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380 Betriebliche Altersvorsorgeprodukte im Test

Vorsicht teure Falle

ÖKO-TEST Juni 2013 | Kategorie: Geld und Recht | 31.05.2013

380 Betriebliche Altersvorsorgeprodukte im Test

Die Betriebsrente gilt vor allem der SPD als Wunderwaffe im Kampf gegen Altersarmut. Unser Test zeigt jedoch: Das ist ein Irrtum, der für Arbeitnehmer und Arbeitgeber bittere Folgen haben kann.

Im Kampf gegen die Altersarmut setzt die Politik neuerdings verstärkt auf die betriebliche Altersversorgung. Die sei - zusammen mit der gesetzlichen Rente - unverzichtbar, um künftige Versorgungslücken zu schließen. Zudem gilt sie als leistungsstark und kostengünstig. "Kein System der Kapitaldeckung ist so effizient wie die bAV, keines genießt so hohe Wertschätzung der Arbeitnehmer, keines ist weltweit so erfolgreich und keines hat so hohes Verbreitungspotenzial," rührte Heribert Karch, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung e. V. (aba) und zugleich Geschäftsführer der Metallrente anlässlich der 75-Jahr-Feier der aba kurz vor Pfingsten noch eifrig die Werbetrommel. Auch die SPD hat sich die Stärkung der Betriebsrente auf die Fahnen geschrieben und will nach der Bundestagswahl dafür sorgen, dass "in Zukunft jeder Arbeitgeber seinen Beschäftigten eine betriebliche Altersvorsorge anbietet". Denn, so die Sozialdemokraten in ihrem Bürger-Dialog, während die Kunden bei einem privaten Riester-Vertrag oft nicht erkennen können, ob sie "einen guten Vertrag abschließen oder nicht und welche Kosten mit einem Vertrag verbunden sind", sei die Betriebsrente transparent und kostengünstig.

Das klingt, als habe die Politik nun den Königsweg einer schlanken, unkomplizierten Vorsorgelösung gefunden. Doch wie ÖKO-TEST schon in der Vergangenheit mehrfach feststellte, sieht die Praxis oft ganz anders aus. Denn der Königsweg birgt viele Schlaglöcher. Das tiefste für sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer: Sie können zwar bis zu 4.584 Euro jährlich steuerfrei in eine Betriebsrente einzahlen, und bis zu einem Betrag von 2.784 Euro müssen sie auch keine Sozialbeiträge abführen. Dafür ist die spätere Rente aber nicht nur voll steuerpflichtig. In der gesetzlichen Krankenversicherung Pflichtversicherte müssen auch den vollen Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag auf die Rente abführen - und zwar den Arbeitnehmer- und (!) den Arbeitgeberanteil.

ÖKO-TEST wollte daher genauer wissen, ob leistungsstarke Direktversicherungen diesen Nachteil ausgleichen können und hat 118 Klassiktarife sowie 71 fondsgebundene Direktversicherungen mit Garantieleistung untersucht, darunter 114 Einzel- und 75 Kollektivtarife, die kostengünstiger sein sollten, weil Arbeitgeber sie für mehrere Arbeitnehmer abschließen.

Das Testergebnis

Leistungen schmelzen wie Schnee in der Sonne. Bei den Direktversicherungen schmelzen derzeit nicht nur die Überschüsse, sondern oft auch die garantierten Rentenleistungen wie Schnee in der Sonne. Konnte ein 30-jähriger Mann, der 2012 eine Direktversicherung (Einzeltarif) abschloss, im Schnitt noch mit einer garantierten Rente von 195,51 Euro und einer prognostizierten Rente inklusive Überschuss von 345,09 Euro rechnen, so werden ihm bei den Neutarifen 2013 durchschnittlich nur noch 183,34 Euro garantierte Rente und 295,73 Euro Rente inklusive der Überschuss in Aussicht gestellt. Rechnet man diesen V...


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ÖKO-TEST Juni 2013 Seite 121

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Seite 110 - 121 im ÖKO-TEST Juni 2013
vom 31.05.2013

Testverfahren

Untersucht wurden Angebote zur betrieblichen Entgeltumwandlung von Direktversicherungen, die wahlweise als klassische Rentenversicherung mit konventionellem Deckungsstock oder als fondsgebundene Rentenversicherungen mit Garantie (Beitragsgarantie) angeboten werden. Als Todesfallleistung haben wir bei den Klassiktarifen Beitragsrückgewähr in der Aufschubzeit sowie fünf Jahre Rentengarantiezeit akzeptiert bzw. Verrentung des entsprechenden Kapitals für die Hinterbliebenen. Bei den fondsgebundene Tarifen haben wir - neben der Rentengarantiezeit im Rentenbezug - unterstellt, dass bei Tod in der Ansparphase das vorhandene Kapital für die Bildung einer Hinterbliebenenrente oder optional zur Kapitalabfindung zur Verfügung steht. Etwaige Abweichungen von diesen Modellvorgaben wurden bei Ermittlung der Renditen angemessen berücksichtigt. Für den Rentenbezug wurde in allen Fällen eine dynamische Gewinnrente angenommen. Bei fondsgebundenen Tarifen ist in der Ansparphase eine Wertentwicklung der Fond von sechs Prozent pro Jahr nach internen Kosten angenommen. Untersucht wurden Einzeltarife des jeweiligen Versicherers oder Branchenversorgungswerks sowie Kollektivtarife, wobei eine Mindestteilnehmerzahl von fünf bis zehn Versicherten je Betrieb und eine Mindestbeitragssumme von 10.000 bis 15-00 Euro je Betrieb unterstellt wurden . Vertragsbeginn ist bei allen Tarifen 1.5.2013. Untersucht wurden zwei Musterfälle: Musterfall 1: Arbeitnehmer, 30 Jahre alt (Geburtstag 1.5.1983, Rentenbeginn 1.5.2050), Monatsbeitrag 100 Euro; Musterfall2: Arbeitnehmer, 55 Jahre alt, (Geburtstag 1.5.1958, Rentenbeginn 1.2.2023), monatliche Einzahlung 175 Euro.

Bei den Noten für die Rentenleistung wurde zunächst sowohl bei den garantierten als auch bei den prognostizierten Leistungen die jeweilige Rentenrendite ermittelt. Das ist die effektive durchschnittliche Rendite, die Sparer über die gesamte Vertragslaufzeit hinweg pro Jahr erzielen, sofern sie den Vertrag nicht stornieren und dabei Renten in Höhe der ausgewiesenen garantierten Monatsrente (Rentenrendite pro Jahr - garantierte Rente-) bzw. in Höhe der ausgewiesenen prognostizierten Monatsrente inklusive Überschuss (Rentenrendite pro Jahr - Rente inklusive Überschuss) erzielen. Basis war in beiden Fällen die Sterblichkeit, die der Sparer bzw. die Sparerin je nach ihrem heutigen Lebensalter auf Basis der Generationensterbetafel 1896 - 2009 des Statistischen Bundesamts haben (Ausprägung V2). Bei der Rentenrendite pro Jahr für die Rente inklusive Überschuss wurde zudem unterstellt, dass die vom Versicherer in Aussicht gestellte jährliche Rentensteigerung auf Basis der in der Anspar- und Rentenphase erwirtschafteten Überschüsse bis Vertragsende erreicht wird. Da Vorsorgesparer bei den meisten Direktversicherungen und Pensionskassen zu Rentenbeginn optional auch die Wahl zwischen einer Kapitalabfindung und einer lebenslangen Rentenleistung haben, wurde die Destatis-Tafel zusätzlich um so genannte "Selektionseffekte" ergänzt. Das bedeutet: Genau wie die Versicherer ist ÖKO-TEST davon ausgegangen, dass nur jene Vorsorgesparer einen Vertrag zur Entgeltumwandlung abschließen, die sich gesund fühlen und dass sich nur jene zu Ruhestandbeginn für die komplette Rentenleistung entscheiden, die sich dann weiterhin gesund fühlen und daher wahrscheinlich eine höhere Lebenserwartung haben als der Bevölkerungsdurchschnitt. Um diesen Effekt bei den Rentenrenditen angemessen berücksichtigen zu können, wurden die Selektionseffekte der DAV 2004 R Sterbetafel der Versicherungswirtschaft auf die Destatis-Generationentafel übertragen, und zwar vom Vertragsbeginn bis zum 10. Jahr des Rentenbezugs. Darüber hinaus wurden bei den Renditen auf die prognostizierte Rentenleistung jene Sterblichkeitseffekte einkalkuliert, die in allen Modellfällen anfallen, weil die Arbeitnehmer nach der ÖKO-TEST-Sterbetafel früher sterben als die Versicherer bei ihren Tarifen auf Basis der DAV 2004 R-Sterbetafel unterstellen. Dazu wurde ein hypothetisches Versicherungskollektiv gebildet, das einem mittelgroßen Versicherer entspricht. Die Ermittlung der Sterblichkeitsgewinne erfolgte zunächst unabhängig vom Geschlecht, allerdings exakt differenziert nach Geburtsjahrgängen, die genau im Jahr 2013 eine Direktversicherung abschließen und dem Kollektiv beitreten. Anschließend wurden die so ermittelten Sterblichkeitsgewinne zu 75 Prozent - wie die Mindestzuführungsverordnung vorschreibt - auf die Kunden des hypothetischen Versicherungskollektivs verteilt. Da sich die Rentenerhöhung infolge der zusätzlich ausgeschütteten Sterblichkeitsgewinne und der unterschiedlich langen Zahldauer der Renten bei Männern und Frauen unterschiedlich auswirkt, wurde für die Überschussbeteiligung ein geschlechtsspezifisches verursachungsorientiertes Verteilungssystem angenommen. D.h. Frauen profitieren von den Risikogewinnen der versterbenden Frauen im Kollektiv, Männer von denen der versterbenden Männer.

Anschließend wurden die so ermittelten Renditen bei den garantierten Renten (Klassiktarife) sowie die prognostizierten Rentenrenditen bei den fondsgebundenen Tarifen bewertet. Für alle Einzel- und Kollektivtarife wurde dabei ein einheitliches Bewertungsschema entwickelt, das die großen Preis-Leistungsunterschiede bei den Tarifen angemessen berücksichtigt. Zur Ermittlung des Ranges wurde zunächst - unabhängig von der Einstufung als Einzel- und Kollektivtarif die Differenz zwischen höchster und niedrigster Rentenrendite bei den klassischen Direktversicherungen im Test ermittelt und in fünf gleich große Klassen geteilt. Nur so wird deutlich, ob und welche Einzeltarife mit den kostengünstigeren Kollektivtarifen mithalten können oder nicht. Nettotarife wurden bei der Klassenbildung allerdings nicht berücksichtigt. Nach gleichem Schema sind wir bei der Bewertung der garantierten und prognostizierten Kapitalabfindung bei Klassiktarifen vorgegangen.

Die garantierten Leistungen fondsgebundener Direktversicherungen wurden nach dem gleichem Schema bewertet wie die Klassiktarife. Denn nur so wird deutlich, welche Risiken Arbeitnehmer eingehen, die sich für die fondsgebundene Betriebsrente entscheiden. Da hier aber auch die möglichen Ertragschancen eine entscheidende Rolle spielen, kam die Bewertung bei den prognostizierten Rentenrenditen hinzu. Hier wurde zur Ermittlung des Ranges zunächst die Differenz zwischen höchster und niedrigster Rentenrendite ermittelt und anschließend in sechs gleich große Klassen eingeteilt. Nach gleichem Schema sind wir bei den prognostizieren Kapitalleistungen bei fondsgebundenen Tarifen vorgegangen. Bei den garantierten Übertragungswerte wurde der Rang zunächst auf Basis der höchsten und der niedrigsten Leistung im jeweiligen Modellfall bei den Klassiktarifen ermittelt und anschließend in sechs gleich große Klassen eingeteilt. Die garantierten Übertragungswerte der fondsgebundenen Tarifen wurden nach gleichem Schema bewertet wie bei den Klassiktarifen.

Die Gesamtkostenbelastung des Vertrags haben wir ermittelt, indem wir die erzielbare Ablaufleistung vor Kosten mit jenen Beträgen verglichen haben, die laut Anbieter zu Rentenbeginn auf dem Betriebsrentenkonto stehen. Die Differenz zwischen beiden Verträgen gibt an, wie viel Kapital dem Kunden infolge der Vertragskosten verloren geht. Dabei ist auch berücksichtigt, auf wie viel Verzinsung der Kunden infolge der Kosten verzichten muss.

Bei den Klassiktarifen haben wir dabei unterstellt, dass alle Einzahlungen bis Rentenbeginn mit dem Mindestzins verzinst werden, den auch der jeweilige Anbieter seinen Kunden garantiert. Das war üblicherweise der aktuelle Mindestzins von 1,75 Prozent. Von dem so ermittelten Vertragsguthaben zu Rentenbeginn vor Kosten haben wir dann jenen Betrag abgezogen, der laut Direktversicherer und Pensionskasse zu Rentenbeginn garantiert auf dem Kundenkonto steht. Die Differenz ist die so genannte Reduction in Payment. Sie zeigt an auf welche Gesamtleistung der Kunde in der Ansparphase insgesamt infolge der Kostenbelastung verzichten muss.

Bei den fondsgebundenen Tarifen mit Garantie muss der Anbieter zusichern, dass zu Rentenbeginn die Gesamtsumme aller Beiträge ohne Abzüge zur Verfügung steht. Vertragskosten lassen sich am Garantiekapital daher nicht erkennen. Doch auch anhand des prognostizierten Kapitals lassen sich die Vertragskosten nicht verlässlich ermitteln. Denn manche Anbieter stellen den Versicherten über den Fondsertrag hinaus noch Kostengewinne u.a. aus den Rückvergütungen der Fondsgesellschaften (Kick Backs) sowie Risikogewinne und Schlussgewinnanteile in Aussicht, welche die Vertragskosten bisweilen sogar überkompensieren sollen. Deshalb haben wir auf Ermittlung der Vertragskosten bei den Fondstarifen verzichtet.

Die Vertragsdaten wurden online oder im Rahmen des mystery-shoppings verdeckt am Markt bei Anbietern, Vermittlern und Onlineportalen erhoben, einer detaillierten Plausibilitätsprüfung unterzogen und den Anbietern anschließend zur Verifizierung zurückgespielt. Darüber hinaus haben wir uns von den Anbietern die Angebotsunterlagen für den Kunden aushändigen lassen. Bei den Versicherern, die nicht am Test teilnehmen wollten, haben wir die Angebotsunterlagen soweit möglich verdeckt am Markt erhoben. Eine Überprüfung, ob die ausgewiesenen Überschusserträge vom jeweiligen Versicherer auch dauerhaft erwirtschaftet werden können, erfolgte nicht; genauso erfolgte keine Überprüfung, ob die besparten Fonds auch dauerhaft eine Rendite pro Jahr von sechs Prozent nach internen Kosten erzielen können. Auf Basis dieser Daten und der eigens für diesen Test entwickelten Sterbetafel bzw. der speziellen Software, die das Büro für Versicherungs- und Finanzmathematik mathconcepts, Berlin, entwickelt hat, errechnete ÖKO-TEST die Renten- und Sparrenditen für die Tarife in den verschiedenen Modellfällen. Mit demselben Analysetool wurden auch die Renditen ermittelt, die Sparer bis zum 80., 85. und 90. Lebensjahr erzielen. Die abschließende Auswahl der Kriterien, die Bewertung der Inhalte und das abschließende Ranking der Tarife wurden allein durch ÖKO-TEST vorgenommen.

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