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Ökologische Geflügelwirtschaft

Ökologische Geflügelwirtschaft
vom 27.06.2014

Ökologische Geflügelwirtschaft

Das Geschäft mit Bio-Eiern boomt, obwohl regelmäßig Skandale die Branche erschüttern. Warum ist gerade die Bio-Geflügelwirtschaft so anfällig für Mogeleien?

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Im Masthähnchenstall von Carsten Bauck ist es geräumig und hell. Ein angenehmes Aroma liegt in der Luft - eine Mischung aus Stroh, frischen Kräutern und einer Spur Ammoniak. Zweitausendfünfhundert Küken wuseln zwischen den Futtertrögen herum. "Natürlich riecht es hier auch nach Tier, aber nicht sehr streng, weil der Stall gut belüftet ist und unser Geflügel nicht mit überschüssigem Eiweiß gefüttert wird", sagt Bauck. Wenn der 38-jährige Demeter-Landwirt über Hühnerhaltung spricht, geht es nicht um Legeleistung oder Fleischansatz. Stattdessen erzählt er vom ausgeprägten Sozialverhalten dieser "ganz besonderen Vogelwesen", von der Bedeutung einer stabilen Hackordnung in der Gruppe und vom "Dicke-Hose-Hahn", der für seine Hennen den Auslauf strukturiert. Man erfährt: Das Huhn ist ein Waldrandbewohner, das sich aus Angst vor Fuchs und Habicht nur ungern aus seiner Deckung wagt. Die Tiere haben das Grundbedürfnis, draußen zu picken und zu scharren. Aber sie nutzen das Freiland nur dann, wenn es dort genügend Unterschlupfmöglichkeiten gibt. Und je grüner der Auslauf, desto besser. Auf seinem Hof hat Bauck deshalb mobile Ställe, die auf Kufen stehen und von Zeit zu Zeit einfach ein Stückchen verzogen werden. So kann sich der Boden wieder erholen. Die Mobilställe bieten dem Federvieh auch die Möglichkeit, auf mehrere Ebenen auszuweichen. Jedes Huhn benötigt nämlich einen individuellen Sicherheitsabstand zu seinen Artgenossen. Ein rangniedriges Tier beansprucht nur wenig Platz, ein ranghohes dafür umso mehr. Ist das nicht gewährleistet, steigt das Risiko von Federpicken und blutigen Hackattacken. Bauck spricht von einer hierarchischen Stallstruktur: "Wenn jedes Huhn seine absolute Ruhe hat und weiß, wo es hingehört, haben wir null Kannibalismusprobleme".

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