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421 Haftpflichtversicherungen im Test

Schutz vor dem Schuldenturm

ÖKO-TEST November 2010 | Kategorie: Geld und Recht | 29.10.2010

421 Haftpflichtversicherungen im Test

Eine private Haftpflichtversicherung ist unverzichtbar und für jeden erschwinglich. Selbst die "teuersten" Policen in unserem Test sichern für relativ wenig Geld die Existenz - von Schädigern wie von den Opfern.

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Rund 24 Millionen Menschen in Deutschland haben keine private Haftpflichtversicherung. Doch Sparen ist hier total falsch. Hohe Schäden können in den Ruin führen. Wer andere schädigt, muss nämlich zahlen. So will es das Gesetz. Einstehen muss der "Täter" mit seinem gesamten Vermögen - dem jetzigen und dem zukünftigen. Lebenslang. Selbst wenn nur eine Unachtsamkeit schuld war. Dieses Risiko sollte also unbedingt versichert werden. Entgegen ihrem Namen ist die Privathaftpflicht allerdings vollkommen freiwillig.

Es geht um den Existenzschutz, wie zwei Fälle aus der Praxis zeigen. Vier Kinder zündeten gemeinsam - fasziniert vom Feuer - auf einem Bauernhof einen kleinen Strohballen an. Als sich das Feuer blitzschnell ausweitete, suchten die Pennäler im Alter von 12 bis 14 Jahren ihr Heil in der Flucht. Die Wirtschaftshalle brannte bis auf die Grundmauern nieder. Traktoren und weiteres landwirtschaftliches Gerät wurde zerstört. Der Feuer- und Sachversicherer des Landwirtes musste einen Schaden von 2,25 Millionen Euro zahlen, den er sich auf Heller und Pfennig bei den Tätern einklagte. Glücklicherweise waren die Eltern der jugendlichen Brandstifter haftpflichtversichert. Somit blieb allen Beteiligten nur der Schock.

Viel schlechter erging es einem Partygast auf einem Grillfest. Als das Grillfeuer zu erlöschen droht, schüttet der Gastgeber kurzerhand Spiritus auf die heißen Kohlen. Als dadurch eine Stichflamme entstand, warf der Hobbykoch die Flasche im hohen Bogen weg und traf mit dem Molotowcocktail einen Gast im Gesicht. Mit schweren Verbrennungen muss der per Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik gebracht werden. Trotz mehrerer Reha-Versuche konnte die Arbeitsfähigkeit des Mannes nicht mehr hergestellt werden. Verdienstausfall, Schmerzensgeld, Haushaltshilfe und Heilbehandlungskosten beliefen sich auf mehrere Millionen Euro.

Wichtig: Bei der privaten Haftpflichtversicherung geht

es nicht um den Rotweinfleck im Abendkleid oder die zerstörte Vase des Nachbarn. "Solche Schäden kann doch jeder aus eigener Tasche zahlen", sagt Theo Sieven, Versicherungsberater aus Aachen. Es geht um Menschen, die so schwer geschädigt werden, dass sie ihr Leben lang behindert bleiben. Es geht um Kinder, die zündeln und dabei Haus und Hof der Nachbarn in Schutt und Asche legen. Es geht um Millionen von Euro, um Schäden, die für jeden den Ruin bedeuten. Einen Versicherungsschutz von drei Millionen Euro, wie ihn der Bund der Versicherten empfiehlt, hält Experte Sieven daher für zu gering. "Fünf Millionen Euro sollten es schon sein." Andernfalls besteht bei Megaschäden noch immer die Gefahr, dass am Versicherten etwas hängen bleibt.

Treffen kann es nicht nur die 30 Prozent der Deutschen, die keine Haftpflichtversicherung haben. "Es gibt Millionen von Altverträgen, die eine viel zu geringe Deckungssumme haben", so Sieven. Wer unter fünf Millionen liegt, sollte sofort seinen Versicherer anrufen. Es ist gut möglich, dass es eine höhere Deckungssumme inzwischen sogar günstiger gibt.

ÖKO-TEST hat daher nur Angebote getestet, die mindestens einen Fünf-Millionen-Schutz bieten. Zudem soll die Police wie eine persönliche Vollkasko auch dann leisten, wenn der Versicherte von einem anderen geschädigt wird, der zu den 30 Prozent Versicherungsmuffeln gehört oder eine magere Altpolice hat und mittellos ist. Forderungsfalldeckung heißt dieser Zusatzschutz, den es nur in Kombination mit einer privaten Haftpflichtversicherung gibt.

Ein solcher, für jeden erschwingliche Basisschutz ist unserer Meinung nach vollkommen ausreichend. Wir machen unser Urteil daher nicht von spitzfindigen Deckungserweiterungen abhängig. Auch wenn eine Police zum Beispiel keine "Schäden an vorübergehend genutzten Mietwohnungen im Ausland" absichert, kann sie auf dem 1. Rang landen.

Teurer sind in der Regel Policen, die keine Selbstbeteiligung vorsehen. So begründet die Universa die relativ hohen Prämien ihres Tarifs Exklusiv-Police TREND: "Um Ärger mit den Kunden wegen Nichtzahlung zu vermeiden, verzichten wir auf eine Selbstbeteiligung." Das wirkt sich selbstverständlich auf die Prämien aus, denn ein großer Teil der Schäden liegt im Bereich bis 500 Euro.

Viele diese Schäden sind allerdings schlicht Versicherungsbetrug. Ein typischer Fall: "Als mein Freund meinen Computer neu installierte, trat ich versehentlich auf seine Brille, die er kurzfristig auf dem Boden abgelegt hatte", heißt es in einem Erstattungsantrag an einen Versicherer. Das kann der Versicherer glauben oder lassen. Wahrscheinlich wurde hier aber ein selbst verursachter Schaden der Versicherung als Haftpflichtfall gemeldet.

Immer noch gilt die Haftpflichtversicherung als Eldorado des Versicherungsbetrugs. Laut einer GfK-Studie soll jeder vierte Kunde schon mal seine Versicherung betrogen haben. Ehrliche Kunden sollten daher - schon zum Selbstschutz - einen Tarif mit Selbstbeteiligung wählen. So zahlen sie die betrügerischen Schäden anderer nicht mit.

Im Test haben wir Tarife mit bis zu 500 Euro Selbstbeteiligung abgefragt. Erhoben wurden die Leistungen und Preise für Familien, Singles, Lebensgemeinschaften und Senioren. Insgesamt kamen 87 Tarife von 49 Anbietern in vier Modellfällen, also 348 Angebote auf den Prüfstand. Hier finden Sie die Ergebnisse des Preisrankings für Familien und Singles. Die Ergebnisse für Senioren und Lebensgemeinschaften sowie das Leistungsranking finden Sie unter www.oekotest.de.

Das Testergebnis

Existenzsicherung muss nicht teuer sein. 136 Angebote landen auf dem 1. Rang. Fast schon geschenkt ist die Police der Asstel. Der Fünf-Millionen-Schutz für Familien ist für gut 21 Euro - pro Jahr - erhältlich. Selbst der zehnfache Schutz kostet nur 33 Euro.

Kleiner Wermutstropfen: Die Toppreise gibt es nur für Neueinsteiger oder Kunden, die mehrere Jahre ohne einen Schaden sind. Solche Tarife, bei denen die Vorgeschichte der Kunden genau durchleuchtet wird, haben unter den Topplatzierten auch die Bavaria Direkt, die OVAG, die Janitos und die Interrisk. Günstigster Schutz für alle, die schon mal einen Schaden hatten, ist für gut 30 Euro der Plus-Tarif der Asstel.

Wegen zu geringer Leistung haben wir sieben Tarife nachträglich aus dem Ranking geworfen. Sie hatten zwar eine Deckungssumme von mindestens 5 Mio. Euro, aber der Forderungsausfallschutz war auf 500.000 bis 3 Mio. Euro begrenzt. Eine solche Absicherung könnte bei einer Verletzung mit Invaliditätsfolgen zu gering sein. Kunden sollten daher nicht nur die Deckungssumme, sondern auch die Höhe des Forderungsausfallschutzes vor einem Vertragsabschluss prüfen. Altverträge sollten entsprechend erweitert werden.

Unter den Erstplatzierten gibt es hinsichtlich der Selbstbeteiligung kein einheitliches Bild: Von null bis 500 Euro ist jede Höhe vertreten.

Vergeben wurden übrigens nur drei Ränge. Grund: Auch eine relativ teure Haftpflichtversicherung bietet mit ihrem Millionenschutz immer noch eine befriedigende Leistung.

Die Leistungsdichte in der privaten Haftpflichtversicherung ist sehr hoch. Die Anbieter leisten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Sieben Tarife kommen auf die Idealpunktzahl 50. Insgesamt erreichen 42 Tarife den 1., 30 den 2. Rang. Für einen konkreten Versicherungsnehmer können jedoch auch die Tarife auf dem 3. Rang genauso empfehlenswert sein wie erstrangige. Der Grund: Wer zum Beispiel keine Photovoltaikanlage besitzt, benötigt auch keinen Haftpflichtschutz. Das Gleiche gilt für Segel- oder Motorboote, das Reiten fremder Pferde und viele andere der 25 Leistungsbereiche. Tarife mit hohen bzw. der Höchstpunktzahl bieten allerdings ein Rundumpaket.

Die Verweigerer

Wie bei jedem unserer Versicherungstests haben sich auch der Haftpflichtuntersuchung wieder einige Unternehmen verweigert oder auf unsere Anfrage nicht reagiert: Deutscher Ring, Die Continentale, Ideal, Nürnberger, R + V, Signal Iduna, Stuttgarter, Wüstenrot & Württembergische.

Ärger im Schadensfall

Wer einen Schadensfall hat, der genau in ein bestimmtes häufiges Betrugsmuster passt, muss mit Ärger rechnen. Seit einigen Jahren prüfen die Versicherer bei Schäden an Autos, Brillen und Elektronikgeräten die Umstände ganz genau. Dabei analysiert ein Gutachter, ob der Schadensverlauf mit der Schadensdarstellung der Betroffenen übereinstimmt. Bei Autoschäden haben die Versicherer beispielsweise festgestellt, dass schwarze Schafe unter ihren Kunden vermehrt einen selbst mit dem Auto verursachten Unfallschaden über die Haftpflichtversicherung eines Freundes oder Bekannten abzurechnen versuchen. Gegenüber der Haftpflicht wird der Unfall dann so dargestellt, als sei der Freund beispielsweise mit einem Einkaufswagen oder Fahrrad gegen das Auto gefahren. Auf diese Weise wird versucht, den eigenen Schadenfreiheitsrabatt in der Autoversicherung zu retten und eine höhere Versicherungsprämie zu vermeiden. Notfalls muss sich der Geschädigte gegen die Leistungsverweigerung wehren und einen Anwalt einschalten.

Adresse

Der ehrenamtliche Schlichter, der Versicherungsombudsmann, kann übrigens nur den Versicherten, aber nicht den Geschädigten helfen.

Adresse:

Versicherungsombudsmann: E-Mail: [email protected]; Tel. 01804/224424

Die Leistungen

Die Privathaftpflicht zahlt bei leichter und grober Fahrlässigkeit und bewahrt die Versicherten somit sogar vor den finanziellen Folgen der allergrößten Dummheiten.

Bei absichtlich angerichteten Schäden zahlt die Privathaftpflicht nie. Wer im Streit zuschlägt, muss die Körperverletzung immer aus der eigenen Tasche zahlen - auf Heller und Cent.

Auch wenn geliehene Sachen beschädigt werden, streikt die Haftpflicht.

Nicht zahlen muss sie, wenn die Schäden während der Arbeit, durch eine besonders gefährliche Betätigung oder bei einem Freundschaftsdienst passieren.

Ärger gibt es regelmäßig bei Schäden durch Kleinkinder unter sieben Jahren (im Straßenverkehr unter zehn). Haben die Eltern ihre Aufsichtspflicht nicht verletzt, dann bleibt der Geschädigte in der Regel auf seinem Schaden sitzen, denn die Kinder sind noch deliktunfähig. Dann ist das nachbarschaftliche Verhältnis bedroht. Daher zahlen immer mehr Anbieter solche Schäden bedingungsgemäß gleich mit - im Fachchinesisch heißt das "Mitversicherung von deliktunfähigen Kindern".

Kleintiere - also Katzen, Meerschweinchen und Vögel - sind mitversichert. Hunde- und Pferdebesitzer brauchen einen besonderen Haftpflichtschutz.

Gemeinsame Wohnung: Junge Leute, die zusammenziehen, können den Partner in einen Vertrag aufnehmen und den anderen sofort kündigen.

Viele junge Singles dürften ohne Haftpflichtschutz sein. Sie glauben vielfach, dass sie noch bei ihren Eltern versichert sind. Doch der Schutz erlischt mit dem ersten Einkommen.

Bei Schäden während der Arbeit muss der Arbeitgeber teilweise mithaften. Lehrer, Kindergärtner oder Sporttrainer müssen eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen. Ein Grenzfall sind Tagesmütter oder -väter. Solange die Kinder unentgeltlich betreut werden, sind die Aufpasser bei vielen Haftpflichtversicherungen geschützt. Vor dem Start der Betreuung sollte man sich von seinem Versicherer eine schriftliche Bestätigung geben lassen.

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