Gift für die Ohren
Störende Wirkung ...

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hängt teils vom eigenen Empfinden ab
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Lärm ruiniert die Gesundheit: Schwerhörigkeit ist die häufigste Berufskrankheit in Deutschland.
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Dass Geräusche, wie sie vom Windrad oder durch dünne Wände aus einer Nachbarwohnung ans Ohr dringen, oft nicht wirklich laut sind, spielt dabei zunächst eine untergeordnete Rolle. Lärm, sagt der Wuppertaler Lärmforscher Detlef Krahé, ist "unerwünschter Schall mit einer störenden Wirkung auf den Menschen". Entscheidend ist neben der Intensität auch, ob ein Geräusch vom Hörer als negativ wahrgenommen wird. Wissenschaftler sprechen von einem soziopsychologischen statt physikalischen Begriff. Den Schlaf kann schon der Kühlschrank stören, der mit 30 Dezibel summt.
Ab einer bestimmten Intensität freilich hat Lärm in jedem Fall schädigende Auswirkungen. Ein Silvesterknaller, der in Ohrennähe explodiert, kann zum Ertauben führen; wummernde Bässe bei einem Rockkonzert ziehen die Ohren in Mitleidenschaft, auch wenn der Hörer die Musik genießt. Rund 120 Dezibel werden in Konzertarenen und Diskotheken gemessen. Bereits ab 65 Dezibel, sagt Krahé, handelt es sich um eine "Belästigung, der man sich nicht mehr entziehen kann". Vor polternden Lastwagen vor dem Wohnzimmer gibt es kein Entrinnen mehr: Am Rand von Hauptverkehrsstraßen werden leicht 80 Dezibel und mehr gemessen.
Uralter Fluchtinstinkt
Die Empfindlichkeit, mit der wir auf Lärm reagieren, hat evolutionäre Gründe; sie hat unseren Vorfahren vor Zehntausenden Jahren das Leben gerettet. Sie schreckten empor, wenn das Ohr ungewohnte Geräusche vernahm, weil wildes Getier durchs Gebüsch raschelte. Die Ohren, sagt die Aalener Wissenschaftlerin Annette Limberger, sind "unser Tor zur Umwelt" - und lassen sich, im Unterschied zu den Augen, auch nachts nicht schließen. "Das Ohr schläft nicht", sagt der Mediziner Martin Kaltenbach. Sobald es ein nicht bekanntes Geräusch empfängt, versetzt es den Körper in Alarmbereitschaft: Adrenalin und Cortison werden ausgeschüttet, der Puls geht in die Höhe, der Blutdruck steigt.
Was bei unseren Vorfahren funktionierte, läuft auch heute noch zuverlässig ab - nur dass der Mechanismus oft nicht mehr Leben rettet, sondern das Leben zur Hölle macht. Thomas Pohl kann ein Lied davon singen. Er lebt am Leipziger Flughafen quasi im dauernden nächtlichen Alarmzustand. Beim ersten Turbinengeräusch, berichtet er, "werde ich mit Herzrasen munter". Dann liegt er im Bett und wartet, bis der Wecker klingelt. In manchen Nächten schlafe er zwei Stunden, erzählt der Mann, der Schichten arbeitet und die Nachtruhe zur Erholung dringend bräuchte. Ohne Ohrstöpsel und Schlaftabletten allerdings ist für Pohl an Schlaf kam noch zu denken.
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