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28 Öko-Stromtarife im Test

ÖKO-TEST Dezember 2016
vom 24.11.2016

Öko-Stromtarife

Nicht ganz grün

Das "Interesse an Öko-Strom erlahmt" verkündete im Sommer die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Wirklich? Und wenn ja, woran liegt das? Vielleicht auch daran, dass völlig unklar ist, wie sich Öko-Strom überhaupt definiert. Wir haben geprüft, wie grün die Tarife tatsächlich sind.

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24.11.2016 | Die Zeiten sind vorbei, als die Kunden für einen wahren Boom bei der Öko-Strom-Nachfrage sorgten. Das war vor fünf Jahren nach dem Atommeiler-GAU von Fukushima. Danach, im zweiten Halbjahr 2012, stellten Grünstromtarife noch 81 Prozent aller vom Onlineportal Verivox neu vermittelten Haushaltsstromverträge. Im zweiten Halbjahr 2015 waren es nur noch 59 Prozent. In den ersten sechs Monaten 2016 sank der Anteil sogar auf 51 Prozent. "Das Wachstum hat sich in der Tat gegenüber dem Jahr nach der Fukushima-Katastrophe verlangsamt, als aufgeschreckte Kunden zu Hunderttausenden auf sauberen Strom umschalteten", stellt auch Gero Lücking, Geschäftsführer beim Marktführer für grünen Strom, Lichtblick in Hamburg, fest. Die Tendenz mag stimmen. Genauere Zahlen über das nachlassende Interesse sucht man allerdings vergebens.

Zudem mangelt es den Daten erheblich an Aktualität. So stammen bei der Bundesnetzagentur, die gemeinsam mit dem Bundeskartellamt jährlich einen umfangreichen Monitoringbericht über die Strom- und Gasmärkte in Deutschland veröffentlicht, die letzten Zahlen über die mit grünem Strom versorgten Haushalte aus dem Jahr 2013, da waren es 7,5 Millionen. Für 2014 liegen aufgrund eines Computerfehlers keine und für 2015 zu Redaktionsschluss noch keine Ergebnisse vor.

Aktuellere Zahlen liefert da die VuMA-Studie Touchpoints. Die Arbeitsgemeinschaft VuMA, die unter anderem für Fernsehanstalten Verbrauchs- und Medienanalyse betreibt, kennt aus repräsentativen Befragungen die Konsumgewohnheiten der Deutschen bestens: Danach ist die Zahl der Öko-Strombezieher von 2013 bis Mitte 2016 um eine Million auf 8,5 Millionen gestiegen. 2011, im Jahr von Fukushima, waren es noch 4,8 Millionen.

Für Verwirrung sorgte allerdings in diesem Sommer eine Umfrage der Fachzeitschrift Energie & Management (E&M) gemeinsam mit dem Hamburg-Institut Consulting (HIC). Sie befragen seit elf Jahren regelmäßig Stromanbieter nach der Zahl ihrer Öko-Stromkunden. Die Untersuchung ist nach eigener Darstellung die bundesweit größte ihrer Art. Nach ihren neuesten Ergebnissen wäre die Zahl der Öko-Stromkunden gesunken. Das Ergebnis war so frappierend, dass die Tagespresse schlagzeilenträchtig unter Headlines wie "Öko-Stromtarife im Abwind" oder "Interesse an Öko-Strom erlahmt" berichtete. Nach der aktuellen E&M-Umfrage hatten 2013 rund 5,75 Millionen der etwa 40 Millionen deutschen Privathaushalte Öko-Stromtarife, 2015 waren es dann nur noch 4,4 Millionen. Der Pferdefuß der Erhebung, auf den die Verfasser selbst hinweisen: Die Zahlen sind nicht vergleichbar. So erfasste die Erhebung 2013 Öko-Stromkunden von 267 Stromanbietern. Bei der aktuellen Umfrage waren es nur noch 150 Unternehmen, da sich viele anscheinend nicht mehr in die Karten gucken lassen wollten. Fazit des Zahlensalats: Kein Rückgang der Kunden, aber der Zuwachs lahmt.

Lichtblick-Geschäftsführer Gero Lücking kommentiert: "Nicht die Zahl der Öko-Strom-Haushalte ist gesunken, sondern die Energieanbieter sind intranspare

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Die Auswahl
Grundlage für den Test waren die bundesweit verfügbaren Öko-Stromangebote, die EcoTopTen des Öko-Instituts empfiehlt.

Die Ökologie
Der Tarif soll einen ökologischen Zusatznutzen aufweisen, der über die Anforderungen des EEG hinausgeht. Das bedeutet beispielsweise, dass die Anbieter rund ein Drittel des verkauften Öko-Stroms aus Erneuerbare-Energien-Anlagen beziehen, die nicht älter als sechs Jahre sind. Alternativ können sie auch einen bestimmten Teil des Strompreises in den Ausbau von regenerativer Stromerzeugung investieren. Der Nachweis zur Einhaltung der ökologischen Mindestkriterien kann durch eine gültige Zertifizierung mit dem Ok-Power-Label oder dem Grüner Strom Label Gold erfolgen. Alternativ kann die Einhaltung durch unabhängige und fachkundige Gutachter zertifiziert werden.

Die Ökonomie
Die jährlichen Gesamtkosten der Öko-Stromangebote dürfen maximal 20 Prozent teurer als der Durchschnittspreis für konventionelle Stromangebote sein. Die Preisangaben basieren auf Herstellerangaben. Die Preise können teilweise, je nach Verbrauchsmenge und Postleitzahlengebiet, variieren.

Das konventionelle Stromangebot
Hier wurde erfasst, ob der Anbieter selbst neben zertifiziertem Öko-Strom noch mit konventionellen Produkten am Markt ist und/oder das bei einer Firma aus seinem Firmenverbund der Fall ist. Zudem interessierte uns der Strommix dieser Angebote.

Die Unternehmensstruktur
Hier wurde untersucht, ob die Anbieter unabhängig oder im Eigentum oder Miteigentum anderer Unternehmen sind. Ebenso, welche Unternehmen zum Firmenverbund gehören.

Die Bewertung
Wer sich für grünen Strom entscheidet, will etwas für die Umwelt tun. Daher soll das Geld - auch nicht zum Teil - nicht bei Firmen landen, die nebenbei oder sogar hauptsächlich konventionellen Strom verkaufen oder konventionellen Anbietern (teilweise) gehören. Für die Angebote solcher Firmen kann es kein "sehr gut" geben. Noch strenger sind wir, wenn dem konventionellen Angebot Atomstrom beigemixt wird oder ein AKW-Eigner/-Betreiber Teil des Firmenverbunds des Anbieters ist.