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15 Mittel gegen Scheidenpilze im Test

Wider Candida

ÖKO-TEST Jahrbuch Gesundheit für 2010 | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 09.11.2009

15 Mittel gegen Scheidenpilze im Test

Drei von vier Frauen erkranken mindestens einmal in ihrem Leben an einer Scheidenpilzinfektion. Häufigster Verursacher ist der Hefepilz Candida albicans. Der lässt sich mit vielen getesteten rezeptfreien Präparaten in Schach halten.

Rund 75 Prozent aller Frauen erkranken mindestens einmal in ihrem Leben an einem Scheidenpilz, viele jedoch häufiger. Die ersten Symptome sind starker Juckreiz, weiße bis gelblich krümelige, quarkähnliche Absonderungen und ein Brennen im Schambereich. Auch weißliche Beläge im Bereich der Schamlippen und der Klitoris können auftreten. Von der Pilzinfektion (Candidose) zu unterscheiden ist eine bakterielle Infektion. Diese zeigt sich durch einen klaren, oft stark fischig riechenden Ausfluss.

An mangelnder Körperpflege liegt es nur selten. Ganz im Gegenteil: Gerade übertriebene Hygiene - Intimsprays, parfümierte Seifen, Schaumbäder - leistet dem Wachstum der Pilze Vorschub. Aber auch hormonelle Veränderungen, Antibiotika, andere Infektionen, geschwächte Abwehrkräfte und Krankheiten wie Diabetes begünstigen die Vermehrung der Mikroben. Besonders häufig sind Frauen im gebärfähigen Alter betroffen: Das hormonelle Auf und Ab zwischen der ersten und der letzten Regelblutung begünstigt ein Wachstum der Pilze.

Vier von fünf Pilzinfektionen verursacht der Hefepilz Candida albicans. Der kommt in der gesunden Scheidenflora vor, wird aber im Normalfall vom umgebenden Milieu - überwiegend Milchsäurebakterien - kurzgehalten. Bei einem gestörten Gleichgewicht kann Candida jedoch die Oberhand gewinnen, sich vermehren und zu den entsprechenden Symptomen führen. Eine Übertragung der Keime beim Geschlechtsverkehr ist möglich. Die Behandlung des männlichen Partners schützt die Frau aber offenbar nicht vor einer erneuten Infektion.

Inzwischen gibt es eine Reihe von Präparaten, die Frau bei einer Pilzinfektion ohne Rezept in der Apotheke erhält. ÖKO-TEST hat 15 dieser Mittel gegen Scheidenpilz eingekauft, vor allem Kombinationen aus Vaginaltabletten oder -zäpfchen plus Vaginalcreme.

Das Testergebnis

Präparate mit den Wirkstoffen Clotrimazol und Nystatin - die in fast allen Testprodukten enthalten sind - gelten als Mittel der Wahl. Während des ersten Drittels der Schwangerschaft ist sicherheitshalber Nystatin zu bevorzugen, denn es gibt Bedenken, dass Clotrimazol eine Fehlgeburt verursachen könnte.

Dequaliniumchlorid und Povidon-Jod sind unspezifisch wirkende Desinfektionsmittel, von deren Anwendung wir abraten. Wenn immer möglich, sollten die Erreger einer Scheideninfektion gezielt bekämpft werden. Zudem reizen sie die Vaginalhaut und können Irritationen hervorrufen. Dequaliniumchlorid (enthalten in den Fluomycin N, Vaginaltabletten) wirkt nur gering gegen Hautpilze, die Wirksamkeit von Povidon-Jod bei vaginalen Pilzinfektionen stufen wir als nur teilweise belegt ein. Gefährlich wäre die Anwendung von Povidon-Jod (enthalten in den Traumasept Vaginal-Ovula, Vaginalzäpfchen) in Schwangerschaft und Stillzeit, da aufgenommenes Jod die Schilddrüsenfunktion des Neugeborenen hemmen kann.

Einige Beipackzettel weisen Deklarationsmängel auf: Im Fall der Clotrimazol AL 2%, Vaginalcreme fehlt der Hinweis, dass bei anhaltenden oder sich verschlimmernden Beschwerden ein Arzt aufgesucht werden sollte. Denn dann könnte es sein, dass gar keine Pilz-, sondern eine bakterielle Infektion oder eine andere Hauterkrankung vorliegt. Bei diesem Präparat und anderen fehlt außerdem der Hinweis auf die eingeschränkte Reißfestigkeit von Kondomen. Denn Paraffine, natürliche Fette und Öle oder bestimmte Emulgatoren wie Fettsäureester (Stearate) können dem Latex schaden. Daher sollte grundsätzlich in der Gebrauchsinformation von Arzneimitteln, die an Vagina, Penis oder Anus angewendet werden, immer ein entsprechender Hinweis stehen.

Zehn der untersuchten Produkte im Test enthalten PEG/PEG-Derivate. Sie sorgen unter anderem in Cremes als Emulgatoren dafür, dass sich Fett- und Wasseranteil vermischen. Weil sie aber die Haut durchlässiger machen und damit Fremdstoffe in den Körper einschleusen können, werten wir diese Substanzen hier um zwei Noten ab, zumal eine Unterstützung der Wirksamkeit bei der Therapie von Scheidenpilz nicht zu erkennen ist.

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Adiclair Vaginaltabletten
Adiclair Vaginaltabletten
Ardeypharm
sehr gut
Biofanal 100 000 I.E. Kombipackung
Biofanal 100 000 I.E. Kombipackung
Dr. Pfleger
gut
Nystatin fem Jenapharm, Vaginalzäpfchen
Nystatin fem Jenapharm, Vaginalzäpfchen
Jenapharm
gut
Antifungol Hexal 3 Kombi
Antifungol Hexal 3 Kombi
Hexal
befriedigend
Canesten Gyn 3-Tage-Kombi
Canesten Gyn 3-Tage-Kombi
Bayer Vital
befriedigend
Canifug Cremolum 200 Kombi
Canifug Cremolum 200 Kombi
Dr. August Wolff
befriedigend
Clotrimazol AL 200, Vaginaltabletten
Clotrimazol AL 200, Vaginaltabletten
Aliud Pharma
befriedigend
Clotrimazol AL 2%, Vaginalcreme
Clotrimazol AL 2%, Vaginalcreme
Aliud Pharma
befriedigend
Fungizid-ratiopharm Kombipackung
Fungizid-ratiopharm Kombipackung
Ratiopharm
befriedigend
KadeFungin 3, Kombi-Packung
KadeFungin 3, Kombi-Packung
Dr. Kade
befriedigend
Mykofungin 3 Kombipackung
Mykofungin 3 Kombipackung
Riemser Arzneimittel
befriedigend
Nystatin "Lederle" Kombi
Nystatin "Lederle" Kombi
Valeant
befriedigend
Mykohaug 3 Kombi
Mykohaug 3 Kombi
Betapharm
ausreichend
Fluomycin N, Vaginaltabletten
Fluomycin N, Vaginaltabletten
Pierre Fabre
mangelhaft
Traumasept Vaginal-Ovula, Vaginalzäpfchen
Traumasept Vaginal-Ovula, Vaginalzäpfchen
Dr. August Wolff
mangelhaft

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Die Scheidenpilzmittel wurden im Februar 2009 in Apotheken eingekauft. Es handelt sich um Präparate, die angewendet werden, wenn eine Pilzerkrankung oder allgemein eine Infektion der Scheide zugrunde liegt.

Die Begutachtung

Unser wissenschaftlicher Berater Professor Manfred Schubert-Zsilavecz hat nicht nur geprüft, ob die Wirksamkeit für die von den Produkten beanspruchten Anwendungsgebiete in Studien belegt ist. Er ist auch der Frage nachgegangen, wie es um unerwünschte Wirkungen steht. Auch die Beipackzettel hat er sorgfältig geprüft: Sind wichtige Warnhinweise, Anwendungsbeschränkungen und Gegenanzeigen aufgeführt?

Hilfsstoffe

Auch arzneilich verwendete Cremes und Salben werden zum Schutz vor Verderb konserviert. Um zu überprüfen, ob außer den deklarierten nicht auch noch andere Konservierungsstoffe eingesetzt oder über die Vorkonservierung einzelner Hilfsstoffe eingeschleppt wurden, haben wir die Präparate auf Formaldehyd/-abspalter untersuchen lassen. Erfreulich: Die Analysen erbrachten nur negative Resultate. Die Mittel ohne Clotrimazol wurden zudem daraufhin untersucht, ob sie halogenorganische Verbindungen enthalten. Dies war nicht der Fall. Bei Mitteln mit Clotrimazol wurde diese Analyse nicht gemacht, denn der Wirkstoff enthält organisch gebundenes Chlor. Die Substanz werten wir hier nicht ab, da Wirksamkeit und Verträglichkeit sehr gut sind.

Die Bewertung

Bei der Bewertung eines Scheidenpilzmittels steht dessen Wirksamkeit im Vordergrund. Deshalb prüfte unser wissenschaftlicher Berater in der wissenschaftlichen Literatur, ob in Studien eindeutig nachgewiesen werden konnte, dass die entsprechende Wirksubstanz tatsächlich gegen eine Scheidenpilzerkrankung hilft. Ist die Wirksamkeit nur wenig überzeugend, dann bedeutet dies, es gibt nur aus wenigen, kleineren Studien Hinweise auf eine Wirksamkeit. Bei nur teilweise belegter Wirksamkeit gibt es widersprüchliche Studien oder es fehlen Belege für bestimmte Anwendungsgebiete.

ÖKO-TEST Jahrbuch Gesundheit für 2010
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