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Zucker

Zucker
vom 28.04.2016

Zucker

Ob in Schoko, Cola oder Streichwurst – Zucker ist überall, und er ist billiger denn je. Wie uns die süße Flut krank macht – und warum wir nichts dagegen tun.

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Es waren ungewöhnlich scharfe Töne, die Ende vergangenen Jahres von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) kamen: „Die Zuckerindustrie versucht Bundestagsausschüsse hinters Licht zu führen“, meldete sie in ihrer Pressemeldung vom 18. November und spricht von einem „plumpen Versuch der Einflussnahme durch Industrieinteressen“.

Solche Sätze kannte man bisher eher von linksradikalen Kapitalismuskritikern, nicht von einer renommierten Fachgesellschaft. Was hatte die Verantwortlichen der DDG dermaßen auf die Palme gebracht?

Anlass war eine Infomail, die kurz davor an ausgewählte Parlamentarier gegangen war. Absender: Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ), die Interessenvertretung der deutschen Zuckerindustrie. Der Inhalt der Mail, zusammengefasst: „Zucker macht nicht dick und ist kein Risikofaktor für Diabetes mellitus.“

Diabetes mellitus Typ II, auch altersbedingter Diabetes genannt, ist die Volkskrankheit Nummer fünf in Deutschland. 2009 hatte fast jeder neunte Erwachsene die Diagnose. Das Risiko, daran zu erkranken, vervielfacht sich bei Übergewichtigen. Schon 2006 waren mehr als die Hälfte aller erwachsenen Deutschen übergewichtig.

Dass ausgerechnet Zucker weder mit Übergewicht noch mit Diabetes Typ II etwas zu tun habe, bestreitet nicht nur die DDG. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und zahllose Gesundheitsexperten warnen inzwischen eindringlich vor den gesundheitlichen Folgen durch den viel zu hohen Zuckerkonsum. Dennoch fällt es Politikern und Behörden schwer, sich in Sachen Zucker zu effektiven Maßnahmen durchzuringen. Warum?

Werfen wir einen Blick nach Brüssel, in einen der holzgetäfelten Sitzungssäle des Europäischen Parlamentes. Es ist der 21. Dezember, und die Debatte dreht sich um Babybrei. Genauer gesagt, um die EU-Richtlinie 2006/125/EG, in der die Zusammensetzung von getreidebasierter Fertignahrung für Säuglinge und Kleinkinder geregelt wird.

Die EU-Kommission sollte diese Richtlinie überarbeiten. Was sie dem Parlament als Ergebnis vorlegte, war allerdings „inakzeptabel“, so Keith Taylor. Der Brite sitzt als Abgeordneter für die Grünen im Europaparlament und rief seine Kollegen dazu auf, den Entwurf abzulehnen.

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