, ist also kein natürliches Produkt. Er ist aber chemisch dem natürlichen Stoff sehr ähnlich und hat die gleichen Liegeeigenschaften.

ÖKO-TEST hat neun Latexmatratzen getestet – vier davon können wir empfehlen:

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Schaumstoffmatratzen: Ökologisch nicht ideal

Moderne, hochwertige Schaumstoffmatratzen stehen, was Formbeständigkeit und Elastizität anbetrifft, den Latexprodukten inzwischen oft in nichts mehr nach. Allerdings belastet ihre Herstellung aus Rohöl die Umwelt. Inzwischen setzen zwar einige Hersteller auch Naturöle ein, aber dieser Marktanteil ist sehr klein. Unterschieden wird zwischen Polyurethan-Weichschaumstoffen und Kaltschaumstoffen. Letztere sind deutlich elastischer. Dank seiner unregelmäßigen, groben Porenstruktur ist Kaltschaum atmungsaktiv.

Die Dichte und damit auch die Qualität des Schaumstoffs wird durch das Raumgewicht (RG) angegeben. Je höher das Raumgewicht, desto elastischer, haltbarer und tragfähiger ist das Material. Das RAL-Gütezeichen definiert den Mindeststandard mit 35 Kilogramm pro Kubikmeter. Unter diesem Wert sollte man keine Matratze kaufen. 45 bis 55 Kilogramm gelten als optimal.

Schaumstoffmatratzen gibt es auch als Frauen- und Männermodell. Hier werden die unterschiedlichen Gewichtsanteile der einzelnen Körperzonen berücksichtigt. Schließlich gibt es auch Matratzen, deren obere Schicht aus viskoelastischem Schaum besteht. Er reagiert auf Gewicht und Körperwärme. Der Körper sinkt an den Auflagepunkten ein, die Matratze passt sich den Körperkonturen an. Sie reagiert aber auf Bewegungen eher träge.

ÖKO-TEST hat 12 Schaumstoffmatratzen getestet – "sehr gut" war kein Modell im Test:

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Was ist bei Naturmatratzen wichtig?

Auch bei Naturmatratzen gibt es eine große Vielfalt an Produkten. Man unterscheidet grundsätzlich Vollpolstermatratzen und Kombinationsprodukte mit Naturlatex und Wolle. Allen gemeinsam ist aber, dass sie keine Metallteile, Kunst- und Schaumstoffe oder synthetische Fasern enthalten. Reine Vollpolstermatratzen, die ausschließlich Rosshaar, Seegras, Kapok, Wolle oder Stroh enthalten, findet man nur noch selten im Handel. Sie sind sehr hart, was für rückenempfindliche Menschen unangenehm ist, und außerdem schwer und pflegeintensiv.

Kombinationsprodukte, die den Liegekomfort und die Lebensdauer der Matratze deutlich erhöhen, haben sich deshalb auf dem Naturmatratzenmarkt durchgesetzt. In diesen Matratzen werden verschiedene Naturmaterialien schichtweise verarbeitet. Beliebt sind Kombinationen aus federndem Naturlatex plus einer oder mehrerer Lagen Naturfasern, zum Beispiel Kokosfasern oder Schafwolle. Die Kombiprodukte verbinden guten Liegekomfort mit den hautsympathischen, atmungsaktiven Vorteilen einer Naturfaser.

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Matratzen-Exoten: Luftkernmatratzen

Sie werden als leichte und wartungsfreie Alternative zum Wasserbett angeboten. Luftkernmatratzen können individuell befüllt werden, das entsprechende Pumpsystem wird mitgeliefert. Hauptproblem: Wenn die Matratze nicht gut gelüftet wird, kann sie schimmeln.

Am besten wie beim Wasserbett eine saugfähige Auflage nutzen, die den Schweiß aufnehmen und abgeben kann.

Wasserbett: Ideal für den Schlaf?

Befürworter des Wasserbetts argumentieren, dass der Körper auf einer solchen Matratze ganz individuell gelagert werde: Da Wasser nicht komprimierbar sei, sondern verdrängt werde, liege der Ruhende völlig ohne Druckstellen. Das ist aber auch das Argument der Gegner: Einem Wasserbett fehle die orthopädische Stützung.

Trotzdem schwören viele auf ihr Wasserbett, auch weil es durch das aufgeheizte Wasser immer wohltemperiert ist. Letzteres macht sich aber bei der Stromrechnung bemerkbar. Um elektromagnetische Felder zu vermeiden, ist es besser, das Wasser tagsüber aufzuheizen und nachts den Stecker zu ziehen.

Wer mit einem Wasserbett liebäugelt, sollte auch überprüfen, ob die Statik des Schlafraums geeignet ist. Immerhin kann ein Wasserbett für zwei Personen bis zu 800 Kilogramm schwer sein. Da das Bett von wasserundurchlässiger Folie umhüllt ist, ist eine dicke, saugfähige Auflage nötig, die Schweiß aufnimmt und die man wieder abgeben kann. Wasserbetten müssen fachmännisch aufgebaut und regelmäßig gewartet werden.

Futons: Seltene Matratzenvariante

Japanische Futons sind platzsparend und praktisch. Die echten japanischen Schlafmatten, Futons genannte, werden aus mehreren dünnen Schichten reiner Baumwolle hergestellt. Auf europäische Schlafbedürfnisse angepasste Futons gibt es inzwischen auch: Meist sind sie mit mehreren Schichten elastischer Fasern gepolstert.

Ihr Kern besteht aus Schafwolle, Latex, Rosshaar und Kokosfasern. So ein weicher Futon braucht allerdings Pflege. Weil Futons die Feuchtigkeit nur schlecht abgeben können, ist eine gute Durchlüftung wichtig. Etwa alle zwei Monate sollte die Schlafunterlage gewendet werden. Weiche Futons sollten täglich gerollt werden, damit sie nicht verhärten.

      Die richtige Matratze ist für einen erholsamen Schlaf sehr wichtig.
      Die richtige Matratze ist für einen erholsamen Schlaf sehr wichtig. (Foto: shutterstock / Ollyy)

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