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32 Alternative Haarfarben im Test

Natur pur?

Jahrbuch für 2017 | Kategorie: Kosmetik und Mode | 20.10.2016

32 Alternative Haarfarben im Test

In manch vermeintlich guten Alternativen zur Chemiekeule stecken stark allergisierende oder sogar verbotene Stoffe. Immerhin: Einige echte Pflanzenhaarfarben schneiden in unserem großen Test glänzend ab.

In unseren Test von 32 Haarfarben haben wir bewusst auch solche einbezogen, die sich grün geben, in Wirklichkeit aber auch mit chemischen Zutaten arbeiten.

Das Testergebnis

Hui oder Pfui. In diesem Test gibt es kein Mittelfeld. Mit insgesamt 19 "sehr guten" Farben gibt es immerhin eine Menge Produkte, die rein pflanzlich färben. Aber im Test finden sich auch eine ganze Reihe von Herstellern, die ihren Chemiekeulen nur ein grünes Deckmäntelchen übergestreift haben. Einige der getesteten Produkte dürften so überhaupt nicht verkauft werden.

Die Verpackungen der Farben von Naturtint, Hairwonder, Biotinta oder Naturigin suggerieren Natürlichkeit. Extrem allergisierende aromatische Amine, halogenorganische Verbindungen und nicht zuletzt PEG/PEG-Derivate, die die Haut noch durchlässiger für diese Stoffe machen können - das klingt allerdings gar nicht nach Natur pur. Ein Sonderfall ist zudem die Haarfarbe Surya Brasil Henna Cream von Surya Nature: Der Produktname vermittelt den Eindruck, dass die Haare mit natürlichem Henna gefärbt werden - doch das Labor konnte nicht einmal Spuren pflanzlicher Färbemittel nachweisen.

Wir kritisieren nicht nur, wenn nicht drin ist, was draufsteht, sondern auch, wenn gar nicht erst drauf steht, was drin ist. Das ist vor allem ein Problem, wenn bedenkliche Stoffe enthalten sind. Ein Negativbeispiel ist die Royal Brown Henna Herbal Base Powder Hair Dye: Die vorgeschriebene Inhaltsstoff-Deklaration (INCI) sucht man vergeblich. Das ist Grund genug für den Stempel "Nicht verkehrsfähig". Nachgewiesen wurden im Labortest aber außerdem das in Haarfarben verbotene o-Aminophenol, der CMR-Stoff p-Aminophenol und das extrem sensibilisierende p-Phenylenediamin.

Dreist genug, auf die Verpackung zu schreiben, dass man einen verbotenen Inhaltsstoff einsetzt, ist der Hersteller des Profix Organics Henna Permanent Powder Hair Colour: 2-Nitro-P-Phenylendiamine ist ein CMR-Stoff - er steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Deshalb ist er in Haarfarben nicht erlaubt. Auch dieses Produkt darf deshalb nicht in der EU gehandelt werden.

Auf der Verpackung der Biotinta Phito Haarfarbe aus Pflanzenextrakten werden die zur Färbung eingesetzten Substanzen als sogenannte "May contain"- oder "+/-"-Deklaration genannt. Mit einer solchen Auflistung aller Färbebestandteile, die möglicherweise in einem Produkt enthalten sein könnten, aber es nicht zwangsläufig sind, gibt sich der Gesetzgeber seit der Neuauflage der Kosmetikverordnung bei Haarfarben nicht mehr zufrieden. Die EU-Kommission unterstrich gegenüber ÖKO-TEST: "Die neue Kosmetikverordnung wurde 2009 beschlossen und trat im Juli 2013 in Kraft. Dies sah eine Übergangszeit von dreieinhalb Jahren vor, die den Wirtschaftsteilnehmern erlaubte, die neuen Anforderungen umzusetzen und unnötige Produktrücknahmen vom Markt zu vermeiden." Die Übergangsfristen zwischen Beschluss in 2009 und Inkrafttreten der Kosmetikverordnung in 2013, in der die gesetzlichen Anforder...


Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Pflanzenhaarfarben erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Aber nicht überall, wo "pflanzlich" oder "Henna" draufsteht, sind nur natürliche Inhaltsstoffe drin. Und nicht alles, was in der Apotheke oder im Reformhaus angeboten wird, ist frei von schädlicher Chemie. Deshalb haben wir unseren Einkaufszettel neben der zertifizierten Naturkosmetik und reinen Pflanzenhaarfarben auch auf solche Produkte ausgeweitet, die trotz chemischer Inhaltsstoffe vom Kunden als pflanzliches Produkt wahrgenommen werden könnten, um zu schauen, was wirklich unter den grünen Deckmäntelchen steckt. Die von uns getesteten Farben kosten zwischen 1,99 und 20,30 Euro pro Packung.

Die Inhaltsstoffe

Aromatische Amine werden in oxidativen Colorationen als Färbemittel eingesetzt. Viele Vertreter dieser Gruppe, etwa p-Phenylendiamin (PPD), werden kritisiert, da sie schwere allergische Reaktionen hervorrufen können. Manche stehen außerdem auf der Liste der karzinogenen, mutagenen und reproduktionstoxischen Stoffe (CMR), andere sind in Haarfarben sogar ganz verboten. 2011 warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung zudem vor mit PPD verunreinigten Henna-Haarfärbemitteln. Für uns Grund genug, in einer breiten Stichprobe chemische und pflanzliche Farben im Labor auf aromatische Amine überprüfen zu lassen. Dabei lag der Fokus vor allem auf jenen Farben, die keine chemischen Inhaltsstoffe deklariert hatten, und Colorationen aus Asia- oder Afro-Shops. Andere problematische Stoffe haben wir anhand der Deklaration erfasst.

Die Weiteren Mängel

Auch hier lag das Augenmerk auf der Deklaration: Ist sie vollständig? Sind die gesetzlich vorgeschriebenen Warnhinweise vorhanden? Sind alle allergisierenden Substanzen aufgeführt? Oder steht womöglich etwas auf der Verpackung, was so gar nicht nachweisbar ist?

Die Bewertung

Empfindliche Abzüge gab es vor allem für verbotene aromatische Amine und solche, die auf der CMR-Liste stehen. In Sachen Deklaration gehen wir besonders kritisch mit Gesetzesverstößen nach EU-Recht um, denn bei derart problematischen Substanzen muss der Verbraucher ganz genau wissen, womit er es zu tun hat. Für Allergiker kann das Farbspiel sonst schnell zum russischen Roulette werden.

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