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181 Altersvorsorgeprodukte für Selbstständige im Test

ÖKO-TEST März 2012
vom 24.02.2012

Altersvorsorge für Selbstständige

Zwischen riskant und todsicher

Nach den Plänen der Regierung wird Altersvorsorge demnächst auch für Selbstständige und Freiberufler Pflicht. Nur wer eine ausreichende Privatvorsorge nachweisen kann, entgeht voraussichtlich dem Versicherungszwang. Doch können private Vorsorgeprodukte Selbstständige im Alter besser schützen? ÖKO-TEST hat die ersten Neutarife 2012 unter die Lupe genommen und auf Herz und Nieren geprüft.

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24.02.2012 | Rund 4,5 Millionen Selbstständige gibt es in Deutschland. Doch schätzungsweise nur eine Million davon sind in der gesetzlichen Rentenversicherung oder einem berufsständischen Versorgungswerk abgesichert. Den restlichen 75 Prozent der Selbstständigen bleibt es bislang selbst überlassen, ob und wie sie für das Alter vorsorgen. Nicht nur nach Einschätzung der Deutschen Rentenversicherung ist das ein Fehler. Denn mittlerweile ist rund jeder Zehnte Selbstständige von Altersarmut bedroht, so eine alarmierende Studie des Mannheimer Forschungsinstituts für Ökonomie und Demografischer Wandel. Besonders betroffen sind die über 55-jährigen Selbstständigen. Rund 25 Prozent von ihnen müssen damit rechnen, später von Grundsicherung zu leben. Aber auch vielen sogenannten Soloselbstständigen ohne eigene Angestellte droht später Altersarmut.

Bundessozialministerin Ursula von der Leyen will Selbstständige daher jetzt per Gesetz verpflichten, sich für das Alter abzusichern. Uneinig ist sich die Regierungskoalition lediglich über den Weg. Während die CDU eine generelle Rentenversicherungspflicht fordert, wollen FDP und CSU es den Selbstständigen freistellen, ob sie sich in der staatlichen Rentenkasse oder bei einem privaten Anbieter absichern. Wichtig sei nur, dass die Altersvorsorge auskömmlich, nachhaltig und pfändungssicher sei. Letzteres entspricht auch dem Wunsch der Wirtschaft. Arno Metzler vom Bundesverband der Freien Berufe spricht sich zum Beispiel für stärkere Anreize zu privaten Altersvorsorge aus. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) plädiert dafür, die Riester-Rente für Selbstständige zu öffnen. Denn die haben bislang keinen eigenen Anspruch auf Förderung.

Grund genug für ÖKO-TEST, sich die Offerten der privaten Anbieter einmal näher anzuschauen, unter denen Selbstständige jetzt - und vermutlich auch in Zukunft - wählen können. Die Palette der infrage kommenden Tarifvarianten ist groß: Zur Auswahl stehen ungeförderte Privatrenten, Rürup-Renten sowie Riester-Renten und Riester-Bank- und Fondssparpläne, bei denen der Anbieter zulässt, dass sie auch ohne Förderung bespart werden. Alle Vertragsvarianten werden zudem als klassische Police mit sicherheitsorientierter Anlagepolitik oder als fondsgebundene Variante angeboten. Sofern die Privatvorsorge die staatliche Rente ersetzen soll, wird der Gesetzgeber aber vermutlich großen Wert auf Sicherheit legen. ÖKO-TEST hat für den Vergleich daher nur Klassiktarife und fondsgebundene Verträge mit Garantie auf Kapitalerhalt akzeptiert. Außerdem wurden nur Männertarife geprüft. Der Grund: Ab Dezember 2012 werden Unisextarife Pflicht. Das wird voraussichtlich bei den Männern, nicht aber bei Frauen, zu niedrigeren Renten führen.

Insgesamt wurden 137 Offerten von 40 Versicherern, Sparkassen und Fondsgesellschaften zu allen zehn genannten Tarifvarianten eingeholt. Die Angebote für unseren 30-jährigen Musterkunden, der monatlich 100 Euro einzahlt und mit 65 in Rente gehen will, finden Sie im Heft. Die Ang

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Untersucht wurden Angebote zur Altersvorsorge für Selbstständige und Freiberufler, die nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind. Dazu gehören Angebote für eine Riester-Rente, die auch ungefördert bespart werden kann, eine Rürup-Rente, eine ungeförderte private Rentenversicherung. Bei allen Versicherungsangeboten wurden grundsätzlich nur zwei Vertragsvarianten untersucht: Klassische Rentenversicherung mit konventionellem Deckungsstock, wobei als Todesfallleistung standardmäßig Beitragsrückgewähr in der Aufschubzeit und keine Todesfallleistung im Rentenbezug unterstellt wurde (Ausnahme Riester-Renten, hier ist Vertragsguthaben als Todesfallleistung in der Aufschubzeit unterstellt). Fondsgebundene Rentenversicherungen mit Garantie (Beitragsgarantie), bei der als Todesfallleistung Vertragsguthaben in der Aufschubzeit und ebenfalls keine Todesfallleistungen im Rentenbezug angenommen wurde. Etwaige Abweichungen von diesen Modellvorgaben wurden bei Ermittlung der Renditen angemessen berücksichtigt. Größere Abweichungen, die signifikanten Einfluss auch auf die Höhe der absoluten Werte haben, sind zudem in den Anmerkungen erfasst. Für den Rentenbezug wurde in allen Fällen eine dynamische Gewinnrente angenommen. Bei fondsgebundenen Tarifen und Riester-Fondssparplänen ist eine Wertentwicklung der Fonds von fünf Prozent pro Jahr nach internen Kosten angenommen. Bei den Riester-Bank- und Riester-Fondssparplänen wurden zudem nur Offerten erfasst, die eine ungeförderte Besparung der Verträge zulassen. Bei Riester-Banksparplänen wurden außerdem nur Verträge mit Zins und Bonus berücksichtigt, nicht aber Verträge, bei denen die Verzinsung allein an die Umlaufrendite öffentlicher Anleihen gebunden ist. Angesichts der momentanen Sondersituation am Kapitalmarkt ist deren Rendite mit Werten unter einem Prozent so gering, dass der Abschluss eines lang laufenden, ungeförderten Vorsorgevertrags nicht empfehlenswert scheint - und vor allem keine Alternative zu den untersuchten Rentenversicherungen darstellt. Zur Ermittlung der Rentenleistung wurde bei Riester-Banksparplänen zudem unterstellt, dass die Sparpläne ihre aktuelle Rendite dauerhaft erzielen. Der Auszahlplan wurde sowohl bei Riester-Bank- als auch bei Riester-Fondssparplänen auf Basis der derzeit geltenden Verrentungsfaktoren berechnet. Vertragsbeginn ist bei allen Tarifen 1.2.2012. Untersucht wurden zwei Musterfälle: Sparer, 30 Jahre alt (Geburtstag 1.2.1982, Rentenbeginn 1.2.2047), Monatsbeitrag 100 Euro; Sparer, 55 Jahre alt (Geburtstag 1.2.1957, Rentenbeginn 1.2.2022), monatliche Einzahlung:175 Euro. Bei den Noten für die Rentenleistung wurde zunächst sowohl bei den garantierten als auch bei den prognostizierten Leistungen die jeweilige Rentenrendite ermittelt. Das ist die effektive durchschnittliche Rendite, die Sparer über die gesamte Vertragslaufzeit hinweg pro Jahr erzielen, sofern sie den Vertrag nicht stornieren und dabei Renten in Höhe der ausgewiesenen garantierten Monatsrente bzw. in Höhe der ausgewiesenen prognostizierten Monatsrente inklusive Überschuss erzielen. Basis war in beiden Fällen die Sterblichkeit, die Sparer je nach ihrem heutigen Lebensalter auf Basis der Generationensterbetafel 1896 bis 2009 des Statistischen Bundesamts haben (Ausprägung V2). Bei der Rentenrendite pro Jahr für die Rente inklusive Überschuss wurde zudem unterstellt, dass die vom Versicherer in Aussicht gestellte jährliche Rentensteigerung auf Basis der in der Anspar- und Rentenphase erwirtschafteten Überschüsse bis Vertragsende erreicht wird. Da Vorsorgesparer zu Rentenbeginn - mit Ausnahme der Rürup-Renten - die Wahl zwischen einer Kapitalabfindung und einer lebenslangen Rentenleistung haben, wurde die Destatis-Tafel zusätzlich um sogenannte "Selektionseffekte" ergänzt. Das bedeutet: Genau wie die Versicherer ist ÖKO-TEST davon ausgegangen, dass sich nur jene Vorsorgesparer einen Vorsorgevertrag abschließen, die sich gesund fühlen, und dass sich nur jene zu Ruhestandbeginn für die komplette Rentenleistung entscheiden, die sich dann weiterhin gesund fühlen und daher wahrscheinlich eine höhere Lebenserwartung haben als der Bevölkerungsdurchschnitt. Um diesen Effekt bei den Rentenrenditen angemessen berücksichtigen zu können, wurden die Selektionseffekte der DAV 2004 R Sterbetafel der Versicherungswirtschaft auf die Destatis-Generationentafel übertragen, und zwar bis zum Ende der Sterbetafel. Darüber hinaus wurden bei den Renditen auf die prognostizierte Rentenleistung jene Sterblichkeitseffekte einkalkuliert, die in allen Modellfällen anfallen, weil die Vorsorgesparer nach der ÖKO-TEST-Sterbetafel früher sterben als die Versicherer bei ihren Tarifen auf Basis der DAV 2004 R-Sterbetafel unterstellen. Dazu wurde ein hypothetisches Versicherungskollektiv gebildet, das einem mittelgroßen Versicherer entspricht. Die Ermittlung der Sterblichkeitsgewinne erfolgte geschlechtsabhängig und differenziert nach Geburtsjahrgängen, die genau im Jahr 2012 einen Vorsorgevertrag abschließen und dem Kollektiv beitreten. Anschließend wurden die so ermittelten Sterblichkeitsgewinne wiederum geschlechtsabhängig zu 75 Prozent - wie die Mindestzuführungsverordnung vorschreibt - auf die Kunden des hypothetischen Versicherungskollektivs verteilt. Anschließend wurden die so ermittelten Renditen bei den garantierten Renten (Klassiktarife) bzw. die prognostizierten Rentenrenditen bei den fondsgebundenen Tarifen bewertet. Zur Ermittlung des Ranges wurde die Differenz zwischen höchster und niedrigster Rentenrendite in fünf gleich große Klassen geteilt. Den Rang 1 besetzten wir dabei nicht. Die Rendite des besten Anbieters im jeweiligen Musterfall markiert daher lediglich den höchsten Wert in Rangklasse 2. Die Gesamtkostenbelastung des Vertrags haben wir ermittelt, indem wir die erzielbare Ablaufleistung vor Kosten mit jenen Beträgen verglichen haben, die laut Anbieter zu Rentenbeginn auf dem Kundenkonto stehen. Die Differenz zwischen beiden Verträgen gibt an, wie viel Kapital dem Kunden infolge der Vertragskosten verloren geht. Dabei ist auch berücksichtigt, auf wie viel Verzinsung der Kunde infolge der Kosten verzichten muss. Bei den Klassiktarifen haben wir dabei unterstellt, dass alle Einzahlungen bis Rentenbeginn mit dem Mindestzins verzinst werden, den auch der jeweilige Anbieter seinen Kunden garantiert. Das war üblicherweise der aktuelle Mindestzins von 1,75 Prozent. Von dem so ermittelten Vertragsguthaben zu Rentenbeginn vor Kosten haben wir dann jenen Betrag abgezogen, der laut Versicherer zu Rentenbeginn garantiert auf dem Kundenkonto steht. Sofern der Versicherer zu dem Gesamtkapital keine Angaben macht, haben wir es auf Basis des jeweiligen Vertragsangebots geschätzt. Bei den fondsgebundenen Tarifen mit Garantie muss der Anbieter zusichern, dass zu Rentenbeginn die Gesamtsumme aller Beiträge ohne Abzüge zur Verfügung steht. Vertragskosten lassen sich am Garantiekapital daher nicht erkennen. Deswegen haben wir die Kostenermittlung hier auf Basis des prognostizierten Kapitals vorgenommen. Als Kapital vor Kosten haben wir dabei jenen Betrag angesetzt, den der Kunde erzielen kann, wenn seine Beiträge mit fünf Prozent Zins pro Jahr angelegt werden. Von diesem Betrag wurde das ausgewiesene Gesamtkapital abgezogen, das der jeweilige Versicherer prognostiziert, wenn die Fondsanlage eine jährliche Rendite von fünf Prozent abwirft. Der Differenzbetrag enthält bei den Fondstarifen daher nicht nur die Kosten und die durch Kosten entgangene Verzinsung. Gleichzeitig sind darin auch die Garantiekosten enthalten, die der Anbieter für die laut Gesetz vorgeschriebene Kapitalerhaltsgarantie einkalkuliert. Einzig die fondsinternen Kosten wurden bei der Kostenquote nicht berücksichtigt. Dies erfolgte bereits bei Annahme der Rendite. In allen Musterfällen wurde unterstellt, dass der Fonds eine Rendite von fünf Prozent nach Abzug der internen Kosten (BVI-Methode) erwirtschaftet. Da sich bei den Banksparplänen die Vertragskosten ebenfalls nicht am Garantiekapital erkennen lassen, haben wir die Kostenermittlung hier ebenfalls auf Basis des prognostizierten Kapitals vorgenommen. Als Kapital vor Kosten haben wir dabei jenen Betrag angesetzt, den der Kunde erzielen kann, wenn seine Beiträge in einem ungeförderten Banksparplan mit drei Prozent Zinsen angelegt wird. Da die Erträge in diesem Fall abgeltungssteuerpflichtig sind, haben wir die Abgeltungssteuer angemessen berücksichtigt. Allerdings sind wir davon ausgegangen, dass der Kunde seinen Sparerfreibetrag (Single) noch voll ausschöpfen kann. Sofern die Produkte im Text mit einem ungeförderten Entnahmeplan verglichen wurden, haben wir dafür eine feste Verzinsung von vier Prozent in der Auszahlphase unterstellt.