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Umweltschützer warnen vor Tiefseebergbau

17.07.2018

Umweltschützer warnen vor Tiefseebergbau

Zahlreiche Staaten planen Abbau von Rohstoffen im Ozean

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17.07.2018 |

Die Weltnaturschutzunion (IUCN) warnt vor Tiefsee-Bergbau. Schürfen nach Rohstoffen in Regionen tiefer als 200 Meter unter der Meeresoberfläche berge unkalkulierbare Umweltrisiken. Viele Forscher sehen in der Tiefsee allerdings die Zukunft des weltweiten Rohstoffbedarfs - vor allem den der High-Tech-Industrie. Gefragte Materialien treten in Form so genannter Manganknollen auf. Die Knollen sind etwa faustgroß, ein Pfund schwer und kommen in Tiefen von etwa 5.000 bis 6.000 Metern vor. Neben Mangan enthalten sie Elemente wie Aluminium, Kupfer, Kobalt sowie Eisenoxid.

Tiefsee: Umweltschützer kritisieren Kodex für schonenden Bergbau

Zwar erarbeitet die Internationale Meeresbodenbehörde (ISA) derzeit einen Kodex für möglichst schonenden Bergbau. Dieser geht der IUCN aber nicht weit genug: Der Kodex enthalte "keine ausreichende Kenntnis der Tiefsee und keine gründliche Bewertung der Umweltauswirkungen von Bergbaubetrieben", so die Weltnaturschutzunion. Die sei aber notwendig, um einen wirksamen Schutz des Tiefseelebens zu gewährleisten. Das Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung äußerte bereits 2014 Bedenken über die geplante Abbaumethode: Mit einer Erntemaschine ähnlich eines Kartoffelroders würden die Sedimente des Meeresbodens aufgeschwemmt, ein wahrer "Staubsturm", so die Kieler Forscher, zöge sich über den Grund. Das Vorgehen bringe unabsehbare Veränderungen des Lebensraums Tiefsee mit sich.

Rohstoffabbau im Ozean könnte sensible Ökosysteme zerstören

Mehr noch: Das Wissen um den Lebensraum Tiefsee sei so gering, dass allein dieser Mangel Bergbau am Meeresgrund verbiete. "Wir handeln dort wahrlich im Dunkeln", sagte Carl Gustaf Lundin vom IUCN-Meeres- und Polar-Programm. Nur wenige Staaten der Erde sind in der Lage und bereit, Tiefseeforschung zu betreiben. Aufgrund der hohen Druckverhältnisse ist es zudem schwer, etwa Tiefseebewohner einzufangen und lebendig an die Erdoberfläche zu schaffen. Daher ist ihr Einfluss auf das Zusammenspiel allen Lebens auf der gesamten Erde ebenso kaum erforscht. Jeder große Eingriff in dieses Ökosystem komme daher einem Glücksspiel gleich.

Kommerzieller Tiefseebergbau könnte 2025 beginnen

Auch Deutschland hält Schürfrechte für die Tiefsee. Der Claim, den die Bundesrepublik 2013 von der ISA erhalten hat, liegt im Ostpazifik zwischen Mexiko und Hawaii. Dort lagerten im Schnitt rund 20 Kilogramm Manganknollen pro Quadratmeter. In der Nachbarschaft haben Großbritannien, Polen, Belgien, Südkorea, Frankreich und Russland ihre Claims abgesteckt. Seit 1994 verwaltet die ISA die Schürfrechte der Tiefsee. Denn die Ozeane sind bei den Vereinten Nationen als Erbe der Menschheit eingestuft. Mit der zentralen Claim-Vergabe nach strengen Richtlinien will die ISA einen Ansturm gleich eines Goldrauschs auf die Tiefsee verhindern. Experten schätzen, dass der kommerzielle Abbau etwa 2025 beginnen wird.


Weiterführende Links

https://www.iucn.org/news/secretariat/201807/draft-mining-regulations-insufficient-protect-deep-sea-%E2%80%93-iucn-report

https://portals.iucn.org/library/node/47761

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