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24. August 2016
Im Gespräch
Vom Laufsteg auf den Fluchtweg
Im Gespräch

"Ich wusste nur, dass ich helfen wollte", sagt Angela Luna, Gründerin des Labels Adiff. Sie hat eine Kollektion für Flüchtlinge entworfen.
Foto: Jessica Richmond

Modedesignerin Angela Luna, 22 Jahre alt, ist Gründerin und Vorsitzende des Labels Adiff.

ÖKO-TEST: Sie haben als Abschlussarbeit eine Kollektion für Flüchtlinge entworfen: Was hat Sie dazu inspiriert?

Angela Luna: Die Kollektion entstand aus einem Gefühl der Hilflosigkeit heraus. In den vergangenen Jahren habe ich immer versucht, am aktuellen Geschehen teilzuhaben. Eines Nachts war ich lange wach und habe mich über die Flüchtlingskrise informiert, das war kurz nach einem der furchtbaren Bootsunglücke im Ägäischen Meer, da fühlte ich ein überwältigendes Mitgefühl und das Bedürfnis, alles, was ich kann, zu geben, um diesen Menschen zu helfen. Aber ich lebe in New York. Ich studiere Mode. Abgesehen von einer Spende an die Flüchtlingshilfe sah es nicht so aus, als könnte ich viel tun. Am nächsten Tag im Unterricht, als meine Professoren und Mitschüler die jüngsten Laufstegshows besprachen, reflektierte ich darüber, wie weit weg von unserem Alltag dieses Thema ist – wie können wir im Klassenraum sitzen und so tun, als würden auf der anderen Seite der Welt keine Menschen sterben? Ich zweifelte sogar daran, dass ich in der Industrie arbeiten sollte, oder überhaupt in der Modebranche. Im Laufe der Woche informierte ich meinen Professor, dass ich das Konzept meiner Abschlussarbeit mit Fokus auf die Flüchtlingskrise ändern werde. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich keine Ahnung, wie das Resultat aussehen würde – ich wusste nur, dass ich helfen wollte. Und weil meine Kompetenzen nun mal Design und Mode sind, hatte ich keine andere Wahl.

ÖKO-TEST: Welche Kleidungsstücke sind daraus entstanden und was ist die Idee dahinter?

Angela Luna: Die Kollektion ist in Einheitsgröße und geschlechtsneutral entworfen. Die Kleidungsstücke werden unter ästhetischen Gesichtspunkten handgefertigt und sollen die Antwort auf eines oder mehrere Probleme bieten, vor denen Flüchtlinge täglich stehen. Gleichzeitig können sie auch für Outdoor-Kunden anwendbar sein. Das Konzept entstand aus einer intensiven Recherche von Artikeln, Fotosammlungen, Videos und Gesprächen mit humanitären Organisationen. Die umwandelbare, multifunktionelle Kleidung ist zweckmäßig, strapazierfähig und kann in ganz unterschiedlichen Umgebungen getragen werden. Es gibt Jacken, die zu Zelten, Schlafsäcken oder Rucksäcken umfunktioniert werden können, aber auch solche, die ausgestattet sind, um Kinder darin zu tragen, die als Schwimmhilfe dienen und für bessere Sichtbarkeit sorgen. Die Marke hat zwei Aspekte: Zum einen die markttaugliche Seite für den Massenmarkt der Ober- und Outdoorbekleidung und zum anderen die wohltätige Seite, die groß angelegte Kleiderspenden aus der Kollektion für Flüchtlinge leistet. Die gespendeten Produkte werden aus einem Teil der Einnahmen der vermarkteten Kollektion finanziert. Das Hauptanliegen war, designte Produkte zu entwerfen, die Flüchtlinge unterstützen, und einen Weg zu finden, die Modeindustrie als Medium für Veränderung zu nutzen.

ÖKO-TEST: Wie gelangt die Kleidung zu den Flüchtlingen? Sind bereits Hilfsorganisationen darauf aufmerksam geworden?

Angela Luna: Gerade wurde ich gebeten, mich dem sogenannten "Generation R Team" des International Rescue Committees (IRC) anzuschließen, das genau zu den moralischen Werten des Projekts passt. Das IRC hat die Möglichkeit angeboten, die Spenden mit ihren Hilfsgütern auszuliefern. Außerdem sind sie offen, die Kleidungsstücke auch an Flüchtlinge in anderen Regionen weiterzugeben. Auch wenn der Fokus der ersten Kollektion auf syrischen Flüchtlingen liegt, verstehe ich das Projekt als Möglichkeit, alle Flüchtlinge zu unterstützen, unabhängig von ihrer Herkunft. Ich hoffe, die Kleidung kann irgendwann im nächsten Jahr weltweit an Flüchtende verteilt werden. Sobald ich einen besseren Überblick über die exakte Anzahl und Häufigkeit der Spenden habe, wird es leichter sein, festzulegen, wo und wann die Kleidungsstücke verteilt werden. Außerdem bin ich in ersten Gesprächen mit der UNHCR, dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen.

ÖKO-TEST: Es gab Stimmen, die Ihre Kollektion als "Flüchtlings-Chic" bezeichnet haben: Was halten Sie von solchen Reaktionen?

Angela Luna: Dieser Aussage würde ich komplett widersprechen. Es ist ein großer Unterschied, ob man eine Kollektion "inspiriert" von Flüchtlingen entwirft oder eine, die kreiert wurde, um Flüchtlingen zu helfen. Die Kleidungsstücke im Verkauf werden ebenfalls an Bedürftige gespendet, die Marke ist also motiviert von Menschlichkeit und dem Wunsch, etwas zurückzugeben. Sie soll außerdem ein Bewusstsein durch ein unerwartetes Medium schaffen und dem durchschnittlichen Verbraucher einen Einblick in aktuelle Geschehnisse geben. Ein weiteres Ziel der Marke ist es, umgesiedelte Flüchtlinge zu beschäftigen, Forschungsprogramme anzubieten sowie Gemeinschaftsgebäude und Integrationsprogramme für die Geflüchteten anzulegen.

Weitere Informationen zur Kollektion und zur Designerin Angela Luna finden Sie auf der Webseite www.adiff.com oder bei Facebook: www.facebook.com/Adiffproject

( oet )


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