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Alvi Kugelschlafsack im Test: Stark mit giftigem Antimon belastet

Autor: Kai Thomas/Christine Throl | Kategorie: Kinder und Familie | 07.02.2019

Alvi Kugelschlafsack im Test: Stark mit giftigem Antimon belastet
(Foto: pixabay; ÖKO-TEST)

Keiner der 13 Babyschlafsäcke in unserem Test ist wirklich spitze. Nur vier sind „gut“. Besonders negativ fiel ein Kugelschlafsack von Alvi auf.

Wir haben 13 Babyschlafsäcke getestet. Im Fokus: ihre Sicherheit. Denn ein geeigneter Babyschlafsack beugt dem plötzlichen Kindstod vor, wie mehrere Studien zeigen. Auch mögliche Schadstoffbelastungen haben Labore für uns überprüft. Überwiegend die Größe 70 Zentimeter, die in der Regel vom siebten bis zum elften Lebensmonat passt.

Alvi Kinder-Kugelschlafsack Thermo Stars fällt im Test durch

Besonders enttäuschte der Alvi Kinder-Kugelschlafsack Thermo Stars, beige im Test. Er schneidet insgesamt am schlechtesten von allen Babyschlafsäcken ab. Das liegt vor allem daran, dass der getestete Schlafsack stark mit Problemstoffen belastet ist. Unser Gesamturteil: „mangelhaft“.

Aus dem Schlafsack lösten sich im Labor stark erhöhte Mengen an Antimon. Das giftige Halbmetall gelangt durch Polyester der Gewebe oder Füllungen in die Babyschlafsäcke.

Antimonverbindungen werden etwa bei der Produktion von Polyester eingesetzt. Wenn Antimon ins Blut gerät, wirkt es sehr giftig. In Polyesterfasern können Rückstände verbleiben. Durch Schweiß gelöst, können Antimonverbindungen über die Haut in den Körper gelangen. Sie können aber auch über den Hausstaub eingeatmet werden. Antimon, aber auch Antimontrioxid, gelten als krebsverdächtig, wenn sie eingeatmet werden. Zudem gibt es Hinweise, dass Antimonverbindungen Haut und Schleimhäute reizen.

Gefundenes Antimon gilt eingeatmet als krebsverdächtig

Zudem monieren wir im Alvi-Schlafsack umstrittene halogenorganische Verbindungen und überflüssige optische Aufheller im Futterstoff, der direkt mit der Haut in Berührung kommt. Die Aufheller können sich aus dem Gewebe lösen. Manche verursachen zusammen mit Sonnenlicht allergische Reaktionen. Auch belasten sie die Umwelt, wenn sie ins Abwasser gelangen.

Auch die Funktionalität des Schlafsacks ist nur „befriedigend“. Punktabzug gibt es im Teilergebnis für eine geringe Klemmgefahr durch den Reißverschluss. Ebenfalls vermissen wir wichtige Warnhinweise, die dem plötzlichen Kindstod vorbeugen können. Sie sollten nicht fehlen, den ein Babyschlafsack ist nur sicher, wenn Eltern auch wissen, wie man ihn richtig verwendet.

Allein für das nachgewiesene Antimon ziehen wir unter dem Teilergebnis Inhaltsstoffe zwei Noten ab. Für die optischen Aufheller mit Hautkontakt und die halogenorganischen Verbindungen jeweils eine Note. Und wenn die Inhaltsstoffe „mangelhaft“ ausfallen, kann auch das Gesamturteil nur „mangelhaft“ sein.

Der Test zeigt: In den meisten Babyschlafsäcke stecken problematische Substanzen wie Antimon und optische Aufheller. Keiner erhält für die nachgewiesen Mengen allerdings so viele Notenabzüge wie das Alvi-Produkt. Häufig weisen die Schlafsäcke auch Mängel in Puncto Funktionalität auf. So besteht etwa bei zwei Produkten eine Durchrutschgefahr für den Kopf durch einen zu großen Halsausschnitt. Bei insgesamt fünf getesteten Exemplaren auch ein Verletzungsrisiko durch den Reißverschluss. An acht Schlafsäcken fehlen zudem Warnhinweise für die Eltern.

Insgesamt können wir nur vier Schlafsäcke mit „gut“ empfehlen, der Rest liegt im Mittelfeld. Der Alvi Kinder-Kugelschlafsack Thermo Stars, beige ist zum Glück der einzige Ausfall im Test.

Alvi will im Test "mangelhaften" Kugelschlafsack Thermo Stars bereits verbessert haben

So reagierte Alvi: Die Firma Alvi hatte uns nach erstmaliger Veröffentlichung des Testergebnis im Januar 2018 und auch danach keine konkreten Verbesserungen des Schlafsacks angekündigt. Alvi schrieb uns nur, dass man die neue Babyschlafsack-DIN-Norm nach Verabschiedung umsetzen werde und im Übrigen eine Abverkauffrist von 18 Monaten für im Handel befindliche Produkte habe. Dazu muss man wissen: Die Babyschlafsacknorm liegt bislang nur als Entwurf vor. Zwischenzeitlich hatte sich auch eine ÖKO-TEST-Leserin wegen des schlechten Abschneidens des Schlafsacks an Alvi gewendet. 

Erst jetzt hat Alvi konkrete Verbesserungen an dem Kugelschlafsack bekannt gegeben. Laut einer Stellungnahme des Unternehmens vom 1. Februar 2019 habe man den Antimongehalt reduziert, einen neuen Kinnschutz angebracht und die Gebrauchs- und Warnhinweise ergänzt. Sofern das Produkt für Verbraucher erhältlich ist, kaufen wir ein, testen nach und informieren über das Ergebnis.

Unser Tipp: Wählen Sie einen Babyschlafsack mit einem nach unten zu schließenden Reißverschluss und einem abgedeckten Reißverschlussende, damit das Baby sich nicht verletzen kann.

Hier können Sie den Test mit allen Ergebnissen im Detail abrufen: Babyschlafsack-Test.

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