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15 Faire Schmuckstücke im Test

Ratgeber Kosmetik 2014
vom 06.06.2014

Fairer Schmuck

Glanz und Elend

Des einen Freud, des anderen Leid: Die Begeisterung über ein schönes Schmuckstück verfliegt rasch, wenn man sich die oft katastrophalen Bedingungen für Menschen und Umwelt anschaut, unter denen die edlen Metalle und wertvollen Steine gewonnen und verarbeitet werden. Doch es gibt auch Ketten, Ringe und Armbänder, die fair und ökologisch hergestellt werden. Und die sind nicht mal viel teurer.

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06.06.2014 | Natürlich: Diamanten, Gold und Platin haben einen materiellen Wert. Aber das allein ist nicht das Besondere daran, sonst könnte man sich ja auch ein Bündel Geldscheine um den Hals hängen. Viel faszinierender sind die Gestaltungsvielfalt, die Schönheit und der Glanz von wertvollen Steinen und edlem Metall. Außerdem hat jedes Schmuckstück eine besondere Bedeutung, weil es Erinnerungen und Gefühle heraufbeschwört, die mit Geld nicht zu bezahlen sind: Der Trauring, der die ewige Treue symbolisiert, das Kettchen aus dem ersten gemeinsamen Urlaub oder die Ohrringe, die an die längst verstorbene Oma erinnern, haben für den Besitzer einen hohen persönlichen Wert, selbst wenn man beim Pfandleiher dafür nur ein paar Euro bekommen würde.

Wenn beides zusammen kommt - materieller und ideeller Wert - gehen auch schon mal gewaltige Summen über den Tisch. Wie bei der Versteigerung des Schmucks von Hollywoodlegende Elizabeth Taylor im Jahre 2011. Die Ringe, Kolliers, Armbänder und Ohrgehänge brachten einen Erlös von 114 Millionen Euro. Die Diva wurde während ihres turbulenten Liebes- und Ehelebens mit Richard Burton von diesem mit Preziosen überhäuft. Jeder Anlass war ihm dafür recht. Selbst der Sieg bei einem Tischtennismatch mit Burton brachte Elizabeth Taylor drei Diamantringe ein.

Beneidenswert? Eigentlich nicht. Denn all die wertvollen Geschenke vermochten die Beziehung von Burton und Taylor nicht zu retten. Wenig glanzvoll ist vermutlich auch die Entstehungsgeschichte der teuren Stücke. Denn die Gewinnung und Verarbeitung von Gold, Silber und kostbaren Steinen ist in der Regel alles andere als romantisch. Die sozialen und ökologischen Missstände in diesen Bereichen sind erheblich. Ein Bewusstsein für den krassen Gegensatz zwischen den schlechten Arbeitsbedingungen in der Schmuckfertigung und dem strahlenden Image des Endprodukts entsteht erst ganz langsam.

Wer macht sich schon Gedanken über die Herkunft des hübschen Rings, den er oder sie geschenkt bekommt? Wohl kaum jemand. Und diese Einstellung teilen die Beschenkten mit vielen Händlern. Als ÖKO-TEST im vergangenen Jahr für seinen Test Goldschmuck bei Juwelieren und Kaufhäusern nachfragte, woher denn das Edelmetall für ihre Schmuckstücke stamme, blieben viele eine konkrete Antwort schuldig.

Der Handel gibt sich ahnungslos

So ließ der Kaufhof wissen: "Nach Rücksprache mit unserem Lieferanten ist es uns leider nicht möglich, Ihnen die Fragen im Detail zu beantworten. Unser Schmuckproduzent bezieht das Gold von Banken und Scheideanstalten, deren Goldbestand sich ebenfalls zum Teil aus Lieferungen bzw. Zukäufen von Banken und zum Teil aus Altschmuck zusammensetzt. Dies macht es für uns leider unmöglich zu eruieren, woher das verwendete Gold für die bei uns gekauften Fabiani-Ohrstecker stammt." Auch die Juwelierkette Christ weiß nicht, aus welcher Weltgegend das Gold für ihre Schmuckstücke ursprünglich herkommt: "Für die Beantwortungen Ihrer Fragen (...) möchten wir Sie bitten, direkt mit den Scheideanstalten in Kontakt zu treten." Wissen die Schmuckverkäufer nicht einmal bei Gold, aus welchen Quellen es ursprünglich stammt, fehlt bei mehreren Komponenten erst recht der Überblick. Schließlich finden die verschiedenen Verarbeitungsschritte eines Kleinods rund um den Globus verteilt statt. So kann ein Ring Metalle aus Indonesien, Ghana, Südafrika und Peru enthalten und mit einem Saphir aus Madagaskar verziert sein, der in Thailand geschliffen wurde.

Die Entstehungsgeschichte vieler Schmuckstücke mag rätselhaft sein, dass mit den Luxusgütern gute Geschäfte gemacht werden, ist aber kein Geheimnis. Die EU ist nach den Vereinigten Staaten der wichtigste Absatzmarkt für Schmuck. Die deutschen Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte setzen im Jahr rund fünf Milliarden Euro um. Deutschland ist selbst ein nicht unbedeutender Schmuckhersteller, auch wenn hierzulande oft nur noch die Endfertigung der Preziosen stattfindet. Alle Rohstoffe für die Schmuckherstellung - mit Ausnahme von recycelten Edelmetallen - muss Deutschland ohnehin importieren. Angesichts der Konkurrenz aus den Niedriglohnländern konzentrieren sich die deutschen Edelsteinschleifer und Schmuckbetriebe auf das hochwertige Marktsegment. Juwelen "Made in Germany" gehen beispielsweise an Luxusmarken wie Tiffany, Cartier oder Versace. Nach Deutschland wird aber auch Schmuck im Wert von etwa 1,4 Milliarden Euro jährlich importiert. Ein großer Teil des in Deutschland verkauften Schmucks wird in Billiglohnländern gefertigt.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Ungefähr 5.000 Juweliere gibt es in Deutschland. Anders als Goldschmiede stellen sie nicht selbst Schmuck her, sondern handeln nur damit. Die Schmuckstücke haben wir von den großen Juwelierketten wie Christ gekauft, von bekannten Namen wie Tiffany, die selbst Schmuck herstellen, im Versandhandel und von Tchibo. Der Kaffeeröster hat zwar nur zweimal im Jahr Goldschmuck im Angebot, gehört aber zu den wichtigsten Anbietern. Vier Stücke haben wir gezielt bei Goldschmieden gekauft, die spezielles Gold verarbeiten: Fairtrade, Gold aus Deutschland sowie direkt recyceltes Edelmetall.

Die Herkunft des Goldes
Mit Gold werden Kriege finanziert und Drogengelder gewaschen. In Goldminen schuften sich Menschen - Erwachsene wie Kinder - zu Tode. Die Jagd nach Gold hinterlässt eine zerstörte Umwelt. Daher wollten wir von den Anbieter wissen, ob sie uns die Herkunft ihres Goldes belegen können.

Goldgehalt
Wer Gold kauft, sollte auch Gold bekommen. Daher haben wir geprüft, ob der angegebene Gehalt korrekt ist.

Die Bewertung
Für die Freude, die das Verschenken von Gold macht und bereitet, sollten andere Menschen und die Umwelt nicht leiden müssen. Daher muss das Testurteil "ungenügend" lauten, wenn die genaue Herkunft des Goldes nicht belegt werden kann.

So haben wir getestet

Einem Ring sieht man nicht an - und man kann es auch im Labor nicht messen - ob er wie dieser von Petra Lohr aus sauberem Gold ist, oder ob noch frisches Blut an ihm klebt.

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