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ÖKO-TEST Jahrbuch Bauen, Wohnen, Renovieren für 2010
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Acryl-Fugenmassen

In trockenen Bereichen werden Fugen üblicherweise mit Acryldichtmassen geschlossen. Leider sind diese Produkte oft schadstoffbelastet und manche auch wenig praxistauglich. Immerhin drei überzeugen.


Über die Kunst der Fuge kommt so mancher Baufachmann ins Philosophieren. Denn er muss bedenken, wie stark sie beansprucht wird und wie sehr sich Materialien und Bauteile durch die Einwirkung von Wärme, Kälte oder Feuchtigkeit bewegen. Hinzu kommen äußere Erschütterungen, Setzungen des Gebäudes und statische Belastungen. In trockenen Bereichen werden Fugen üblicherweise mit Dichtmassen auf Acrylbasis geschlossen. Für feuchtebeanspruchten Bereiche wie Badezimmer sind Acrylfugenmassen nicht geeignet, weil sie empfindlich auf Wasser reagieren. Anders als Silikon kann Acryl überstrichen werden, allerdings gibt es damit in der Praxis häufig Probleme. So werden in etlichen Internetforen Risse in Anstrichen auf Acrylfugenmassen heftig diskutiert. Dabei ist die Sache ziemlich klar: Die Acrylmasse kann sich deutlich mehr dehnen als ein Anstrich und so sind die Risse quasi programmiert. Der Normalverbraucher sollte im Zweifelsfall lieber darauf verzichten, und, wenn überhaupt, mit dem Überstreichen warten, bis die Massen gut ausgehärtet sind.

ÖKO-Test wollte wissen, ob die Acryldichtstoffe mit Schadstoffen belastet sind. Wir schickten zehn Acrylfugenmassen in verschiedene Fachlabore. Die Farbe Weiß wurde gewählt, weil sie in der Praxis die größte Rolle spielt. Daneben unterzogen wir die Fugenmassen einem ausführlichen Praxistest.

Das Testergebnis

Drei Dichtstoffe können auf ganzer Linie überzeugen, zwei weitere gehen mit einem "gut" aus dem Rennen. Zwei Produkte landen am Ende der Notenskala, weil sie hochgradig mit Schadstoffen belastet sind. Auch im Praxistest hinterließen nicht alle Produkte einen guten Eindruck.

In zwei Produkten stecken große Mengen an Phthalaten, die im Verdacht stehen, wie ein Hormon zu wirken. In den anderen Fugenmassen wählten die Hersteller teilweise alternative Weichmacher, zum Beispiel DEHT aus der Gruppe der Terephthalate. So lange der Stoff nicht hinreichend untersucht und bewertet wurde, gibt es für DEHT einen Minuspunkt.

Da die Acrylfugenmassen wasserbasiert sind, werden Konservierungsmittel eingesetzt. In der Probau Acryl Dichtmasse wurden Formaldehyd/-abspalter nachgewiesen. Formaldehyd reizt die Schleimhäute, kann Allergien auslösen und ist krebsverdächtig.

Den Praxistest bestanden fünf Produkte mit "sehr gut", zwei mit "gut". Sie ließen sich gut verarbeiten, waren dehnfähig und wiesen eine gute Haftung auf.

Ein weiteres Qualitätskriterium ist der Volumenverlust der Acrylfugenmassen. Eine Anforderungsnorm für Baudichtstoffe sieht vor, dass die Schrumpfung nach einer definierten Trockenzeit maximal 25 Prozent betragen darf. Immerhin sechs Materialien erfüllen diesen Wert.

Für die Praxis interessant ist vor allem die Frage, inwieweit die Materialien in der Lage sind, eine gewisse Dehnung der Fuge über einen längeren Zeitraum - im Test 24 Stunden - zu bewältigen. Das Faust Acryl zeigte dabei nicht einmal eine zehnprozentige Dehnfähigkeit. Auch wenn Acrylfugenmassen als nicht sehr dehnfähig gelten, geht man doch davon aus, dass sie zumindest diesen Wert schaffen. Dagegen machten die Dichtstoffe von Hornbach, Lugato, Knauf und Otto Chemie sogar 60 Prozent Fugendehnung über 24 Stunden mit und können als elastisch eingestuft werden.





Wichtige InformationenDieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.

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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
  • die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
  • aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
  • neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
  • aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.



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