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19 Getreidebreie im Test

ÖKO-TEST März 2017
vom 23.02.2017

Babynahrung, Getreidebreie

Wer soll's auslöffeln?

Zwei Esslöffel Getreideflocken oder -grieß aus der Packung, etwas Milch dazu und ein bisschen Obst: Fertig ist die Babybeikost. Die als Getreidebrei vermarkteten Produkte können Eltern schnell zubereiten und lecker aufpeppen. Aber sind die Produkte auch frei von Schadstoffen? Leider nicht immer.

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23.02.2017 | Für Essanfänger ist eigentlich jede Geschmacksrichtung eine Sensation. Produkte wie Babykekse oder Stracciatella-Brei sprechen also zunächst einmal die einkaufenden Eltern an. Eher schlicht kommen die Instantgetreidebreie daher. Dafür sind sie aber mit den Ernährungsempfehlungen für Säuglinge kompatibel. "Die Getreideflocken ohne Schnickschnack wie Zucker oder fertiges Milchpulver sind eines der vernünftigsten Fertigprodukte fürs Breialter", sagt eine ÖKO-TEST-Kollegin. Aus der Breizeit ist ihr vierjähriger Sohn bereits raus, aber sie erinnert sich noch an das gute Gewissen beim Zubereiten der Getreide-Obst- und Milch-Getreide-Breie.

Aus der Packung kommt das Getreide als Flocken oder Grieß. Milch und/oder Wasser und Obst mischen die Eltern selbst hinzu und sind dadurch in der Früchteauswahl flexibel. Als Produkte für Säuglinge und Kleinkinder unterliegen die Getreidebreie der EU-Richtlinie für Getreidebeikost. Das hat zur Folge, dass bestimmte Nährstoffe wie Vitamin B1 in ausreichender Menge enthalten sein müssen und dass zum Beispiel für Arsen in Reis strenge Grenzwerte gelten. Gut kontrolliert, auf wenige Zutaten begrenzt und fast immer in Bio-Qualität: Das klingt allerdings vernünftig.

Als Getreide kommen bei den Herstellern Hafer, Dinkel, Weizen, Hirse oder Reis in die Tüte. Kombinationen aus verschiedenen Sorten sind eher in der Unterzahl. Hirse und Reis werden aber immer wieder gemischt. Beide Getreidesorten sind glutenfrei. Lebensmittel ohne Gluten haben eine große Fangemeinde auch außerhalb der Gruppe, die aufgrund einer Zöliakie-Erkrankung kein Gluten verzehren darf. Für die Säuglingsernährung hat das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) erst vergangenes Jahr die Empfehlungen zur Einführung glutenhaltiger Lebensmittel überarbeitet. Weder der Zeitpunkt des Erstkontaktes noch das Vorhandensein von Muttermilch bei der Gluteneinführung beeinflussten das Risiko für die Entstehung einer Zöliakie, heißt es im Ernährungsplan für das erste Lebensjahr.

"Eltern können Gluten im Rahmen der Beikost zunächst in kleinen Mengen geben und diese Menge dann steigern. So kann der Milch-Getreide-Brei zunächst zum Beispiel mit Hafer zubereitet werden", sagt Monika Cremer vom Netzwerk Gesund ins Leben. Hafer enthalte weniger Gluten als Weizen oder Dinkel. Ist eine glutenfreie Ernährung nötig, ist Hirse eine gute Alternative zu Reis, der - wie unsere aktuellen Tests von Reis und Reiswaffeln zeigen - häufig mit krebserregendem anorganischem Arsen belastet ist.

Wir wollten wissen, ob auch Reisbreie belastet sind und welche anderen Schadstoffe in Hafer und Co. stecken. 19 Produkte, darunter nur ein konventionelles, haben wir für Sie eingekauft und ins Labor geschickt.

Das Testergebnis

Den Kindern etwas Gutes tun: Mit den acht "sehr guten" und "guten" Getreidebreien im Test ist das kein Problem. Reine Reisbreie sind allerdings nicht darunter.

Arsen, wir haben ein Problem! Immer wieder weisen die von uns beauftragten Labore krebserregendes

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Hafer, Dinkel, Weizen, Hirse oder Reis: Das Angebot an Getreidebreien im Regal ist groß. Deshalb haben wir mindestens zwei von jeder Sorte eingekauft. Milchbreie - also solche, die Molke- oder Milchpulver enthalten und nur noch mit Wasser aufgegossen werden - haben wir nicht berücksichtigt.

Die Inhaltsstoffe
Unsere Reistests zeigen immer wieder ein Arsenproblem auf. Darum haben wir auch dieses Mal alle Breie mit Reisanteil auf anorganisches Arsen testen lassen. Tropanalkaloide sind unerwünschte, natürliche Inhaltsstoffe von Pflanzen wie Bilsenkraut oder Stechapfel, die als Beikräuter versehentlich mitgeerntet werden können. Hirse ist wegen der Ähnlichkeit der Samen besonders anfällig, weshalb wir die Hirsebreie im Test darauf untersuchen ließen. Pestizide, darunter auch der Wachstumsregulator Chlormequat, das Schimmelpilzgift Ochratoxin A und Cadmium analysierten die beauftragten Labore in allen Produkten.

Die Weiteren Mängel
Eltern sollten ihren Kindern Breie mit dem Löffel füttern. Wenn Kleinkinder Nahrung mit einer hohen Energiedichte mit dem Fläschchen aufnehmen, steigt das Risiko, dass sie zu viel essen. Außerdem schadet ein zu langes Nuckeln kohlenhydrathaltiger Nahrung den Zähnen. Produkte, deren Anbieter auf Fläschchenfütterung hinweisen, werten wir daher um eine Note ab.

Die Bewertung
Die Prüfer haben in den Getreidebreien hauptsächlich Arsen und Mineralöl in bedenklichen Mengen gefunden. Diese sind demnach auch für die meisten Abwertungen verantwortlich. Aber nur ein Produkt ist mit beiden Schadstoffen belastet. Auch deshalb sind über drei Viertel der Produkte "befriedigend" oder besser.

So haben wir getestet

Völlig überflüssig: Hersteller Kölln Flocken setzt seinem Pomps Kindergrieß Zucker zu. Wir sagen: Das geht gar nicht.

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Video zum Thema

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ÖKO-TEST-Magazin 3/2017:

Getreidebreie

Wer soll's auslöffeln?

Die als Getreidebrei vermarkteten Produkte können Eltern schnell zubereiten und lecker aufpeppen. ÖKO-TEST wollte wissen, ob diese Schadstoffe enthalten - und wurde fündig. Chefredakteur Jürgen Stellpflug mit den Testergebnissen.