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Tourismus

Tourismus
vom 30.03.2017

Tourismus

Mehr als 1,23 Milliarden Touristen haben im vergangenen Jahr Ländergrenzen überquert. Die Branche boomt – aber sie belastet auch Umwelt und Menschen. Es ist an der Zeit, Rücksicht zu nehmen. Das gilt nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Reisende.

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Christina Burkhardt hat „das Reise-Gen geerbt“: Auf Urlaub und Ausflüge verzichten? „Da würde es mir an Lebensqualität fehlen“, sagt sie. Allerdings hat auch die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986 die Stuttgarterin geprägt. Vielleicht noch mehr das Zwischenlager für hochradioaktiven Abfall im niedersächsischen Gorleben, in dessen Nähe sie aufgewachsen ist: „Nachhaltigkeit war für mich schon immer ein Thema – und die logische Konsequenz ist, dass ich auch beim Reisen darauf achte.“ Christina Burkhardt betreibt den Blog reisemeisterei.de, eine Webseite über nachhaltiges Reisen mit der Familie. Eine To-do-Liste dort verrät, was für sie dazugehört: etwa Flugreisen zu vermeiden und das Auto maximal zur Anreise zu benutzen – nicht für einen Roadtrip. „Wir verzichten auf energieverschwendende Aktivitäten wie den Besuch von Freizeitparks und versuchen unserer Tochter unterwegs die Natur nahezubringen.“

Die Bloggerin sagt aber auch: Wenn sie die Reisemeisterei nicht gewerblich betreiben und dafür gelegentlich von Hotels oder Reiseveranstaltern eingeladen werden würde, um später darüber zu berichten, dann wären beispielsweise häufige Übernachtungen in Bio-Hotels „als Familie kaum finanzierbar“. Es sei sicher möglich, ohne großes Budget nachhaltig zu reisen. Aber: „Dann ist es eben oft anstrengend.“ Burkhardt denkt an Radreisen oder Campingurlaub mit Kleinkindern.

In repräsentativen Umfragen geben Tourism Watch zufolge zwar regelmäßig mehr als 40 Prozent der deutschen Urlauber an, dass sie sich beim Thema Reisen für Nachhaltigkeit interessieren. Aber: „Es besteht noch eine Kluft zwischen der Absicht und der tatsächlichen Umsetzung“, sagt Antje Monshausen. Sie ist Referentin bei Tourism Watch, einem Informationsdienst des Evangelischen Entwicklungsdienstes Brot für die Welt. Diese Kluft gilt es zu schließen. Denn im Jahr 2016 reisten nach Angaben der Welttourismusorganisation UNWTO mehr als 1,23 Milliarden Menschen über Ländergrenzen. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es 674 Millionen. Der Tourismus boomt, beliebte Ziele geraten in der Hochsaison inzwischen an ihre Kapazitätsgrenzen. Mit dem Erfolg der Branche mehren sich die negativen Begleiterscheinungen: Durch den Verkehr steigen die klimaschädlichen Emissionen, touristische Bauprojekte zerstören die Natur und vertreiben Menschen. Tourismus bedroht die biologische Vielfalt, auf deren Erhalt er gleichermaßen angewiesen ist. Hinzu kommt der Ressourcenverbrauch. „Die Touristenmassen machen den Einheimischen das Leben vielerorts zur Hölle“: So drastisch drückt es Frank Herrmann in seinem Buch FAIRreisen aus. „Sie verbrauchen immense Mengen an Wasser, mehr Nahrung als die Einheimischen, sie hinterlassen Unmengen an Abfall und trampeln Kulturgüter in den Boden.“

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