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13 Muttermilchersatzprodukte im Test

ÖKO-TEST Juni 2015
vom 29.05.2015

Babynahrung, Muttermilchersatz, Anfangsnahrung

Auf dem Pulverfass

Kann das allergiegefährdete Baby nicht (voll) gestillt werden, hilft hypoallergene Säuglingsnahrung. Fünf Testprodukte sind aber so stark belastet, dass sie nur ein "mangelhaft" oder "ungenügend" verdienen. Zum Glück gibt es Alternativen.

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29.05.2015 | Immer donnerstags nach Feierabend verwandelt Diane Z. (32) ihr kleines Büro in eine Umkleidekabine: Sie streift sich ihr Laufshirt über, schlüpft in die Sporthose und schnürt die Joggingschuhe. Eigentlich! Denn seit die Wiesbadenerin weiß, dass sie schwanger ist, hat sich einiges geändert. An kilometerlange Läufe mit den Kolleginnen ist für die Hochschwangere mit dem kugelrunden Babybauch derzeit nicht zu denken.

In wenigen Wochen erblickt ihr Sohnemann das Licht der Welt - und wird das Leben seiner Eltern gehörig durcheinanderwirbeln. Darauf will Diane vorbereitet sein und hat bereits etliche Ratgeber studiert. Derzeit treibt sie die Frage nach der richtigen Babyernährung um. "Nichts geht über Muttermilch", sagt die werdende Mutter. "Aber was, wenn ich nicht stillen kann?" Milchstau oder Entzündungen der Brustwarzen könnten die werdende Mutter davon abhalten, ihrem Säugling die Brust zu geben - und damit wichtige Nährstoffe, die in der Muttermilch enthalten sind.

Ärzte und Experten wissen: Muttermilch ist und bleibt die beste Ernährung für den gerade geborenen Nachwuchs. Mindestens vier Monate lang, so empfehlen sie, sollen Mütter die Kleinen deshalb stillen. Denn Muttermilch enthält alles, was ein Baby braucht und schützt zudem vor Allergien.

Diane selbst leidet an Heuschnupfen und Neurodermitis. Ihren Freund Michael (33) quälte das atopische Ekzem, wie die Hautkrankheit medizinisch genannt wird, in seiner Kindheit ebenfalls. Dass der gemeinsame Stammhalter also auch irgendwann an einer Allergie leiden wird, ist wahrscheinlich.

Für den Fall, dass eine Frau ihr allergiegefährdetes Baby nicht stillen kann, hat die Industrie hypoallergene Säuglingsanfangsnahrung entwickelt, kurz: HA-Nahrung. Die darin enthaltenen Kuhmilcheiweiße sind derart gespalten, dass sie praktisch nicht mehr allergen wirken. Um zu untersuchen, ob solche Produkte Babys tatsächlich vor Allergien schützen, wurde die "German Infant Nutritional Intervention Study" (GINI-Studie) durchgeführt: Mehr als 2.000 Säuglinge, die in den ersten vier Lebensmonaten nicht ausreichend gestillt werden konnten, bekamen drei unterschiedliche HA-Nahrungen: ein stark sowie ein schwach aufgespaltenes Molkeneiweiß sowie ein starkes Caseinhydrolysat. Eine herkömmliche Säuglingsmilch diente als Vergleich.

Ziel der GINI-Studie war die Beantwortung der Frage, ob Hydrolysat-Nahrungen - also Nahrungen, bei denen die Milcheiweißbestandteile Molke und Kasein im Herstellungsprozess gespalten werden - im Vergleich zu einer herkömmlichen Säuglingsmilch mit intaktem Kuhmilcheiweiß die Häufigkeit von allergischen Erkrankungen verringern können.

Das Ergebnis war eindeutig: Wurden Kinder aus Allergikerfamilien in den ersten vier Lebensmonaten entweder mit einem schwachen Hydrolysat (Molkenbasis) oder mit einem starken Hydrolysat (Caseinbasis) gefüttert, entwickelten sie seltener eine quälende Neurodermitis als Kinder, die im Vergleich dazu mit einer herkömmlichen, nicht hydrolisierten Säuglingsnahrung ge

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So haben wir getestet

Der Einkauf
In den Körben unserer Testeinkäufer landete mindestens ein Produkt der wichtigsten in Drogeriemärkten, im Einzelhandel sowie im Internet erhältlichen hypoallergenen Säuglingsnahrungen. Ausgewählt wurden Produkte mit der Bezeichnung "Pre HA" und "HA 1". Pre-Milch ist eine Säuglingsanfangsnahrung, die in etwa genauso viel Eiweiß enthält wie Muttermilch und als einzige Kohlenhydratquelle Laktose. 1er-Milch wird im Vergleich dazu Stärke hinzugesetzt, wodurch jene grundsätzlich sättigender wirkt.

Die Inhaltsstoffe
Muttermilchersatz soll das Kind mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen und dabei frei von problematischen Inhaltsstoffen sein. Deswegen haben wir die Pulver umfangreichen Labortests unterzogen. Im Fokus standen Fettschadstoffe, die über die eingesetzten Fettkomponenten in die Nahrung gelangen. Die Überprüfung auf chemische Schadstoffe wie Chlorat und Perchlorat oder unerwünschte Mineralölrückstände, die aus mit Druckfarben kontaminierten Recyclingverpackungen auf die Pulver übergehen können, rundeten die Labortests ab. Auch Keime standen auf dem umfangreichen Prüfprogramm.

Die Weiteren Mängel
Zusätzlich haben Experten für uns die Deklarationen unter die Lupe genommen und überprüft, ob sie mit den Vorgaben der Diätverordnung konform gehen oder mit Werbeaussagen gespickt sind, die die Ähnlichkeit mit Muttermilch zu sehr betonen.

Die Bewertung
Alle Produkte sind mit Fettschadstoffen belastet. Dafür kann es keine Bestnoten geben. Wie bereits in unseren Tests herkömmlicher Säuglingsanfangsnahrung (ÖKO-TEST-Magazin 2/2015) wurden auch in den HA-Nahrungen Rückstände von Chlorat und Perchlorat gefunden. In einem Pulver konnten wir sogar einen potenziellen Allergieauslöser nachweisen. Auch dafür hagelt es Abwertungen. Dass die Hersteller keine Studien vorlegten, die eine allergiepräventive Wirkung ihrer Produkte belegt, wurde hingegen nicht abgewertet. Zwar wären produktspezifische Studien wünschenswert. Allerdings zeigen verschiedene Arbeiten, dass sich verschiedene Hydrolysate hinsichtlich ihres allergiepräventiven Effekts kaum unterscheiden. So machen auch die von Experten im Auftrag des Netzwerks Junge Familie erarbeiteten Handlungsempfehlungen zur Säuglingsernährung keinen Unterschied zwischen verschiedenen Produkten.

So haben wir getestet

Werbeslogans wie dieser werden von Ernährungsexperten stark kritisiert.