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Nanotechnologie

Nanotechnologie
vom 30.10.2015

Nanotechnologie

Hat die Nanotechnologie die Erwartungen erfüllt? Hat sie Lösungen für globale Probleme geliefert oder neue Probleme geschaffen? Experten glauben: Die großen globalen Lösungen sind momentan nicht in Sicht. Aber in einigen Nischenanwendungen kann die Technologie handfeste Verbesserungen bringen. Eine Zwischenbilanz.

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Wenn man Walther Glaubitt auf Siliciumdioxid anspricht, gerät er ins Schwärmen. „Was man damit machen kann ist so toll, da bin ich selbst immer ganz begeistert“, sagt er dann, fast als wolle er sich für den Überschwang entschuldigen.

Der studierte Chemieingenieur und Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Silicatforschung (ISC) hat Grund zur Begeisterung. So entwickelte er unter anderem eine siliciumbasierte Nanobeschichtung für Solarmodule, die inzwischen weltweit standardmäßig auf alle Photovoltaikgläser aufgebracht wird. Drei bis sechs Prozent Ertragssteigerung bringt die Beschichtung, weil weniger Sonnenlicht durch Reflexion verloren geht.

Es sind Produkte wie diese, die Vertretern aus Politik und Wirtschaft vorschweben, wenn sie von der großen Zukunft der Nanotechnologie sprechen. So schrieb die damalige Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan, 2011 im Vorwort zum „Aktionsplan Nanotechnologie 2015“: Nanotechnologie könne „Lösungen für globale Probleme bieten“ und präge die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands „maßgeblich“.

Der Aktionsplan beschreibt die Förderaktivitäten von Bund, Ländern und Stiftungen, für Forschung und Entwicklung der Nanotechnologie bis zum Jahr 2015. Und gefördert wurde kräftig. Allein 2011 flossen insgesamt 630 Millionen Euro – bis 2015 blieb dieser Betrag in etwa gleich. Zum Vergleich: Für die Forschung an Erneuerbaren Energien standen 2011 nur 265 Millionen Euro zur Verfügung. Inzwischen ist Annette Schavan deutsche Botschafterin am Heiligen Stuhl in Rom und das Jahr 2015 bald zu Ende: Zeit für eine Zwischenbilanz.

Die Antireflexbeschichtung von Walther Glaubitt ist keine ganz neue Erfindung – sie ging bereits im Jahr 2000 in die Produktion, lange bevor Nanotechnologie in Mode kam. Aber das war nicht seine letzte Entwicklung. „Gerade haben wir in Saudi-Arabien Beschichtungen für Solarmodule getestet, die Staub abweisen“, erzählt er.

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