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Wasser

Wasser
vom 31.08.2017

Wasser

In vielen Regionen der Erde herrscht schon heute Wasserknappheit, die durch den Klimawandel häufig noch verschärft wird. Gleichzeitig wächst der globale Wasserbedarf. Die überlebenswichtige Ressource könnte bald wertvoller als Öl sein.

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Inmitten eines scheinbar endlosen Meeres ringt die andalusische Provinz Almería um jeden Tropfen Wasser. Denn das Meer besteht aus Plastik: Auf mehr als 30.000 Hektar reihen sich hier Gewächshäuser aneinander. Darunter gedeiht all das, worauf Konsumenten hierzulande auch im Winter nicht verzichten wollen: Tomaten, Paprika, Auberginen, Zucchini. Zwar arbeiten die Landwirte im „Gemüsegarten Europas“ mit hocheffektiven Bewässerungsmethoden, dennoch sinken die Grundwasserspiegel kontinuierlich ab: Denn im südlichen Spanien lechzt nicht nur die Landwirtschaft nach Wasser, auch die Bettenburgen, Swimmingpools und Golfplätze für Touristen verschlingen das kostbare Nass vor allem in den trockensten Monaten des Jahres. Da die erteilten Wasserrechte den Bedarf nicht decken, wird es oft über die genehmigte Menge hinaus oder gar schwarz abgezapft. Nach Angaben der Natur- und Umweltschutzorganisation WWF gibt ist es in Spanien etwa 500.000 illegal gebohrte Brunnen.

Buchstäblich um die letzten Tropfen Wasser kämpfte bis vor Kurzem auch Kalifornien. Der US-Bundesstaat litt jahrelang unter einer extremen Dürre, erst Anfang 2017 entspannte sich die Lage. Im Central Valley, das weite Teile der USA und auch Europa mit Zitrusfrüchten, Nüssen und Mandeln versorgt, sind die Grundwasserreservoirs zur Bewässerung so stark in Anspruch genommen und dadurch instabil, dass stellenweise der Boden absackt. Auch wenn Gouverneur Jerry Brown den Dürrenotstand im Golden State inzwischen für beendet erklärt hat, warnte er davor, dass es jederzeit erneut zu einer Dürre kommen könne. Mit verheerenden Folgen für Umwelt und Wirtschaft: In seinem Buch Wasser. Eine Reise in die Zukunft schreibt der Historiker und Hydrologe Terje Tvedt, dass die amerikanische Landwirtschaft jährlich 400 Milliarden Dollar aufgrund von Wassermangel verliert.

Weit mehr als nur ökonomische Schäden lassen sich am Aralsee beobachten bzw. an dem, was vom einst viertgrößten Binnengewässer der Welt noch übrig geblieben ist: eine lebensfeindliche Salzwüste. In den vergangenen Jahrzehnten hat der See an der Grenze von Kasachstan zu Usbekistan mehr als 80 Prozent seines Wasservolumens und zwei Drittel seiner Fläche verloren. Die Austrocknung des Aralsees gilt als eine der größten von Menschen verursachten Umweltkatastrophen. Denn um die Baumwollplantagen der Region zu bewässern, die für den Anbau der Faser eigentlich zu trocken ist, wurden seine Zuflüsse abgeschöpft. Was noch an Wasser im See ankam, verdunstete und hinterließ eine giftige Mischung aus Salz, Pestiziden, Düngemitteln und anderen Chemikalien. Zwar gibt es am Kleinen Aral auf kasachischer Seite wieder Hoffnung. Der Kok-Aral-Damm staut einen der Zuflüsse und bringt das Wasser allmählich zurück. Doch er schneidet auch den Großen Aral – den südlichen Teil in Usbekistan – endgültig von der Versorgung mit und der Hoffnung auf Wasser ab.

So weit entfernt voneinander diese Regionen der Erde sind – sie haben ein gemeinsames Problem: Mangel, Übernutzung oder Verschmutzung der überlebenswichtigen Ressource Wasser.

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