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Sklaverei

Sklaverei
vom 24.10.2014

Sklaverei

Sklaverei gibt es auch im 21. Jahrhundert noch - obwohl diese brutale Form der Knechtschaft seit 1956 von den Vereinten Nationen geächtet wird. Das glauben Sie nicht? Dann lesen Sie mal, wie viel Ausbeutung hinter all den Sachen steckt, die wir täglich nutzen.

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Sie schürfen in Minen nach Rohstoffen, schleifen Diamanten, schleppen Kakaofrüchte durch die heiße Sonne, pflücken auf Plantagen Baumwolle, knüpfen Teppiche in stickigen Fabriken, schwitzen bis zu 20 Stunden am Tag über Nähmaschinen oder verkaufen ihren Körper: Weltweit werden Millionen Menschen zur Arbeit gezwungen. Sie sind moderne Sklaven, denn sie schuften ohne Lohn und gegen ihren Willen - auch für unsere Alltagsgüter.

Wie viele Menschen für Sie persönlich ausgebeutet werden, können Sie selbst herausfinden: Die Webseite slaveryfootprint.org errechnet nach einem Test die Zahl der Leibeigenen, die sich für einen abarbeiten. Meine eigene ernüchternde Bilanz: Ich beute 55 Menschen aus. Um das herauszufinden, musste ich zehn Fragen zu meinen Lebensumständen und Konsumgewohnheiten beantworten. Wie viel Wohnraum steht mir zur Verfügung? Was esse ich gerne? Welche Kosmetikartikel stehen in meinem Badezimmer? Wie viele Kleidungsstücke hängen in meinem Schrank? Welche Elektronikartikel finden sich in meinem Haushalt?

Schnell wird klar, der westliche Lebensstandard ist schlecht für die Bilanz: Bei bestimmten Rohstoffen muss man laut Slaveryfootprint einfach davon ausgehen, dass sie von Sklaven geerntet oder abgebaut wurden: Coltan beispielsweise, das Erz ist ein wichtiges Bauelement in Smartphones und anderen elektronischen Gadgets. Aber auch Körpermilch, Make-up & Co. können einen Ursprung in der Sklaverei haben. Viele Rohstoffe, beispielsweise das Kokosöl, werden vor Ort teils unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt.

Ganz nebenbei liefert die Webseite zusätzlich Informationen: Etwa, dass in Indiens Teppichhochburg Uttar Pradesh über 200.000 Kinder wie Sklaven in Baumwollspinnereien schuften. Sie werden geschlagen, missbraucht und um ihr Geld betrogen. Oder dass die Arbeitsbedingungen in vielen asiatischen Garnelenzuchtanlagen unmenschlich sind: Vor allem Arbeiter aus Burma und Kambodscha müssen auf den Schiffen bis zu 20 Stunden am Tag arbeiten, sie werden misshandelt und gefoltert.

Hinter slaveryfootprint.org steckt Justin Dillon. In der Welt der Nichtregierungsorganisation ist er kein Unbekannter. 2008 sorgte sein Film Call + Response für Aufsehen. Er machte vielen Menschen in der westlichen Welt erstmals deutlich, wie weit verbreitet die moderne Knechtschaft ist. Seine Webseite slaveryfootprint.org, die vom US-Innenministerium finanziert wird, durchleuchtet die Produktionsketten hinter den verschiedenen Konsumgütern, besser gesagt die einzelnen Rohstoffe. Jedem dieser Rohstoffe ist eine durchschnittliche Zahl an Sklaven zugeordnet. Grundlage für die Berechnungen sind Berichte der amerikanischen Ministerien, der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, der Korruptionsindex von Transparency International und der Freedom House Index. 400 Alltagsgegenstände und Lebensmittel, ihre Wertschöpfungskette und die Arbeitsbedingungen wurden von der Organisation auf Arbeitsrechtsverletzungen, Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Drohungen untersucht.

Die Zahl, die der Rechner ausspuckt, ist dabei nur ein Richtwert, betonen die Verantwortlichen von Slaveryfootprint. In seiner jetzigen Form unterscheidet das Tool zum Beispiel noch nicht, ob ich mein Baumwollshirt beim Billigdiscounter gekauft oder mich für die ethisch korrektere Version aus dem Fairtradeshop entschieden habe.

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