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Interview

Rohstoffsuche auf dem Meeresgrund
vom 01.03.2012

Interview

Die Möglichkeiten werden überschätzt, sagt Dr. Sven Petersen. Der Mineraloge ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am GEOMAR/Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Er forscht seit zwanzig Jahren zu mineralischen Rohstoffen und Tiefseebergbau.

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ÖKO-TEST: Hat der Tiefseebergbau in Zukunft überhaupt eine Chance?

Dr. Sven Petersen: Ich denke, die Möglichkeiten werden oft überschätzt. Der Tiefseebergbau wird die Minen an Land niemals ersetzen können. Sollte es zu einem marinen Bergbau kommen, werden die gewonnenen Metalle wie Kupfer, Nickel oder Kobalt am Meeresboden zusätzlich abgebaut werden, um den gewaltigen Rohstoffhunger in der Welt decken zu können.

ÖKO-TEST: Reichen denn die Ressourcen an Land nicht aus?

Petersen: Der Club of Rome hat ja mal prognostiziert, dass die Vorräte an Metallen endlich sind. Das stimmt so nicht. Nehmen wir ein x-beliebiges Element: Zurzeit können Lagerstätten vielleicht nur gewinnbringend abgebaut werden, wenn sie mindestens zwei Prozent dieses Elements enthalten. Wenn aber der Preis steigt, werden auch Lagerstätten mit geringeren Konzentrationen wirtschaftlich interessant. Das heißt: Für viele Metalle, und das trifft zum Beispiel auch auf die seltenen Erden zu, gibt es eigentlich gar keine Verknappung. Der steigende Preis hat zur Folge, dass weitere Vorkommen auch an Land erschlossen werden. Dies wird nur ein paar Jahre dauern.

ÖKO-TEST: Warum sucht man dann in der Tiefsee, wo der Abbau viel aufwendiger und teurer wäre?

Petersen: Das Problem ist, dass einige dieser begehrten Metalle in Ländern wie China und Zaire vorkommen, die diese Elemente für sich selber brauchen oder politisch nicht sehr stabil sind. Und dann stehen Nationen wie Deutschland, die USA oder auch Japan plötzlich ohne diese wichtigen Rohstoffe da. Daher kann es dazu kommen, dass sie einen marinen Bergbau nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus politischen Gründen beginnen, um Rohstoffvorsorge zu betreiben. Es ist ihnen egal, ob das wenig kostet oder viel. Sie wollen den Rohstoff haben. Im Moment gibt es zum Beispiel außer einem Privatunternehmen auch nur politische Konsortien und Nationen, die sich für den Abbau von Manganknollen interessieren.

ÖKO-TEST: Aber niemand kann die ökologischen Folgen abschätzen.

Petersen: Genau. Es ist sehr schwierig, in 6.000 Meter Tiefe zu verfolgen, was dort genau abläuft. Ich bin deshalb auch eher dafür, die Rohstoffe dort abzubauen, wo man die Folgen unmittelbar sehen und kontrollieren kann. Allerdings wäre es naiv zu glauben, man könnte seinen Lebensstandard halten, ohne die Umwelt zu beeinflussen. Das gilt auch für den Bergbau an Land.

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