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549 Rentenversicherungen im Test

Die Qual der Wahl

ÖKO-TEST September 2009 | Kategorie: Geld und Recht | 28.08.2009

549 Rentenversicherungen im Test

Die Finanzkrise hat Anleger vorsichtig gemacht. Statt zu komplizierten Produkten wie Zertifikaten oder riskanten Aktien und Aktienfonds zu greifen, ist die klassische Rentenversicherung wieder gefragt. ÖKO-TEST hat die Tarife geprüft, ob und für wen der Vertrag lohnt.

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Rund 80 Prozent aller Vorsorgesparer haben von der Börse die Nase voll und möchten entspannt für das Alter vorsorgen. Das geht aus einer repräsentativen Studie der Gothaer Versicherung vom Mai dieses Jahres hervor. Fast die Hälfte der Sparer würde derzeit eine ungeförderte klassische Lebens- und Rentenversicherung als Altersvorsorge bevorzugen, noch vor der Riester-Rente und fondsgebundenen Policen. Allerdings stehen Anleger nach der Krise auch Lebens- und Rentenversicherungen kritischer gegenüber, so eine Marktanalyse von Towers Perrin. Sie suchen vor allem Produkte, die das Verlustrisiko ausschließen und dennoch dauerhaft solide Erträge bringen.

Grund genug für ÖKO-TEST, die sogenannten Dritt-Schicht-Renten unter die Lupe zu nehmen, für die der Staat in der Ansparphase zwar keine Förderung springen lässt, die dafür aber eine steuergünstige Auszahlleistung bieten. Geprüft wurden 264 Klassiktarife von 33 Versicheren, sowie 152 fondsgebundene Rententarife ohne Garantie von 18 Versicherern und 72 fondsgebundene Tarife mit Garantie von neun Anbietern. Hier im Heft finden Sie alle Ergebnisse für den Modellfall 2, einen 35-jährigen Sparer bzw. eine gleichaltrige Sparerin, die bis zum 65. Lebensjahr 175 Euro in den Vertrag fließen lassen. Die Ergebnisse in den restlichen drei Modellfällen haben wir ins Internet gestellt.

Das Testergebnis Klassiktarife

Wie derzeit bei allen Kapitallebens- und Rentenversicherungstests gilt: Die garantierten Leistungen der untersuchten Rentenpolicen sind mager. Zwar sagen die Versicherer bei Klassiktarifen mindestens 2,25 Prozent Garantiezins zu. Doch davon kommen nach Abzug aller Kosten im Schnitt gerade mal 1,38 Prozent Rendite pro Jahr beim Kunden an. Die restlichen 0,9 Prozent vom Garantiezins werden durch Vertragskosten in der Ansparphase aufgezehrt.

Noch höher ist der Preis, wenn sich der Kunde später für die Rentenleistung entscheidet. Dann werden weitere 0,28 Prozent (Frauentarife) bis 0,42 Prozent vom ohnehin mickrigen Ertrag für Biometrie- und Verwaltungskosten in der Rentenphase abgezwackt. Testsieger mit einem ersten Rang gibt es bei den Klassiktarifen daher nicht. Die besten sieben der 33 untersuchten Anbieter kommen auf Rang zwei.

Auffällig ist, dass sich mit Mamax, Cosmos Direkt, Asstel, Karstadt-Quelle, und WGV vor allem kostengünstige Direktversicherer in der Spitzengruppe finden. Daneben punktet mit der R+V a.G. ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit. Die Interrisk schickt einen Nettotarif ins Rennen, der nur direkt beim Versicherer oder bei Maklern mit Honorarberatung erhältlich ist.

Die Branchenschwergewichte sind - mit Ausnahme der Debeka - nicht unter den zehn besten Gesellschaften zu finden. Big ist eben nicht immer beautiful.

Doch auch die Leistungen der Top-Anbieter sind bescheiden: Mehr als 1,27 Prozent Rentenrendite für den Mann bzw. 1,39 Prozent für die Frau sind im Musterfall nicht drin. Sogar bei der garantierten Kapitalabfindung winken bestenfalls 1,91 Prozent Rendite.

Wer die Rentenpolice eher als Sparvertrag betrachtet und vorn vornherein weiß, dass er zu Rentenbeginn die Kapitalleistung wählt, sollte daher sorgfältig prüfen, ob der Vertragsabschluss lohnt. Betrachtet man allein die garantierte Ablaufleistung, dann bringt ein Sparbuch oder sicheres Tagegeldkonto wahrscheinlich mehr Ertrag. Nur wenn die Zinsen dauerhaft niedrig bleiben, liegt die sichere Leistung der Police höher - vorausgesetzt der Versicherer ist dann noch leistungsfähig. Denn ein Szenario mit anhaltend niedrigen Zinsen hält die Branche nicht lange aus.

Sollten die Inflationsraten nach Beendigung der Finanzkrise dagegen kräftig steigen, bergen Rentenversicherungen sogar ein hohes Verlustrisiko. Denn die Rendite auf die garantierte Leistung kann nicht einmal eine zweiprozentige Inflationsrate ausgleichen. Kurz: Bei steigenden Preisen droht ein realer Wertverlust.

Das gilt erst recht für Anleger, die nicht die Kapitalabfindung wählen, sondern sich das Geld später in Form einer lebenslangen Leibrente auszahlen lassen. Die Rendite für die garantierte Rentenleistung der Tarife liegt im Musterfall bei mageren 0,96 Prozent für Männer und 1,10 Prozent für Frauen. Wer erst im Alter von 50 Jahren mit dem Ansparen der Rentenleistung beginnt, muss sich im Schnitt sogar mit 0,55 Prozent (Männer) bzw. 0,75 Prozent Rentenrendite begnügen.

Bittere Folge für alle künftigen Privatrentner: Um auch nur annähernd auf die gleiche Verzinsung wie bei einer sicheren Sparbuchanlage von 0,5 bis 1,5 Prozent pro Jahr zu kommen, müssen sie im Schnitt mindestens 85 bis 90 Jahre alt werden. Wer dagegen nur das 80. Lebensjahr erreicht, riskiert ganz klar ein Verlustgeschäft: Die Rendite auf die garantierte Leistung liegt in diesem Alter mit bis zu -1,09 Prozent tief in den roten Zahlen.

Mehr noch: Sogar die minimale Garantierente ist nicht bei allen Anbietern wirklich sicher. Die Hanse- Merkur behält sich zum Beispiel vor, das angesparte Garantiekapital zu den bei Rentenbeginn gültigen Kalkulationsgrundlagen (Garantiezins, Sterbetafel) zu verrenten. Das bedeutet: Die derzeit berechnete garantierte Monatsrente von derzeit 306 Euro für den Mann und 282 Euro für die Frau kann daher durchaus niedriger ausfallen, wenn die Musterkunden in 30 Jahren in Rente gehen. Das ist ein riskantes Geschäft, das Anlegern zudem keine verlässliche Vorsorgeplanung erlaubt.

Bleibt als schwacher Trost, dass solche Aufweichungen bei der garantierten Leistung nur noch bis Mitte 2010 zulässig sind. Dann will das Finanzamt diesem Treiben ein Ende setzen. Steuerlich werden dann nur noch Rententarife akzeptiert, bei denen wenigstens die garantierte Rente oder zumindest der Verrentungsfaktor von Anfang an feststehen.

Zwischen den stärksten und schwächsten Anbietern liegen bisweilen Welten - im Musterfall bis zu 8.807 Euro bei der garantierten Leistung. Denn während die Mamax-Lebensversicherung der 35-jährigen Frau mit 83.764 Euro die höchste garantierte Kapitalleistung zusagt, rückt die VLV nur bescheidene 74.975 Euro als garantierte Kapitalabfindung raus. Das ist ein Leistungsunterschied von fast zwölf Prozent.

Nun schließt allerdings kein Anleger eine Rentenpolice allein wegen der garantierten Leistung ab. Lukrativ wird der Vertrag nur durch die Überschüsse, die die Versicherer in unverbindlichen Beispielrechnungen in Aussicht stellen - und hier sind die Leistungsunterschiede noch weitaus größer.

So stellt die Europa mit 144.665 Euro für den Mann im Musterfall zum Beispiel die höchste Kapitalabfindung in Aussicht. Bei der DANV müsste sich der 35-Jährige bei gleichen Einzahlungen dagegen mit 116.045 Euro begnügen. Das sind stolze 28.620 Euro Differenz oder - anders ausgedrückt: Der beste Anbieter verspricht 19,8 Prozent mehr bei der prognostizierten Leistung.

Auch bei den prognostizierten Monatsrenten gibt es erhebliche Unterschiede. Während gute Anbieter, wie die Europa und die R+V - Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, dem 35-jährigen Mann mit 561 bzw. 551 Euro Monatsrente immerhin 4,44 bzw. 4,42 Prozent Rendite auf die prognostizierte Rentenleistung in Aussicht stellen, muss sich der Mann bei der Victoria mit 408 Euro prognostizierte Rente oder 3,16 Prozent Rendite begnügen. Das sind pro Jahr 1.836 Euro weniger Rentenleistung oder - hochgerechnet auf 20 Jahre - über 36.700 Euro weniger Ertrag.

Doch Vorsicht: Sicher ist bei allen Tarifen nur der Garantiezins. Die Überschüsse sind unverbindlich und können durchaus sinken. Das gilt erst recht für die Neutarife in diesem Jahr. Denn infolge der Finanzkrise ist die Verzinsung der Kapitalanlagen der Versicherer 2008 kräftig gesunken. Ein Großteil der Anbieter finanziert die Differenz zwischen erwirtschafteten Zinsen und den Überschüssen daher derzeit aus den Reserven. Das ist völlig legitim und auch üblich, um schwankende Kapitalmarkterträge zu glätten. Die Frage ist nur, wie lange sie sich diesen Raubbau im derzeitigen Kapitalmarktumfeld leisten können.

Alle prognostizierten Leistungen bei den Klassiktarifen sind daher mit äußerster Vorsicht zu genießen. Schon 2010 wird die Überschussbeteiligung vermutlich sinken - ob und wie stark, hängt entscheidend von der Finanzkraft des jeweiligen Versicherers ab. Anleger sind daher gut beraten, bei der Auswahl des Anbieters nicht nur die Qualität des Tarifs, sondern auch die Leistungsfähigkeit des Versicherers zu berücksichtigen. ÖKO-TEST hat die Finanzkraft der Anbieter untersucht.

Wer bei den Rententarifen die Spreu vom Weizen trennen will, sollte auch einen Blick auf die Rückkaufswerte werfen: Während kostengünstige Versicherer wie die Hannoversche dem 35-jährigen Mann zum Beispiel bei Kündigung nach fünf Jahren von den eingezahlten Beiträgen in Höhe von insgesamt 10.500 Euro immerhin rund 10.105 Euro garantieren, sind ihm bei der Zurich Deutscher Herold nur 6.323,97 Euro Rückkaufsleistung sicher. Daraus ergeben sich inklusive Überschuss gerade mal 6.478 Euro. Das bedeutet: Die Vertragskündigung bringt dem Anleger schmerzhafte 4.021 Euro Verlust. Das sind rund 38 Prozent der geleisteten Einzahlungen.

Fondspolicen ohne Garantie

Obwohl die Finanzkrise Anlegern den Appetit auf Börsenrisiko verdorben hat, sind fondsgebundene Rentenversicherungen weiterhin ein Absatzrenner. Versprechen sie doch mehr Ertrag als ein Klassiktarif. Ob die Produkte das Versprechen halten können, hängt jedoch nicht nur von der Börsenentwicklung ab.

Der Test zeigt: Fondspolicen ohne Garantieleistung, die eigentlich die höchsten Ertragschancen bieten, sind vergleichsweise teuer.

Von den sechs Prozent Fondsrendite pro Jahr, die wir in allen Musterfällen unterstellt haben, zwacken die Versicherer im Schnitt jährlich bis zu 1,8 Prozent, im Einzelfall sogar bis zu 2,37 Prozent für Vertragskosten ab. Das gilt zumindest, wenn der 35-jährige Sparer im Musterfall die Rentenleistung wählt.

Bei überdurchschnittlich teuren Anbietern wie der Vorsorge Leben oder dem Münchener Verein kommen sogar nur 3,73 bis 3,75 Prozent von den 6,0 Prozent Fondsrendite beim Kunden an. Das ist ein schlechtes Geschäft und zeigt zugleich, dass sich die Übernahme des Anlagerisikos durch den Kunden in keiner Weise lohnt. Gute Klassiktarife versprechen ihren Kunden bei den prognostizierten Renten mehr Ertrag.

Noch schauerlicher wird es für Sparer, die die Fondspolice erst mit 50 beginnen. Sie müssen sich bei Wahl der Rentenleistung glatt mit der Hälfte der Fondsrendite begnügen. Der Rest geht für Vertragskosten drauf. Das zeigt ganz klar: Zum Ansparen der Altersrente lohnen Fondspolicen nicht.

Im besten Fall entpuppen sich Policen ohne Garantieleistung als steuergünstiger Sparvertrag. Denn wer die Kapitalabfindung wählt, erzielt im Schnitt bis zu 1,5 Prozent mehr Rendite. Das bedeutet: In der Ansparphase werden Fondspolicen noch vergleichsweise günstig kalkuliert, doch in der Rentenphase schlagen die Versicherer zu.

Spitzenreiter bei der prognostizierten Kapitalabfindung ist die Hannoversche Leben. Mit einer Ablaufleistung von 166.882 Euro (Frau) bzw. 166.745 Euro (Mann) bietet sie eine Sparrendite von stolzen 5,85 Prozent. Das ist ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann. Gehen doch jährlich nur 0,15 Prozent der Fondrendite für Vertragskosten drauf. Zu den guten Anbietern bei der Kapitalleistung zählen aber auch noch die Cosmos direkt, die Interrisk mit ihrem Nettotarif und die HUK-Coburg. Deren Tarif sollten aber tunlichst nur Anleger wählen, die den Vertrag auch bis zur Rentenphase durchhalten. Bei den Rückkaufswerten ist die Leistung der HUK unterdurchschnittlich und landet auf Platz vier.

Die Alte Leipziger bietet trotz überdurchschnittlich hohem Todesfallschutz in der Ansparphase mit einer prognostizierten Ablaufleistung von 167.517 Euro mit 5,87 Prozent Rendite sogar eine echte Spitzenleistung. In den Genuss kommen aber nur Anbieter, die den hauseigenen Dachfonds AL FT Chance wählen. Bei der Wahl eines anderen Fonds oder gar eines Fremdfonds gibt es dagegen bis zu 27.000 Euro weniger Ertrag, wie Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen festgestellt hat. "Ich vermute, dass die Alte Leipziger ihren hauseigenen Fonds subventioniert, indem sie einen Teil der fondsinternen Verwaltungskosten als Kickback den Policensparern gutschreibt", so Gottschalk. Ob die Alte Leipziger ihren Kunden dauerhaft fast ein Prozent vom Fondsvolumen als Kostenüberschuss gewähren kann, steht auf einem anderen Blatt. "Außerdem muss die Börse schon gewaltig klettern, damit der Dachfonds jährlich sechs Prozent Rendite erreicht. Denn die Zielfonds, in die er investiert, sind vergleichsweise teuer", weiß Gottschalk. Die hohe Ablaufleistung erscheint daher fraglich.

Ein Sonderfall ist der flexible Rentenplan der Canada Life. Dabei handelt es sich um eine britische With-Profit-Rente, bei dem der Sparer zu Rentenbeginn zwischen verschiedenen Rentenleistungen wählen können, die völlig anders kalkuliert werden als heimische Tarife. Deshalb haben wir für die unterstellte Konstantrente keinen Rang vergeben.

Fondspolicen mit Garantie

Alle Börsenchancen wahrnehmen, aber vor Verlustrisiken geschützt sein - das versprechen Anbieter von Fondspolicen mit Beitragsgarantie. Der Test zeigt jedoch, dass beide Ziele nicht gleichzeitig erreicht werden können. Die Garantie zehrt kräftig am Ertrag.

Bestenfalls ist Sparern eine Rentenrendite von mickrigen 0,35 Prozent sicher. Schlimmstenfalls sichert die lebenslange Garantierente nicht einmal die Rückzahlung aller Beiträge. Im Schnitt liegt die Rendite bis zu 1,01 Prozent im Minus. Damit ist klar: Anleger sollten bei diesen Tarifen keinesfalls die Rente wählen, wenn später nicht deutlich mehr als das Garantiekapital auf dem Konto steht.

Doch auch hier gibt es Unterschiede: Ausländische Anbieter wie die Canada Life und die Vorsorge Luxemburg kalkulieren die garantierte Leistung mit einem höheren Zins als die deutschen Anbieter. Das liegt an der besonderen Vertragskonstruktion: Bei der Vorsorge Luxemburg handelt sich zum Beispiel um ein variables Annuitätenprodukt. Das Plus bei der garantierten Abfindung gleichen die Anbieter aber durch höhere Vertragskosten aus. Prognostiziert gibt es bei der Vorsorge Luxemburg zum Beispiel nur 113.621 Euro zurück. Das entspricht einer Rendite von 3,66 Prozent. Die restlichen 2,34 Prozent der unterstellten Fondsrendite von sechs Prozent gehen für Vertrags- und Absicherungskosten drauf.

Noch höher ist die Kostenbelastung im Fall eines Vertragsabbruchs. Nach zwei bzw. fünf Jahren erhalten Sparer selbst bei guter Börsenentwicklung gerade mal 32 bis 35 Prozent der gezahlten Beiträge zurück. Bei schlechter Börsenlage kann sogar Totalverlust drohen. Denn vor Rentenbeginn ist nichts garantiert.

Die Sicherungsnetze

Fondsgebundene Rententarife werden immer öfter mit Garantieleistung angeboten. Doch nicht jede Garantie hält, was sie auf den ersten Blick verspricht. Die wichtigsten Modelle:

Garantie durch den Versicherer

Bei so genannten Hybridprodukten werden die Beiträge des Sparers gesplittet: Ein Teil vom Monatsbeitrag wandert in einen klassischen Deckungsstock, der genauso konservativ angelegt wird wie bei einer Klassikpolice. Der Rest wird in Investmentfonds angelegt. Garantiert sind die eingezahlten Bruttobeiträge bei Fälligkeit, das wird aus dem Klassikteil der Police finanziert. Die Fondserträge erwirtschaften nur die Überschüsse - und bessern die Ablaufleistung der Police auf. Selbst ein Totalverlust der Fonds kann die Garantie nicht infrage stellen. Dafür sind die Renditechancen beschränkt, weil nur ein kleiner Teil vom Monatsbeitrag wirklich in Fonds fließt.

Höchststandsfondspolicen

Wie bei Hybridpolicen wird das Kapital teilweise in Fonds investiert - allerdings nicht in frei wählbare, sondern in Garantiefonds. Das erlaubt eine höhere Fondsquote als bei Hybridpolicen. Dafür übernimmt die Fondsgesellschaft einen Teil der Garantie. Bei vielen Garantiefonds wird das Kurssicherungsniveau zudem an bestimmten Stichtagen nachgezogen, sodass auch erzielte Kursgewinne abgesichert sind. Das klingt gut, kostet aber seinen Preis. Garantien sind auch in der Fondsbranche nicht zum Nulltarif zu haben. Kurz: Die Police sieht gut aus, die Renditechancen sind jedoch begrenzt.

Dynamische Wertsicherungskonzepte

Wie bei Hybridprodukten werden die Beiträge auf einen konventionellen Deckungsstock und Fonds aufgeteilt. Als Investmentanlage kommen dabei sowohl Garantiefonds als auch frei wählbare Fonds zum Einsatz. Das Konzept erlaubt, den vom Versicherer verwalteten Deckungsstock in guten Börsenzeiten auf Null zu setzen und in schlechten wieder hochzufahren. Das soll bessere Ertragschancen bei geringeren Garantiekosten bieten. Doch je nach Wertsicherungsfonds und Umschichtungskonzept können durchaus erhebliche Risiken drohen, wenn Anleger zwischenzeitig aussteigen.

Policen mit Garantiefonds

Bisweilen übernimmt der Versicherer selbst gar keine Garantie. Stattdessen wird ein Teil vom Monatsbeitrag in Garantiefonds investiert. Meist handelt es sich um Laufzeitfonds, die den Kapitalerhalt nur zu Rentenbeginn sichern. Das erhöht die Ertragschancen, aber auch das Risiko. Denn zwischenzeitlich gibt es keine Garantien. Ein Vertragsabbruch kann teuer werden: Bei schlechter Börsenentwicklung sind die Beiträge unter Umständen komplett verloren.

Variable Annuities

Bei diesen Policen werden die Beiträge nach Abzug der Vertragskosten komplett in Fonds investiert. Die Garantie stellt der Versicherer dagegen durch Swaps oder Derivate am Kapitalmarkt sicher. Die Kosten dafür werden dem Fondskapital entnommen. Allerdings gilt auch diese Garantie nur bei Fälligkeit der Police zu Rentenbeginn. Zwischenzeitlich sind keinerlei Leistungen sicher. Ein Vertragsabbruch kann zudem selbst bei guter Börsenentwicklung extrem teuer werden: Weil die Garantie langfristig angelegt ist, kassiert der Anbieter je nach Restlaufzeit der Police bis zu 50 Prozent vom vorhandenen Kapital als Entschädigung. Deutschen Versicherern ist die Auflage von variable Annuities bislang nicht erlaubt. Denn das Absicherungskonzept birgt auch für den Versicherer erhebliche Risiken.

Steuerlich privilegiert

Keine Abgeltungssteuer

Der Staat fördert sogenannte Dritt-Schicht-Renten in der Ansparphase zwar nicht direkt, doch egal, ob fondsgebundene oder klassische Rentenpolice: In der Ansparphase fällt auf die Erträge der Police zunächst keine Abgeltungssteuer an. Erst in der Auszahlphase greift der Fiskus zu. Sofern der Anleger dann über 60 ist und der Vertrag bereits seit zwölf Jahren läuft, muss nur die Hälfte der Differenz zwischen Auszahlleistung und Beitragssumme mit dem individuellen Steuersatz besteuert werden. Das bedeutet: Selbst beim Spitzensteuersatz von 42 Prozent sind maximal 21 Prozent Abgaben fällig. Wer den Sparerpauschbetrag schon ausgeschöpft hat, macht mit der Police steuerlich daher ein besseres Geschäft als mit einer abgeltungssteuerpflichtigen Anlage.

Besonders günstige Rente

Entscheiden sich Anleger für die Auszahlung in Form einer lebenslangen Rente, ist der Fiskus besonders gnädig: Während die Rente von geförderten Policen voll steuerpflichtig ist, zählt bei Dritt-Schicht-Renten nur der sogenannte Ertragsanteil zum steuerpflichtigen Einkommen. Dessen Höhe hängt vom Alter zu Rentenbeginn ab und ist ausgesprochen gering. Beginnt die Auszahlung im Alter von 65 Jahren, zählen nur 18 Prozent der Monatsrente zum steuerpflichtigen Einkommen. Von 500 Euro Monatsrente bleiben daher 410 Euro steuerfrei, nur die restlichen 90 Euro zählen zum steuerpflichtigen Einkommen.

Die Regelung gilt aber nur für echte Leibrenten. Manche Policen bieten mehr Flexibilität. Wird ein Auszahlplan geboten oder kann der Anleger das Kapital im Alter in unterschiedlich hohen Tranchen, als abgekürzte oder fallende Rente abrufen, entfällt die Steuervergünstigung. Dann muss genau gerechnet werden, wie viel Ertrag die jeweilige Auszahlrate enthält. Darauf wird dann Abgeltungssteuer fällig.

So steuern Versicherer die Policen

Wie gut Versicherer die Verluste am Kapitalmarkt sowie eine Phase mit niedrigen Zinsen kompensieren können, hängt neben der Anlagestruktur des Versicherers auch davon ab, ob und wie stark das Unternehmen gängige Rechentricks zur Steuerung der Leistungen nutzt.

Trick 1: Die Reserven senken. Versicherer schütten nicht alle erwirtschafteten Erträge sofort an ihre Kunden aus. Einen Teil legen sie in Form freier Rückstellungen für Beitragsrückerstattung (RfB) als Puffer für schlechte Zeiten auf die hohe Kante. Diese Reserven sind 2008 nach Schätzung der Ratingagentur Fitch bereits um etwa 15 Prozent gesunken. Der Grund: Zwei Drittel alle Lebensversicherer haben ihre Überschüsse für 2009 stabil gehalten, obwohl sie längst nicht so viel Erträge erwirtschaften, wie sie ausschütten.

Trick 2: Die Überschüsse senken. Auf Dauer kann die Branche nicht von der Substanz leben. 2009 schütten die Versicherer im Schnitt 4,3 Prozent Erträge aus, obwohl sie nur noch 3,6 Prozent Rendite mit Kapitalanlagen erzielen. Schwächer aufgestellte Versicherer, deren Reserven schrumpfen, werden die laufende Verzinsung ihrer Verträge daher voraussichtlich schon 2010 spürbar senken.

Trick 3: Den Schlussgewinnanteil senken. Schon in den vergangenen Jahren haben die Versicherer mit der Ausschüttung von Gewinnen gegeizt und stattdessen mehr Ertrag in den Schlussüberschuss gebucht. Denn diese Gewinne stehen den Kunden erst bei Vertragsbeendigung zu. In schlechten Zeiten kann der Versicherer den Schlussüberschuss aber auch komplett streichen. Davon merken die Kunden zunächst weniger als von einer Reduzierung der laufenden Gewinnbeteiligung.

Trick 4: Sparsam haushalten und vorsichtig kalkulieren. Versicherer erzielen nicht nur mit der Kapitalanlage Gewinne. Bei Kalkulation der Verwaltungskosten der Verträge und der Kosten für das versicherungstechnische Risiko, wie der Langlebigkeit, setzen sie meist höhere Werte an, als letztlich benötigt werden. Auf diese Weise entstehen zusätzliche Gewinne, die magere Kapitalerträge aufbessern können.

Trick 5: Das Neugeschäft ankurbeln. Je mehr Verträge mit 2,25 Prozent Rechnungszins hereinkommen, desto eher sinkt der Durchschnittszins, den der Versicherer für alle garantierten Leistungen erwirtschaften muss. Das hilft vor allem Anbietern, die noch viele Altverträge in den Büchern haben. Denn Mitte bis Ende der 90er-Jahre wurden noch bis zu vier Prozent Rechnungszins gezahlt. Das ist mehr, als der Kapitalmarkt derzeit hergibt.

Trick 6. Die neueste Masche ist, das Anlagerisiko auf die Kunden zu verlagern. Weil die Versicherer für alle Leistungen, die sie Kunden fest zusagen, hohe Eigenmittel vorhalten müssen, liebt die Branche fondsgebundene Tarife, bei denen der Versicherte das Anlagerisiko trägt. Das entlastet die Eigenmittel und bringt zusätzlich Ertrag. Denn an den Kosten- und Risikogewinnen, die auch fondsgebundene Tarife bringen, müssen die Kunden nur zu 50 bis 75 Prozent beteiligt werden.

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Testverfahren

So haben wir getestet

Die Datenbasis

Sämtliche Daten wurden im Juni 2009 durch Fragebogen bei den Versicherern erhoben. Bei Anbietern, die die Teilnahme ablehnen, wurden die Daten - sofern möglich - verdeckt erhoben. Sämtliche für den diesjährigen Test relevanten Angaben wurden den Anbietern abschließend noch einmal zur Verifizierung zugespielt.

Die Analyse

Genau wie bei der Untersuchung staatlich geförderter Vorsorgeprodukte in diesem und im vergangenen Jahr hat ÖKO-TEST auch bei der Untersuchung der ungeförderten Renten nicht nur die Ansparphase, sondern auch die Rentenphase unter die Lupe genommen. Dabei wurde exakt ermittelt, welche Renditen Vorsorgesparer bei Wahl der Rentenleistung und/oder bei Wahl der Kapitalabfindung in den Musterfällen erzielen. Sämtliche Renditewerte wurden von unserem Experten, dem Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein, ermittelt. Zudem wurde die Testmethode aus dem Vorjahr weiterentwickelt. Um auch etwaige Sterblichkeitsgewinne zu erfassen, die nach unsere Testsystematik entstehen, hat Kleinlein ein hypothetisches Versicherungskollektiv gebildet, das einem mittelgroßen Versicherer entspricht - und auf Basis dieses Kollektivs etwaige Sterblichkeitsgewinne sowie den daraus resultierenden Renditeeffekt ermittelt. Solche zusätzlichen Erträge können entstehen, weil Vorsorgesparer nach ÖKO-TEST-Ansicht eine Lebenserwartung haben, die etwas geringer ist, als Versicherer aus Vorsichtsgründen unterstellen. Nach der 2008 eingeführten Mindestzuführungsverordnung müssen die Versicherer 75 Prozent solcher zusätzlichen "Risikogewinne" an die Kunden ausschütten. Das hat auch ÖKO-TEST bei seinen Berechnungen unterstellt.

Garantierte Rentenrendite

Die Rentenrendite pro Jahr gibt an, welche Verzinsung Vorsorgesparer in Bezug auf alle Einzahlungen in den Vertrag erzielen können, wenn der Anbieter ihnen ab 65 ausschließlich die bei Vertragsabschluss zugesagte garantierte Rente zahlt. Kurz: Die Rentenrendite gibt an, welche Verzinsung Anlegern bei Wahl der lebenslangen Leibrente wirklich sicher ist - unabhängig davon, wie die Börse läuft oder wie sich die Überschüsse beim Versicherer entwickeln. Es handelt sich bei Rentenrenditen immer um die Durchschnittsrendite der Sparer; die individuelle Rendite variiert je nach erreichtem Alter.

Das gilt in ähnlicher Form auch für fondsgebundene Rententarife mit Garantie. Hier garantieren die Anbieter ihren Kunden aber lediglich, dass zu Rentenbeginn die Summe aller Einzahlungen zur Verfügung steht. Daraus wird dann die garantierte Rentenleistung finanziert. In der Gestaltung der Rentenbezugszeit sind sie dabei relativ frei. So muss das Garantiekapital weder mit dem aktuellen Rechnungszins von 2,25 Prozent verzinst werden, noch müssen die gleichen Sterbetafeln unterlegt werden. Die Anbieter können auch von einer weiter zunehmenden Lebenserwartung ausgehen.

Erreichte Rendite im Alter von 80, 85 und 90 Jahren

Wer in jungen Jahren für das Alter spart und eine lebenslange Rente abschließt, weiß im Voraus nie, wie lange er von dieser Rente profitiert. Denn seine tatsächliche Lebenserwartung kann niemand voraussagen. Wer sich für die Auszahlung des Vertrags in Form einer lebenslangen Rente entscheidet, schließt daher eine Wette auf ein möglichst langes Leben ab. Und jeder Anleger möchte natürlich wissen, ob sich das für ihn lohnt. Deshalb hat ÖKO-TEST für jeden Musterfall und jedes Angebot ausgerechnet, welche Rendite Anleger erzielen, wenn sie 80, 85 oder 90 Jahre alt werden und die vom Anbieter garantierte Rente erhalten.

Nach dem gleichen Modell sind wir auch bei den prognostizierten Rentenleistungen vorgegangen. So kann jeder sehen, ob sich die Wahl der Rentenleistung für ihn persönlich lohnt.

Prognostizierte Rente und Rentenrendite

Dieser Wert gibt an, welche Verzinsung Vorsorgesparer im Durchschnitt erhalten können, wenn der Anbieter die bei Vertragsabschluss unverbindlich in Aussicht gestellte Rente inklusive Überschuss wirklich dauerhaft zahlt und auch die prognostizierte Rentensteigerung Jahr für Jahr eingehalten wird. Bei klassischen Renten wurden dabei die für 2009 deklarierten Überschusserträge zugrunde gelegt; bei fondsgebundenen Renten wurde unterstellt, dass die Fonds bis Rentenbeginn eine jährliche Rendite von sechs Prozent (nach Kosten) erwirtschaften. Hier haben wir zugunsten der Versicherer kalkuliert. Die derzeit in Aussicht gestellten Überschüsse und Rentensteigerungen sind angesichts der Finanzmarktkrise höchst ungewiss.

Etwaige Sterblichkeitsgewinne, die entstehen, weil Vorsorgesparer weniger lang leben als die Versicherer unterstellen, sind in den Berechnungen ebenfalls berücksichtigt. Damit hat ÖKO-TEST seine Testmethode aus dem Vorjahr weiterentwickelt. Seinerzeit waren die Sterblichkeitsgewinne noch nicht in die Renditen eingerechnet, weil die Anbieter solche Gewinne bislang nicht ausweisen und überwiegend in ihren Berechnungen auch noch nicht berücksichtigen. ÖKO-TEST hat daher ein spezielles Verfahren entwickelt, um diese Gewinne zu erfassen.

Rendite auf die Kapitalabfindung

Bei ungeförderten Rententarifen können Vorsorgesparer zu Rentenbeginn wählen, ob sie sich das angesparte Kapital als lebenslange Rente oder auf einen Schlag auszahlen lassen. Das gilt sowohl für das garantierte als auch für das prognostizierte Kapital. ÖKO-TEST hat für beide Werte die Sparrendite errechnet, die sich bei Wahl der Kapitalleistung ergibt. Unter Renditegesichtspunkten ist die Wahl der Kapitalleistung fast immer das bessere Geschäft. Weil keine zusätzlichen Biometriekosten für das Langlebigkeitsrisiko anfallen, liegt die Sparrendite durchweg höher als die Rentenrendite. Bei fondsgebundenen Policen kann der Effekt sogar bis zu 1,46 Prozent Mehrertrag pro Sparjahr ausmachen.

Garantierte und prognostizierte Rückkaufswerte der Policen

Fast jeder zweite langfristige Versicherungsvertrag wird vorzeitig abgebrochen. Die Gründe sind vielfältig. Oft führen Arbeitslosigkeit und andere finanzielle Engpässe dazu, dass der Sparer den Vertrag nicht mehr bedienen kann, Doch auch die Unzufriedenheit mit den Verträgen, insbesondere bei sinkenden Überschüssen, spielt eine Rolle. Die Kündigung der Police ist jedoch fast immer ein Zuschussgeschäft. Denn Provisionen und Kosten, die bis zum Abbruchtermin beim Versicherer angefallen sind, gibt es nicht zurück. Manche Anbieter berechnen bei Kündigung aber auch noch hohe Stornoabschläge. Dann werden die Kunden für den vorzeitigen Vertragsabbruch gleich doppelt bestraft. ÖKO-TEST hat daher die garantierten und prognostizierten Rückkaufswerte der Anbieter verglichen und in einem relativen Ranking bewertet, wer bei Vertragsabbruch gute oder schlechte Leistungen zahlt.

Die Bewertung

Das Ranking der Klassiktarife erfolgte, anders als im Vorjahr, ausschließlich nach garantierten Renten. Denn sicher ist gegenwärtig nur die garantierte Rentenleistung. Die derzeit deklarierten Überschüsse der Versicherer werden dagegen kaum zu halten sein. Schon jetzt finanzieren zahlreiche Anbieter sie aus der Substanz. Klar ist, dass es angesichts der mageren garantierten Renditen von höchstens 1,38 Prozent pro Jahr keinen ersten Rang geben konnte.

Die Fondstarife haben wir nach den prognostizierten Renditen eingestuft. Ganz deutlich wird: Wenn die Vorhersagen der Versicherer eintreffen - was nach Meinung von ÖKO-TEST nicht sehr wahrscheinlich ist - dürfen sich Fondssparer über ein stattliches Zubrot freuen. Dafür gehen sie aber auch das Risiko ein, bei schlechter Börsenentwicklung später nur ganz minimale Renten zu erhalten (fondsgebundene Tarife ohne Garantieleistung). Oder sie müssen sich mickrigen garantierten Renten begnügen. Denn die garantierten Rentenrenditen der fondsgebundenen Policen mit Garantie sind überwiegend negativ. Klar ist, dass es daher auch bei Fondstarifen keinen ersten Rang geben konnte.