1. oekotest.de
  2. Tests
  3. 66 Versicherungenkonzerne und ihre Finanzstärke im Test

66 Versicherungenkonzerne und ihre Finanzstärke im Test

Auf Kosten der Kunden

ÖKO-TEST Februar 2014 | Kategorie: Geld und Recht | 24.01.2014

66 Versicherungenkonzerne und ihre Finanzstärke im Test

Deutschlands Lebens- und Rentenversicherer klagen nach wie vor bitter über die anhaltende Niedrigzinsphase. Doch die ÖKO-TEST-Analyse zeigt: Schlecht geht es nur den Kunden. Die Branche insgesamt fährt dagegen nach wie vor gute Gewinne ein. Das versucht sie aber tunlichst zu verbergen.

Die Schlagzeilen sind ähnlich alarmierend wie schon im Vorjahr. "Das Zinsrekordtief setzt die Lebensversicherer unter Druck. Die ersten Anbieter schaffen den Garantiezins ab", titelte die Bild-Zeitung im Sommer 2013. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) schlägt Ende November im Handelsblatt Alarm: "Die neuen Eigenkapitalregeln für europäische Versicherer könnten einige deutsche Unternehmen die Existenz kosten". Finanzminister Wolfgang Schäuble sichert der Branche laut Welt zum gleichen Termin per Handschlag Hilfe zu. Die Deutsche Aktuarvereinigung empfahl Anfang Januar gar, den Garantiezins 2015 weiter abzusenken - notfalls bis auf 1,25 Prozent.

Geht es der Branche also wirklich schlecht? Oder nutzt die Branchenlobby die aktuelle Kapitalmarktlage nur, um weiterhin Gerüchte um einen Notstand zu verbreiten und ein für die Versicherungskunden höchst nachteiliges Gesetz durchzudrücken, mit dem sie genau vor zwölf Monaten gescheitert ist: die Kürzung der Kundenbeteiligung bei den Bewertungsreserven?

ÖKO-TEST wollte es genauer wissen und hat wie schon im Vorjahr einen Blick in die Bilanzen der deutschen Lebensversicherer geworfen und vor allem die Ertragslage und die Stabilität der Unternehmen geprüft. Detailliert haben wir auch untersucht, was bislang so genau unter die Lupe nahm: Ob und wie stark die Versicherer ihre Kunden an den Gewinnen beteiligen oder ob sie sie eher zur Kasse bitten. Untersucht haben wir 39 große und 27 mittlere und kleine Unternehmen.

Das Testergebnis

Die Versicher sollen in der Krise sein? Welche Krise? Die Bilanzen der Unternehmen zeigen davon jedenfalls nicht die geringste Spur. Ganz im Gegenteil. Das Neugeschäft brummt, die Beitragseinnahmen steigen und die Kapitalanlagen werfen immer noch satte Gewinne ab.

Steigende Erträge und stille Reserven. Mit durchschnittlich 4,56 Prozent ist die Nettoverzinsung aus Kapitalanlagen der untersuchten 66 Versicherer in der momentanen Niedrigzinsphase nicht nur üppig. Sie ist 2012 im Vergleich zum Vorjahr sogar um 0,58 Prozent gestiegen. Zugleich verfügt die Branche weiterhin über hohe stille Reserven. Die haben sich im Branchendurchschnitt sogar von 4,5 auf 11,2 Prozent der gesamten Kapitalanlagen erhöht. Das entlarvt die Behauptung, in Minizinszeiten ließe sich kein Geld verdienen, als reine Irreführung der Öffentlichkeit, um die eigenen Interessen durchzusetzen.

Auch hohe Garantieleistungen sind nicht in Gefahr. Die Versicherer haben - zumindest bislang und auf absehbare Zeit - überhaupt keine Probleme, ihre Garantiezinsen zu stemmen und müssen dazu auch keine Kapitalanlagen verkaufen, wie sie gerne behaupten. Allein die laufenden Erträge aus Kapitalanlagen von durchschnittlich 4,02 Prozent reichen locker aus, um die garantierten Leistungen für alle Tarifgenerationen zu erbringen. Denn die durchschnittliche Garantiezinsverpflichtung im Bestand beträgt nur 3,15 Prozent. Kurz: Die Branche insgesamt erwirtschaftet...


Wir haben diese Produkte für Sie getestet

AachenMünchener
AachenMünchener
Allianz
Allianz
Alte Leipziger
Alte Leipziger
ARAG
ARAG
Asstel
Asstel
Axa
Axa
Barmenia
Barmenia
Bayern Versicherung
Bayern Versicherung
Concordia
Concordia
Condor
Condor
Continentale
Continentale
CosmosDirekt
CosmosDirekt
Debeka
Debeka
Deutsche Ärzteversicherung
Deutsche Ärzteversicherung
Deutscher Ring (jetzt Basler Leben)
Deutscher Ring (jetzt Basler Leben)
DEVK Allgemeine
DEVK Allgemeine
DEVK Eisenbahn a.G.
DEVK Eisenbahn a.G.
Ergo Direkt
Ergo Direkt
Ergo Leben
Ergo Leben
Familienfürsorge
Familienfürsorge
Generali
Generali
Gothaer
Gothaer
Hannoversche Leben
Hannoversche Leben
HanseMerkur Leben
HanseMerkur Leben
HDI-Gerling
HDI-Gerling
Helvetia
Helvetia
HUK-COBURG
HUK-COBURG
Ideal
Ideal
Iduna Leben
Iduna Leben
Inter
Inter
InterRisk
InterRisk
Lebensversicherung 1871
Lebensversicherung 1871
LVM
LVM
Mamax Leben
Mamax Leben
Mecklenburgische
Mecklenburgische
Münchener Verein
Münchener Verein
MyLife
myLife
Neue BBV / Die Bayrische
Neue BBV / Die Bayrische
Neue Leben
Neue Leben
Nürnberger
Nürnberger
Oeco Capital
Oeco Capital
Öffentliche Berlin
Öffentliche Berlin
Öffentliche Braunschweig
Öffentliche Braunschweig
Öffentliche Oldenburg
Öffentliche Oldenburg
Öffentliche Sachsen-Anhalt
Öffentliche Sachsen-Anhalt
PBV Leben
PBV Leben
Provinzial NordWest
Provinzial NordWest
Provinzial Rheinland
Provinzial Rheinland
R+V
R+V
R+V a.G
R+V a.G
Saarland
Saarland
SDK Süddeutsche Lebensversicherung
SDK Süddeutsche Lebensversicherung
Stuttgarter
Stuttgarter
SV Leben
SV Leben
SV Sachsen
SV Sachsen
Swiss Life
Swiss Life
Targo
Targo
Universa
Universa
VGH Versicherungen
VGH Versicherungen
VHV Leben
VHV Leben
Volkswohl Bund
Volkswohl Bund
VPV Lebensversicherung
VPV Lebensversicherung
WGV
WGV
Württembergische
Württembergische
WWK
WWK
Zurich Deutscher Herold
Zurich Deutscher Herold

Testverfahren

Untersucht wurden ausgewählte Kennzahlen auf Basis der Analyse der Geschäftsberichte für das Kalenderjahr 2012. Angaben zum abgelaufenen Geschäftsjahr 2013 lagen zum Zeitpunkt der Analyse noch nicht vor. Das Ranking erfolgte auf Basis der Gesamtnote Finanzstärke. Diese setzt sich jeweils aus den Teilnoten zur Solvabilität, der Risikotragfähigkeit bei den Kapitalanlagen und der Substanzkraftquote zusammen. Dabei flossen die Teilnoten zur Solvabilität und zur Substanzkraftquote jeweils zu 40 Prozent und die Teilnote zur Risikotragfähigkeit bei den Kapitalanlagen zu 20 Prozent in die Gesamtnote ein. Die Teilnoten zur Solvabilität (Eigenmittel laut gesetzlicher Anforderung), Substanzkraft ( Eigenmittel ohne Bewertungsreserven in Relation zur Deckungsrückstellung) und zur Risikotragfähigkeit bei Kapitalanlagen (Eigenmittel inklusive Bewertungsreserven in Relation zu dem Kapitalanlagen) wurde jeweils in Relation zum Branchendurchschnitt gebildet. Zur Ermittlung der Größe der Rangklassen wurde dabei zunächst die Differenz zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Wert in der jeweiligen Kategorie gebildet und in sechs gleiche Klassen eingeteilt. Ein Sechstel des Differenzbetrags entspricht jeweils der Größe einer Rangklasse. Einzige Ausnahme: Bei Ermittlung der Rangklassen zur Solvabilität wurde der niedrigste Wert mit 100 Prozent gesetzt. Das entspricht der Soll-Solvabilität, welche die BaFin im Minimum vorschreibt. Bei Unterschreiten dieses Wertes wäre die Solvabilität bereits gefährdet bzw. würden Eingriffe der BaFin notwendig. Anschließend wurde die durchschnittliche Quote aller untersuchten Unternehmen ermittelt, bei der Substanzkraftquote beträgt dieser Wert zum Beispiel 9,92 Prozent. Zieht man von diesem Durchschnittswert die Hälfte des zuvor ermittelten Wertes je Rangklasse ab, ergibt sich der unterste Wert der Rangklasse 3. Addiert man den des vollen Differenzbetrages der Rangklasse zum Durchschnittswert dazu, ergibt sich der unterste Wert der Rangklasse 2 usw. Nach dem gleichen Muster wurden alle Rangklassen für die Finanzstärke-Kennzahlen gebildet. In die Ermittlung zur Bewertung der Ertragsstärke flossen vier Kennzahlen ein: Die vom jeweiligen Versicherer im Durschnitt der letzten drei Jahre ermittelte Nettoverzinsung aus Kapitalanlagen, die Bewertungsreservequote, die Ausschüttungsreservequote und die Überschussquote. Alle vier Kennziffern gingen mit unterschiedlichem Gewicht ein: die Nettoverzinsung aus Kapitalanlagen hatte mit 40 Prozent das höchste Gewicht, die Bewertungsreservequote wurden aufgrund der Volatilität bei Bewertungsreserven nur mit zehn Prozent berücksichtigt, die Ausschüttungsreservequote wurde mit 30 Prozent und die Überschussquote mit 20 Prozent angesetzt. Zur Ermittlung der Teilnoten wurde jeweils die Differenz zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Wert der jeweiligen Kennzahl gebildet und in sechs gleiche Klassen geteilt - und die Unternehmen entsprechend ihren Einzelergebnissen einsortiert. Die Teilnote bei der Ausschüttungsreservequote wurde wie die Finanzstärkekennzahlen gemessen am Branchendurchschnitt ermittelt. Die Ermittlung der Kundenbeteiligung bzw. der deklarierten laufenden Verzinsung der Kundenverträge in den Jahre 2011 bis 2014 erfolgte ebenfalls auf Basis einer Gesamtnote, in der die Einzelergebnisse je Kalenderjahr zu jeweils einem Viertel einflossen. Sofern die Angaben für 2014 noch nicht vorlagen, wurden nur die Einzelergebnisse der Jahre 2011 - 2013 zu je einem Drittel berücksichtigt. Zur Ermittlung der Teilnoten je Kalenderjahr wurde wiederum jeweils die Differenz zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Wert ermittelt. Zusätzlich wurde die Ausschüttungsquote vom Gesamtrohgewinn ermittelt. Zur Berechnung dieser Quote wurden die Direktgutschriften und die für die Ausschüttung 2014 reservierten Mittel in der RfB in Relation zum Gesamtrohgewinn inkl. Zuführung zur Zinszusatzreserve gesetzt. Ermittelt wurden die Rangklassen dann wie bei Berechnung der Teilnoten für die Finanzstärke am Branchendurchschnitt. Bei allen Bewertungen wurde zudem darauf geachtet, dass etwaige Ausreißer bzw. branchenuntypische Ergebnisse, die sich zum Beispiel aufgrund von Besonderheiten in der jeweiligen Geschäftspolitik ergeben (z. B. hoher Anteil an Risikopolicen oder hoher Anteil an fondsgebundenen Verträgen) nicht klassenbildend wirken können. Alle Daten bzw. Rohdaten wurden den Geschäftsberichten 2012 der Unternehmen entnommen - oder- sofern erforderlich - den früheren Geschäftsberichten bzw. den verifizierten Daten aus dem Vorjahrestest. Sofern die Solvabilitätsquote dort nicht aufgeführt wird, wurde sie - soweit möglich- berechnet, vereinzelt auch nach Map-Report zitiert. Sämtliche anderen Quoten wie die Substanzkraftquote, die Risikotragfähigkeitsquote in Bezug auf die Kapitalanlagen, die Ausschüttungsreservequote sowie die Beteiligungs- und Ausschüttungsquoten am Rohgewinn wurden anhand der Werte aus den Bilanzen von ÖKO-TEST berechnet und bewertet.

Informationen zum Abruf bei United Kiosk
So funktioniert der Artikel-Abruf
Wenn Sie zum ersten Mal Artikel bei unserem Service-Partner United Kiosk abrufen, lesen Sie bitte vorab unsere Anleitung zum Abruf von Tests, Ratgebern, Einzelseiten und ePapern durch. Gekaufte Artikel, ePaper oder eBundles können Sie im Fall eines Verlustes nur dann wiederherstellen, wenn Sie sich zuvor registriert haben.