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31. August 2012
Wanderstiefel
So haben wir getestet
Wanderstiefel

Biegeverhalten der Laufsohle: Auf Biegen und Brechen geht es beim Sohlendauertest. Nachdem die Sohle per Dorn angestochen worden ist, zeigt sich, ob sie reißt oder hält. Foto: Labor
Der Einkauf
Wir haben zehn Wanderstiefel bekannter Outdoorausrüster in Fachgeschäften und im Internet eingekauft. Bei den Modellen handelt es sich um sogenannte Leichtwanderstiefel. Es sind knöchelhohe Schuhe, die für anspruchsvollere Wanderungen im Mittelgebirge und leichte Trekkingtouren im Gebirge gedacht sind. Alle Produkte im Test gibt es sowohl für Männer als auch für Frauen. Sie unterscheiden sich dann eventuell in der farblichen Gestaltung. Der Aufbau und die verwendeten Materialien sind aber gleich. Alle Produkte besitzen Gummisohlen. Darüber sind verschiedene Funktionstextilien und Leder verarbeitet. Der günstigste Schuh kostet 99,95 Euro, der teuerste 199,95 Euro.

Garantie und Reparaturmöglichkeiten
Wir haben bei den Anbietern nachgefragt, ob sie über die gesetzliche Gewährleistung hinaus noch freiwillige Garantien auf den Wanderstiefel oder Teile des Produkts geben. Außerdem interessierte uns, welche Komponenten des Schuhs repariert werden können.

Die Praxisprüfung
Wasserdichtheit: Niemand möchte nach einem Marsch über eine nasse Wiese oder durch einen Regenschauer den Rest der Tour mit feuchten Füßen fortsetzen. Deshalb ließen wir im Labor die Wasserdichtheit der Wanderstiefel untersuchen. Die Experten prüften gemäß dem Verfahren der technischen Lieferbedingungen der Bundeswehr. Dabei wird der Schuh auf einen Kunstfuß aufgezogen und in einem Gehsimulator befestigt. Diese Vorrichtung befindet sich in einer Wanne, die so weit mit Wasser gefüllt ist, dass der Wasserspiegel ein bis zwei Zentimeter über den Sohlenrand des ungebogenen Schuhs reicht. Der Gehsimulator wird in Gang gesetzt und läuft drei Stunden lang. Während der Prüfung wird der Schuhinnenraum ständig auf einen Wassereintritt hin überwacht.

Haftung der Laufsohle am Schuh: Mindestens so ärgerlich wie feuchte Füße ist eine Schuhsohle, die sich irgendwo in der Wildnis plötzlich vom Schuh löst. Das Ablösen einer Laufsohle ist übrigens einer der häufigsten Gründe für Reklamationen. Um zu erfahren, wie "treu" die Laufsohle der getesteten Produkte zum Restschuh hält, spannte das Prüflabor die Schuhe auf einen Leisten. Den platzierten sie auf der Zugprüfmaschine. An der Spitze der Sohle befestigten die Tester nun eine Abreißklemme. Anschließend stellten die Experten die Kraft fest, bei der sich die Sohlenspitze vom Schuh gelöst hatte. Danach riss die Maschine die Sohle vom Schuh ab. Dabei kontrollierten die Prüfer die Haftung im Spitzen-, Ballen- und Gelenkbereich.

Biegeverhalten der Laufsohle: Auch das Biegeverhalten der Laufsohle ist entscheidend. Denn eine gerissene Sohle ist ebenso ärgerlich wie eine abgefallene. Prüfen ließen wir das Biegeverhalten in einem Dauertest. Um zu erkennen, ob die Sohle schnell unbrauchbar wird, wenn man auf einen spitzen Stein getreten ist, stachen die Tester einen Dorn in die Sohle und dokumentierten das Wachstum des Risses. 30.000-mal bog eine Maschine die Sohlen des Schuhpaares.

Stabilität der Schnürteile: Beim Schnüren des Wanderstiefels wirken enorme Kräfte auf Haken, Ösen und Schlaufen. Da ein ausgerissenes Schnürteil den Halt des Fußes im Stiefel deutlich schwächen kann, ist eine zerstörte Öse keine Kleinigkeit. Die Stabilität der Schnürteile prüften die Tester, indem sie einen Schnürsenkel durch diese Komponenten zogen und eine Maschine am Schnürsenkel ziehen ließen.

Scheuerbeständigkeit des Fersenfutters: Auch im passenden Wanderstiefel ist der Fuß in Bewegung. Die Ferse rutscht am Futter entlang, scheuert am Stoff. Um zu testen, wie lange das Material dem Socken standhält, führte ein Labor einen Scheuerversuch im Dauertest durch. Dabei wird ein Stück des Fersenfutters gegen einen Baumwollstoff gerieben. 51.200-mal scheuerten die Prüfer trockenen Baumwollstoff gegen das Fersenfutter, 12.800-mal nassen. So simulieren die Tester den trockenen und den nassen Socken im Schuh.

Die Inhaltsstoffe
In Wanderschuhen sind eine Vielzahl von Materialien verarbeitet. Dementsprechend umfangreich war das Prüfprogramm. Wir ließen die Labore nach Verbindungen suchen, die in Kunststoffen vorkommen, wie Weichmacher, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe oder zinnorganische Verbindungen. Schädliche Substanzen, die durch die Lederverarbeitung und -ausrüstung im Material stecken können, sind Chrom VI sowie Chlorkresol und -paraffine. Auch nach krebserregenden Farbstoffen ließen wir suchen. Dabei konzentrierten wir uns auf die verarbeiteten Materialien, mit denen der Träger in Berührung kommen kann. Deshalb verzichteten wir auf eine Untersuchung der Laufsohle - mit Ausnahme der Prüfung, die klärt, ob chlorierte Kunststoffe in der Laufsohle stecken.

Die Bewertung
Wanderstiefel sind eine Investition für viele Jahre und sollten lange halten. Umso wichtiger ist es, dass der Schuh im Gelände überzeugt. Deshalb geht die Praxisprüfung zu 60 Prozent, das Testergebnis Inhaltsstoffe zu 40 Prozent in das Gesamturteil ein. So kann ein Schuh, der zwar im harten Praxistest erstklassig abgeschnitten hat, nicht besser als "befriedigend" sein, wenn er voller problematischer Substanzen steckt.




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Wichtige InformationenDieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.

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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
  • die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
  • aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
  • neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
  • aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.

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