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231 Riester-Rentenversicherungen im Test

Weniger Leistung, mehr Risiko

ÖKO-TEST September 2012 | Kategorie: Geld und Recht | 31.08.2012

231 Riester-Rentenversicherungen im Test

Riester-Renten sind teuer, kompliziert und intransparent. Daran hat sich seit ihrer Einführung kaum etwas geändert. Unser Test zeigt jedoch, dass die Leistungen immer mehr sinken, während das Anlagerisiko zugleich steigt.

Zehn Jahre nach ihrer Einführung ist die Riester-Rente heftig umstritten. Die damalige Reform sei gut gemeint gewesen, aber nicht gut gemacht, meint zum Beispiel Gerd C. Wagner, Vorstandsvorsitzender des DIW. Die Bundesregierung will daher noch in dieser Legislaturperiode eine Reform verabschieden, um die Riester-Produkte verbraucherfreundlicher zu machen. Ob ihr der große Wurf gelingt, darf aber durchaus bezweifelt werden. Schon seit Jahren versucht der Gesetzgeber den Anbietern Daumenschrauben anzulegen, damit die Produkte transparenter werden und Riester-Sparer schon aus dem Angebot klar und verständlich erkennen können, welche Leistung sie erwarten können und was der Vertrag kostet - bislang ohne Erfolg. Mittlerweile kommt auch noch hinzu, dass die anhaltende Niedrigzinsphase den Versicherern selbst zu schaffen macht. Das drückt nicht nur auf die Überschüsse. Wer erst dieses Jahr einen Riester-Vertrag abschließt, bekommt auch nur noch maximal 1,75 Prozent Rechnungszins garantiert - im Vergleich zu 2,25 Prozent noch im Vorjahr. Die Branche denkt zudem längst über neue Garantiemodelle nach, um bei Neuverträgen nicht länger einen Mindestzins versprechen zu müssen, den sie später unter Umständen nicht mehr erwirtschaften kann. Bei einigen fondsgebundenen Riester-Policen hat sie diese Idee auch schon umgesetzt. Kurz: Die Anbieter specken die vom Versicherer garantierte Leistung mehr und mehr ab.

ÖKO-TEST hat deshalb in diesem Jahr nicht nur die Konditionen von Riester-Verträgen geprüft, sondern auch einen Blick in die Angebotsunterlagen von 42 Versicherungsunternehmen geworfen sowie deren Garantiemodell analysiert. Insgesamt wurden 168 Offerten, 89 Angebote für klassische Riester-Rentenversicherungen und 79 Angebote für fondsgebundene Riester-Rentenversicherungen unter die Lupe genommen.

Das Testergebnis

... ist - wie schon im Vorjahr - ein Skandal. Von Transparenz keine Spur. Statt klarer und eindeutiger Informationen bekommen Kunden nach wie vor 20 bis 60 Seiten dicke Vertragsangebote. Die auf zig Seiten verteilten Angaben sind oft unvollständig, widersprüchlich und damit irreführend, bisweilen sogar fehlerhaft.

Allein die Kostenangaben sind eine Katastrophe. Kein einziger Anbieter weist die gesamten Kosten - und damit seinen Verdienst - in Euro und Cent aus. ÖKO-TEST hat nachgerechnet - und das Ergebnis zieht einem die Schuhe aus und macht das Verwirrspiel um die Kosten verständlich - zumindest aus Sicht der Anbieter. Im Musterfall 1, dem 30- jährigen Single, fressen die Vertragskosten in drei Viertel aller Fälle nicht nur die staatliche Förderung komplett auf, sondern meist sogar ein Vielfaches davon. Von den insgesamt 5.698 Euro, die der Durchschnittsverdiener in 37 Sparjahren vom Staat an Zulagen bekommt, bleibt ihm unterm Strich kein einziger Cent mehr übrig. Denn im Schnitt werden 7.468 Euro an Vertragskosten fällig. Das ist umgerechnet das 1,3-Fache der Zulagensumme. Bei teuren Anbietern, wie der Württembergischen Leben, ist


Riester-Renten: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

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14 Seiten
Seite 68 - 81 im ÖKO-TEST September 2012
vom 31.08.2012
Abrufpreis: 1,00 €

Testverfahren

Bei den Noten für die Rentenleistung wurde zunächst sowohl bei den garantierten als auch bei den prognostizierten Leistungen die jeweilige Rentenrendite ermittelt. Das ist die effektive durchschnittliche Rendite, die Sparer über die gesamte Vertragslaufzeit hinweg pro Jahr erzielen, sofern sie den Vertrag nicht stornieren und dabei Renten in Höhe der ausgewiesenen garantierten Monatsrente (Rentenrendite pro Jahr - garantierte Rente-) bzw. in Höhe der ausgewiesenen prognostizierten Monatsrente inklusive Überschuss (Rentenrendite pro Jahr - Rente inklusive Überschuss) erzielen. Basis war in beiden Fällen die Sterblichkeit, die der Sparer bzw. die Sparerin je nach ihrem heutigen Lebensalter auf Basis der Generationensterbetafel 1871 bis 2004 des Statistischen Bundesamts haben (Ausprägung V2). Bei der Rentenrendite pro Jahr für die Rente inklusive Überschuss wurde zudem unterstellt, dass die vom Versicherer in Aussicht gestellte jährliche Rentensteigerung auf Basis der in der Anspar- und Rentenphase erwirtschafteten Überschüsse bis Vertragsende erreicht wird. Da Riester-Sparer zu Rentenbeginn die Wahl zwischen einer - zwar förderschädlichen, aber möglichen Kapitalabfindung, einer förderunschädlichen 30-prozentigen Kapitalentnahme mit Restverrentung und einer lebenslangen Rentenleistung haben, wurde die Destatis-Tafel zusätzlich um so genannte "Selektionseffekte" ergänzt. Das bedeutet: Genau wie die Versicherer ist ÖKO-TEST davon ausgegangen, dass nur jene Vorsorgesparer einen Riester-Vertrag abschließen, die sich gesund fühlen und dass sich nur jene zu Ruhestandbeginn für die komplette Rentenleistung entscheiden, die sich dann weiterhin gesund fühlen und daher wahrscheinlich eine höhere Lebenserwartung haben als der Bevölkerungsdurchschnitt. Um diesen Effekt bei den Rentenrenditen angemessen berücksichtigen zu können, wurden die Selektionseffekte der DAV 2004 R Sterbetafel der Versicherungswirtschaft auf die Destatis-Generationentafel übertragen, und zwar bis zum Ende der Sterbetafel. Darüber hinaus wurden bei den Renditen auf die prognostizierte Rentenleistung jene Sterblichkeitseffekte einkalkuliert, die in allen Modellfällen anfallen, weil die Vorsorgesparer nach der ÖKO-TEST-Sterbetafel früher sterben als die Versicherer bei ihren Tarifen auf Basis der DAV 2004 R-Sterbetafel unterstellen. Dazu wurde ein hypothetisches Versicherungskollektiv nach Unisex-Sterbetafel gebildet, das einem mittelgroßen Versicherer entspricht. Auch die Ermittlung der Sterblichkeitsgewinne erfolgte zunächst unabhängig vom Geschlecht, allerdings exakt differenziert nach Geburtsjahrgängen, die genau im Jahr 2012 einen Riester-Vertrag abschließen und dem Kollektiv beitreten. Anschließend wurden die so ermittelten Sterblichkeitsgewinne wiederum geschlechtsunabhängig zu 75 Prozent - wie die Mindestzuführungsverordnung vorschreibt - auf die Kunden des hypothetischen Versicherungskollektivs verteilt. Da sich die Rentenerhöhung infolge der zusätzlich ausgeschütteten Sterblichkeitsgewinne infolge der unterschiedlich langen Zahldauer der Renten bei Männern und Frauen unterschiedlich auswirkt, ergeben sich allerdings unterschiedliche Renditeeffekte je nach Geschlecht und Alter.

Anschließend wurden die so ermittelten Renditen gerankt. Zur Ermittlung des Ranges wurde die Differenz zwischen höchster und niedrigster Rentenrendite in fünf gleich große Klassen geteilt. Den Rang eins besetzten wir dabei nicht. Die Rendite des besten Anbieters im jeweiligen Musterfall markiert daher lediglich den höchsten Wert in Rangklasse 2. Die garantierten Rentenleistungen der fondsgebundenen Tarife wurden zudem nach dem gleichen Bewertungsschema eingestuft wie bei den Klassiktarifen. So kann der Laie auf Anhieb erkennen, wie gut oder schlecht die sichere Rentenleistung bei den riskanteren Fondstarifen im Vergleich zu Klassikpolicen ist. Fonds, die ihre garantierte Rentenleistung mit herabgesetztem Rentenfaktor garantieren und zugleich eine deutlich niedrigere garantierte Rentenrendite aufweisen als der Durchschnitt aller Anbieter im Musterfall, wurden beim Gesamtranking um eine halbe Klasse herabgestuft.

Die Gesamtkostenbelastung des Vertrags haben wir ermittelt, indem wir die erzielbare Ablaufleistung vor Kosten mit jenen Beträgen verglichen haben, die laut Anbieter zu Rentenbeginn auf dem Kundenkonto stehen. Die Differenz zwischen beiden Verträgen gibt an, wie viel Kapital dem Kunden infolge der Vertragskosten verloren geht. Dabei ist auch berücksichtigt, auf wie viel Verzinsung der Kunden infolge der Kosten verzichten muss.

Bei den Klassiktarifen haben wir dabei unterstellt, dass alle Einzahlungen bis Rentenbeginn mit dem Mindestzins verzinst werden, den auch der jeweilige Anbieter seinen Kunden garantiert. Das war üblicherweise der aktuelle Mindestzins von 1,75 Prozent. Von dem so ermittelten Vertragsguthaben zu Rentenbeginn vor Kosten haben wir dann jenen Betrag abgezogen, der laut Versicherer zu Rentenbeginn garantiert auf dem Kundenkonto steht. In diesem Betrag ist das garantierte Zulagenkapital berücksichtigt. Sofern der Versicherer zu dem garantierten Gesamtkapital keine oder nur eingeschränkte Angaben macht, haben wir es auf Basis des jeweiligen Vertragsangebots geschätzt.

Folgende Modellfälle wurden untersucht: Modellfall 1 Sparer, 30 Jahre alt, Single, 30.000 € Jahresbruttoeinkommen, Geb.: 1.1.1982, Rentenbeginn mit 67 (1.1.2049), Modellfall 2 Sparerin, 35 Jahre alt , 2 Kinder (5 und 7 Jahre, förderberechtigt bis einschließlich 19. Lebensjahr), Jahresbruttoeinkommen 30.000 Euro (Geburtstag Sparerin: 1.1.1977, Kind 1 Geburtstag 1.1.2005, Kind 2 Geburtstag 1.1.2007, Rentenbeginn 1.1.2044), Modellfall 3 Sparer, 55 Jahre alt, keine förderberechtigten Kinder (Familienstand egal), Jahresbruttoeinkommen: 52.500 € (Geburtstag 1.1.1957, Rentenbeginn 1.1.2022). Vertragsbeginn ist jeweils der 1.1.2012. Zudem wollen die Sparer den Vertrag zulagenoptimal besparen, also den erforderlichen Mindestbeitrag für die volle Zulagenförderung einzahlen. Das bedeutet: Im Jahr 2012 werden insgesamt vier Prozent vom Vorjahres-Bruttoeinkommen eingezahlt, wobei sich dieser Gesamtsparbetrag aus Eigenbeitrag und Zulagen zusammensetzt. Das Bruttogehalt bleibt in allen Musterfällen konstant. Weitere Annahmen, die für alle Modellfälle gelten: Die Beiträge werden monatlich gezahlt. Sofern dem Vertrag Kinderzulagen gutgeschrieben werden, laufen diese bis zum 19. Lebensjahr des Kindes. Gewählt wurden Tarife mit mindestens einer Beitragsrückgewähr bei Tod in der Ansparphase und fünf Jahren Rentengarantiezeit und einer dynamischen Rente, die im Alter - je nach Anbieter - Jahr für Jahr steigt. Bei Tarifen mit Fondsprodukten wird eine durchschnittliche Rendite der Fonds von fünf Prozent pro Jahr unterstellt.

Untersucht wurden sowohl klassische Riester-Rentenversicherungen, die das Geld in einen konservativen Mix aus festverzinslichen Wertpapieren und Immobilien sowie maximal 35 Prozent Aktien oder Aktienfonds anlegen und dafür einen Mindestzins von derzeit 1,75 Prozent garantieren und auch die Überschusserträge nach diesem konservativen Muster angelegen. Daneben werden Fondsgebundene Riester-Rentenversicherungen getestet, bei denen der Sparbeitrag von vornherein gesplittet wird: Ein kleiner Teil vom Monatsbeitrag wird nach konventionellem Anlagemix oder aber in einem statischen bzw. dynamischen Mix aus Deckungskaptial plus Garantiefonds investiert, um - wie vom Gesetzgeber gefordert - den Erhalt aller gezahlten Eigenbeiträge und Zulagen bei Rentenbeginn sicherzustellen. Der Rest fließt in Investmentfonds - wobei je nach Anbieter einer oder mehrere Aktienfonds sowie eventuell Renten- und Mischfonds zur Auswahl stehen. Für alle Fonds wurde einheitlich eine jährliche Rendite von 5 Prozent pro Jahr unterstellt.

Die Vertragsdaten wurden per Fragebogen direkt bei den Anbietern oder verdeckt am Markt erhoben, einer detaillierten Plausibilitätsprüfung unterzogen und den Anbietern zur Verifizierung zurückgespielt. Darüber hinaus haben wir uns von den Anbietern die Angebotsunterlagen für den Kunden - mindestens für den Musterfall 2 - aushändigen lassen. Bei den Versicherern, die am Test nicht teilnehmen wollten, haben wir die Angebotsunterlagen soweit möglich direkt am Markt erhoben. Die Kostenangaben in den Produktinformationsblättern wurden auf Plausibilität, Vollständigkeit Verständlichkeit und korrekte Berechnung überprüft. Eine Überprüfung, ob die ausgewiesenen Überschusserträge vom jeweiligen Versicherer auch wirklich dauerhaft erwirtschaftet werden können, erfolgte nicht, genauso wie auch keine Überprüfung erfolgte, ob die besparten Fonds auch dauerhaft eine Rendite von 5 Prozent erzielen können. Auf Basis dieser Daten und der eigens für diesen Test entwickelten Sterbetafel , die ÖKO-TEST vom Büro für Versicherungs- und Finanzmathematik mathconcepts, Berlin, zur Verfügung gestellt wurde, haben wir die Rentenrenditen für die Tarife in den verschiedenen Modellfällen. Daneben haben wir auch die Renditen berechnet, die Sparer bis zum 80., 85. und 90.Lebensjahr erzielen. Die abschließende Auswahl der Kriterien, die Bewertung der Inhalte und das abschließende Ranking der Tarife wurden allein von ÖKO-TEST vorgenommen.

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Zugehörige Ausgabe:
ÖKO-TEST September 2012
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Erschienen am 31.08.2012

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