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137 Investmentfonds im Test

ÖKO-TEST November 2013
vom 25.10.2013

Investmentfonds

Nichts als schöner Schein

Auszeichnungen für Investmentfonds gibt es viele. Die Branche nutzt sie für die Werbung. Anleger hoffen auf Entscheidungshilfe bei der Fondsauswahl. Doch halten die Oscars, was sie versprechen? ÖKO-TEST hat die Probe aufs Exempel gemacht.

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25.10.2013 | Wer sein Geld in Investmentfonds anlegen will, steht vor einem kaum lösbaren Problem. Über 8.000 unterschiedliche Fonds werden derzeit in Deutschland angeboten. Wie soll man unter diesen tausenden Produkten die besten finden? Hier bieten Fonds-Ratingagenturen ihre Hilfe an. Sie vergeben jedes Jahr Oscars für besonders erfolgreiche Investmentfonds. Die Preisverleihung steht dem Glamour in Hollywood mittlerweile kaum noch nach. Für die erfolgreichen Fonds und ihre Manager werden überall rote Teppiche ausgerollt. Denn mit Gewinnern können die Anbieter glänzend verdienen, wie hohe Mittelzuflüsse nach jeder Preisvergabe zeigen. Für unerfahrene Anleger sind die Einstufungen oft ein wichtiger Anhaltspunkt für die Kaufentscheidung.

Doch halten die preisgekrönten Fonds, was sie versprechen? ÖKO-TEST wollte es genauer wissen und hat die Testsieger von fünf Bewertungsagenturen aus den vergangenen vier Jahren unter die Lupe genommen. Untersucht haben wir insgesamt 137 Fonds. Die Preisträger aus den Kategorien internationale, europäische und deutsche Aktien- sowie flexible Mischfonds finden Sie hier im Heft, weitere auf www.oekotest.de

Das Testergebnis

Fehler im System: Unser Test zeigt, dass die Auszeichnungen zur Prognose der künftigen Wertentwicklung nicht taugen. Lediglich 15 der untersuchten 137 Gewinner konnten ihre exzellente Leistung dauerhaft halten. Das entspricht einer "Erfolgsquote" von bescheidenen 10,9 Prozent. Die restlichen 89,1 Prozent rutschen mehr oder weniger stark ab. Schon nach einem Jahr zählen 81,4 Prozent der Preisträger nicht mehr zu den Performancespitzenreitern. Knapp ein Viertel der prämierten Fonds ist sogar regelrecht abgeschmiert und schreibt mittlerweile rote Zahlen, was in allen untersuchten Fällen nicht nur an der Marktentwicklung liegt. Die vom Top- zum Flopperformer mutierten schneiden sogar schlechter ab als die Börsenbarometer (Indizes) der Märkte, in die sie investieren. Das nährt den Verdacht, dass die Manager bisweilen höhere Risiken eingegangen sind, um eine gute Bewertung zu erhalten. Eine solche Anlagepolitik rächt sich oft im Nachhinein: Performanceüberflieger leben in der ständigen Gefahr abzustürzen - und mit ihnen die Anleger.

Gütesiegel mit begrenzter Haltbarkeit. Dass Bewertungen nur begrenzte Haltbarkeit haben, müssen Anleger immer wieder recht schmerzhaft erfahren. Wer 2010 zum Beispiel in einen der "besten" Mischfonds wie den seinerzeit von Euro Fund Award gekürten M&W PrivatFonds investierte, hat in den vergangenen drei Jahren nur Verluste gemacht. Mit einem Minus von 16,57 Prozent schnitt er in den vergangenen zwölf Monaten sogar besonders schlecht ab.

Fund-Awards als Warnsignal? Die Wandlung vom Top zum Flop muss aber nicht einmal daran liegen, dass die falschen Fonds gekürt wurden oder die Manager versagen. Ein Grund dafür kann sogar die Verleihung des Preises sein. Weil sich Anleger um Produkte mit Top-Bewertung geradezu reißen, fließen ihnen oft überdurchschnittlich hohe Anlagesummen zu.

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Weitere Informationen

Untersucht wurden Investmentfonds aus den Sektoren Aktien international, Aktien Europa, Aktien Deutschland, Aktien Asien-Pacific, Aktien Emerging Markets, Aktien Nachhaltigkeit, Mischfonds global, flexibel, Rentenfonds Europa in Euro und Rentenfonds international, die in den vergangenen vier Jahren (2010 bis 2013) von einer Fondsratingagentur mit einem Fund Award ausgezeichnet worden sind. Berücksichtigt wurden die Auszeichnungen von Feri Trust Fund Rating, Morningstar, Lipper Funds, Euro Fund Award und Deutscher Fondspreis. In die engere Auswahl für den Test kamen aber nur die Testsieger aus den genannten Sektoren, keine zweiten oder dritten Plätze. Zusätzliche Auszeichnungen, die einzelne Fonds aufgrund der stark differierenden Sektoren-Einteilung der Rating-Agenturen in anderen als den genannten Sektoren erhalten haben, wurden nicht berücksichtigt. Das gleiche gilt für extreme Ausreißer- Fonds, deren Anlagepolitik erkennbar nicht den Vergleichsfonds entspricht, die aber - vor allem in früheren Jahren - bisweilen ausgezeichnet wurden, wenn der Sektorbegriff von der jeweiligen Ratingagentur extrem weit ausgelegt wurde.

Für alle untersuchten Fonds wurde geprüft, ob die Fonds-Auszeichnungen geeignet sind, um Privatanlegern als Entscheidungshilfe für die Fondsauswahl zu dienen. Das wäre dann der Fall, wenn die prämierten Fonds auch nach der Preisvergabe weiterhin eine überdurchschnittliche Performance aufweisen und die Fondsauszeichnung daher als Gütesiegel mit Prognosekraft betrachtet werden kann. Um das herauszufinden, wurde die aktuelle Performance der Fonds in den letzten 12, 36 und 60 Monaten (1, 3 und 5 Jahre) geprüft und zu einem Gesamtrang für alle drei Zeiträume zusammengefasst. Dabei gingen die Teilnoten für die einzelnen Zeiträume jeweils zu einem Drittel in die Gesamtnote ein.
Zur Ermittlung der Teilnoten wurde die Wertentwicklung der Fonds im ersten Schritt in jedem Zeitraum jeweils mit der durchschnittlichen Wertentwicklung des Sektors verglichen, in den sie investieren. Basis für den Vergleich war jeweils die Wertentwicklung des entsprechenden Börsenindex. Im zweiten Schritt wurde dann geprüft, wie sich die - nicht prämierten - Konkurrenten aus ihrer Fondsgruppe im gleichen Zeitraum entwickelt haben. Zur Einteilung der Bewertungsklassen wurde sodann die Differenz zwischen der besten und der schlechtesten Rendite aller Fonds des Sektors im jeweiligen Zeitraum ermittelt und in sechs gleiche Klassen eingeteilt. Da die durchschnittliche Wertentwicklung im jeweiligen Sektor jeweils durch die Index-Performance repräsentiert wird, wurde dessen Wert als Mittelwert für die Rangklasse drei festgesetzt. Fonds, die mehr als die Hälfte der Klassengröße besser als der Index abschneiden, erreichen die Klasse zwei. Fonds, die um das anderthalbfache der Klassengröße besser sind, erreichen Klasse 1. Umgekehrt fallen Fonds, die mehr als die Hälfte der Klassengröße schlechter als der Index abschneiden, in Klasse 4. Fonds, die den Index um das Anderthalbfache unterschreiten, fallen in Klasse 5 bzw. in Klasse 6, wenn sie mehr als das Zweieinhalbfache unter der Indexentwicklung liegen.
Nach diesem Schema ist ÖKO-TEST in jedem der untersuchten Zeiträume vorgegangen. Auch die Volatilität der Fonds wurde nach gleichem Schema untersucht, aber nicht bewertet. Die Wertentwicklung von Fonds und Indizes in fremder Während wurden vor der Analyse in Euro umgerechnet. Basis für den Vergleich waren folgende Indizes: Aktien International: MSCI-World-Index, Aktien Europa: MSCI Europe, Aktien Deutschland: DAX Index, Aktien Emerging Markets: MSCI Emerging Markets, Aktien Asian-Pacific: MSCI AC Asian Pacific ex Japan, Aktienfonds Nachhaltigkeit: Dow Jones Sustainability World, Renten Welt: JPMorgan Government Bond Index Global, Renten Euro: JPMorgan EMU Government Investmentgrade Bond Index. Bei Mischfonds wurde ein Mix aus 50 % MSCI World Index und 50% JPM GBI Global unterstellt.
Sämtliche Daten zu den Fondspreisen wurden von ÖKO-TEST auf den Homepages der Fonds-Ratinggesellschaften bzw. anhand der jährlich von ihnen herausgegebenen Listen mit den Preisträgern erhoben. Die Daten zu den Fonds wurden auf den Homepages der Fondsgesellschaften bzw. aus den Fact Sheets der Fonds erhoben, bei Euro-Umrechnung gelegentlich auch den frei zugänglichen Datenbanken von Feri Trust und/ oder Morningstar entnommen und den Anbietern zur Verifizierung zurückgespielt. Die nachfolgende Bewertung von Rendite, Risiko und Kosten erfolgte durch ÖKO-TEST. Stichtag für die Erhebung der Performance- und Risikodaten war jeweils der 30.08.2013.