Startseite

Übersicht Geld / Recht / Versicherungen
Themen aus dem Archiv
Anfang Eine Seite zurück Seite 9/11 Eine Seite vor Ende
13. September 2010
Staatlich geförderte Altersvorsorge
Altersvorsorgekonto
Altersvorsorgekonto

Ein Konto für alles

Die gesetzliche Rente reicht nicht für ein sorgenfreies Leben. Doch die meisten Deutschen fühlen sich bei der Planung ihrer Altersvorsorge überfordert - und machen deshalb lieber nichts.


Die geltenden Fördervorschriften und Produkte für die Riester-, Rürup und Betriebsrente sind Verbrauchern zu teuer und zu kompliziert. Dabei geht es viel einfacher, meint die Baden-Württembergische Verbraucherkommission. Mitte September hat sie in Stuttgart ihren Vorschlag für ein Altersvorsorgekonto präsentiert.

Eines steht fest: Die gesetzliche Rente allein wird für einen finanziell sorgenfreien Lebensabend nicht reichen. Doch trotz aller staatlichen Anreize zum Aufbau einer zusätzlichen privaten Altersvorsorge legen die wenigsten Deutschen ausreichend Geld für das Alter zurück oder beteiligen sich überhaupt an der Vorsorge. Das belegen diverse Studien, zum Beispiel vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Dabei ist den Bundesbürgern die Gefahr der drohenden Altersarmut sehr wohl bewusst, wie ebenfalls zahlreiche Umfragen belegen. 42 Prozent aller Nicht-Rentner wissen, dass die staatliche Rente allein im Alter nicht ausreicht, so die Ergebnisse der Studie zu Altersvorsorge 2010, die das Institut für Demoskopie Allensbach jährlich im Auftrag der Postbank erstellt. Dennoch ist Altersvorsorge oft nur ein guter Vorsatz, die Umsetzung unterbleibt.

Die Gründe dafür sind vielfältig und liegen auch darin, dass sich die meisten Bürger von der Planung ihrer Altersvorsorge überfordert fühlen. Dabei hat die Bundesregierung 2005 sogar die Initiative „Altersvorsorge macht Schule“ ins Leben gerufen und Volkshochschulkurse zur Information über die staatlich geförderte Altersvorsorge installiert. „Deutschlands größte unabhängige Bildungsoffensive zur Alterssicherung“, an der sich laut Rentenversicherung Bund mehr als 500 Volkshochschulen in ganz Deutschland beteiligen, kann über die Probleme bei der Altersvorsorge aber nicht hinwegtäuschen. Nach wie vor gilt: Die Produkte sind intransparent, teuer und unflexibel, die Produktvielfalt ist verwirrend. Obendrein sind die Förderregeln den meisten Bürgern – selbst nach eingehender Schulung – viel zu kompliziert.

Diesen gordischen Knoten will die Verbraucherkommission Baden-Württemberg, die die Stuttgarter Landesregierung in Verbraucherfragen berät, nun mit einem Hieb zerschlagen. Mitte September hat sie in Stuttgart, ihren Vorschlag für ein Altersvorsorgekonto präsentiert. Die Idee ist ebenso schlicht wie überzeugend: Jeder Bundesbürger soll das Recht erhalten, zum Beispiel bei der Rentenversicherung Bund ein Vorsorgekonto einzurichten. Einzahlungen in dieses Konto können in beliebiger Höhe erfolgen und bleiben steuer- sowie für den Arbeitnehmer sozialabgabenfrei. Die Arbeitgeber müssen ihren Anteil an den Sozialabgaben aber weiterhin entrichten. Auszahlungen aus dem Altersvorsorgekonto sind nur als Rentenzahlung möglich. Dann fallen Steuern und bei gesetzlich Krankversicherten auch die Arbeitnehmeranteile zur Kranken- und Pflegeversicherung an.

Die staatliche Förderung soll vor allem in der Steuerfreiheit der Einzahlungen und der erzielten Erträge in der Ansparphase bestehen. Solange das Geld auf dem Konto liegt, fällt daher auch keine Abgeltungssteuer an. Für Geringverdiener, die von der Steuerförderung kaum profitieren, soll es weiterhin staatliche Zulagen in Höhe der heutigen Riester-Förderung geben. Die Kombination aus Steuer- und Sozialabgabenfreiheit plus Zulagen für Geringverdiener führt in der Ansparphase zu erheblichen Zins und Zinseszinseffekten. Kurz: Das angelegte Geld wächst auf dem Vorsorgekonto kräftiger und schneller als bei jedem anderen ungeförderten Sparvertrag. Damit auch die Angehörigen versorgt sind, wenn der Vorsorgesparer stirbt, soll das Kapital auf dem Konto vererbbar sein. Bei Auszahlung im Erbfall werden jedoch Steuern und Sozialabgaben fällig. Einzige Ausnahme: Die Erben übernehmen das Konto und führen es nunmehr als eigenes Vorsorgekonto fort. Dann bleibt das ererbte Guthaben wiederum bis zur Auszahlung steuer- und abgabenfrei. Ein solches einfaches Fördersystem könne man auch Laien problemlos vermitteln, meint Jürgen Stellpflug, Chefredakteur von ÖKO-TEST, der das Vorsorgekonto als Mitglied der Verbraucherkommission auf einer Pressekonferenz in Stuttgart präsentierte. Die Hemmschwelle zur Teilnahme an der geförderten Altersvorsorge wäre daher deutlich herabgesetzt.

Auch das Problem zu teurer und intransparenter Produkte lässt sich nach Ansicht der Verbraucherkommission mit dem Vorsorgekonto vergleichsweise einfach lösen. Zwar soll die Anlage der Einzahlungen grundsätzlich in der alleinigen Verantwortung des Kontoinhabers liegen. Um dem Wunsch vieler Verbraucher nach einer einfachen und sicheren Anlage zu entsprechen, könnte das Basismodell für das Konto eine so genannte SGB-IV-konforme Anlage sein. Das bedeutet: Die Einzahlungen werden nach den Kapitalanlagevorschriften für die Sozialversicherungsträger investiert – und die dürfen keinerlei Risiko eingehen. In der Praxis sind die Gelder damit so sicher angelegt wie auf dem Sparbuch bei einer Bank, das durch die Einlagensicherung zu 100 Prozent durch geschützt ist.

Die Verwaltung externer Gelder nach diesem Modell ist für die Rentenversicherung Bund nicht neu. Nach diesen Anlagevorschriften muss sie bereits heute die Gelder aus Arbeitszeitkonten verwalten, wenn Arbeitnehmer ihr im Betrieb angespartes Vorruhestandskapital bei einem Arbeitgeberwechsel auf sie übertragen. Diese Möglichkeit hat der Gesetzgeber Mitte 2009 im Zuge der Überarbeitung des so genannten Flexi-Gesetzes eingeführt, das die Vorschriften für betriebliche Zeitwertkonten regelt.

Nun sucht nicht jeder Verbraucher eine sichere Anlage. Vor allem jüngere Vorsorgesparer können durchaus mehr Risiko bei der Altersvorsorge vertragen. Deshalb könnte für das Vorsorgekonto ein mit Vertretern der Wissenschaft besetzter Anlageausschuss gebildet werden, der verschiedene Anlagemixturen – je nach Vertragsalter oder Risikoneigung der Sparer – entwickelt, die jeweils für das Sparziel „Altersvorsorge“ angemessen sind. Dann könnten Verbraucher beim Vorsorgekonto neben der sicheren Anlage auch zwischen ein oder zwei chancenreicheren Modellen wählen.



» weiter auf der nächsten Seite

Inhaltsverzeichnis

» Übersicht
» Zögernde Abschlüsse - Lange Mängelliste bei Riester-Produkten
» Tricksereien - Suche nach passender Riester-Rente gleicht Lotterie
» Intransparenz inklusive - Zu wenig Informationen über Kosten
» Verpuffte Förderung - Immer weniger Leistung bei Fondstarifen
» Hohe Verwaltungskosten - Viele Anbieter zocken kräftig ab
» Schlimmes Erwachen - Weniger Rente als versprochen
» Überarbeitung erforderlich - Übervorsichtige Kalkulation bringt Milliarden
» Altersvorsorgekonto
» Viele Pluspunkte - Auch Betriebsrenten werden portabel
» Glossar - Die verschiedenen Altersvorsorgemöglichkeiten

Anfang Eine Seite zurück Seite 9/11 Eine Seite vor Ende


Flattr this
Hier können Sie unsere Arbeit freiwillig unterstützen:
Wichtige InformationenDieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.

Informationen anzeigen

Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
  • die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
  • aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
  • neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
  • aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.


Mehr Artikel zu diesem Themengebiet
Testbericht
Riester-Bausparverträge: Mit Förderung ins Eigenheim
Testbericht
Photovoltaikversicherungen
Testbericht
Vergleichsportale für Hausratversicherungen
Testbericht
Riester-Bausparverträge: Mit Förderung ins Eigenheim
Testbericht
Risikolebensversicherungen, Unisextarife

Social Shopping: Klicken, kaufen und Gutes tun
Über ÖKO-TEST - Riester-Rente
TEST Berufsunfähigkeitsversicherungen
Außergerichtliche Streitbeilegung
Der erfasste Bürger: Der Handel mit meinen Daten

Leserfrage: Schutz vor Elektrosmog absetzen?
Leserfrage: Umzug
Leserfrage: Beim Musikhören auf dem Rad entscheidet Lautstärke
Leserfrage: Gesundheitskarte
Leserfrage: Adoptivkinder vom Gesetzgeber gleichgestellt
 Geld / Recht / Versicherungen
Online-Service für Abonnenten
 - ANZEIGE -
 News
Rote Karte für Schluckspechte
Urteil: Ein Autokäufer kann sein Geld zurückverlangen, wenn sein Neuwagen zehn Prozent mehr Sprit verbraucht als im Prospekt angegeben. » News lesen
Ärmere Riester-Sparer
Die Allianz darf ärmere Riester-Kunden nicht mit geringerer Überschussbeteiligung abspeisen als Besserverdienende. » News lesen
Neuer Griff in die Taschen der Versicherten
Die Versicherungsbranche will nicht nur die Beteiligung der Kunden an den Bewertungsreserven kürzen, sie will die Versicherten jetzt auch an möglichen stillen Lasten beteiligen. Axel Kleinlein warnt vor dem erneuten Griff in die Taschen der Kunden. » News lesen
Ein EU-Abgeordneter hat gezählt
Wer macht die Gesetze? Die Politik? Oder doch die Lobbyisten? Der EU-Abgeordnete Hans-Peter Martin hat nach 24 Monaten den Druck auf ihn bilanziert. » News lesen
Riester-Bausparverträge
Riester-Bausparverträge: Das von ÖKO-TEST entwickelte Modell zur Führung des Wohnförderkontos finden Sie hier. » News lesen
Gewinne aus Solaranlagen
Gewinne aus Solaranlagen können die Rente drücken. Betroffen sind vor allem Rentner, die frühzeitig in den Ruhestand gehen. » News lesen
Familienpflegezeit bisher ein Flop
Die 2012 eingeführte Familienpflegezeit stößt auf wenig Gegenliebe. Gerade mal 135 Unternehmen stellten Anträge, so eine Statistik des Bundesfamilienministeriums. » News lesen
Deutsche Bank spekuliert weiter
Die Deutsche Bank will wieder mit Lebensmitteln spekulieren. Hilfsorganisationen und Umweltschützer sind entsetzt. » News lesen
» mehr News anzeigen
 Aktuelle Themen
Social Shopping
Social Shopping - Online einkaufen und gleichzeitig für einen guten Zweck spenden - Social-Shopping-Portale machen’s möglich. Doch diese Form des Spendens ist umstritten: Oft bleibt unklar, wie viel Geld wirklich in soziale Projekte fließt. » Artikel lesen
Grundeinkommen
Grundeinkommen - Faulenzerprämie oder dringend notwendiger Start in eine veränderte Arbeitswelt? Über das bedingungslose Grundeinkommen, ausgezahlt an jeden Bürger vom Baby bis zum Greis, wird engagiert gestritten. » Artikel lesen
Versicherungen
Versicherungen - Im Schnitt gibt jeder Deutsche pro Jahr rund 1.800 Euro für Versicherungen aus. Aber nicht jede Police ist unbedingt notwendig. ÖKO-TEST bringt Licht in den Dschungel der Versicherungstarife. » Artikel lesen
Konsumentenkredite
Konsumentenkredite - Ob nun das Auto oder der große Flachbildschirm – Neuanschaffungen werden heute gerne über einen Kredit finanziert. Längst verleiten MediaMarkt, Ikea & Co. mit ihren Null-Prozent-Angeboten dazu, sorglos shoppen zu gehen. Experten aber warnen. » Artikel lesen
» mehr Themen anzeigen

  An den Seitenanfang gehen
ÖKO-TEST vorbeugender Verbraucherschutz seit 1985 - unabhängig, objektiv, wissenschaftlich
Das Essen und Geniessen-Super-Paket

Preis: 19.80 €

» Paket kaufen
Ratgeber Essen 12:2013 mit CD

Preis: 6.90 €

» Inhalt anzeigen
» Heft kaufen
Das Kleinkinder-Super-Paket

Preis: 29.80 €

» Paket kaufen
Spezial Ausstattung

Preis: 5.00 €

» Inhalt anzeigen
» Heft kaufen
ÖKO-TEST Mai 2013

Preis: 3.80 €

» Inhalt anzeigen
» Heft kaufen
» Abo / ePaper
Das Rund ums Haus-Super-Paket

Preis: 19.80 €

» Paket kaufen
Bereiche
Kinder / Familie
Kosmetik / Mode
Gesundheit / Medikamente
Bauen / Wohnen
Essen / Trinken
Geld / Versicherung
Technik / Freizeit
Informationen
Impressum
Datenschutz
Kontakt
Fragen zu ÖKO-TEST
Label-Verstöße
Unsere Testverfahren
Media
Mediadaten
Label
Markt & Medien
Presse / Handel

Investor Relations
Services
Übersicht Service

Online-Shop
Forum
RSS Feed
ePaper
pressekatalog.de
pubbles.de
Abonnement
Serviceseite



© ÖKO-TEST Verlag GmbH, Frankfurt am Main