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ÖKO-TEST Juli 2017
vom

Legal Techs

Recht unkompliziert?

Ob Strafzettel, Flugausfälle, Mietwucher oder Rückabwicklung von Lebensversicherungen - Legal Techs wollen Verbrauchern bei der Durchsetzung ihrer Rechtsansprüche helfen - via Internet, einfach, schnell und ohne lästigen Anwaltsbesuch. Der Markt boomt. Denn mit dem Ärger der Kunden lässt sich gutes Geld verdienen.

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29.06.2017 | Ist der Flieger verspätet, ein Vertrag fehlerhaft, ein Knöllchen unberechtigt oder kostet die Wohnung mehr als die ortsübliche Miete, kann sich jeder Bürger juristisch dagegen wehren. Doch viele schrecken davor zurück. Denn gegenüber Konzernen, Versicherungen und Behörden sind Verbraucher bei der Durchsetzung ihrer Rechte oft in der schlechteren Position. Schließlich haben sie - anders als Unternehmen und staatliche Stellen - keine hauseigenen Rechtsabteilungen, auf die sie zurückgreifen können und die sich permanent damit beschäftigen, finanzielle Forderungen einzuholen bzw. abzuwehren. Die Durchsetzung von Schadenersatzforderungen oder Widersprüchen erscheint Privatleuten daher oft kompliziert. Vor allem scheuen sie den Gang zum Anwalt und das damit verbundene finanzielle Risiko. Schließlich müssen Anwalt und Gericht erst einmal vorfinanziert werden. Wer später den Prozess verliert, muss obendrein auch noch die gegnerischen Kosten tragen - zumindest wenn keine Rechtschutzversicherung das übernimmt. Bei so vielen Unwägbarkeiten fürchten Verbraucher schnell, der Rechtsweg könne zu einem Kampf gegen Windmühlen ausarten. Ihnen will nun eine wachsende Zahl sogenannter Legal Techs helfen. Das sind IT-Start-ups, die Rechtsfragen mit standardisierten technischen Lösungen beantworten und ihre Dienste online im Internet oder via App anbieten. Sie versprechen, Rechte und Forderungen von Verbrauchern unkompliziert und ohne Kostenrisiko für den Kunden durchzusetzen. Honorar verlangen sie meist nur im Erfolgsfall. Dann muss der Verbraucher einen Teil des erstrittenen Geldes abgeben. Ansonsten tragen die Legal Techs das finanzielle Prozesskostenrisiko.

Damit die Rechnung auch für die jungen Rechtsdienstleister aufgeht, spezialisieren sie sich meist auf Streitsachen, bei denen die Rechtsprechung überschaubar und gefestigt ist und die sich mit systematischer, automatisierter Bearbeitung lösen lassen. Bestes Beispiel für solche standardisierten Angebote liefern Legal-Tech-Unternehmen, die sich auf Airlinekunden spezialisiert haben, deren Flüge verspätet oder ausgefallen sind. Nach der EU-Fluggastrechteverordnung stehen diesen Fluggästen oft Entschädigungen im dreistelligen Bereich zu, die aber selten eingefordert oder durchgesetzt werden. Genau hier kommen Portale wie Flightright.de, Euclaim.de oder flug-verspaetet.de ins Spiel. Anwender können auf diesen Portalen erst einmal kostenlos und unverbindlich prüfen lassen, ob und wie hoch ihre Entschädigungsansprüche sind. Dazu müssen sie nur die Flugnummer und das Reisedatum des zu beanstandenden Fluges eingeben. Anschließend fragen die Programme noch ein paar weitere Informationen ab, etwa den Umfang der Verspätung. Eine entsprechend programmierte Software prüft dann die Höhe des möglichen Anspruchs auf Schadenersatz und bietet gleichzeitig an, ein entsprechendes Schreiben inklusive der Forderung aufzusetzen und an die Airline zu schicken. Die Kundendaten können dabei direkt aus der Eingabemaske übernommen, das Musterschreiben aus der digitalen Schublade geholt und je nach Fall leicht angepasst werden. Denn bei den meisten Portalen kennt die Software fast jede Art der Verspätung - egal ob die Technik, Probleme beim Catering oder das Wetter dafür verantwortlich waren. Auf diese Weise ist es möglich, dass Legal Techs auch mit wenigen Mitarbeitern große Fallzahlen bearbeiten können - und genau darin liegt ihr Gewinn. Nimmt der Airlinekunde das Angebot an, berechnet das Portal im Erfolgsfall eine Gebühr von bis zu 30 Prozent auf die später eingehende Entschädigungssumme - und zwar egal, ob die Forderung ganz problemlos außergerichtlich oder erst vor Gericht durchgesetzt werden muss. Für diesen Fall stehen im Hintergrund meist entsprechende Partneranwälte bereit. Denn die Portale selbst sind oft nur Inkassounternehmen, welche die Forderungen der Fluggäste nach entsprechender Abtretung durchsetzen.

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