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26 Öko-Stromtarife im Test

ÖKO-TEST Dezember 2015
vom 27.11.2015

Öko-Stromtarife

Grüner wird's nicht

Öko-Strom boomt. Aber sehr gute Tarife sind immer noch die Ausnahme. Doch selbst hinter ihnen stecken oft Anbieter, die gleichzeitig Atom- und Kohlestrom auf den Markt bringen. Wie grün sind die Angebote wirklich?

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27.11.2015 | Echte Liebe. Auf den ersten Blick. Der Name klingt verlässlich: Naturenergie plus active - 100 Prozent Öko-Strom aus deutscher Wasserkraft. Der Tarif ist vom anspruchsvollen Grüner Strom Label zertifiziert. Und in den EcoTopTen, der Plattform für ökologische Spitzenprodukte, die vom Bundesministerium für Umwelt gefördert wird, ist er auch noch neu gelistet. Auch der Internetauftritt des Anbieters ist informativ und sympathisch: "Wir von NaturEnergie Plus arbeiten in einem kleinen Team. Dabei stellen wir höchste Anforderungen an uns selbst und an alle Partner, mit denen wir zusammenarbeiten."

Interessant. Aber wer sind diese Partner mit denen der kleine Öko-Stromanbieter zusammenarbeitet? Wer steckt dahinter? Auf den zweiten Blick finden unsere Rechercheure da keinen Hinweis in der Selbstdarstellung des Unternehmens. Auch nicht auf den dritten und vierten. Erst nach einem Fingerzeig des Produktmanagers werden wir unter "Service" fündig. Es ist ein ganz großer "Partner", denn Naturenergie+ Deutschland gehört zu 100 Prozent der EnBW, einem der großen deutschen Stromkonzerne, in dessen Energiemix jede Menge Atomenergie und Kohle enthalten sind.

Auch Susi Energie ist ein sympathischer Anbieter und gehört den Technischen Werken Schussental. An denen ist die EnBW Kommunale Beteiligungen GmbH zu 25,1 Prozent beteiligt. "Die EnBW Kommunale Beteiligungen GmbH hat keine Kohle- und Atombeteiligungen", schreibt uns Susi. Behauptet ja auch keiner. Die 100-Prozent-EnBW-Tochter steht im selben Geschäftsbericht wie Schussental oder auch EnBW Kernkraft. Solche Verbindungen verdrängt mancher Öko-Stromanbieter gerne schon mal.

Schade, mit der großen Liebe wird es in diesen beiden Fällen dann wohl nix. Denn wer als Kunde Öko-Strom bestellt, möchte nicht nur ein wirklich gutes Produkt, auch der Anbieter sollte nicht mit Atom- oder Kohlestromern kooperieren oder einem solchen Unternehmen gar gehören. Drastischer formuliert es Heiko von Tschischwitz, Vorsitzender der Geschäftsführung beim Öko-Stromanbieter Lichtblick: "Vegetarier kaufen ja auch nicht beim Metzger."

Einen rundherum sauberen Anbieter zu finden ist also gar nicht so leicht, denn immer mehr Stromanbieter buhlen mit Öko-Versprechen um die Gunst umweltbewusster Kunden - egal ob als kleine regionale Einkaufgemeinschaften mit Stammtischcharakter oder große Unternehmen mit bundesweitem Angebot und Tausenden Mitarbeitern. Das besondere Merkmal vieler Öko-Stromanbieter: Als Beweis der Seriosität ihrer Versprechen lassen sie ihre Tarife oder auch ihre Geschäftspolitik von unabhängigen Zertifizierern prüfen. Doch die Vielzahl der Siegel macht den Markt eher undurchsichtig als überschaubarer. "Die Stromanbieter, die sich prüfen lassen, haben jeweils ihre eigene Öko-Philosophie und wählen sich die passende Zertifizierung aus. Andere Unternehmen stellen eigene Kriterien auf, deren Einhaltung sie sich von externen Prüfern bestätigen lassen", sagt Markus Landau, Gutachter beim Fraunhofer-Institut für Windenergie und

ÖKO-TEST Dezember 2015

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So haben wir getestet

Die Auswahl
Grundlage für den Test waren die bundesweit verfügbaren Öko-Stromangebote, die EcoTopTen empfiehlt.

Die Ökologie
Der Tarif soll einen ökologischen Zusatznutzen aufweisen, der über die Anforderungen des EEG hinausgeht. Das bedeutet beispielsweise, dass die Anbieter rund ein Drittel des verkauften Öko-Stroms aus Erneuerbare-Energien-Anlagen beziehen, die nicht älter als sechs Jahre sind. Alternativ können sie auch einen bestimmten Teil des Strompreises in den Ausbau von regenerativer Stromerzeugung investieren. Der Nachweis zur Einhaltung der ökologischen Mindestkriterien kann durch eine gültige Zertifizierung mit dem Ok-Power-Label oder dem Grüner Strom Label Gold erfolgen. Alternativ kann die Einhaltung durch unabhängige und fachkundige Gutachter zertifiziert werden.

Die Ökonomie
Die jährlichen Gesamtkosten der Öko-Stromangebote dürfen maximal 20 Prozent teurer als der Durchschnittspreis für konventionelle Stromangebote sein. Die Preisangaben basieren auf Herstellerangaben. Die Preise können teilweise, je nach Verbrauchsmenge und Postleitzahlengebiet, variieren.

Das konventionelle Stromangebot
Hier wurde erfasst, ob der Anbieter selbst neben zertifiziertem Öko-Strom noch mit konventionellen Produkten am Markt ist und/oder das bei einem Unternehmen aus dem Firmenverbund der Fall ist. Zudem interessierte uns der Strommix dieser Angebote.

Die Unternehmensstruktur
Hier wurde untersucht, ob die Anbieter unabhängig sind oder im Eigentum anderer Unternehmen. Ebenso ob Produzenten von Atomstrom zum Firmenverbund gehören.

Die Bewertung
Wer sich für grünen Strom entscheidet, will etwas für die Umwelt tun. Daher soll das Geld nicht bei Firmen landen, die nebenbei oder sogar hauptsächlich konventionellen Strom verkaufen oder konventionellen Anbietern gehören. Für die Angebote solcher Firmen kann es kein "sehr gut" geben. Noch strenger sind wir, wenn dem konventionellen Angebot Atomstrom beigemixt wird oder ein AKW-Eigner/-Betreiber Eigentümer oder ein Unternehmen aus dem Firmenverbund des Anbieters ist.