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Übersicht: Solar-Investments

Wolken vor der Sonne

Ratgeber Rente, Geld, Versicherungen 8:2010 | Kategorie: Geld und Recht | 01.10.2010

Übersicht: Solar-Investments

Mit der Energie der Sonne Geld verdienen und das Klima schützen, das versprechen Anbieter von Solaranlagen ihren Investoren. Doch auch wenn die Offerten den Nerv der Zeit treffen: Nach dem Platzen der Solarblase winkt nur selten ein strahlendes Geschäft.

Ohne die Kraft der Sonne wird auf der Welt schon bald nicht mehr allzu viel gehen - das ist die nüchterne Konsequenz aus dem zunehmenden Energiebedarf und der Knappheit fossiler Energieträger. Bereits 2020 sollen daher mindestens 20 Prozent und Mitte des Jahrhunderts mindestens 50 Prozent der globalen Energieversorgung durch Sonne, Wind, Wasser, Bio-Masse und Erdwärme gedeckt werden. Die wichtigste Säule im künftigen Mix aus erneuerbaren Energien kommt dabei der Solarenergie zu. Denn erstens ist ihr Ausbaupotenzial von allen erneuerbaren Energien am größten. Zweitens ist die Sonne ein gigantisches und nahezu unerschöpfliches Kraftwerk und drittens gibt es den Rohstoff kostenlos.

Kein Wunder daher, dass sich laut Umfragen von Emnid und Allensbach mittlerweile 98 Prozent der Deutschen für eine stärkere Nutzung der Solarenergie aussprechen und immer mehr Hausbesitzer Solarmodule auf ihre Dächer montieren. Doch nicht nur die eigene Solaranlage liegt im Trend. Wer keine eigene Anlage installieren kann oder will, dem verspricht die Investmentbranche, saubere Profite aus der Nutzung der Sonnenenergie zu ziehen. Die Offerten reichen von Solaraktien über Aktienfonds und Zertifikate bis hin zu Beteiligungen, die Anleger zu Mitunternehmern an bestehenden oder noch zu errichtenden Solargroßanlagen machen.

Längst nicht alle Angebote versprechen jedoch eitel Sonnenschein. Für Solaraktien- und -aktienfonds hat sich der Himmel in den vergangenen zwei Jahren zum Beispiel stark verdunkelt. Infolge der Wirtschaftskrise, Problemen bei der Finanzierung von Großanlagen, Veränderungen bei den Förderprogrammen und zunehmender Konkurrenz durch preiswerte Solarmodule aus China sind die Kurse von Solaraktien zeitweilig steil abgestürzt - und nur wenige konnten sich bislang wieder erholen. Denn die Preise für Solarmodule stehen nach wie vor stark unter Druck. Dagegen erlebten geschlossene Photovoltaikfonds, mit denen sich Anleger an Solarkraftwerken beteiligen und an der Stromerzeugung verdienen, im vergangenen Jahr geradezu einen Boom. Allein im ersten Halbjahr 2009 hat sich das Angebot an Neue-Energien-Fonds im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast verdoppelt.

Insgesant flossen vergangenes Jahr stolze 550 Mio. Euro an neuem Eigenkapital in die sogenannten Energiefonds. Denn die Kombination aus einem nachhaltigen Investment mit vermeintlich sicheren, stetigen Renditen verspricht Lichtblicke im Depot. "Dank gesetzlich garantierter Einspeisevergütung, einschätzbarer Solarstrahlung und inzwischen bewährter Technik bieten Solarfonds gute Renditeaussichten bei vergleichsweise geringem Risiko", meint zum Beispiel Daniel Kellermann, Geschäftsführer des unabhängigen Informationsportals www.greenvalue.de. Dazu trägt auch bei, dass Solarmodule mittlerweile als wenig verschleiß- und wartungsanfällig gelten. Die Hersteller garantieren auch nach 20 Jahren noch eine Energieausbeute von 85 Prozent. Und trotz besserer Qualität sind die Preise dafür in den vergangenen zwölf Monaten um rund 30 bis 40 Prozent gesunken. Solarfonds können also von günstigeren Einkaufspreisen profitieren.

Am strahlend blauen Himmel, den Anbieter von Solarfonds Anlegern versprechen, sind aber längst schon dunkle Wolken aufgezogen. Denn der Solarmarkt hat sich in den vergangenen zwei Jahren enorm gewandelt. Nur erfahrene Anbieter, die zugleich solide kalkulieren, haben derzeit Zukunftschancen. Bei Großanlagen konkurriert die Photovoltaik zudem mit solarthermischen Kraftwerken, den sogenannten CSP-Anlagen (Concentrating Solar Power) - und erst die Zukunft wird zeigen, welche Technologie verlässlicher und effektiver ist oder ob beide Verfahren dauerhaft nebeneinander bestehen.

Bis 2008 galt Spanien als Lokomotive der europäischen Solarbranche. Der Grund: Im sonnigen Süden liefern Solaranlagen schlichtweg mehr Strom. Doch weil vor allem ausländische Firmen vom spanischen Solarmarkt profitierten und Spaniens Strompreise nicht zuletzt infolge der hohen Einspeisevergütung explodierten, entschloss sich die Regierung in Madrid im September 2008, bislang üppig geflossene Subventionen zu kappen. Bis spätestens Ende 2010 soll die Vergütung für die Einspeisung von Solarstrom in das spanische Leitungsnetz um bis zu 32 Prozent sinken. Darüber hinaus ist die Anzahl der geförderten Projekte durch eine neu eingeführte Obergrenze gedeckelt: Bei Dachanlagen werden in ganz Spanien demnächst nur noch 267 MW gefördert, für weniger ökologische, weil flächenraubende Bodenanlagen sind maximal 133 MW vorgesehen. Mit der Kürzung des Staatszuschusses sind zudem auch noch strengere Auflagen für die Errichtung von Neuanlagen verbunden.

Zwar werden die Subventionen für die Einspeisevergütung von Solarstrom in Spanien - anders als in Deutschland - nach wie vor für 25 Jahre garantiert. Außerdem werden die Sätze jährlich an die Inflation angepasst. Doch die Vergütungstarife sollen künftig entsprechend der Entwicklung der beantragten Vergabeleistungen erhöht oder reduziert werden. Wird das Förderbudget im Vergabezeitraum ausgeschöpft, sinken daher die Vergütungssätze in der Folgeperiode, falls nicht, werden sie erhöht. Das bedeutet jedoch für Neuanlagen: Investoren können kaum noch verlässlich kalkulieren. Seit 2009 wird erst drei Monate nach der Anmeldung bekannt gegeben, welche Anlagen in der aktuellen Runde die Einspeisevergütung erhalten. Zusammen mit der Kontingentierung der Fördermenge zwingt das zu einem Windhundrennen: Wird der Solarpark nicht rechtzeitig fertig, erfolgt der Netzanschluss nicht rechtzeitig oder werden die Genehmigungen zu spät beantragt, rutscht das Projekt in die nächste Finanzierungsrunde. Damit drohen niedrigere Vergütungssätze von bis zu zehn Prozent pro Jahr und ein späterer Start. Schlimmstenfalls muss jedoch auch die Finanzierung neu verhandelt werden. Das sind hohe Risiken für Projektentwicklungsfonds, die nicht nur den Renditehimmel verdunkeln können. Schlimmstenfalls droht sogar der Verlust des eingesetzten Kapitals.

Denn bei geschlossenen Solarfonds handelt es sich um unternehmerische Beteiligungen. Anleger sind am Erfolg, aber auch an den Verlusten des Projekts beteiligt. Die Haftung ist meist auf die Kapitaleinlage beschränkt. Als Ausgleich für das Risiko locken die Fonds mit hohen Renditeversprechungen - wobei die Aussagen in den Prospekten unbedarfte Anleger schnell verwirren können. Statt eine Rendite pro Jahr anzugeben, wird oft nur die Summe aller Ausschüttungen genannt. Sätze zwischen 190 bis 305 Prozent hören sich dabei nach außerordentlich hohen Erträgen an. Doch Vorsicht: In der Summe aller Ausschüttungen ist auch immer das Eigenkapital der Anleger (ohne Agio) enthalten. Denn das wird - anders als zum Beispiel bei Anleihen oder Sparanlagen - nicht am Ende der Laufzeit, sondern peu à peu mit ausgezahlt. Das bedeutet: 100 Prozent der Ausschüttung entfallen auf das Eigenkapital und nur die restlichen 90 bis 205 Prozent auf die Erträge.

Rechnet man diese Ausschüttungen in eine jährliche Rendite um, versprechen die Fonds im besten Fall Jahreserträge von zehn Prozent oder etwas mehr bei Laufzeiten bis zu 20 Jahren. Auch das klingt noch üppig. Derart sonnige Ertragsaussichten gibt es aber nur dank Hebelfinanzierung: Im Schnitt müssen Anleger nur 30 bis 40 Prozent der Investitionssumme aus Eigenmitteln aufbringen, der Rest wird mit Krediten finanziert. In Spanien finanzierten die Banken in Boomzeiten sogar bis zu 85 Prozent des Investitionsvolumens mit Krediten. Bezogen auf den geringen Eigenkapitaleinsatz konnten die Fonds folglich hohe Renditen ausweisen, die aber längst wie Schnee in der Sonne dahingeschmolzen sind. Denn mittlerweile sind die Banken bei Solarprojekten zurückhaltend. Viele Institute in Spanien lehnen die Solaranlagefinanzierung sogar gänzlich ab. Das hat nicht nur Auswirkung auf die Erträge. Schlimmstenfalls muss sogar das ganze Projekt mit Verlusten rückabgewickelt werden.

So weit ist es bei dem Totana-Fonds nicht gekommen, den der Beratungskonzern Global Capital zusammen mit der australischen Beteiligungsfirma Keybridge Capital im Hinterland von Spaniens Costa Blanca errichtet hat. Der Park gilt dank ausgefeilter Technik als Rolls-Royce unter den Solarparks. Für seine Investoren ist er jedoch kaum attraktiv. Dabei ist die Gegend eigentlich ideal für einen Solarfonds, denn unweit von Alicante gibt es viel Sonnenschein. Zudem lockten traumhaft hohe Einspeisevergütungen, offeriert vom spanischen Staat. Nach Kürzung der Garantiepreise von 47 auf nur noch 31 Eurocent je Kilowattstunde, drehten die Banken jedoch den Kredithahn zu. In der Not stemmten die Investoren das Projekt alleine: Totana ist jetzt zu 100 Prozent mit Eigenmitteln finanziert. Die avisierte Rendite von zehn bis 15 Prozent haben sich die Investoren dabei abgeschminkt. Wenn alles gut geht, wirft die Anlage mit einer Leistung von einem Megawatt höchstens noch sechs bis acht Prozent Rendite ab. Für die weiteren geplanten Projekte in der katalanischen Ebene fehlt den Investoren das Geld.

So wie Totana geht es vielen spanischen Fonds, die 2008 mit Solarneuanlagen an den Markt gehen wollten. Denn infolge des Tritts auf die Förderbremse brach der global wichtigste Solarmarkt ein. Der Trend geht jetzt eher zu bereits bestehenden Projekten, die noch von der hohen Förderung der Vergangenheit profitieren und mit einer vorhandenen Finanzierung übernommen werden können. Solche Zweitmarktanlagen sind in Spanien zurzeit günstig zu haben. Sie werden üblicherweise zum Ertragswert und nicht zum Festpreis eingekauft. Eine möglicherweise reduzierte Einspeisevergütung wird zudem durch einen geringen Erwerbspreis einkalkuliert. Die Renditechancen solcher Bestandsfonds sind zwar niedriger als bei Neuanlagen. Dafür drohen aber auch nicht die hohen Risiken typischer Blind-Pool-Projektentwicklungsfonds, die beim Einsammeln der Anlegergelder noch keine oder nur wenige konkrete Investitionsobjekte vorweisen können. Denn nur wenn alle Genehmigungen vorliegen, die gesamten technischen Komponenten der Anlage feststehen und die Wetterdaten des Standorts bekannt sind, lässt sich die vom Anbieter kalkulierte Stromleistung überhaupt verifizieren.

Doch Vorsicht: Sogar bei Bestandsanlagen ist Wachsamkeit angesagt. Die gesetzlich geregelte Einspeisevergütung sorgt zwar für regelmäßigen Kapitalfluss. Das allein macht den Solarfonds aber noch nicht zu einem sprudelnden Renditekraftwerk. Wichtiger sind auch ein realistischer Businessplan, eine garantierte Leistungsüberwachung der Anlage auf ihren Wirkungsgrad sowie ein gutes Qualitätsmanagement. So dürfen beispielsweise keine billigen Schnäppchenmodule verbaut werden, sondern nur hochwertiges Material. Falls die Solarmodule oft ausfallen oder nicht die zugesicherten Eigenschaften besitzen, kann das zu Ertragseinbußen von bis zu 60 Prozent führen, fand das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg in einer Studie heraus.

Prüfen sollten Anleger bei Solarfonds aber auch die Erfahrung sowie die Seriosität der Initiatoren und der beteiligten Partner. In Spanien waren in der Vergangenheit zum Beispiel etliche "Glücksritter" unterwegs, die alles andere als solide planten. Unter Experten macht zum Beispiel immer wieder die Geschichte von einem Projektentwickler die Runde, der einen Dieselgenerator anwarf, um den rechtzeitigen Anschluss seines Solarparks ans Stromnetz vorzutäuschen. In einem anderen Fall war das zum Verkauf stehende Grundstück nicht einmal halb so groß wie die im Exposé genannte Fläche. Kurz: Wer sich im Geschäft mit der Sonne engagieren will, sollte sich nicht von hochglänzenden Werbebroschüren und sonnigen Versprechen blenden lassen. Wichtiger ist ein sorgfältiger Angebotscheck. Der Bundesverband der Solarwirtschaft (BSW-Solar) hält auf der Website www.solarfonds-ratgeber.de zum Beispiel eine umfangreiche Checkliste dafür bereit. Die datiert zwar aus dem Jahr 2007, ist aber nach wie vor aktuell.

Seit Spanien kritischer betrachtet wird, gilt neuerdings Italien als aussichtsreicher Markt. Denn auch hier ist die Zahl der Sonnenstunden hoch. Zudem erfolgt der Abbau der Einspeisevergütung viel moderater als in Spanien oder Deutschland. Vor allem im sonnenreichen Süden lockten noch Vergütungen von bis zu 50 Cent je Kilowattstunde eingespeisten Stroms, sofern die Anlage bis Ende 2010 ans Netz geht. Ob die Ende 2009 angebotenen Solarfonds, wie beispielsweise der "SolES 21 Fonds" von Voigt&Collegen sowie der Trend Capital Fonds "Sonne Italiens", davon profitieren, muss erst noch die Zukunft zeigen. Zwar hatte zum Beispiel der Trend Capital Fonds nach eigenen Angaben bereits Ende 2009 rund 80 Prozent der Genehmigungen bereits in der Tasche. Doch laut Studie der Schweizer Bank Sarasin haben schleppende bürokratische Abläufe in Italien bislang ein schnelles Wachstum der installierten Leistung verhindert. Bei der Genehmigung des Solarparks Santa Croce südlich von Ragusa auf Sizilien, der neben anderen Solarparks in Apulien und im spanischen Andalusien zum SolES21 gehört, waren laut Fondsinitiator Voigt&Collegen zum Beispiel 22 Fachämter beteiligt. Kein Wunder daher, dass der eigentlich schon für den Vorgängerfonds eingeplante Solarpark nun erst vom SolES 21 Fonds realisiert werden kann.

Wer dem trägen italienischen Amtsschimmel Beine machen will, muss gute Verbindungen haben oder Schmiergeld zahlen - ein Trend, der nach Einschätzung von Experten eher noch zunehmen dürfte. Weil Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi Atomstrom den Vorzug gibt, sollen demnächst sogar bis zu 55 Gutachten notwendig sein, bevor ein neuer Solarpark ans Netz gehen kann. Das ist ein deutlicher Standortnachteil für Europas Sonnenstube, der die ganze Rendite verhageln kann.

Bei Deutschland als Standort für Solarfonds scheiden sich dagegen die Geister: Wichtigstes Argument der Kritiker: Die Sonnenkraft sei zu gering. Verglichen mit rund 3.025 Sonnenstunden, die Malaga im vergangenen Jahr zählte, und 2.640 Sonnenstunden in Palermo, kam Deutschland 2008 im Mittel gerade mal auf 1.619 Sonnenstunden. Das lässt grundsätzlich eine niedrigere Stromausbeute erwarten als in südlicheren Gefilden. Außerdem wurde die Einspeiseverfügung abgesenkt. Laut Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert der Staat zwar derzeit noch bis zu 33 Cent je Kilowattstunde - je nach Art und Größe der Anlage. Zudem sind die bürokratischen Hürden deutlich niedriger als in Europas Süden. Darüber hinaus sind sowohl Freiland- als auch Dachanlagen vergleichsweise günstig zu haben - insbesondere seit die Modulpreise so stark gefallen sind. Kurz: Auch hierzulande brummt der Markt für Solarstromanlagen.

Die Politik sorgte in den vergangenen Wochen jedoch eher für Verwirrung. Denn die von der Bundesregierung beschlossene Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke sowie die angekündigte weitere Absenkung der Einspeisevergütung für erneuerbare Energien erzeugt Unsicherheit. Ein Überangebot an Billigstrom könnte dazu führen, dass Betreiber Probleme bkommen, ihren Öko-Strom ins Netz zu bekommen. Anlagen, die noch 2010 in Betrieb genommen werden, sind davon aber weniger betroffen. "Eine nachträgliche Reduzierung bestehender Vergütungen wird es nicht geben", sicherte zum Beispiel Joachim Pfeiffer, energiepolitischer Koordinator der Unionsfraktion verunsicherten Investoren zu.

Wer jetzt noch in den Markt einsteigt, muss trotzdem erhöhte Risiken einkalkulieren: Deutschland ist mit Neuanlagen schon 2009 regelrecht geflutet worden. Dieser Trend hat sich nach Ansicht von Experten, wie die Bank Sarasin, auch 2010 fortgesetzt. Die Schweizer Experten gehen davon aus, dass der Photovoltaikmarkt in Deutschland trotz drastischer Senkung der Einspeisevergütung um rund 50 Prozent gewachsen ist. Für 2011 geht die eidgenössische Bank daher erst einmal von einer gewissen Verlangsamung aus. Darüber hinaus sind in Deutschland grundsätzlich einige Besonderheiten zu beachten. Auch Bürgerkraftwerke, geschlossene Solarfonds oder andere Beteiligungen gehören zu den Angeboten des Grauen Kapitalmarkts, die keiner staatlichen Kontrolle unterliegen. Der Anbieter sollte daher auf Seriosität und Erfahrung der Anbieter achten, das Projekt auf Sicherheit und Finanzierung sowie die Renditerechnungen auf Plausibilität geprüft werden - am besten mithilfe von Experten. "Zwei umfassende Ertragsgutachten von renommierten Prüfern sind Plicht", sagt Kellermann vom Green-Value-Portal.

Viele Emissionshäuser, zum Beispiel die Dresdner Picard SOLAR GmbH beim Klima Rendite Fonds 1 planen auch hohe Wiederverkaufspreise für die Anlagen ein. Doch niemand kann seriös sagen, was gebrauchte Module in zwanzig Jahren wert sind. Zwar gehen die Anbieter von 30 Jahren Lebensdauer aus, ob die Module aber wirklich so lange halten, wird sich erst noch zeigen müssen. Ob sich ein Weiterbetrieb der Anlage lohnt, hängt zudem entscheidend vom dann herrschenden Strompreis ab. Dabei ist kaum damit zu rechnen, dass er auf heutigem Niveau stehen bleiben wird. Verkaufserlöse sollten deshalb bei der Kalkulation besser außen vor bleiben und bei einer späteren Realisierung als unerwarteter Zusatzgewinn betrachtet werden. Wichtig sind auch die Pachtverträge für das Gelände oder die Dächer: Sie sollten deutlich länger laufen als der Fonds. Nur dann ist sichergestellt, dass Käufer mit der fertigen Anlage auch langfristig Strom erzeugen und verkaufen können.

Die erste Hürde bei der Entscheidung für einen Solarfonds sind jedoch die Einstiegskosten. Mehr als acht bis zwölf Prozent der Investitionssumme sollten die weichen Kosten für Vertrieb, Konzeption, Marketing, Fondsverwaltung etc. nicht betragen. Denn bevor die Anleger ans Verdienen kommen, wollen solche Ausgaben erst einmal erwirtschaftet sein. Der DCM Solarfonds 3, der auf den Dächern der Logistikzentren von Aldi Nord und Süd insgesamt neun Solarstromanlagen errichtet hat, war zum Beispiel kein Schnäppchen. Mit rund 10,78 Prozent der Investitionssumme lagen die Weichkosten gerade noch im tolerierbaren Bereich - auch wenn sie in Relation zum Eigenkapital schon atemberaubende 41,05 Prozent betragen. Der Grund ist simpel: Der Fonds wird zu 75 Prozent mit Krediten finanziert. Entsprechend hoch ist die Weichkostenbelastung, wenn man sie ins Verhältnis zum Eigenkapital setzt. Beim Aldi-Fonds mögen Anleger das verschmerzen: Alle neun Anlagen gingen noch 2009 ans Netz. Die Einspeisevergütung ist damit gesichert.

Sofern der Fonds, wie von zwei unabhängigen Gutachten bestätigt, auch die versprochenen Strommengen liefert, sollte trotz hoher Kosten zwar keine üppige, aber zumindest eine befriedigende Rendite herausspringen. Weiteres Plus beim Aldi-Fonds: Hier springt auch noch eine dunkelgrüne Rendite heraus. Denn der Fonds nutzt bereits vorhandene Dachanlagen und beansprucht keine Flächen, die auch anderweitig genutzt werden können - beispielsweise für die Landwirtschaft. Doch wehe, falls ein Fonds mit derart hoher Kostenbelastung die versprochenen Erträge nicht liefern kann oder wenn gar das Projekt kippt. Dann haben Anleger schnell viel Geld verbrannt.

Anleger sind bei Solarinvestments aber nicht nur auf Beteiligungen beschränkt, die meist eine langfristige Bindung von bis zu 20 Jahren verlangen und - wenn überhaupt - frühestens nach zehn Jahren kündbar sind. Wer Risiken streuen will, kann zum Beispiel in offene Energiefonds investieren, in denen Aktien von Solarfirmen dominieren. Der Warburg Photovoltaik Global 30 Fonds investiert zum Beispiel ausschließlich in die Aktien des weltweiten Photovoltaik Global 30 Index, der die 30 größten und liquidesten Solarunternehmen der Welt repräsentiert. Der Index wird aber nicht 1:1 nachverfolgt. Warburg gewichtet die Aktien je nach ihrem Markterfolg. Das verspricht langfristig überdurchschnittlichen Ertrag. Solche Fonds können börsentäglich an die Fondsgesellschaft zurückgegeben oder über die Börse wiederverkauft werden. Sie sind also liquide, bergen allerdings die typischen Aktienrisiken.

Gerade bei Solaraktien, die in den letzten zwei Jahren stark unter Druck gekommen sind, ist Risikostreuung unerlässlich. Denn infolge des starken Wettbewerbsdrucks ist der Markt gerade in einer Umwälzungsphase. Thomas Hoffmann vom Murphy&Spitz Research geht zum Beispiel davon aus, dass vor allem chinesische und amerikanische Unternehmen, wie Yingli Green, Trina, Suntech, First Solar und Sunpower von den insgesamt anhaltenden Zuwächsen bei PV-Installationen profitieren. Ob Anleger noch kurz vor oder nach Jahreswechsel zugreifen sollten, steht jedoch auf einem anderen Blatt. Solarunternehmen gehört zwar die Zukunft. Doch derzeit kämpft die Branche erst einmal mit sinkenden Preisen und Überkapazitäten. Die Schweizer Bank Sarasin rät erst einmal zum Abwarten und zur Titelselektion. Schließlich kann bereits ab 2012 in attraktiven Märkten wie Kalifornien oder Italien wettbewerbsfähiger Solarstrom auch ohne staatliche Vergütung erzeugt werden. In einem derart reifen Markt, so Sarasin, gehe es eher darum auf neue verheißungsvolle Technologien zu setzen als nur auf Bewährtees. Deshalb hängen die Kurse von Solaraktien künftig eher von der allgemeinen Börsenlage als von der Entwicklung auf dem Solarmarkt ab.

Grau-grüne Schatten

Bei einem Großteil der Solarinvestments handelt es sich um Offerten des sogenannten "Grauen Kapitalmarkts", der staatlich nicht geregelt und überwacht ist. Eine Ausnahme bilden lediglich börsennotierte Wertpapiere. Anleger sollten daher besonders kritisch sein. Am Graumarkt drohen unüberschaubare Risiken, denn die gesetzlichen Anlegerschutzvorschriften sind minimal. Grundsätzlich gilt:

Prospektpflicht gilt für alle öffentlichen Angebote, mit denen ein größerer Personenkreis zur Beteiligung an geschlossenen Fonds zur Finanzierung gewerblicher Photovoltaikanlagen (Kommanditbeteiligung, Treuhandbeteiligung, Private-Equity-Beteiligung), nicht in Wertpapieren verbrieften Namensschuldverschreibungen, Genussscheinen etc. aufgefordert wird. Der Prospekt nach dem Prospektgesetz muss alle Angaben enthalten, die zur rechtlichen und wirtschaftlichen Beurteilung der Anlage notwendig sind und über die Vermögens- und Ertragslage des Anbieters informieren. Er muss von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) genehmigt und dort hinterlegt werden. Die BaFin prüft aber nur auf Vollständigkeit und nicht inhaltlich. Die BaFin-Prüfung ist daher kein Gütesiegel. Ob ein Prospekt hinterlegt wurde, findet man unter http://ww2.bafin.de/database/VPInfo/index1.jsp

Wichtig: Bürgersolaranlagen, bei denen sich nur ein kleiner Kreis von Anlegern an einer kleineren, regionalen Solaranlage (in Rechtsform einer GmbH oder GbR ) beteiligt, unterliegen ebenfalls der Prospektpflicht.

Prospektgutachten. Ob die Angaben im Prospekt plausibel sind und Anleger eine echte Chance haben, die versprochenen Renditen auch zu erzielen, verrät daher nur ein Gutachten durch einen Wirtschaftsprüfer nach dem sogenannten IDW-S4-Standard. Ob es ein Prospektgutachten gibt, lässt sich am ehesten unter www.geschlossene-fonds.de und www.anlegerschutz.de recherchieren.

Leistungsbilanz. Der Verband Geschlossener Fonds (VGF) fordert von seinen Mitgliedern zudem die Aufstellung einer jährlichen Leistungsbilanz. So können Anleger erkennen, ob und wie realistisch der Anbieter kalkuliert. Wer Mitglied des VGF ist und eine Leistungsbilanz hinterlegt hat, finden Sie unter www.leistungsbilanzportal.de. Auch www.geschlossene-fonds.de und www.anlegerschutz.de geben Hinweise.

Diese Prüfpunkte sind aus Verbrauchersicht jedoch nur Mindestvorgaben. Eine Gewähr für den Anlageerfolg und die Seriosität des Anbieters geben auch sie nicht.

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Erschienen am 01.10.2010