Testberichte aus dem Archiv

Apfelsaft
Nicht weit vom Stamm

Regionalität boomt. Das gilt nicht nur für Milch, Eier oder Mineralwasser - auch Fruchtsäfte schmücken sich immer öfter mit dem Heimvorteil der verwendeten Früchte. Jüngstes Beispiel sind die Hohes C Heimischen Früchte aus dem Hause Eckes-Granini, die unter anderem Äpfel und Birnen aus Deutschland und Österreich enthalten. Doch ist das schon regional oder gar heimisch? Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Fruchtsaftkonzentrate - die auch im Eckes-Saft stecken - heute vielfach aus Fernost stammen, mag das so sein. Apfelsäfte aus kleinen Keltereien beweisen jedoch, dass es bei Säften sehr viel regionaler zugehen kann, besonders wenn sie aus Streuobst hergestellt sind.
Die Wirtschaftsweise des Streuobstanbaus entstand im 18. und 19. Jahrhundert und basiert auf hochstämmigen, verstreut stehenden Obstbäumen. Bei der Sortenauswahl dominiert der Apfel, daneben wurden auch Birnen-, Zwetschgen-, Kirsch- und Walnussbäume gepflanzt. Noch vor 50 Jahren dienten die Obstwiesen dem Erwerbsobstbau. Das Blatt drehte sich jedoch gründlich, als Plantagen mit niedrigstämmigen, eng gepflanzten Bäumen aufkamen, auf denen deutlich kostengünstiger produziert werden konnte.
In der Folge ging der Streuobstanbau stark zurück. So büßte das Land Baden-Württemberg, das europaweit über die umfangreichsten Streuobstbestände verfügt, seit den 50er-Jahren über 70 Prozent der Bestände ein, so die Umweltorganisation NABU. Erst als Anfang der 70er-Jahre Veränderungen im Landschaftsbild und ökologische Folgen, wie der Rückgang von auf Streuobstwiesen vorkommenden Vogelarten, immer stärker zutage traten, setzte ein allmähliches Umdenken ein.
Heute wird in einigen Bundesländern mit staatlichen Fördermitteln gegengesteuert, gefährdet sind die Obstwiesen aber weiterhin. Positiv haben sich sogenannte Aufpreisinitiativen ausgewirkt, die seit Ende der 80er-Jahre mit Unterstützung von Umweltverbänden wie dem NABU oder dem BUND entstanden. Ziel dieser Aktionen ist es, über höhere Preise einen Anreiz zu schaffen, die Obstwiesen dauerhaft zu pflegen und zu erhalten, erläutert Ralf Hilzinger vom NABU-Bundesfachausschuss Streuobst. Dabei steht der Naturschutz für Hilzinger an erster Stelle, folglich darf auch nicht gespritzt werden. Dennoch kann es laut Landesverband für Obstbau, Garten und Landschaft Baden-Württemberg (LOGL) schon einmal vorkommen, dass Jungbäume bei starkem Blattlausbefall mit Pestiziden gespritzt werden. Ausgewachsene, voll tragende Bäume sollen davon aber nicht betroffen sein. Auch kann je nach Standort, Lage und Unternutzung der Wiesen einmal Dünger nötig sein, der im Bedarfsfall auch synthetischen Ursprungs sein kann, so der LOGL.
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