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Neuer Kälterekord in der Antarktis

02.07.2018

Neuer Kälterekord in der Antarktis

Fast minus 100 Grad am Südpol gemessen

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02.07.2018 | Östlich des Südpols ist ein neuer Kälterekord gemessen worden: minus 98,6 Grad Celsius. Dies sei die bisher niedrigste auf der Erdoberfläche gemessene Temperatur, berichten Forscher der University of Colorado im Fachblatt "Geophysical Research Letters". Den Rekordwert erfaßten die US-Amerikaner mittels Satellitenmessung in rund 3800 Metern Höhe auf dem antarktischen Eisschild nahe der russischen Polarstation Wostok. Das Atmen wäre für einen Menschen dort lebensgefährlich, denn die Atemwege können die Luft nicht mehr ausreichend anwärmen, bevor sie in die Lunge gelangt. Möglich sind diese extrem niedrigen Temperaturen, da die vorhandene Wärmestrahlung aufgrund der äußerst trockenen Luft in dieser Region fast ungehindert ins Weltall reflektiert wird.

Kälterekord: Schon länger Tiefstwerte rund um russische Antarktis-Station

Die Region um die russische Antarktis-Station gilt schon länger als kältester Punkt der Erde. Dort maßen Forscher am 23. Juli 1983 minus 89,2 Grad Celsius. Dies ist weiterhin der niedrigste Wert, der je direkt in der Luft in zwei Meter Höhe gemessen wurde. Die Satellitenmessungen hingegen werden von Meteorologen für offizielle Statistiken nicht anerkannt.

Oimjakon in Sibirien ist kältester bewohnter Ort

Der kälteste dauerhaft bewohnte Ort der Erde liegt in Russland: Oimjakon in Sibirien ist weltweiter Rekordhalter mit einem Jahresmittel von minus 15,7 Grad Celsius. Dort sank das Thermometer am 6. Februar 1933 offiziellen Angaben zufolge auf minus 67,8 Grad. Zum Vergleich: Zinnwald-Georgenfeld im Osterzgebirge gilt mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von plus 4,9 Grad als kältester Ort Deutschlands.

Kälterekord: Geringe Luftfeuchtigkeit sorgt für Tiefpunkt

Im Jahr 2013 entdeckten Forscher erstmals in historischen Satellitendaten Temperaturen unter minus 90 Grad Celsius. Die Satelliten erfassten direkt auf der Eisoberfläche minus 94 Grad. Damals nahmen die Wissenschaftler noch an, dass leichter Wind und ein klarer Himmel ausreichten, um solche niedrige Temperaturen zu erzeugen. Die Forscher der University of Colorado gehen nun aber davon aus, dass zusätzlich eine äußerst geringe Luftfeuchtigkeit nötig ist. Denn Wasserpartikel in der Luft speicherten die Wärmestrahlung, sorgten so für etwas höhere Temperaturen. Mit minus 98,6 Grad sei in etwa das absolute Minimum auf der Erdoberfläche erreicht. Dafür müssten klarer Himmel, leichter Wind und die extreme Trockenheit für einige Tage stabil bleiben. Theoretisch seien ein bis zwei weitere Grad frostiger durchaus möglich. Wahrscheinlich sei dies aber nicht, so das Forscherteam.

Klimawandel lässt Temperaturen in der Antarktis steigen

Denn insgesamt werde es aufgrund des Klimawandels auch an den kältesten Orten der Welt merklich "milder". Grund dafür: Die Erderwärmung erhöhe insgesamt die Luftfeuchtigkeit in der Atmosphäre. Derzeit sei am nun ermittelten Kältepol weniger als 0,2 mm Wasser in der Luft gespeichert. Dieser Wert aber werde in den nächsten Jahren ansteigen - wenn auch nur sehr gering. Das aber reiche aus, um die Temperatur in den Senken anzuheben.

Weiterführende Links

https://nsidc.org/sites/nsidc.org/files/files/Scambos_et_al-2018-Geophysical_Research_Letters.pdf

https://www.oekotest.de/freizeit-technik/news/Mikroplastik-in-der-Wildnis-Greenpeace-findet-Kunststoffe-in-der-Antarktis_600614_1.html

https://www.oekotest.de/freizeit-technik/blickpunkt/Der-Kampf-ums-Ewige-Eis_500057_1.html