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Kostbare Kartoffeln

Rohstoffsuche auf dem Meeresgrund
vom 01.03.2012

Kostbare Kartoffeln

Über Jahrmillionen sind die schwarzen Knollen gewachsen. Sie enthalten hauptsächlich Mangan und Eisen, aber auch drei Prozent wertvolle Buntmetalle Kupfer, Nickel und Kobalt.

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Wer sich heute für die Bodenschätze in der Tiefsee interessiert, muss sich an die Internationale Meeresbodenbehörde (International Seabed Authority/ISA) in Jamaika wenden. Im Auftrag der UN erteilt die ISA die Lizenzen zur Nutzung der marinen Ressourcen. Deutschland hat sich schon 2006 zwei Tiefseegrundstücke mitten im Pazifik gesichert. Die Fläche ist mit 75.000 Quadratkilometern so groß wie Niedersachsen und Schleswig-Holstein zusammen. Gleich nebenan haben China, Japan, Südkorea, Russland und Frankreich ihre Claims, alles Länder mit einem gewaltigen Rohstoffhunger.

Bisher wurden fast nur Lizenzen für die sogenannte Clarion-Clipperton-Zone vergeben. Dieses riesige Gebiet liegt in fünftausend Meter Tiefe dicht am Äquator zwischen Hawaii und Mexiko. Auf dem Meeresgrund verbirgt sich eine vielfältige Landschaft mit Bergen, Klippen, kargen Ebenen und unzähligen Vulkanen. Vor allem aber ist der Boden mit kostbaren Manganknollen übersät. Sie sind es, auf die es die Rohstoffjäger abgesehen haben. Diese schwarzen Klumpen, die oft mit verbrannten Kartoffeln verglichen werden, wachsen nur um etwa fünf Millimeter in einer Million Jahre. Sie enthalten die Buntmetalle Kupfer, Nickel und Kobalt - und zwar in solchen Mengen, dass sie mit den Vorräten an Land durchaus konkurrieren können. Rund 500 Milliarden Tonnen dieser besonderen Meeresfrüchte sollen allein in der Clarion-Clipperton-Zone auf dem Tiefseeboden lagern. Ihr Wert wird von Rohstoffexperten auf über 30 Billionen Dollar geschätzt, Tendenz steigend.

Doch zunächst müssen die Wissenschaftler ausloten, welche Lagerstätten sich überhaupt für den kommerziellen Tiefseebergbau eignen. Denn schon jetzt steht fest: Längst nicht überall liegen die Knollen im Schlamm so gleichmäßig und dicht, dass sich ein Ernteeinsatz lohnen würde. Und nicht an allen Stellen ist das Gelände für die ferngesteuerten Raupenfahrzeuge flach genug.

Ganz zu schweigen von den zu erwartenden Umweltschäden. Niemand weiß, wie ein schonender Abbau überhaupt funktionieren kann. Ob nun die Erntemaschinen als riesige Staubsauger über dem Meeresboden schweben, die alles in sich hineinschlürfen, was ihnen vor den Rachen kommt - oder ob bis zu achtzig Tonnen schwere Bagger den Meeresgrund durchwühlen: Der Lebensraum unzähliger Arten wäre zerstört. Feine Sedimentpartikel würden aufgewirbelt und weggetragen, zahllose Tiere zerdrückt oder erstickt. Was das für die Umwelt bedeutet, veranschaulicht der Kieler Ozeanforscher Sven Petersen mit einem Vergleich: „Beim Abbau von Manganknollen werden pro Jahr ein paar Tausend Quadratkilometer umgepflügt. Das hätte die gleichen Folgen wie beim Abholzen von Regenwald. Es ist nicht so, dass dort hinterher keine Tiere und Pflanzen mehr leben. Es siedeln sich nur gänzlich andere Arten wieder an. Und genauso ist es beim Tiefseebergbau auch.“

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