Testberichte aus dem Archiv

Sonnenschutzmittel
Auf die Pelle

Wer draußen unterwegs ist und seine Haut vor Sonnenbrand schützen will, braucht eine Sonnencreme. Die Auswahl an Mitteln ist groß, die Entscheidung für das richtige trotzdem etwas komplizierter. Denn mit Ausnahme von zertifizierter Naturkosmetik enthalten die Sonnenschutzmittel normalerweise chemische UV-Filter, deren gesundheitliche Unbedenklichkeit nicht sicher ist. ÖKO-TEST empfiehlt deshalb, auf Mittel mit rein mineralischem Schutz auszuweichen. Die Umwelttoxikologin Professor Margret Schlumpf und der Arzt Walter Lichtensteiger von der Universität Zürich haben für einige UV-Filter schon vor Jahren eine hormonelle Wirkung an Zellkulturen und teilweise im Tierversuch aufgezeigt. Dass die Filtersubstanzen aus Kosmetika in den Körper gelangen, belegen Messungen der Forscher in Muttermilch.
Nachteil von Sonnenschutzmitteln auf Basis der mineralischen UV-Filter Titandioxid und Zinkoxid ist, dass sie auf der Haut meist deutlicher zu sehen sind, wenn auch nicht mehr mit so einem extremen "Weißeleffekt" wie noch vor Jahren. Auch die meisten konventionellen Kosmetikhersteller setzen inzwischen den mineralischen UV-Filter Titandioxid ein - ergänzend zu den chemischen UV-Filtern.
Wir wollten wissen, welche Sonnenschutzmittel aktuell empfehlenswert sind und haben 22 Marken mit mittlerem Schutz zwischen Lichtschutzfaktor 15 und 25 in die Labore geschickt, darunter vier Naturkosmetika mit rein mineralischem Lichtschutz.
Das Testergebnis
Weniger als die Hälfte der Testprodukte können wir als "sehr gut" oder "gut" empfehlen. Der Preis ist dabei kein sicherer Indikator: Es gibt Produkte, die weniger als drei Euro pro 200 ml kosten und mit "gut" abschneiden, aber auch Marken für 30 Euro und mehr, die "mangelhaft" und "ungenügend" sind.
Ohne bedenkliche UV-Filter, die unter Verdacht stehen, wie Hormone zu wirken, kommen nur die zertifizierten Naturkosmetikprodukte im Test aus. Für den chemischen Filter Octocrylene, der in den meisten Mitteln steckt, gibt es Hinweise auf eine hormonelle Wirksamkeit aus Zellversuchen. Wir werten diesen Filter nur um eine Note ab. Vier Produkte enthalten Ethylhexyl-Methoxycinnamate, für den eine hormonelle Wirkung im Tierversuch gezeigt wurde. Zwei davon kombinieren beide bedenklichen Filter in ihrer Rezeptur.
Auch Parabene, die in Kosmetika als Konservierer eingesetzt werden, werden durch die Haut in den Körper aufgenommen. Einige stehen ebenfalls unter Verdacht, das Hormonsystem zu beeinflussen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat schon Anfang 2011 eine Beschränkung von Propyl- und Butylparaben in Kosmetika vorgeschlagen. Auf die Verwendung bestimmter anderer Parabene, darunter Isobutylparaben, sollte laut der BfR-Empfehlung ganz verzichtet werden, solange keine gesundheitliche Bewertung für den Einsatz beim Menschen vorliege. In einer Reihe von Produkten werten wir die entsprechenden ab - aus Gründen der Vorbeugung unabhängig davon, wie hoch die Dosis ist.
Die Nivea Sun Pflegende Sonnenmilch und die Garnier Ambre Solaire Sonnenschutz-Milch enthalten den Duftstoff Lyral, der Allergien auslösen kann. Noch kritischer sehen wir den in der Biotherm Lait Solaire nachgewiesenen künstlichen Moschus-Duft. Sogenannte polyzyklische Moschus-Verbindungen können sich im menschlichen Fettgewebe anreichern.
Wenn der Schutzfaktor auf der Packung dazu führt, dass man sich in Sicherheit wiegt und seine empfindliche Haut von heute auf morgen extremen Belastungen aussetzt, dann geht der Schuss nach hinten los. Sonnenschutzmittel sollen nach einer EU-Empfehlung mit einer Reihe von Warn- und Anwendungshinweisen versehen sein. Wenn davon welche fehlen oder unvollständig sind, gibt es im ÖKO-TEST Punktabzug unter Weitere Mängel.

Dieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.
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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
- die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
- aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
- neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
- aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.
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