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24 Fahrradversicherungen im Test

ÖKO-TEST Mai 2013
vom 26.04.2013

Fahrradversicherungen

Rundumschutz oder Klassiker?

Für Fahrräder und Pedelecs geben die Deutschen immer mehr Geld aus. ÖKO-TEST hat daher spezielle Fahrradversicherungen und den klassischen Diebstahlschutz durch die Hausratversicherung einem Härtetest unterzogen - mit sehr überraschenden Ergebnissen.

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26.04.2013 | Hochwertige Bikes liegen im Trend. Vor allem Pedelecs, Fahrräder mit elektrischer Tretunterstützung, die jeden Senioren am ersten Hügel 20 Jahre jünger fühlen lassen. Kein Wunder, dass laut Deutschem Mobilitätspanel die Radler heute im Schnitt pro Woche 30 Kilometer unterwegs sind - 50 Prozent mehr als noch 2002. Zwar musste der Handel im vergangenen Jahr ein leichtes Minus auf insgesamt 3,95 Millionen Stück hinnehmen. Doch gleichzeitig wurden 15 Prozent mehr teure Pedelecs verkauft. Der Durchschnittspreis, in dem vom Kinderfahrrad über das Supermarktangebot bis hin zum Komfortbike alles enthalten ist, stieg daher auf 513 Euro. Bei den beliebten Trekkingbikes und Pedelecs reicht die Preispanne von rund 1.350 Euro bis 3.900 Euro.

Solche Werte locken Diebe an. Immerhin 39 Prozent aller Deutschen wurde schon einmal ein Fahrrad gestohlen, so das Ergebnis der 2012 veröffentlichten Studie Fahrradfahren in Deutschland. Hochburg des Fahrradklaus sind nach einer bundesweiten Auswertung der Allianz-Versicherung Münster, gefolgt von Bremen, Lübeck und Magdeburg. Insgesamt wurden 2011 laut Bundeskriminalamt rund 329.000 Fahrräder gestohlen - 7,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Tatsächlich dürften es noch deutlich mehr sein. "Bei älteren Rädern, oder wenn keine Versicherung besteht, scheuen die Betroffenen oft den Aufwand einer Anzeige", sagt Ulrich Heffner, Sprecher des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg.

Die hohe Diebstahlgefahr nutzen nun Versicherer, die bei Fahrradhändlern oder über Hersteller spezielle Fahrradversicherungen anbieten. So werden beispielsweise Hercules-Räder seit 2012 mit einer Fahrradversicherung der Ergo Direkt vertrieben. Der Einkaufverbund ZEG bietet über seine 960 Fahrradhändler eine Police der niederländischen Enra an. Ermuntert durch flotte Werbesprüche wie "Wir bieten garantierten Schutz ohne Wenn und Aber", sollen Kunden die Versicherung zusammen mit dem Fahrradkauf abschließen. Doch davon rät Versicherungsberater Georg Pitzl aus Bobingen bei Augsburg ab. Denn die Fahrradversicherung leistet nur, soweit nicht zum Beispiel die Hausratversicherung für den Schaden aufkommt.

Erstmals haben wir die reinen Fahrrad- mit Hausratversicherungen verglichen. Die wurden nämlich mittlerweile deutlich aufgewertet, weil der Nachtzeitausschluss gestrichen wurde. Das heißt: Bei allen Hausratversicherungen im Test ist das Fahrrad rund um die Uhr versichert. Ausgewählt haben wir nur leistungsstarke Policen, die bei grob fahrlässiger Herbeiführung des Versicherungsfalls bis zur vollen Versicherungssumme leisten. Das ist für das Fahrrad nicht so wichtig, sondern vor allem für die Hausratgefahren. Die Policen zahlen also, wenn ein Fenster versehentlich nicht geschlossen wurde und so Diebe eindringen konnten oder eine vergessene Kerze einen Brand auslöst. Zudem mussten alle Anbieter bereit sein, Fahrräder mindestens mit bis zu fünf Prozent der Hausratversicherung in den Schutz einzuschließen. Der Grund: Teure Fahrräder und Pedelecs sind sonst nicht voll versichert. Für den Leistungstest konstruierten wir drei Schadensfälle. So entsteht am Rad oder Pedelec im zweiten Versicherungsjahr durch einen Unfall ein Reparaturschaden von 700 Euro, im dritten Jahr wird das für 2.600 Euro gekaufte Rad gestohlen. Die Kombination beider Schäden für einen versicherten Kunden wurde als Maßstab für die Bewertung herangezogen. Das ist für die Hausratangebote ein besonders strenger Test, denn Reparaturen werden nur bezahlt, sofern sie Folge eines Hausratschadens sind - also etwa durch einen Brand entstehen. Anders das Angebot der reinen Fahrradversicherungen: Sie bieten neben dem obligatorischen Diebstahlschutz sehr oft auch eine Absicherung für Reparaturen und gegen Vandalismus.

Untersucht wurden insgesamt 15 Hausratversicherungen in den Städten Bremen und Landshut und neun Fahrradversicherungen.

Das Testergebnis

Hausrat- vor Fahrradversicherung: Zehn Hausratversicherungen erreichen den 1. Rang. Obwohl sie lediglich für Diebstahl zahlen, fallen die Nettoentschädigungsleistungen - also die Zahlungen nach Abzug der zusätzlichen Prämie für den Fahrradschutz - sehr hoch aus. Sie leisten zwischen 2.792 und 2.367 Euro. Die restlichen fünf Hausrattarife erhalten Rang 2. Von den Fahrradversicherungen erreicht nur eine mit einer Entschädigungsleistung von 2.675 Euro den höchsten Rang. Der Tarif zahlt bei Diebstahl-, Vandalismus- und Reparaturschäden bis zu einer Höhe von 4.000 Euro und ist relativ kostengünstig. Versichert werden aber keine Fahrräder, sondern nur E-Bikes oder Pedelecs.

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Weitere Informationen

Ermittelt wurde die Nettoerstattung für die Städte Landshut und Bremen nach Abzug der Versicherungsbeiträge für drei Jahre. Berechnet wurde die Nettoerstattung für eine Kombination aus zwei Schadensfällen: im 2. Versicherungsjahr eine Unfallreparatur in Höhe 700 Euro und im 3. Versicherungsjahr ein Totaldiebstahl des Fahrrads/Pedelecs (Kaufpreis 2.600 Euro, Neuwert bei drei Prozent Kaufpreissteigerung pro Jahr 2.841 Euro). Ermittelt wurde zudem die Nettoerstattung für die gleichen Schäden unabhängig voneinander im 2. und 3. Jahr. Anforderungen an die Hausratversicherungen: Unterversicherungsverzicht, Versicherungssumme 75.000 Euro; keine generelle Selbstbeteiligung; Wohnungsgröße 100 m²; Mehrfamilienhaus; Überspannungsschäden zehn Prozent der Versicherungssumme (VS); Wertsachenanteil 20 Prozent der VS; Versicherungsbeginn 1.3.2013; Zahlweise jährlich, Einjahresvertrag; Kunde ist Angestellter, geb. 1.1.1973; Tarif muss standardmäßig mindestens fünf Prozent Fahrradschutz einschließen (in die Berechnung floss die Prämie für einen vierprozentigen Schutz ein (3.000 Euro), wodurch das Fahrrad/Pedelec zum Kaufpreis von 2.600 Euro und Neuwert 2.841 Euro voll abgesichert ist; Mitversicherung grobe Fahrlässigkeit (Herbeiführung des Versicherungsfalls); günstigster Tarif je Gesellschaft. Einjahresprämie für ein Fahrrad und/oder ein Pedelec (mit maximaler Nenndauerleistung von 250 Watt und einer Motorunterstützung bis 25 km/h; keine EU-Betriebserlaubnis) für 84028 Landshut, Herrngasse 375 sowie 28359 Bremen, Hechtweg 5. Alle Daten wurden aus dem Internet oder direkt beim Anbieter erhoben und zu einer Plausibilitätsprüfung an die Anbieter zurückgespielt.