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26. Januar 2012
Abnehmen
Insulin-Trennkost
Insulin-Trennkost

Schlank im Schlaf + Lafer nimmt ab

Der abendliche Verzicht auf Kohlenhydrate ist nicht sinnvoll, weil das Gehirn auch nachts Glucose benötigt.


Schlank im Schlaf

Diätprinzip: Trennkost, wenig Fett. Die "Insulin-Trennkost" besteht aus einer morgendlichen Mahlzeit mit reichlich Kohlenhydraten, mittags werden Kohlenhydrate und Eiweiß kombiniert, abends soll vor allem Eiweiß gegessen werden. Zu jeder Mahlzeit sind geringe Fettmengen erlaubt. Durch diese Form des Trennens soll nachts der Insulinspiegel niedrig gehalten werden.

Wie funktioniert es? Zum Frühstück gibt es vor allem Kohlenhydrate, also Brot, süßen Brotaufstrich, Müsli, Obst und Fruchtsäfte, dazu ein wenig Streichfett und Nüsse. Das Mittagessen besteht hauptsächlich aus Eiweiß und Kohlenhydraten, also magerem Fleisch oder Fisch, viel Gemüse sowie Kartoffeln, Reis oder Nudeln. Die abendliche Mahlzeit enthält vor allem Eiweiß durch Fleisch oder Fisch, dazu Gemüse und/oder Salat. Außerdem werden Eiweißpräparate empfohlen. Unterschieden wird zwischen zwei "Stoffwechseltypen": dem Nomaden - er verträgt Kohlenhydrate besonders schlecht, und dem Ackerbauern, dem Kohlenhydrate etwas besser bekommen.

Das ist positiv: Es gibt sehr viel Gemüse und Obst, fettarme Milchprodukte, Kartoffeln, Nudeln/Reis und pflanzliche Öle. Durch den hohen Gemüseanteil und wenig Fett kann relativ viel gegessen werden, sodass der Bauch lange satt bleibt.

Das ist weniger günstig: Wer sich an den Rezepten und Tagesplänen orientiert, nimmt circa 1.600 bis 17.00 Kalorien am Tag zu sich. Dies dürfte zumindest für Frauen zu viel sein, um damit nennenswert abzunehmen. Eiweißpräparate sind unnötig.

Ist die Diät praktikabel? Vielen dürfte - trotz eines Fragebogens - nicht klar sein, zu welchem Typ (Nomade oder Ackerbauer) sie gehören. Auch gibt es je nach Typ und BMI fünf unterschiedliche Diätvarianten. Doch die richtige Wahl der individuellen Variante ist schwierig. Wenn man alle Regeln der Diät genau befolgt, ist sie sehr kompliziert und alltagsuntauglich. Sofern man sich im Wesentlichen nur an den Rezepten und den vorgeschlagenen Tagesplänen orientiert, wird es einfacher. Die anschließende Dauerernährung nach dem Insulin-Trennkost-Prinzip ist dementsprechend auch kaum praktikabel.

Sind die Rezepte ansprechend? Die Rezepte sind vielseitig und abwechslungsreich. Teilweise erfordern sie jedoch viel Zeitaufwand.

Ist Bewegung ein Thema? Auf die Bedeutung der Bewegung wird ausführlich eingegangen, insbesondere in Bezug auf den Muskelerhalt bzw. -aufbau. Es gibt umfangreiche Anregungen für sportliche Aktivitäten, sowohl Ausdauer-, als auch Kraftsport.

Fazit: Insgesamt entbehrt das Konzept einer wissenschaftlichen Grundlage. Es ist zwar richtig, dass der Fettabbau bei einem hohen Insulinspiegel erschwert wird, aber dies wird erst bei einer sehr kalorienreichen Kost relevant. Der beim Abnehmen entscheidende Aspekt der negativen Energiebilanz wird überhaupt nicht thematisiert. Man gewinnt den falschen Eindruck, dass allein die richtige Kombination bzw. Trennung von Eiweiß und Kohlenhydraten praktisch "automatisch" zur Gewichtsabnahme führt.

Der abendliche Verzicht auf Kohlenhydrate ist nicht sinnvoll, weil das Gehirn auch nachts Glucose benötigt. Diese kann nicht durch den Fettabbau gewonnen werden, sondern wird durch die - unerwünschte - Umwandlung von Eiweiß in Glucose geliefert. Langfristig wird das Konzept wegen der Einschränkungen bei der Mahlzeitengestaltung schwer durchzuhalten sein.

Lafer nimmt ab

Diätprinzip: Trennkost, wenig Fett. Lafer nimmt ab ist praktisch die "Prominentenversion" von Schlank im Schlaf. Detlef Pape ist Co-Autor des Buches. Das Abnehmprinzip ist dasselbe wie bei Schlank im Schlaf, die Rezepte unterscheiden sich aber.

Wie funktioniert es? Wie Schlank im Schlaf. Die Einteilung in "Nomaden"- oder "Ackerbauer"-Typ erfolgt jedoch mit einem gegenüber dem Original sehr vereinfachten Fragebogen. Personen mit auffälligen Glucose- und Blutfettwerten oder erhöhtem Blutdruck werden grundsätzlich dem Nomaden-Typ zugeordnet.

Das ist positiv: Es sollen nach der Theorie viel Gemüse und Obst gegessen werden. Zudem kommen fettarme Milchprodukte, Kartoffeln, Nudeln und Reis sowie pflanzliche Öle auf den Teller. Die Zufuhr an Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen ist sichergestellt.

Das ist weniger günstig: Unter dem Strich nimmt, wer sich an den Rezepten und Mengenempfehlungen orientiert, häufig zu viele Kalorien auf, um abzunehmen.

Ist die Diät praktikabel? Die Diät ist einfacher in der täglichen Umsetzung als das Original von Detlef Pape. Die Unterteilung in Nomade und Ackerbauer wird zwar in der Theorie beschrieben, im praktischen Teil jedoch nur noch ansatzweise weiterverfolgt; die meisten Empfehlungen sind "typ-unabhängig".

Sind die Rezepte ansprechend? Die "Genießer-Rezepte", insbesondere ihre Fotos, sind zwar ansprechend, entstammen aber deutlich der gehobenen bzw. Gourmetküche. Sie erfordern häufig sehr viele, zum Teil exotische bzw. nicht überall erhältliche, sowie teure Zutaten und sind aufwendig in der Zubereitung. Wenn schon für ein Frühstücksgericht mehrere, nicht alltägliche Produkte wie Limetten, Kokossirup und Kokosmilch benötigt und eine Zubereitungszeit von 25 Minuten veranschlagt werden, für das Mittagessen "Seezungenröllchen in süß-scharfer Curry-Soße" mehr als 15 Zutaten und 40 Minuten erforderlich sind, dann werden hier begeisterte Hobbyköche angesprochen. Die Rezepte sind nur wenig alltagstauglich. Im Vergleich zu den Original Schlank-im-Schlaf-Rezepten wird die Gemüsemenge in diesen Rezepten deutlich reduziert, was sich nachteilig auf die Sättigung und somit auf das Abnehmen auswirkt.

Ist Bewegung ein Thema? Ja, es werden Empfehlungen für ein leichtes Ausdauertraining sowie für diverse Kraft- bzw. gymnastische Übungen gegeben.

Fazit: Die Differenzierung in die Stoffwechseltypen tritt hier in den Hintergrund, das erleichtert die praktische Umsetzung der Diät. Die grundsätzlichen Nachteile und Kritikpunkte der Insulin-Trennkost nach Detlef Pape gelten aber auch hier. Die Rezepte zur Diät sind größtenteils sehr zeit- und zutatenaufwendig und teuer, was die Alltagstauglichkeit der Diät wiederum erheblich einschränkt.



Weitere Infos

Die passende Lektüre:
• Detlef Pape u.a., Schlank im Schlaf, Gräfe und Unzer, 2007, 19,99 Euro
• Detlef Pape u.a., Schlank im Schlaf - Das Kochbuch, Gräfe und Unzer, München 2007, 16,99 Euro
• Johann Lafer, Detlef Pape, Lafer nimmt ab, Gräfe und Unzer, München 2009, 19,90 Euro

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